Theorie

Bild zeigt eine Skizze einer Theorie Charles Darwins aus dem Jahr 1837
Skizze einer Theorie Charles Darwins aus dem Jahr 1837

Eine Theorie ist im umgangssprachlichen Gebrauch eine durch spekulatives Denken oder eine durch Interpretation von Sachverhalten oder von Aussagen gewonnene Erkenntnis. Häufig bildet sie im Ergebnis ein geordnetes System von Grundsätzen bzw. Hypothesen, aus denen sich weitere Erkenntnisse ableiten lassen. Dies entspricht auch dem traditionellen Aristotelischen Verständnis von Theorie als einer dem Geist wesentlich zukommenden Tätigkeit des Anschauens einzelner Bereiche der Wirklichkeit um ihrer selbst willen, als Betrachtung ohne Zweckdienlichkeit. Oft meint Theorie auch das Ergebnis dieser Tätigkeit. Während jede Theorie zunächst als subjektive Theorie hervortritt, erlangen etablierte (objektive) Theorien das Stadium einer Lehre oder Doktrin.

In diesem umgangssprachlichen Gebrauch bildet der Begriff den Gegensatz zur Praxis. Die Frage, in welcher Abhängigkeit Theorie und Praxis zueinander stehen, bleibt davon unberührt und ist eigener Gegenstand philosophischer Reflexion.

Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist Theorie ein System begründeter Aussagen und Gesetze, das geeignet ist, eine große Zahl an sinnlich wahrnehmbaren Phänomenen nach (objektiv erkannten) Regelmäßigkeiten zu klassifizieren, im Idealfall diese Regelmäßigkeit auch zu erklären und Prognosen über zukünftige Ereignisse zu erstellen. Die Frage nach dem Geltungsbereich und der Bestätigung, Falsifikation oder Verifikation von Theorien und die Frage, wie eine wissenschaftliche Theorie allgemein beschaffen sein muss, um für derartige Klassifizierungen bzw. für derartige Erklärungsleistungen dienlich zu sein, werden in der Wissenschaftstheorie behandelt. Die Antworten dazu bieten vielfältigste Gestaltungen und Positionen.

Viele bekannte Beispiele für Theorien stammen aus den sogenannten exakten oder mathematischen Wissenschaften, etwa die Relativitätstheorie, die Wahrscheinlichkeitstheorie oder die Komplexitätstheorie. Mathematische Fachdisziplinen führen auch seit dem 19. Jahrhundert eigene Theoriedebatten, etwa beim Theoriengebäude der Physik oder über die Frage des mathematischen Konstruktivismus. Aus nichtmathematischen Gebieten kommen vielfach Theorien, die noch größere Beachtung gefunden haben: die Evolutionstheorie, die Psychoanalyse, Lerntheorien, oder Theorien der empirischen Sozialforschung.

Etymologie

Der Ausdruck taucht im 16. Jahrhundert im deutschen Sprachgebrauch auf und wird aus dem spätlateinischen Begriff theoria entlehnt, der wiederum auf den Terminus altgriechisch θεωρία (‘Anschauen’, ‘Betrachtung’, dann ‘Erkenntnis’) zurückgeht. Es wird eine Herleitung von altgriechisch θεωρός (Theorós) vermutet, was die Bezeichnung eines Abgesandten der Polis zur Teilnahme an Götterfesten und Orakeln war.

Das Wort Theorie (aus altgriechisch θεωρέειν theoréein, kontrahiert θεωρεῖν theoreîn, „beobachten, betrachten, [an]schauen“; ἡ θεωρία hē theoría „die Anschauung, Überlegung, Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung“, „die Betrachtung oder Wahrnehmung des Schönen als moralische Kategorie“) bezeichnete ursprünglich die Betrachtung der Wahrheit oder des Wesens einer Sache durch gedankliche Arbeit wie Kontemplation, Spekulation und Argumentation.

Disziplinbezogene Kennzeichnungen

Sozialwissenschaften

„Es besteht wenig Einigkeit darüber, was eine starke und was eine schwache Theorie in den Sozialwissenschaften ausmacht, aber es gibt einen größeren Konsens darüber, dass Literaturangaben, Daten, Variablen, Diagramme und Hypothesen keine Theorie sind. Trotz dieses Konsenses verwenden Autoren jedoch routinemäßig diese fünf Elemente anstelle von Theorie.“

– Sutton & Staw (1995)

Wissenschaftstheorie

Je nach wissenschaftstheoretischem Standpunkt wird der Begriff Theorie unterschiedlich erklärt. Grob gesagt, entwirft jede Theorie ein Bild (Modell) der Realität. In der Regel bezieht sie sich auf einen spezifischen Ausschnitt der Realität. Eine Theorie enthält im modernen Verständnis beschreibende (deskriptive) und erklärende (kausale) Aussagen über diesen Teil der Realität. Auf dieser Grundlage werden Vorhersagen getroffen. Viele wissenschaftstheoretische Grundbegriffe und weitergehende Fragen grundsätzlicher Art, die Theorien der Realität im Allgemeinen betreffen, werden in Teilbereichen der philosophischen Disziplinen Metaphysik und Erkenntnistheorie diskutiert.

„Es gibt, womöglich überraschenderweise, einen beträchtlichen Konsens darüber, was Theorie ist: Theorie ist schlicht eine Möglichkeit, der empirischen Komplexität der phänomenalen Welt eine konzeptionelle Ordnung aufzuerlegen.“

– Suddaby (2015)

Nach positivistischem Verständnis sind Theorien mit dem Anspruch verknüpft, sie durch Beobachtungen (z. B. mittels Experimenten oder anderer Beobachtungsmethoden) prüfen zu können (Empirie). Diese Beobachtung liefert dann direkt die Wahrheit oder Falschheit der Theorie, d. h., sie verifiziert oder falsifiziert die Theorie.

Nach der kritisch-rationalen Sicht sind Alltagstheorien und empirische wissenschaftliche Theorien erkenntnistheoretisch nicht voneinander zu unterscheiden und alle Theorien sind gleichermaßen spekulativ. Letztere kommen lediglich in der Regel der Wahrheit näher und Hypothesen sind weniger allgemeine Theorien. Handlungsempfehlungen lassen sich nicht aus Theorien ableiten, sondern nur damit kritisieren. Theorie und Praxis bilden aus dieser Sicht Gegensätze.

Logik

In der Logik bezeichnet Theorie im einfachsten Fall eine deduktiv abgeschlossene Formelmenge. Gängig ist auch folgende streng formale, mathematisch-logische Definition des Theoriebegriffs: Eine Menge T von Aussagen in einer Sprache heißt genau dann Theorie, wenn T erfüllbar ist und wenn jeder Satz, der aus T folgt, bereits zu T gehört. Einfacher ausgedrückt: Sie muss überhaupt wahr sein können und zudem in sich abgeschlossen und widerspruchsfrei sein.

Verschiedene Probleme haben dazu geführt, dass in den letzten Jahrzehnten kompliziertere Begriffe von Theorien und des Aussagewerts von Beobachtungen entwickelt wurden. Diese Diskussionen betreffen besonders die Präzisierung eines Begriffs der Bestätigung und hängen eng zusammen mit Problemen der Induktion, Kausalität und Wahrscheinlichkeit.

Typen von Theorien

Jörgen Sandberg und Mats Alvesson schlagen zum Verständnis von „Theorie“ eine Typologie von fünf verschiedenen Theorietypen vor, um den Anforderungen von Sozialwissenschaften gerecht zu werden, die typischerweise über das in den Naturwissenschaften herrschende Verständnis von Theorie als erklärende Theorie hinausgehen:

  1. Die erklärende Theorie ist die gängigste Form von Theorie und zielt auf das Verständnis innerer Zusammenhänge von Phänomenen durch kausale Erklärungen ab. Hierbei werden Phänomene in Form von Variablen und deren kausalen Beziehungen beschrieben, um zu erklären, wie und warum bestimmte Phänomene auftreten. Diese Theorieform ist die am weitesten verbreitete und entwickelste, insbesondere im positivistischen Ansatz. Ein zentrales Ziel erklärender Theorien ist die möglichst genaue Widerspiegelung der objektiven Realität und die Überprüfbarkeit durch empirische Tests.
  2. Im Gegensatz dazu fokussiert die verstehende Theorie auf die Erfassung der Bedeutung eines Phänomens. Sie zielt darauf ab, Phänomene nicht nur auf ihre kausalen Beziehungen zu reduzieren, sondern sie im Kontext der von Menschen erlebten und zugewiesenen Bedeutungen zu verstehen. Verstehende Theorien sind häufig in hermeneutischen oder phänomenologischen Traditionen verwurzelt und betonen, dass das Verständnis von Bedeutung eine zentrale Rolle spielt. Hierbei geht es darum, wie Menschen ihre subjektive Realität und sich selbst verstehen, wobei oft nicht unmittelbar offensichtliche Aspekte aufgedeckt werden.
  3. Die ordnende Theorie hat nicht das Ziel der Erklärung oder des Verständnisses von Phänomenen, sondern sie zu kategorisieren und zu strukturieren. Diese Theorien helfen bei der Sortierung komplexer Phänomene in theoretisch nützliche Kategorien, was den Forschern ermöglicht, Phänomene in systematische Typologien oder Taxonomien zu gliedern. Derartige Theorien ermöglichen die Mustererkennung und Durchführung vergleichender Analysen, ohne notwendigerweise empirische Realität exakt abzubilden.
  4. Die erzeugende Theorie hingegen konzentriert sich auf die kontinuierlich Entstehung und Reproduktion von Phänomenen. Diese Theorien betrachten Phänomene nicht als statische, vorgegebene Einheiten, sondern als etwas, das durch fortwährende soziale Praktiken und Interaktionen geschaffen und aufrechterhalten wird. Sie untersuchen, wie organisatorische Phänomene wie Führung oder Innovation über die Zeit hinweg dynamisch konstruiert werden.
  5. Schließlich zielt die provokative Theorie darauf ab, etablierte Denkweisen zu hinterfragen und alternative Sichtweisen auf Phänomene zu eröffnen. Diese Theorien wollen nicht nur erklären oder verstehen, sondern grundlegende Annahmen herausfordern und aufzeigen, dass Phänomene auch anders gedacht werden können, als sie traditionell dargestellt werden. Provokative Theorien setzen dabei auf kreative Umdeutungen, die oft unerwartet und gegen den etablierten Konsens gerichtet sind.

Aspekte des Theoriebegriffs

Die methodische Art und Weise, wie Theorien zustande kommen, wie also der Zuwachs an Wissen stattfindet, ist umstritten. In der Fortentwicklung von Theorien wird gelegentlich zwischen Induktion, Deduktion und Abduktion unterschieden:

Bei der Theorienbildung durch Induktion geht man davon aus, dass der Wissenschaftler im empirischen Prozess Datenmaterial erarbeitet, in dem schließlich innere Strukturen und Gesetzmäßigkeiten sichtbar werden. Weitere positiv verlaufende Experimente sollen die Theorie bestätigen und sind die Bausteine einer Verifikation (Überprüfung), die letztlich in naturgesetzlicher Sicherheit (Widerspruchsfreiheit) münden soll.

Bei der Theorienbildung durch Deduktion geht man davon aus, dass der Wissenschaftler durch kreative Akte sinnvolle Hypothesen erzeugt, deren Übereinstimmung mit dem Datenmaterial er anschließend überprüft. Weitere Experimente müssen mit dem ernsthaften Ziel der Falsifikation (Widerlegung) unternommen werden. Nur in dem Ausmaß wie sich Theorien bewähren (der Falsifikation entziehen), kann relative Sicherheit gewonnen werden.

Die Abduktion schließt von einem vorliegenden Resultat und einer möglichen oder spontan gebildeten Regel auf einen Fall. Um ein überraschendes Phänomen erklärbar zu machen, wird eine Regel hypothetisch eingeführt, damit das Resultat als sinnvoller Fall dieser Regel betrachtet werden kann. Abduktiv gewonnene Erkenntnisse können richtig sein, müssen es aber nicht.

In der Praxis der Wissenschaft mischen sich induktive und deduktive Elemente ohne Probleme, so dass diese Frage mehr eine wissenschaftstheoretische und weltanschauliche Bedeutung besitzt.

Bietet die Wissenschaft mit ihren Theorien einen Weg zu absoluter Wahrheit oder zu einer schrittweise stattfindenden Annäherung an die Wahrheit (der man sich jedoch nie ganz gewiss sein kann) oder ist Wahrheit nicht Teil der Wissenschaften oder gibt es keine Wahrheit an sich? Die zweite, auf Karl Popper zurückgehende Position wird derzeit von der Mehrheit der Naturwissenschaftler bevorzugt, die erste gilt – aufgrund prinzipieller Erkenntnisse über Beobachtbarkeit – als überholt.

In der Umgangssprache wird der Begriff meist im Sinne von „nur eine Theorie“ verstanden und bezieht sich dann lediglich auf besonders unsichere Erkenntnisse. Dies hat nicht viel mit der wissenschaftlichen Definition von Theorie zu tun und führt häufig zu Missverständnissen. Beispielsweise bedeutet der Begriff „Relativitätstheorie“ nicht, dass die Erkenntnisse nicht gesichert seien. Selbstverständlich ist sie prinzipiell falsifizierbar, könnte also nicht zutreffen, aber das Teilwort -theorie kennzeichnet sie einzig als „in sich schlüssig“ und bis dato „nicht falsifiziert“ und grenzt sie von der Newton’schen Theorie – der klassischen Mechanik – ab.

Kriterien

Minimalforderungen an theoretische Modelle sind im Allgemeinen, dass sie den Vorschriften der Logik und Grammatik entsprechen, widerspruchsfrei (intern konsistent) sowie überprüfbar sind. Voraussetzung dafür ist, dass die verwendeten Begriffe

  1. explizit sind, das heißt, es muss Einigkeit bestehen über ihre Bedeutung, und
  2. empirisch verankert sind, d. h., sie müssen über Operationalisierungen mit Phänomenen verknüpft sein. Ob eine Theorie aber auf die Welt „passt“, muss sich empirisch erweisen. Intern richtige und auch empirisch bestätigbare Theorien sollten darüber hinaus praktischen Nutzen haben (Praktikabilität) und nicht unnötig kompliziert sein (Ockhams Rasiermesser).

Eine gute Theorie soll weiterhin

Weitere wichtige Forderungen an Theorien sind zum Beispiel die Möglichkeit, Axiome für eine Theorie anzugeben, sowie die „Ausdruckskraft“ einer Theorie: Ist es möglich, die Theorie durch endlich/abzählbar viele Axiome zu beschreiben, so heißt sie endlich/abzählbar axiomatisierbar. Eine Theorie heißt (negations-)vollständig genau dann, wenn jeder Satz ihrer zugrundeliegenden Sprache oder seine Negation Elemente der Theorie sind.

Donald Davidson formuliert es knapp: Eine vernünftige Forderung, die man an eine wissenschaftliche Theorie stellen kann, ist die, dass es möglich sein sollte, eine Struktur dermaßen zu definieren, dass es möglich ist, Exemplifizierungen dieser Struktur empirisch zu ermitteln. Dazu sind Gesetze und Verallgemeinerungen nötig, die prognostizieren, was bei gegebenem beobachteten Input beobachtet werden wird.

Bestandteile

Wissenschaftstheoretisch ist es weitgehend üblich, folgende mögliche Elemente von Theorien zu unterscheiden:

In der wissenschaftlichen Praxis enthalten Theorien diese Elemente in höchst unterschiedlichem Ausmaß; dies hängt u. a. vom Erkenntnisinteresse der jeweilig wissenschaftlich Tätigen ab.

Beispiele

Eine Theorie kann auch ein rein algorithmisches Verfahren sein, wie zum Beispiel die Planetentheorie zur Berechnung der Positionen von Himmelskörpern.

Theorie und Forschungsfrage

Ohne Theorie gibt es keine Methoden und Messinstrumente, also existieren Methoden und Messinstrumente nur aufgrund theoretischer Vorannahmen, also nicht unabhängig von ihnen. Eine Fragestellung wiederum steht am Beginn des Prozesses, eine Theorie auszuwählen, auf deren Basis diejenigen Faktoren herausgefiltert werden, die beim Sammeln von Daten entscheidend sein sollen. Die Wahl der Theorie, die zugrunde gelegt wird, und die Fragestellung am Beginn eines Forschungsprozesses hängen also eng zusammen. Von der theoretischen Perspektive, die eingenommen wird, ebenso wie von der forschenden Person hängt die Wahl des Themas ab, das konkrete Erkenntnisinteresse, für welche Methode man sich entscheidet und die Ergebnisse der Studie, so eine Einschätzung aus den Kommunikationswissenschaften.

Siehe auch

Literatur

Wissenschaftstheorie

Geschichte

Wikiquote: Theorie – Zitate
Wiktionary: Theorie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Hierbei darf der Interpretationsbegriff ganz allgemein verstanden werden, wie etwa nach Axel Bühler, abgedruckt in A. Mautz, C. Tietz (Hrsg.): Verstehen und Interpretieren - Zum Basisvokabular von Hermeneutik und Interpretationstheorie. (Schöningh-Brill) Paderborn 2020, S. 4:«Verstehen ist […] eine der geistigen Leistungen, die für symbolverwendende Wesen innerhalb einer sprachlichen Gemeinschaft charakteristisch sind. Auslegen und Interpretieren sind Tätigkeiten, die ins Spiel kommen, wenn es nicht gelingt, sprachliche Äußerungen (oder auch andere Zeichen […]) auf Anhieb, mehr oder weniger automatisch zu verstehen.».
  2. ↑ Siehe R. Eisler (1904), hier unter Weblinks.
  3. ↑ Siehe dazu G. König, H. Pulte (1998), hier in der Literatur, S. 1128 f. (Abschnitt I Antike bis 19. Jh. – A).
  4. ↑ Das ist eine mehrheitlich wissenschaftsgeschichtliche Betrachtung von Theorien. So findet man beispielsweise in Anneliese Maiers Untersuchung der Impetustheorie (in: Die Impetustheorie der Scholastik, Rom 1940) folgende Formulierung (Seite 172): „So haben sich im 17. Jahrhundert die Fronten genau so klar geschieden wie im 14.: während damals die Impetustheorie als die neue Lehre der genuinen aristotelischen Auffassung entgegentrat, ist sie jetzt selbst zur offiziellen Doktrin der Schule und damit zur Repräsentantin des Aristotelismus geworden, die von einer neuen Lehre – der Mechanik des Trägheitsprinzips – bekämpft und allmählich überwunden wird.“
  5. ↑ Nach Aristoteles (Die Nikomachischen Ethik, Buch X, Kap. 7, 1177 b 33) ist etwa ein Leben in reiner Theorie unmöglich, aber erstrebenswert. Vgl. G. König, H. Pulte (1998), hier in der Literatur, S. 1128 (42.914).
  6. ↑ Immanuel Kant begreift Theorie im gewöhnlichen Sinne operational, als Abstraktion von Handlungsvorschriften, hin zu deren Prinzipien und Maximen. Er sieht also einen notwendigen Rückbezug zum Gegenstand der „Erfahrung“, von dem die Praxis ausgeht, wenn nach der „Tauglichkeit“ von Theorie gefragt wird. Siehe dazu Kant, Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis. Band 9 (Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik), Teil 1 in Immanuel Kant: Werke in zehn Bänden, hrsg. W. Weischedel. Darmstadt 51983 (auch hier unter Literatur angegeben). Darin auf Seite 127: „Man nennt einen Inbegriff selbst von praktischen Regeln alsdann Theorie, wenn diese Regeln, als Prinzipien, in einer gewissen Allgemeinheit gedacht werden, und dabei von einer Menge Bedingungen abstrahiert wird, die doch auf ihre Ausübung notwendig Einfluß haben. Umgekehrt, heißt nicht jede Hantierung, sondern nur diejenige Bewirkung eines Zwecks Praxis, welche als Befolgung gewisser im allgemeinen vorgestellten Prinzipien des Verfahrens gedacht wird.“ Nach Kant könne die Tauglichkeit bei idealen Gegenständen der Mathematik und Philosophie auch misslingen (vgl. ebd., S. 129). Die erkenntnistheoretischen Bedingungen dafür, dass eine sinnvolle Bestimmung des Gegenstandes und eine objektive Theorie möglich wird, untersuchte Kant in seiner Kritik der reinen Vernunft.
  7. ↑ in gleicher Weise betonte Émile Durkheim (abgedruckt in R. König (Hrsg.): Soziologie, Fischer, Frankfurt am Main 1958, Seite 10): „Wir sind der Meinung, dass unsere Forschungen nicht eine Stunde Arbeit wert wären, wenn sie nur ein spekulatives Interesse haben sollten. Wenn wir die theoretischen Probleme sorgsam von den praktischen trennen, so nicht, um die letzteren zu vernachlässigen, sondern umgekehrt, um uns in die Lage zu versetzen, sie besser zu lösen“.
  8. ↑ So die instrumentelle Verwendung wissenschaftlicher Theorien nach etwa Pierre Duhem, Ziel und Struktur der physikalischen Theorien. Hrsg. v. Lothar Schäfer, mit einer Einleitung versehen (Duhems Bedeutung für die Entwicklung der Wissenschaftstheorie). Nach der Übersetzung von F. Adler aus dem Jahr 1908. Meiner, Hamburg 1998, ISBN 978-3-7873-1457-7.
  9. ↑ Siehe die Formulierung in A. F. Chalmers, Wege der Wissenschaft. Zweite deutsche Auflage, übersetzt und herausgegeben von N. Bergemann. (Springer) Berlin, Heidelberg, New York 1989: S. 11 (Der naive Induktivismus).
  10. ↑ Siehe etwa P. Suppes (2002), Representation and Invariance, hier in der Literatur: Kap 1.2 (What is a Scientific Theory?), ab Seite 2.
  11. ↑ Vgl. auch M. Carrier, Wege der Wissenschaftsphilosophie im 20. Jahrhundert, Kap. 1.4 (Entwicklungslinien der Wissenschaftsphilosophie), ab Seite 20, in: A. Hüttemann, M. Stöckler (Hrsg.): Wissenschaftstheorie. (mentis) Paderborn 2007.
  12. ↑ G. König, H. Pulte: Theorie in Historisches Wörterbuch der Philosophie, hier in der Literatur: S. 42912 (vgl. HWPh Bd. 10, S. 1128).
  13. ↑ Sutton, R. I., & Staw, B. M. (1995). What theory is not. Administrative Science Quarterly, 40(3), 371-384. https://doi.org/10.2307/2393788
  14. ↑ Suddaby, R. (2015). Editor’s comments: Why theory? Academy of Management Review, 40(1), 1-5. https://doi.org/10.5465/amr.2014.0252
  15. ↑ Siehe Donald Monk, Mathematical Logic. (Springer) New York, Heidelberg, Berlin 1976. Online verfügbar: euclid.colorado.edu Darin S. 208 von Kap. 10: Syntactics of First-Order Languages.
  16. 1 2 3 4 5 6 Sandberg, J., & Alvesson, M. (2021). Meanings of theory: Clarifying theory through typification. Journal of Management Studies, 58(2), 487–516.
  17. ↑ J. Asendorpf: Psychologie der Persönlichkeit. 4. Auflage. Springer-Verlag, 2007.
  18. ↑ H. Wottawa: Psychologische Methodenlehre. Juventa, 1993.
  19. ↑ Donald Davidson: Bedingungen für Gedanken. In: ders: Probleme der Rationalität. Suhrkamp, 2006, S. 250.
  20. ↑ Michael Meyen, Maria Löblich, Senta Pfaff-Rüdiger, Claudia Riesmeyer: Wie man das „richtige“ Lager findet und Qualität sichert: Dimensionen und Gütekriterien qualitativer Forschung. In: dies.: Qualitative Forschung in der Kommunikationswissenschaft. Eine praxisorientierte Einführung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17380-1, S. 29–52, hier S. 33 und 35.