Thomas Cromwell, 1. Earl of Essex

Thomas Cromwell, 1. Earl of Essex, von Hans Holbein

Thomas Cromwell, 1. Earl of Essex (* um 1485 in Putney, London; † 28. Juli 1540 in London) war ein englischer Staatsmann, der unter König Heinrich VIII. aus einfachen Anfängen zum Lordsiegelbewahrer aufstieg und die Politik des Landes über ein Jahrzehnt maßgeblich mitbestimmte. Er gilt als Architekt der englischen Reformation und als Schöpfer des britischen Verfassungsgrundsatzes, wonach der King-in-Parliament Träger der staatlichen Souveränität ist.

Cromwell modernisierte die Verwaltung des Landes, betrieb die Auflösung der englischen Klöster und ihre Enteignung zugunsten der Krone und stärkte die Autorität des Königs, insbesondere im Norden Englands. Auch in Irland begann zu seiner Zeit die Kirchenreform, und er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Wales durch entsprechende Gesetze endgültig an England angegliedert wurde. Zu seinen bedeutenden wirtschaftlichen Reformen in den 1530er Jahren gehörte die Förderung von Produktion und Export englischer Wollstoffe. 1533 brachte er den Buggery Act ins Parlament ein, der Homosexualität, Analverkehr und Sodomie mit der Todesstrafe bedrohte und bis 1828 in Kraft blieb. 1540 fiel er beim König in Ungnade, auch wegen des Scheiterns der von ihm vermittelten Ehe zwischen Heinrich VIII und Anna von Kleve. Er wurde des Hochverrats und der Ketzerei beschuldigt und hingerichtet.

Familie und Herkunft (1485–1500)

Thomas Cromwell war mutmaßlich der einzige Sohn des möglicherweise aus Irland stammenden Brauers und Freibauern Walter Cromwell. Dieser bewirtschaftete Ländereien um Putney und später in Wandsworth und Rochampton. Außerdem betrieb er eine Taverne nahe der Themse. Ob Walter Cromwell gleichfalls als Hufschmied arbeitete, ist nicht gesichert, denn der Zusatz Smith (deutsch: „Schmied“) hinter dem Familiennamen war zu dieser Zeit in England weit verbreitet. In der damaligen Ständeordnung zählte Walter Cromwell zur Klasse der Yeomen. Thomas Cromwell hatte zwei Schwestern, Katherine und Elizabeth. Die Heirat seiner Eltern hatte 1474 stattgefunden. Die Frage der Vaterschaft ist jedoch ungeklärt. In seiner Biographie stellt Schofield heraus, dass über Cromwells frühes Leben lediglich vier Quellen existieren, die sich in wichtigen Punkten komplementär ergänzen, in der Frage des Vaters und dessen Berufs jedoch uneinig sind. Schofield schließt daraus, dass Thomas und Walter Cromwell wohl verwandt waren, Walter Cromwell jedoch wohl nicht der Vater von Thomas war.

Über Cromwells Mutter ist so wenig bekannt, dass nicht einmal ihr Vor- und Geburtsname gesichert ist. Ihr Vorname lautete wahrscheinlich Katherine, während ihr Familienname in der erhaltenen Korrespondenz von Cromwell so gut wie nicht auftaucht. Dies ist erstaunlich, weil Cromwells Mutter der Gentry, also dem niederen Adel entstammte. Aus einem Bittbrief an einen von Cromwells Angestellten aus dem Jahr 1535 geht hervor, dass Katherine Angehörige der in Staffordshire ansässigen Adelsfamilie der Meverells of Throwley war. Als Cromwell später zu Wohlstand und Einfluss gelangte, stand er auf freundschaftlichem Fuße mit Francis Meverell, dem Oberhaupt dieser Adelssippe, und förderte dessen enge Verwandte, darunter Mitglieder der Babingtons of Dethick. So nahm er in den 1530er Jahren John Babington in seine Dienste auf. Cromwell selbst erwähnte gegenüber dem kaiserlichen Botschafter Chapuys, seine Mutter sei bereits 52 Jahre alt zum Zeitpunkt seiner Geburt gewesen.

In Kontinentaleuropa (1500–1510er Jahre)

Insgesamt gibt es zu Cromwells frühen Lebensjahren so gut wie keine schriftliche Nachweise; in amtlichen Dokumenten bis 1520 tritt er fast nicht in Erscheinung. Um 1500 verließ Cromwell England, vermutlich weniger wegen eines Streits mit seinem Vater, wie traditionell oft berichtet, sondern um sein Glück in Kontinentaleuropa zu suchen. Eustace Chapuys, kaiserlicher Gesandter am Hofe Heinrich VIII., berichtete in einer Kurzbiographie über Cromwell in den 1530er Jahren, dass dieser zuerst in der Burgundischen Niederlande landete und dann nach einer Gefängnisstrafe nach Italien weiterzog. Über seine Zeit dort verfasste der zeitgenössische Dichter Matteo Bandello eine Novelle, die die einzige Quelle zu dieser Phase in Cromwells Leben ist. Demnach kämpfte Cromwell in der Schlacht am Garigliano auf französischer Seite im Heer Ludwig XII. und fand sich nach der Niederlage verelendet in den Straßen von Florenz wieder, wo sich ein Angehöriger der wohlhabenden und einflussreichen Frescobaldi-Familie seiner annahm. Die Frescobaldis hatten über England unter Missachtung eines päpstlichen Monopols Nordeuropa mit Alaun beliefert, nicht zuletzt zum profitablen Vorteil Heinrich VII. Tatsächlich arbeitete Cromwell später mit Francesco Frescobaldi zusammen und nahm ihn 1533 in seine Dienste auf, als dieser in finanziellen Schwierigkeiten steckte.

Der Biograph Diarmaid MacCulloch geht davon aus, dass Cromwell in den Jahren nach 1503 für die Frescobaldis in den Burgundischen Niederlande im damals besonders bedeutsamen Wollhandel tätig war. In der zeitgenössischen Hagiographie von John Foxe wird ein Aufenthalt Cromwells in Antwerpen angedeutet und von diesem selbst später in einer Aussage vor einem Court of Chancery für die Jahre 1513–14 bestätigt. Aus dem erhaltenen Schriftverkehr Cromwells, der fast nur aus Posteingang besteht, ergeben sich Aufenthalte in Southampton 1509/10, wo die Frescobaldis eine Exportlizenz für Wolle hatten, und 1512 in Middelburg. Gesichert ist, dass Cromwell in dieser Zeit fließend italienisch und französisch sprechen lernte. Insbesondere sein Italienisch zeichnete ihn aus und nutzte ihm geschäftlich; so verband ihn eine Freundschaft mit dem Italienliebhaber und Übersetzer Henry Lord Morley.

Familiengründung und Adoptionen (ab 1510er Jahre)

Über Cromwells Ehe ist wenig bekannt; sie wurde in den 1510er Jahren geschlossen. Der früheste Nachweis stammt aus dem Brief seines Kontaktmanns bei der Boston-Gilde, der Grüße an Cromwells Frau Elizabeth ausrichtete. Ihr Geburtsname lautete entweder Wykes oder Prior und sie entstammte ähnlichen sozialen Verhältnissen wie ihr Mann. Es gibt Hinweise, dass ihre Herkunft in Thorpe, einer Ortschaft im Borough of Runnymede nahe Putney liegt. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, der 1519 oder 1520 geborene Gregory und die wahrscheinlich später zur Welt gekommenen Anne und Grace. Anfang 1529 starb Elizabeth und wenige Monate später folgten ihr die beiden Töchter. Der englische Lordprotektor Oliver Cromwell war als Nachkomme von Cromwells Schwester Katherine in fünfter Generation sein Ururgroßneffe.

Cromwells Wappen ab 1532

Im Schicksalsjahr 1529 übernahm Cromwell außerdem die Vormundschaft über die drei Söhne seiner Schwester Katherine, nachdem sein Schwager William Morgan gestorben war. Mit Richard und Walter nahmen zwei von diesen Cromwell als Familiennamen an. Im gleichen Jahr war Cromwell zu soviel Wohlstand und Prestige gelangt, dass er sich daran machte ein Familienwappen zu erwerben. Dabei orientierte er sich nicht, wie es eigentlich naheliegend gewesen wäre, am Wappen der erloschenen Barone Cromwell aus Lincolnshire, sondern an dem seines Schwagers Morgan, der der walisischen Gentry angehörte. Daraus entstammen die drei goldenen Löwen, die das Wappen dominieren. Auch sein erstes bedeutendes 1532 von der Krone erhaltenes Lehen lag mit der Lordschaft Romney oder Rhymney in Newport, Wales. Im Jahr 1532/33 fügte er dem Wappen Elemente aus dem Kardinal Wolseys bei.

Anwalt und Geschäftsmann (1510er Jahre – 1523)

Ein Rechtsstreit im Januar 1516 platziert Cromwell in London, wo er sich an die Sheriffs der Stadt wandte, um einer Schuldhaft zu entgehen. Weil er in dem Dokument als gentleman und nicht als Händler bezeichnet wird, ist laut MacCulloch zu vermuten, dass er bis dahin eine gewissen Ausbildungsstand im Common Law und dessen Praxis erreicht hatte. Die frühesten Hinweise in seinen erhaltenen Papieren auf eigene Geschäftsaktivitäten gehen auf das Jahr 1519 zurück. Schwerpunkte seiner Tätigkeit als Anwalt betrafen Grundstücksübertragungen, Kapital- sowie Kreditrecht. Fälle dieser Art wurden vor dem Court of Chancery oder dem Kronrat verhandelt, wenn dieser Gerichtsfunktionen einnahm. Neben anwaltlichen und beratenden Tätigkeiten finden sich in den Papieren Cromwells Geschäftsaktivitäten als Kreditgeber und immer wieder Verbindungen nach Italien, die weit über Florenz hinausgingen. Insgesamt profitierte er bei seinen Unternehmungen vom regen Handel in der City of London, nicht zuletzt auch deshalb, weil beim Außenhandel mit London Italien zu dieser Zeit eine dominierende Position einnahm. So lag Cromwells erster bekannter Wohnort in London im Gebiet der Pfarrei St Gabriel Fenchurch, wo die Kaufleute aus Genua ihren Sitz hatten.

Anfang 1517 kam es im Königreich England zu einem Konflikt zwischen den Augustinerorden und den Gilden um die Kontrolle über den Ablasshandel. Nachdem die größte und einflussreichste Gilde, nämlich die Gild of our Lady aus Boston, Lincolnshire, mit ihrer Bitte, die Privilegien der Augustiner zu beschneiden, bei Kardinal Thomas Wolsey abgeblitzt war, engagierte sie Cromwell als Interessenvertreter. In dieser Funktion begleitete er 1518/19 den Sekretär der Gild of our Lady zum Heiligen Stuhl in den Vatikan. Cromwell blieb mehr als ein halbes Jahr in Rom und erreichte mit Sekretär Chambers von Papst Leo X. eine Bestätigung der Rechte der Gilde am englischen Ablasshandel, wodurch diese in den folgenden Jahren enorme Einnahmen generierte. Etwa zu dieser Zeit las er die gerade erst erschienene Übersetzung des Neuen und Alten Testaments durch Erasmus von Rotterdam und berichtete später, dass ihn die Lektüre zum kritischen Nachdenken über den Ablasshandel gebracht habe. Dennoch setzten sich seine geschäftlichen Beziehungen zur Boston-Gilde in den nächsten Jahren fort.

Cromwells Haus bei den Austin Friars auf einer Kupferplatte (1550)

Diese Auszeichnung war Anfang der 1520er Jahre für Cromwell noch etliche Schritte entfernt; sein Status als Gentleman war vergleichsweise gering. Gesichert hingegen war sein geschäftlicher Erfolg und steigender Wohlstand. Dies untermauert die Tatsache, dass Cromwell 1523 ein Haus im Augustinerkloster Londons auf dem heutigen Areal des Bahnhof London Liverpool Street erwarb und Schritt für Schritt durch Zukäufe palastartig vergrößerte und Mitbewohner aufnahm. Austin Friars war für die Italiener in London zu dieser Zeit erste Anlaufstelle und einige von ihnen lebten auf dem Klostergelände wie Cromwell. So konnte er sein italienisches Netzwerk weiter ausbauen. So schloss er mit Antonio Buonvisi Freundschaft, dessen Familie aus Händlern und Bankern in ganz Europa Geldgeschäfte betrieb und der als Kopf der Italiener in London galt. Ein weiterer Nachbar war Gregorio Casali, der später Gesandter von Heinrich VIII. im Vatikan wurde.

Das italienische Kulturleben in Austin Friars lockte regelmäßig Besucher vom Hof an, so dass Cromwell auch in diese Richtung Kontakte aufbauen konnte. Dazu gehörte unter anderem Sir Henry Guildford, ein hoher aus Kent stammender Höfling, der Cromwell mit dem Poeten Thomas Wyatt bekannt machte. Cromwell unterstützte diesen in seiner Karriere und während der turbulenten 1530er Jahre; Wyatt hielt Cromwell bis zum Ende die Treu und stand ihm während der Hinrichtung bei.

Im Dienst des Marquess Dorset und Abgeordneter im Parliament (1523 – 1524)

Im Jahr 1523 trat Cromwell möglicherweise durch Vermittlung Morgans in den Dienst von Thomas Grey, 2. Marquess of Dorset, dem zu dieser Zeit einzigen Peer im Titel eines Marquess. Dabei nahm er weniger die Funktion eines Rechtsberaters ein, sondern gehörte zur Hofhaltung Dorsets und kümmerte sich um die Korrespondenz seines Dienstgebers und von dessen Familie. Diese Beschäftigung dauerte nur ein Jahr, aber danach blieben persönliche Verbindungen zwischen Cromwell und den Dorsets bestehen. Nach dem Tod Dorsets 1530 unterstützte Cromwell die Witwe und ihre Kinder bei ihren Angelegenheiten, so den jungen Marquess Henry Grey bei rechtlichen Problemen in den 1530er Jahren. Darüber hinaus fand er über diese hochadelige Familie Zugang zur Gentry Kents.

Gleichfalls 1523 wurde Cromwell Abgeordneter im Parliament, wobei nicht dokumentiert ist, welches Shire er dort repräsentierte. Möglicherweise unterstützte ihn der Marquess, damit er sich im House of Commons für eine Steuerbefreiung der Zisterzensierabtei Holm Cultram einsetzte, in deren Gegend Dorset Besitz hatte. Dafür kommen die jeweils in der Grafschaft Cumbria liegenden Wahlkreise Carlisle oder Appleby-in-Westmorland infrage, deren Abgeordnete im 1523er Parlament nicht bekannt sind. Ein alternativer und sich wegen des persönlichen Werdegangs anbietender Wahlkreis könnte laut MacCulloch Southampton gewesen sein. Cromwells ältester erhaltener Brief datiert auf Mitte August 1523 und reflektiert die Erlebnisse während des Parlaments, das kurz zuvor wieder aufgelöst worden war.

Die Tradition stellt heraus, dass Cromwell während der 17-wöchigen Sitzungsphase eine Rede gegen Invasionspläne von Heinrich VIII. gegen das Königreich Frankreich gehalten habe. Laut MacCulloch ist dieser Akzent überbetont, denn in der frühen Tudor-Ära sei Opposition gegen den König eher die Regel als die Ausnahme gewesen. Insgesamt erlernte Cromwell in diesem ersten Parlament schnell Mittel und Wege, um eine Sache legislativ voranzubringen.

Im Dienste Wolseys (1524–1530)

Kardinal Wolsey (anonymer Maler, zwischen 1585 und 1596)

Spätestens Anfang 1524 trat Cromwell wahrscheinlich durch Vermittlung einer seiner mittlerweile zahlreichen Beziehungen mit Einfluss in die Dienste von Kardinal Wolsey. John Schofield sieht Cromwell möglicherweise bereits ab 1514, eher jedoch 1516 als Teil von Wolseys Haushalt. Dieser suchte in ihm weniger einen Rechtsberater als einen Organisator: Wolsey strebte den Bau eines pompösen Grabmals für sich und die Errichtung zweier Cardinal Colleges zu seinem Andenken in Ipswich und Oxford an. Unter anderem dazu begann Cromwell kurz nach Diensteintritt mit einer ausgeprägten Reisetätigkeit innerhalb des Königreichs, um kleinere Klöster und kirchliche Institutionen aufzulösen. Als Päpstlicher Legat war Wolsey dazu berechtigt und er betrat damit kein Neuland. Bereits während des Hundertjährigen Kriegs hatte die Krone Klöster in Frankreich konfisziert; King’s College und Eton College gehen auf eine derartige Umwidmung von Kirchenstiftungen unter Heinrich VI. zurück. Diese Form der Tätigkeit blieb Cromwells Hauptbeschäftigung unter Wolsey bis zu dessen Sturz 1529.

Obwohl Cromwells erhaltene Dokumente viel Zeugnis geben von den Klosterauflösungen, war die Organisation des Grabmals für Wolsey von besonderer Bedeutung. Dazu engagierte Cromwell den Bildhauer Benedetto da Rovezzano, wobei er die Finanzierung über Buonvisi und andere befreundete Bankiers aus Italien sicherstellte. Laut MacCulloch legt dies nahe, dass Wolsey Cromwell insbesondere wegen dessen Beziehungen nach Italien in seine Dienste aufgenommen hatte.

Im Jahr 1525 verschaffte Wolsey ihm sein erstes Amt, indem er Cromwell zum Stadtschreiber von Salisbury ernannte. Vermutlich ging es dem Kardinal darum, die Diözese nach dem Tod des störrischen Bischofs Edmund Audley zu kontrollieren, weil der Amtsnachfolger Lorenzo Campeggi ständig abwesend war und ihm die Verwaltung Salisburys überlassen hatte. Cromwell selbst begab sich nur selten nach Salisbury, sondern delegierte die Tätigkei an einen Stellvertreter vor Ort. Im Jahr 1527 nahm Wolsey Cromwell in seinen persönlichen Beraterstab auf, was dieser dazu nutzte, seine Zuständigkeiten zu erweitern. Hier arbeitete Cromwell einerseits mit Stephan Gardiner zusammen, der später sein geschworener Gegner wurde, und andererseits mit seinem später größten Unterstützer Rowland Lee, ab 1535 Bischof von Lichfield.

Im Jahr 1528 übernahm Cromwell zwei besondere Aufträge Wolseys. Zum einen vertrat er den Kardinal als Vormund für den sechsjährigen Peter Compton, dessen extrem wohlhabender Vater Sir William Compton im Juni gestorben war. Zum anderen führte er in der Diözese Durham Finanzgeschäfte durch, die der Vorbereitung von Wolseys Wechsel des Bischofssitzes in die Diözese Winchester dienten. Die Angelegenheit hatte eine heikle Seite, denn kurz bevor Wolsey den Bischofsstuhl in Durham abgab, übertrug er seinem illegitimen Sohn Sir Thomas Winter bischöfliche Bergwerksrechte in einem von Cromwell verfassten Mietvertrag. Dieses Dokument ist eines der ersten, dass Cromwells Sorge um Winters Wohl geht, die er auch nach Wolseys Tod bis zum Ende forsetzte. Als Anfang 1529 Winter das Archidiakonat von Norfolk zu seinen Ämtern häufte, kritisierte das der Bischof von Norwich Richard Nykke in mehreren Briefen an Cromwell, wobei er sich harsch über Wolsey ausließ.

Wahrscheinlich wurde er dazu durch Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk ermutigt, der ihm signalisierte, dass Wolseys Position beim König Anfang 1529 sehr geschwächt war, weil der Kardinal in The King's great matter („Die große Angelegenheit des Königs“) nicht vorankam. Die Angelegenheit gründete darin, dass Heinrich VIII. in romantischer Liebe zur Hofdame Anne Boleyn entbrannt war. Was zu den theologischen und politischen Dimensionen führte, waren zwei Faktoren: Zum einen fühlte der besonders fromme Monarch trotz päpstlichen Dispenses Skrupel, weil er mit Katharina von Aragon biblische Gesetze brechend die Witwe seines älteren Bruders Arthur Tudor geheiratet hatte, zum anderen war Boleyn erst nach einer Heirat bereit, mit Heinrich das Bett zu teilen. Seit April 1527 bemühte sich der König daher um eine Scheidung von Katharina; The King's great matter stellte von da an Wolseys Hauptbeschäftigung dar.

Klosterauflösungen

Die Klosterauflösungen für den Aufbau der Cardinal Colleges führten Cromwell durch Südengland und die Midlands bis nach Staffordshire. Er konnte durch diese Weitläufigkeit trotz der das Land zusehends spaltenden Reformation Freundschaften in beide Lager, also in das der Traditionalisten und in das der Reformationsanhänger, aufbauen. Beim Aufbau des College in Ipswich lernte er den Sergeant-at-Arms Thomas Rush und das Parlamentsmitglied Thomas Alvard kennen und schätzen, deren Umfeld dem alten Glauben anhing. In West Sussex bewahrte Cromwell das kleine Augustinerkloster Shulbrede vor der Auflösung durch den Bischof von Chichester, was ihm eine lebenslange Pension einbrachte und das erste Einkommen dieser Art für ihn war. Die Klosterauflösungen stießen teilweise auf erbitterte Opposition; im Sommer 1525 kam es in Tonbridge zu einem gewalttätigen Aufruhr beim Versuch der Wiedereröffnung einer Prämonstratenser-Abtei. Es wird vermutet, dass hinter diesem Vorfall und zwei weiteren vergleichbaren in dieser Phase in Sussex und Kent William Warham steckte, der Erzbischof von Canterbury.

Bald erweiterte Cromwell seinen Zuständigkeitsbereich auf die monastischen Angelegenheiten Kardinal Wolseys insgesamt, weshalb er in vielen Klöstern ein gern gesehener Gast war, wenn es nicht um ihre Auflösung ging. Im Falle des Cardinal College in Oxford wurden die Räumlichkeiten des Kloster St. Frideswide umgewidmet und Cromwell verschaffte dem Prior, später ein regelmäßiger Gast in Austin Friars, im Frühling 1524 die Führung einer Augustinerabtei in Osney bei Oxford. Dieser wiederum ernannte Cromwell zum Verwalter der Abtei. Der Dienst für Wolsey erweiterte und vertiefte Cromwells persönliche Bindungen zur Klöstergemeinschaft. In der Dominikanerabtei King’ Langley in Hertfordshire knüpfte er mit dem dortigen Prior Richard Ingworth Kontakt, der knapp zehn Jahre später sein Haupthelfer bei der Auflösung der englischen Klöster wurde. Über eine Testamentsvollstreckung kam Cormwell mit einer Benedektinerabtei in Winchcombe in Berührung und korrespondierte in der Folge sehr freundschaftlich mit dem Prior und seinem Nachfolger, die zu ihrer Zeit hoch angesehene Kirchenmänner waren. Die Augustinerpriorei Launde in Leicestershire hatte es Cromwell besonders angetan und er erwies den Brüdern einige Gefälligkeiten unter Wolsey; nach der Auflösung der englischen Klöster und seiner Hinrichtung bezog sein Sohn Gregory Launde als Hauptwohnsitz und ist auch dort beerdigt.

Im Rahmen seiner Zuständigkeit für die monastischen Angelegenheiten Wolseys war Cromwell im ganzen Königreich bei der Neuwahl von Äbten und Prioren anwesend und übte Einfluss auf die Entscheidungen aus. Weil Cromwell als Nebentätigkeit dem Geldverleih nachging, finden sich außerdem viele Abteien und Prioreien unter seinen Schuldnern.

Im November 1528 erreichte Wolsey beim Heiligen Stuhl zwei päpstliche Bullen zur Modernisierung des englischen Mönchtums. Diese Bullen sahen vor, dass alle Klöster mit weniger als zwölf Brüdern zusammengelegt oder aufgelöst werden sollten.

Aufbau und Besetzung der Cardinal Colleges

Cromwells religiöse Vorstellungen und reformatorischen Überzeugungen spiegeln sich in dem Lehrpersonal wieder, das er für die Cardinal Colleges auswählte, denn seine Verantwortung erstreckte sich auch darauf. So war er ab 1528 Finanz- und Liegenschaftsverwalter (Receiver-General and Surveyor) des Cardinal College in Oxford. Cromwell besetzte den Lehrkörper überwiegend mit Personal der University of Cambridge, wobei darunter so viele Protestanten waren, dass es für einen Skandal sorgte, als es dem Bischof von Lincoln bekannt wurde. Evangelische Lehrer am Cardinal College in Oxford waren unter anderem John Taverner und John Frith. Ein Student, der sich kurz nach der Eröffnung des Cardinal College dort einschrieb, war Cromwells späterer Propagandist Richard Morison. Außerdem stand Cromwell in Kontakt zu den späteren Märtyrern Robert Barnes, der in unmittelbarer Nachbarschaft in Austin Friars lebte, und der Lollardentum und Reformation ideel zusammenführende Miles Coverdale. Auch die Ausbildung seines Sohns Gregory überließ Cromwell mit dem Pembroke College einer für evangelikale Ideen besonders offenen Institution.

Trotz der zunehmenden persönlichen Verbindung mit dem Lager der Reformation erwies Cromwell immer wieder den Traditionalisten Gefälligkeiten und verfolgte seine religiöse Agenda im Verborgenen. MacCulloch sieht dieses Verhalten durch Cromwells Zeit in Italien und die Bekanntschaft mit dem dort verbreiteten Nikodemismus, also der vorgespielten Zugehörigkeit zu einer Konfession, gerpägt. Diese Bewegung hatte vor allem durch Juan de Valdés an Popularität gewonnen und stand unter dem Schutz der Kirchenmänner Gasparo Contarini und Giovanni Morone; auch der spätere englische Kardinal Reginald Pole gehörte zu diesem Kreis.

Das Cardinal College in Ipswich, das aus den Räumlichkeiten der Priorei St. Peter gebildet worden war, begann im September 1528 mit dem Lehrbetrieb. Als Dekan amtierte der Traditionalist William Capon vom Jesus College aus Cambridge, eine Wahl, die wahrscheinlich auf Wolsey zurückgeht. Über Capon machte Cromwell mit Thomas Cranmer eine für sein weiteres Leben bedeutsame Bekanntschaft. Wahrscheinlich auf Cromwell geht die Berufung des späteren evangelischen Märtyrer Robert Testwood als Chormeister zurück.

Wolseys Fall

Im Verlauf des Jahres 1529 vollzog sich Wolseys Fall. Wolseys außenpolitische Initiativen erwiesen sich als Fehlschlag, als der französische Verbündete die Interessen Englands im sogenannten Damenfrieden opferte. Zudem hatte Wolsey es nicht vermocht, die Scheidung König Heinrichs von Katharina von Aragon zu Wege zu bringen, damit Heinrich seine Geliebte Anne Boleyn heiraten konnte. Daraufhin geriet Wolsey in ein Kreuzfeuer der Kritik von Anne Boleyn sowie einer Gruppe von Adligen, die sich aus dem Duke of Suffolk, den Duke of Norfolk und Anne Boleyns Vater, Viscount Rochford, zusammensetzte und die Wolsey seit langem seine dominante Position am Hof neideten. Unnachgiebig übten Anne Boleyn und dieser Zirkel von Adligen den Sommer 1529 über heftige Kritik an Wolsey, bis Heinrich schließlich ihrem Drängen entsprach und im Herbst 1529 das Parlament für den November zusammenrief, um Wolsey wegen Amtsvergehen anzuklagen. Bei all diesen Vorgängen hielt Cromwell Wolsey lange die Treue (anders als etwa Stephan Gardiner, der sich bereits im März 1529 der später siegreichen Boleyn-Partei bei Hofe anschloss) und wechselte erst in dem Moment die Seiten, als Wolseys Sturz quasi bereits unabwendbar war und ein weiteres Abwarten Cromwells eigenen Ruin bedeutet hätte.

Mit dem Eklat der Vertagung des Legatengerichts, das über die Scheidung von Katharina entscheiden sollte, durch den päpstlichen Abgesandten Kardinal Campeggi am 31. Juli 1529 in London hatte sich Wolseys Position erheblich verschlechtert. Etwa zu dieser Zeit wurde Cromwell in die „große Angelegenheit des Königs“ verwickelt. Einer der wenigen erhaltenen Briefe aus Cromwells eigener Hand richtet sich an Wolseys engen Mitarbeiter William Claybrook mit der Bitte in den Archiven des Legaten nach Dokumenten des Heiligen Stuhls Ausschau zu halten, die Wolsey Dispensrechte garantieren, um möglicherweise auf diesem Weg die Scheidung erreichen zu können. In den folgenden mehr als zwölf Monaten bis Wolseys Tod wurde Cromwells Bemühen um einen Ausgleich zwischen Königshof und Wolsey zu seiner wesentlichen Beschäftigung; im August und September 1529 war er aber vorerst in East Anglia in Angelegenheiten des Cardinal College Ipswich unterwegs. Zu dieser Zeit konnte Wolsey einer Verhaftung noch entgehen, indem er den König mit großen Geldschenkungen gnädig stimmte. Auch diverse Würdenträger am Hof, etwa Henry Norris und George Boleyn, wurden reichlich mit Zuwendungen bedacht. David Starkey, in seinem Werk über die sechs Frauen Heinrichs, sieht dabei Cromwell als den Urheber und Antreiber dieser Strategie.

Das Blatt wendete sich jedoch kurz darauf, denn am 17. Oktober 1529 wurde Wolsey der praemunire facias angeklagt, weil er die Autorität des englische Monarchen in dessen Königreich der des Papstes untergeordnet hätte. Wolsey wurde von der Star Chamber als Lordkanzler abgesetzt und nach Esher verbannt. Er galt damit als attainted („geächtet“), womit er formal jegliche rechtliche Existenz verloren hatte und sein Eigentum sämtlich der weiteren Verfügung des Königs unterstellt war. Wolseys Palast bei Westminster wurde schon bald von Heinrich VIII. übernommen und fungierte als seine Residenz Whitehall. Für Cromwell bedeutete Wolseys Fall die größte Krise seiner bisherigen Karriere, was auch eine Notiz von Reginal Pole nahelegt. Dieser berichtete wahrscheinlich kurz nach Wolseys Verurteilung in seinem Tagebuch von der allgemeinen Überzeugung in London, dass Cromwell verhaftet worden sei und auf seine Hinrichtung wegen seiner Rolle bei den Klosterauflösungen Wolseys warte.

Angesichts der Lage brachte Cromwell seine Angelegenheiten in Ordnung. Bereits im Frühjahr hatte er seine Sekretäre angewiesen, einen Katalog mit allen noch ausstehenden Schulden anzulegen, und im Juli damit begonnen, sein Testament aufzusetzen. Dieses gehorcht in Stil und Form deutlich den traditionellen Glaubensvorstellungen; Cromwell ruft zu Beginn des Testaments in ungewöhnlich blumiger Sprache Gott, die Muttergottes und weitere Heilige an. Für sein Seelenheil legte er sieben Jahre Chorgebet fest. Laut MacCulloch wollte er dadurch möglicherweise seine Familie im Falle der Testamentseröffnung schützen. Als weitere Erklärung bietet er den Tod von Cromwells Frau nur wenige Monate zuvor an, der diesen, er blieb den Rest seines Lebens Witwer, eventuell seine reformatorischen religiösen Überzeugungen hat überdenken lassen.

Abgeordneter im Reformation Parliament

Cromwells Diener und späterer Biograph William Cavendish beschreibt ein Treffen von seinem Herren mit Wolsey in Esher am 1. November 1529. Er schildert, wie der emotional zutief getroffene Cromwell Kardinal Wolsey verspricht, noch am selben Abend Richtung London aufzubrechen, um sich für ihn einzusetzen. Eine hochsymbolische Bedeutung für die späteren Klosterauflösungen unter Heinrich VIII. unter Federführung Cromwells in den 1530er Jahren mit der bis dahin größten Säkularisation von Kirchenvermögen hat Cavendishs Ausführung zum weiteren Geschehen in Esher. Demnach versammelte Wolsey an diesem Abend seine einfachen, also säkularen Bediensteten, um ihnen mitzuteilen, dass er für ihren Unterhalt wegen seines Status als Geächteter keine Mittel mehr habe. Daraufhin schritt Cromwell ein, legte Geld vor und veranlasste Wolsey von den Kirchenmännern in seinem Haushalt weiteres einzusammeln. Er begründete dies damit, dass die Keriker mit ihren ergiebigen Pfründen weniger für den Kardinal getan und erlitten hätten als die für ihn arbeitenden Laien. Diese Überlieferung versinnbildlicht zwei leitende Handlungsmotive Cromwells, zum einen seine ungebrochene Loyalität zu Wolsey, zum anderen seine Verachtung für den Klerus, der in großen Teilen den Sturz des Kardinals gutgeheißen hatte.

Cromwells Versuch der Unterstützung Wolseys bestand darin, einen Platz im neu einberufenen Parliament anzustreben, um im House of Commons, wenn nötig, die Stimme für diesen zu erheben. Das Parlament war von Heinrich VIII. wahrscheinlich in erster Linie nicht allein einer Verurteilung Wolseys wegen anberaumt worden, sondern um in der Annullierung der Ehe mit Katharina voranzukommen, Druck auf die Kirche auszuüben. Am 1. Oktober 1529 hatte der König im hohen Adelskreis darum gebten, Gesetze zur Entlastung der Laien von kirchlichen Abgaben vorzubereiten. Das Parlament, das über sieben Jahre immer wieder tagte, ging als Reformation Parliament in die englische Geschichte ein. Über seinen Mitarbeiter Ralph Sadler nahm Cromwell Kontakt zum befreundeten stellvertretenden Lord Chamberlain Sir John Gage auf, damit dieser für ihn eine königliche Einwilligung für den Sitz im Unterhaus einholte. Weil Cromwell in der Öffentlichkeit als Wolseys Mann bekannt und wegen seiner Rolle bei den Klosterauflösungen verhasst war, war das Placet Heinrich VIII. von entscheidender Bedeutung. Gage wiederum bat den Duke of Norfolk, in dieser Sache beim König vorzusprechen. Tatsächlich konnte dieser bei Heinrich VIII. noch am 1. November 1529 eine Einwilligung für Cromwell als Abgeordneten erlangen. Letztendlich erhielt Cromwell Taunton in Somerset als zu repräsentierendes Borough im House of Commons zugewiesen.

Dort stand er nicht allein, sondern hatte Thomas Rush, Sir John Gage und William Fitzwilliam, 1. Earl of Southampton an seiner Seite sowie etliche Burgesse mit weniger hohem sozialen Status. Als Parlamentssprecher Thomas Audley, 1. Baron Audley of Walden die antiklerikalen Gesetzeswünsche des Königs vom 1. Oktober 1529 mitteilte, stieß es auf große Zustimmung. Ein Dokument zeigt, wie er eine Petition redigiert und deren bittere Vorwürfe sprachlich würdevoller kleidet, ohne in den Forderungen an die Kirche nachzulassen. Interessant laut MacCulloch ist Cromwells Differenzierung zwischen seelsorgerisch („cure of souls“) tätigen und sonstigen Klerikern wie zum Beispiel Kanoniker. Obwohl die antiklerikale Agenda des Parlaments auch und vor allem gegen Wolsey gerichtet war, beteiligte sich Cromwell daran. Aus seiner Warte gingen die Maßnahmen gegen die konservativen Kirchenmänner, die Wolseys Sturz wegen dessen Klosterauflösungen und Nachsicht gegenüber reformatorischen Ketzern begrüßt hatten.

Die antiklerikalen Ideen der Commons riefen in Teilen des House of Lords Empörung hervor. Der Bischof von Rochester John Fisher verurteilte die Initiative als eine Unternehmung, die Kirche in „unterwürfige Knechtschaft“ zu zwingen. Dadurch, dass er in seiner Brandrede Martin Luther und Jan Hus ins Spiel brachte, implizierte er zum Entsetzen der Commons, dass sie Häretiker seien. Viele der säkularen Peers wie der Duke of Norfolk verbündeten sich mit den Commons. Am Ende griff Heinrich VIII. vermittelnd ein und es wurde ein abgemildertes Gesetzespaket verabschiedet. Zwar übernahm der Text Cromwells „cure of souls“-Begriff, verbot kirchlichen Amtsträgern den Vorsitz über mehr als ein Benefizium und über ihre Funktion hinausgehende wirtschaftliche Aktivität. Insgesamt wurden aber so viele Ausnahmen hinzugefügt, beispielsweise bei der Residenzpflicht, dass die klerikalen Lords eher als Sieger in dieser ersten Auseinandersetzung mit dem Reform Parliament hervorgingen. Eine Folge der Brandrede Bischof Fishers gegen das Unterhaus war, dass sich die Dynamik weg von einer generellen Verurteilung Wolsey hin zu einem Konflikt zwischen Gegnern und Verteidigern der traditionellen kirchlichen Privilegien verwandelte.

Am 1. Dezember 1529 setzte Wolsesys Nachfolger als Lordkanzler Thomas Morus seine Unterschrift unter die Anklageschrift der Star Chamber vom Oktober gegen den Kardinal. Weil das Dokument auch von Wolsey signiert worden war, wurde es als Schuldeingeständnis gewertet und im Parliament verlesen. Bei den folgenden Debatten um das weitere Vorgehen in dieser Sache ergriff Cromwell, der in ständigem Kontakt mit Esher stand, trotz der damit verbundenen Risiken Partei für seinen Dienstherren. In der Öffentlichkeit gewann Cromwell durch die trotz der möglichen Nachteile aufrechterhaltenen Loyalität zum Kardinal an Ansehen. Aufgrund seines verkleinerten Mitarbeiterstabs war Wolsey umso mehr auf Cromwell angewiesen und blieb bis zum Lebensende von seiner Unterstützung abhängig. Dieser bestach mit letzten Mitteln des Kardinals Höflinge, um Parliament und Königshof günstig zu stimmen. Zudem versuchte Cromwell dem Adel East Anglias Herr zu werden, der es nach dem praemunire facias gegen Wolsey auf das Ipswich College abgesehen hatte. Ende Dezember erfuhr Cromwell, dass der König von nun an allen von Wolsey säkularisierten Kirchenbesitz als Eigentum der Krone betrachte.

Im Dienste Heinrich VIII. (1530–1540)

Eintritt in den Königshof (1530)

Bis Ende Januar 1530 hatte sich das Schicksal Cromwells deutlich zum Besseren gewandt und er diente nun zwei Herren, dem Kardinal und dem König. Aus dieser Zeit finden sich mehrere Briefe in seinem Posteingang, die ihm zu seiner Stellung bei Heinrich VIII. gratulieren. Dieser plötzliche Aufstieg Cromwells geschah so rasant, dass Zeitgenossen und auch spätere Betrachter ihn nicht erklären können. Einige Personen kommen als Fürsprecher für Cromwell beim englischen König infrage, neben den bereits genannten Sir John Gage und Earl of Southampton, der Attorney General for England and Wales Christopher Hales, der Earl of Bedford, dem Cromwell der Überlieferung nach in seiner Zeit in Italien in Bologna das Leben gerettet hatte, und Sir John Browne. Alle hatten gemeinsam, dass sie ihre Position zu einem guten Teil Wolsey verdankten und eine Abneigung gegen Anne Boleyn verspürten. Aus Loyalität zum König standen sie zu Heinrichs Scheidungsprojekt und, obwohl dem traditionellen Glauben ergeben, teilten sie dessen Zorn auf den Papst wegen des Eklats beim Legatengericht vom Juli 1529.

Sowohl der Hagiograph John Foxe als auch Reginald Pole, der auf Cromwell wegen der Verfolgung seiner Familie in den 1530er Jahren mit großen Hass blickte, berichten in ihren Werken von einem entscheidenden Treffen zwischen Heinrich VIII. und Cromwell in der zweiten Januarhälfte 1530, das den Aufstieg geebnet habe. Während des Gesprächs machte er demnach den Monarchen auf Wege aufmerksam, wie päpstliche Autorität und Kirchenvermögen im Königreich England angegriffen werden konnten. Neben seiner reformatorischen Überzeugung kamen Cromwell hier seine Erfahrungen bei den Klosterauflösungen und dem daraus zu gewinnenden Profit zugute. Poles Notiz, die von 1539 stammt, führt weiter aus, dass Cromwell bereits hier vorschlug, das Parliament zum Bruch mit Rom und einer Erklärung der Suprematie des Königs in Kirchenfragen in England zu instrumentalisieren. Jedoch stellte Cromwell nicht die erste Person dar, die Heinrich mit dem Suprematie-Gedanken vertraut machte, denn Anne Boleyn hatte 1528 dem König das Traktat The Obedience of a Christian Man („Der Gehorsam eines Christen“) von William Tyndale zum Lesen gegeben, dass das Königtum zum Kampf gegen päpstliche Oberhoheit zur Rückeroberung alter Rechte aufruft. Anders als Cromwell scheuten jedoch selbst die größten Anhänger Boleyns die Konfrontation mit dem Heiligen Stuhl.

Die gewonnene Nähe zum König bot ihm Gelegenheit, bei der Ausgestaltung von Wolseys Zukunft Einflus zu nehmen und als eine Art Sekretär für alle Angelegenheiten zwischen König und Kardinal zu fungieren. Diese Funktion bestimmte Cromwells erstes Jahr im Dienst Heinrich VIII. Dies hielt den Monarchen aber nicht davon ab, seine Augen begierig auf den Besitz des Kardinals zu werfen, das von Rovezzano immer noch nicht fertiggestellte monumentale Grabmal eingeschlossen. Am Ende beschlagnahmte der König neben dem noch gelagerten Baumaterial das gesamte Monument und kannibalisierte es für andere Bauprojekte. Nach dem Tod des Kardinals sicherte sich Heinrich VIII. mithilfe von Cromwells Beziehungen zu Italien die Dienste von Rovezzano und später Giovanni Portinari für ein eigenes Grabmonument. Das Cardinal College in Oxford blieb unter anderem Namen (King Henry’s College), und mit weniger großzügigen Mitteln ausgestattet, bestehen, während dasjenige in Ipswich ersatzlos aufgelöst wurde.

Wolseys Verhaftung und Tod (1530)

Das Gespräch Cromwells mit dem englischen König vom Januar 1530 brachte für Wolsey erst einmal eine Verbesserung seiner Situation. Heinrich VIII. nahm Anteil an der schweren Erkrankung des Kardinals und sandte ihm Hofärzte zur Behandlung. Cromwell erreichte beim König auch, dass Wolsey im früheren Königspalast Richmond Palace Unterkunft beziehen durfte. Mitte Februar konnte Cromwell in Verhandlungen mit dem Duke of Norfolk und Gardiner eine teilweise Begnadigung Wolseys durchsetzen. Demnach durfte Wolsey die Titel Bischof von Winchester und Abt von St Albans behalten, ging aber ihrer Pfründe verlustig. Außerdem blieb das Erzbistum York mit allen damit verbundenen Einnahmen im Besitz des Kardinals. Dadurch erhielt Wolsey die Möglichkeit einer zweiten Karriere als Kirchenmann fernab seiner Feinde in London.

Widerstrebend machte sich Wolsey im April 1530 auf nach York. Zu dieser Gelegenheit sahen sich Cromwell und der Kardinal ein letztes Mal. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich Cromwell zu dieser Zeit noch sehr unsicher hinsichtlich der eigenen Zukunft fühlte. Trotz der Aufnahme in den königlichen Dienst befand er sich noch im Stand eines Gentleman und nicht eines Esquire. Als sich im Herbst 1530 das Schicksal Wolseys wieder zum Schlechteren wendete, lebten Wolseys private Handelsunternehmungen im Ausland wieder auf. In der Korrespondenz mit Wolsey 1530 äußerte er sich mehrfach verächtlich über die „lutheranische Sekte“ und bedauerte, dass Martin Luther jemals geboren wurde. Ob er von Heinrich VIII. eine entsprechende Order bekam, dem Kardinal gefallen wollte oder sich gegen die mit den reformatorischen Propagandisten Tyndale und Simon Fish sympathisierende Anne Boleyn positionieren wollte, ist nicht klar. Gesichert ist, dass Cromwell ein großer Bewunderer von Erasmus von Rotterdam war, über dessen Ideen er die Reformation für sich entdeckte. Zudem war Luther am Königshof auch aus anderen Gründen nicht wohl gelitten, denn dieser war ein erbitterter Gegner des Scheidungsprojekts von Heinrich VIII. In dieser Hinsicht erwiesen sich die Reformatoren in der Schweiz als wesentlich offener für die Argumente des englischen Königs.

Möglicherweise nachdem er Anfang Juli 1530 durch Cromwell über die Auflösung beider Cardinal College und die Ausschlachtung seines Grabmonuments erfahren hatte, arbeitete Wolsey auf geheimdiplomatischen Wegen an der Verhinderung von Heinrichs Scheidungsprojekt. Dazu nahm er unter anderem Kontakt zu Kaiser Karl V. und Papst Clemens VII. auf. Cromwell andererseits war zunehmend verärgert und frustriert über den Kardinal, der im Exil trotz seiner Apelle und in Verkennung der eigenen prekären Lage waghalsige Bauprojekte verfolgte und ihn immer wieder Vertrauensbrüche vorwarf. Bis Oktober erreichten belastbare Hinweise auf Wolseys verräterische Machenschaften den Hof, so dass der Kardinal am 1. November verhaftet wurde, eine Woche vor dessen Amtseinführung als Erzbischof von York. Auf dem Weg nach Südengland starb Wolsey am 29. November in Leicester.

Für Cromwell selbst wurde die Lage wieder sehr kritisch, wie aus der vom kaiserlichen Gesandten Chapuys 1535 verfassten Kurzbiografie hervorgeht. Demnach bedrohte ihn der Knight und Diplomat John Wallop, der persönliche Verbindungen zum Duke of Norfolk und Anne Boleyn hatte, nach Wolseys Tod in so ernstzunehmender Weise, dass er Anfang Dezember 1530 eine Audienz beim König ersuchte. Heinrich VIII. ließ sich erneut von Cromwell überzeugen und ernannte ihn zum Mitglied des Königsrats, was mit der nächsten Sitzungsperiode des Parliaments im April 1531 öffentlich bekannt gemacht wurde, indem er sich den Commons in seiner neuen Amtstracht zeigte. Bei seinem Aufstieg profitierte Cromwell sicher von Wolseys Tod, denn die Klärung der Angelegenheiten des Kardinals als Hauptbeschäftigung im königlichen Dienst hatte eine Erweiterung seines Verantwortungsbereichs verhindert.

Vom königlichen Rat bis zum Master of the Rolls (1531–1534)

Die Mitgliedschaft im Königsrat war zu dieser Zeit eine nicht genau bestimmte Ehre. Die Unbestimmtheit liegt schon allein darin begründet, dass das Gremium Königsrat nicht genau festgelegt war. Die engsten Ratgeber Heinrich VIII. Anfang 1531 waren in erster Linie Personen, die von Wolseys Fall besonders profitiert hatten, also der Duke of Norfolk, Anne Boleyns Vater Thomas Boleyn, 1. Earl of Wiltshire und Minister (Secretary of State) Stephen Gardiner. Anfangs geschah das administrative Handeln Cromwells in Abstimmung mit Norfolk, dem zu dieser Zeit einflussreichsten Königsrat. Bei auswärtigen Angelegenheiten wie etwa den Berichten eines Agenten aus Italien kamen Cromwell wieder seine Italienischkenntnisse zugute.

Bis zum Sommer 1531 hatte sich Cromwell als fest Größe mit realer Macht etabliert. Im November 1531 berichtete der Botschafter der Republik Venedig an die Serenissima, dass acht Männer den engsten Beraterkreis des Königs bildeten. Neben Suffolk, Norfolk, Gardiner, Guildford, Fitzwilliam und anderen nannte er Cromwell. Im September 1531 beauftragte ihn der König, mit Anwälten der Krone über sämtliche inneren Angelegenheiten Englands zu beraten und Gesetze für die dritte Sitzungsperiode des Reformation Parliament vorzubereiten. Ein Gesetz ordnete die Konfiszierung des Vermögens von Kirchenmännern an, die in England residierten und deren Erhebung ohne Placet Heinrich VIII. erfolgt war. Diese Gesetzesinitiative richtete sich gegen Kardinal Campeggio, dem der König die Vertagung des Legatengerichts von 1529 nachtrug. Bereits zuvor hatte Heinrich VIII. Campeggio den Titel des Kardinalprotektors von England entzogen. Ein weiterer Gesetzesvorschlag sollte die Tatbestände für Landesverrat erweitern, wurde aber erst 1534 in die Legislative eingebracht.

Am 12. April 1533 wurde Cromwell zum Schatzkanzler, am 15. April 1534 zum königlichen Sekretär und am 8. Oktober 1534 zum Master of the Rolls ernannt. Cromwells dominante Stellung wurde von Beobachtern wie dem kaiserlichen Botschafter Chapuys bemerkt; in einem Brief an den kaiserlichen Berater Granvelle schrieb er im November 1535, dass der Sekretär des Königs, Cromwell, einmal abgesehen von „der Lady“ (Anne Boleyn), über allen stehe.

Suprematsakte (1534–1535)

Unter seiner Leitung nahm das Parlament 1534 die Suprematsakte an, die den König anstelle des Papstes zum Oberhaupt der Englischen Kirche machte. Damit wurde die Scheidung Heinrichs VIII. von Katharina von Aragon und seine Hochzeit mit Anne Boleyn ermöglicht.

Der Sturz von Anne Boleyn (1536)

Das Verhältnis Cromwells zu Anne Boleyn wird unterschiedlich bewertet. Über lange Zeit wurden sie wegen ihrer gemeinsamen evangelischen Überzeugung als Verbündete angesehen. Eric Ives, Tudor-Experte und führender Biograph Annes, sieht Cromwell zunächst als Verbündeten Annes, die ihn in ihrem royalen Haushalt auch als ihren high steward (für 20 Pfund im Jahr) einstellte. Cromwell habe sich im Laufe der Zeit jedoch zum Kuckuck im Nest der Boleyn-Fraktion am Hof entwickelt. John Guy und Julia Fox streichen dagegen heraus, dass Cromwell von Anfang an sein eigener Herr war und nie zu den bevorzugten Protegés Annes zählte. Hierfür weisen sie auf, dass im Zeitraum von 1531 und 1534 kein einziger Brief zwischen beiden existiert. Cromwell habe zwar mit Anne und der Boleyn-Fraktion am Hof kooperiert, wenn es ihm zweckdienlich erschien oder Heinrich dies so wünschte, er habe sich jedoch nie an Anne um Unterstützung gewandt. Zudem hätten er und Anne zwar durchaus gleiche Ansichten auf das Papsttum und die katholische Kirche gehabt, doch hätten beide niemals ihre Kräfte vereinigt, um eine Kirchenreform voranzutreiben. MacCulloch ergänzt, dass Cromwell sehr darauf bedacht war, seine Geschäfte von denen der späteren Königin zu trennen. Zudem existierten mehr Hinweise auf gegenseitige Missgunst als auf Gefälligkeiten. So habe Anne Boleyn die geplante Heirat von Cromwells Neffen und Adoptivsohn Richard in die Gentry Devons verhindert. Auffällig sei des Weiteren der Kontrast zwischen der kaum vorhandenen und im Ton unterkühlten Korrespondenz zwischen ihm und Anne Boleyn und dem umfangreichen und freundschaftlichen Briefwechsel mit Prinzessin Maria. MacCulloch urteilt abschließend, dass für Cromwell Anne Boleyn in erster Linie immer die Person dargestellt habe, die Hauptverantwortliche für den Sturz seines geschätzten Meisters Wolsey gewesen war.

In jedem Fall gilt Cromwell entweder als Architekt oder zumindest als Vollstrecker des Sturzes von Anne Boleyn im Frühjahr 1536. Inwieweit Cromwell für Annes Sturz verantwortlich ist, ist eine in der Forschung vieldiskutierte Frage. Abgesichert ist, dass es ab 1535 zunehmend latente Konflikte zwischen Cromwell und den Boleyns gab. Cromwell hintertrieb Versuche Annes, Einfluss auf Verhandlungen mit Frankreich zu nehmen. Statt einer Annäherung an das Königreich Frankreich trat Cromwell beeinflusst von seinen guten Verbindungen zu Londoner Handelshäusern, seinen nach wie vor guten Kontakten nach Antwerpen und in die habsburgischen Niederlande für eine Allianz mit dem Heiligen Römischen Reich ein. Die Spannungen zwischen Cromwell und Anne Boleyn wurden bis zu ihrem Sturz 1536 vom Hof geheim gehalten. Die protestantischen Geschichtsschreiber um Foxe bemühten sich im Nachhinein, die Auseinandersetzung zwischen diesen zwei Symbolfiguren der englischen Reformation zu glätten. In seinem Werk über die protestantischen Märtyrer (Actes and Monuments of these Latter and Perillous Days, Touching Matters of the Church) porträtiert Foxe zwar ausführlich Cromwell und Anne Boleyn, geht aber kaum auf die Berührungspunkte zwischen beiden ein.

Im März 1536 kam es schließlich zum offenen Bruch, als im Rahmen der Auflösung der englischen Klöster die Aufhebung der kleineren Klöster mit einem Bruttoeinkommen von weniger als 200 £ pro Jahr per Gesetz in beiden Parlamenten beschlossen wurde. Im Gegensatz zu Cromwell und Heinrich setzte Anne sich dafür ein, dass die Einnahmen aus der Auflösung für Wohltätigkeitszwecke und Armenfürsorge verwendet werden, statt sie in die königliche Kasse fließen zu lassen. Mutmaßlich auf Annes Drängen hin hielt ihr Almosenier, John Skip, am Passionssonntag eine eifernde Predigt, in der er Cromwell und seine Ratskollegen vor dem gesamten Hofstaat anprangerte und auch den König nicht verschonte. Für die Historiker Eric Ives und David Starkey ist klar, dass Cromwell die Zeichen sofort erkannt und realisiert habe, dass ihm nun das gleiche Schicksal wie bereits Kardinal Wolsey drohte. Daraufhin habe er in einer improvisierten Intrige Anne zu Fall gebracht. Zweifelsfrei schaffte Cromwell es als Nebenergebnis, dabei auch einige seiner persönlichen Gegner zu Fall zu bringen. Es gelang ihm gleichzeitig, die katholische Fraktion um Maria und Nicholas Carew in Schach zu halten. Diverse Historiker, wie etwa John Schofield, sehen Cromwell dagegen lediglich als den Vollstrecker des königlichen Willens. Indem er mit Billigung des Königs aufgrund zweifelhafter Aussagen dessen zweite Ehefrau des Ehebruchs mit drei Höflingen und des Inzests mit ihrem Bruder George Boleyn, Viscount Rochford, und des geplanten Hochverrats anklagte, bereitete Cromwell den Weg für die dritte Ehe Heinrichs VIII. mit Jane Seymour. Die Hochzeit Heinrichs mit Jane Seymour fand am 30. Mai 1536 statt, zwei Wochen nach Anne Boleyns Hinrichtung.

Erhebung zum Baron und Sturz Cromwells (1536–1540)

Im Juli 1536 folgten die Erhebung zum Baron Cromwell of Wimbledon in the County of Surrey, und die Ernennung zum Lordsiegelbewahrer. Des Weiteren wurde er im gleichen Jahr einige Monate später als Knight Companion in den Hosenbandorden aufgenommen und als Generalvikar Stellvertreter des Königs mit absoluter Gewalt über die Kirche, deren Umwandlung im Sinne des Königs er durchführte. Im Rahmen von Visitationen an den Universitäten und Colleges, die enge Verbindungen zur Kirche unterhielten, kam es zur Zerstörung zahlreicher Bibliotheken, deren Inhalt als „päpstlich“ und „abergläubisch“ eingestuft wurde. Sein Vorgehen bei der Auflösung der englischen Klöster verschaffte ihm den Beinamen Hammer der Mönche. Ein weiterer Beiname des Thomas Cromwell war Sendbote des Teufels. Am 5. August 1537 wurde Cromwell auf königliche Ernennung hin zum Mitglied des Hosenbandorden. Ab Januar 1538 betrieb Cromwell eine umfassende Kampagne gegen das, was nun als „Götzendienst“ bezeichnet wurde; Statuen und Bilder wurden zerstört, was im September 1538 in der Zerstörung des Schreins des heiligen Thomas Becket in Canterbury gipfelte.

Cromwell stieg zum Führer der eigentlich protestantischen Partei am Hofe Heinrichs VIII. auf. Während sich Cromwells Aufstieg weiter vollzog und er Ämter und Ehren anhäufte, regte sich gleichzeitig auch Widerstand gegen den Umfang der Reformen. Im Rahmen der sogenannten Exeter-Verschwörung, eine angebliche Verschwörung von konservativen englischen Adligen gegen König Heinrich zur Wiederherstellung der päpstlichen Autorität in England, suchte Cromwell den Widerstand zu brechen und ließ Henry Pole, 1. Baron Montagu, Sir Nicholas Carew und Sir Edward Neville verhaften. Am 17. April 1540 wurde Cromwell zum Earl of Essex und zum Lord Great Chamberlain erhoben. Gleichzeitig lief parallel seit Monaten ein Machtkampf zwischen Reformationsanhängern und Klienten Cromwells auf der einen Seite und einigen konservativen Bischöfen um den Bischof von Winchester auf der anderen Seite ab. Im Zuge dieser Ereignisse wurde Robert Barnes, Freund Cromwells und Reformer, arrestiert. In den Augen seines Biografs Schofields realisierte Cromwell nun, dass er scheitern könnte und ordnete bereits seine persönlichen Angelegenheiten, bevor er im Mai 1540 zum Gegenschlag ausholte und Lord Lisle und Bischof Sampson festnehmen ließ. Zudem vermittelte er die Ehe Heinrichs mit Anna von Kleve, um dadurch Verbindungen mit den deutschen Protestanten zu knüpfen. Doch die Intrigen der katholischen Partei unter dem Duke of Norfolk und dem Bischof Gardiner sowie des Königs Widerwille gegen die ihm von Cromwell aufgedrängte Ehe führten den Sturz des Ministers herbei. Durch die Ehe mit Anna von Kleve war zwar das Vertrauen des Königs in seinen Ersten Minister erschüttert, jedoch nicht völlig zerstört. Der wahre Grund für den Fall Cromwells war im Glauben zu finden: Cromwell war – wie auch alle anderen Protestanten – der Meinung, allein der Glaube (und nicht die Taten) zähle für Gottes Vergebung. Heinrich VIII. erkannte dies jedoch nicht an, was bei einer Predigt in der vorösterlichen Fastenzeit offenbar wurde.

Hinrichtung (1540)

Cromwell wurde am 10. Juni 1540 zu Beginn einer Sitzung des Kronrats unter dem Vorwurf des Hochverrats und der Ketzerei verhaftet. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, eine Verschwörung zur Heirat mit Prinzessin Maria verfolgt zu haben. Das Recht eines ordentlichen formellen Prozesses vor einem Gericht wurde ihm durch das am 29. Juni vom House of Lords verabschiedete Bill of Attainder verwehrt, mit dem er rechtlich gesehen bereits so gut wie tot war. Das Todesurteil wurde solange aufgeschoben, bis Cromwell noch die komplizierte rechtliche Formalie der Trennung Heinrichs von Anna von Kleve erledigt hatte.

Gedenkplakette auf der Tower Hill Scaffold Site für Cromwell und sechs weitere, hier exekutierte Personen

Am 28. Juli wurde er auf dem Tower Hill geköpft und sein abgeschlagenes Haupt auf einem Pfahl der Tower Bridge zur Abschreckung aufgestellt. Vor seiner Hinrichtung hatte er jede Unterstützung von Häretikern abgestritten, doch die Rechtmäßigkeit seiner Verurteilung anerkannt.

Darstellung in Theater, Film und Romanen

Theater

Film

Romane

Literatur

Commons: Thomas Cromwell, 1. Earl of Essex – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 16.
  2. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 9 f.
  3. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 20.
  4. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 37.
  5. ↑ Howard Leithead: Cromwell, Thomas, earl of Essex. In: Oxford Dictionary of National Biography, 23. September 2004, zuletzt aktualisiert am 21. Mai 2009.
  6. ↑ John Schofield: The rise and fall of Thomas Cromwell: Henry VIII’s most faithful servant. History Press, Stroud 2008, S. 11 ff.
  7. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 16 f.
  8. ↑ John Schofield: The rise and fall of Thomas Cromwell: Henry VIII’s most faithful servant. History Press, Stroud 2008, S. 14.
  9. ↑ Michael Everett: The Rise of Thomas Cromwell: Power and Politics in the Reign of Henry VIII, 1485-1534. Yale University Press, New Haven/London 2016, ISBN 978-0-300-20742-2, S. 12.
  10. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 22–24.
  11. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 22–24.
  12. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 2.
  13. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 24–28.
  14. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 35.
  15. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 35 f.
  16. ↑ Howard Leithead: Cromwell, Thomas, earl of Essex. In: Oxford Dictionary of National Biography, 23. September 2004, zuletzt aktualisiert am 21. Mai 2009.
  17. ↑ Howard Leithead: Cromwell, Thomas, earl of Essex. In: Oxford Dictionary of National Biography, 23. September 2004, zuletzt aktualisiert am 21. Mai 2009.
  18. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 37–39.
  19. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 29–31.
  20. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 31–34.
  21. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 39–41.
  22. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 43 f.
  23. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 46–49.
  24. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 49 f.
  25. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 52 f.
  26. ↑ John Schofield: The rise and fall of Thomas Cromwell: Henry VIII’s most faithful servant. History Press, Stroud 2008, S. 16.
  27. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 54 f.
  28. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 55–57.
  29. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 56–59.
  30. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 75.
  31. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 80–82.
  32. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 82 f.
  33. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 77 f.
  34. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 59–61.
  35. ↑ https://de.findagrave.com/memorial/61592851/gregory-cromwell, abgerufen am 5. September 2026.
  36. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 79.
  37. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 62 f.
  38. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 73.
  39. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 65–67.
  40. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 82.
  41. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 67–71.
  42. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 71.
  43. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 75 f.
  44. ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 120 f.
  45. ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2004, S. 431 ff.
  46. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 83.
  47. ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 250.
  48. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 84–86.
  49. ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. Harper Perennial 2003, S. 425.
  50. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 86 f.
  51. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 87 f.
  52. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 88 f.
  53. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 96.
  54. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 90–93.
  55. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 93–95.
  56. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 95–97.
  57. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 97–102.
  58. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 104–108.
  59. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 108–110.
  60. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 110–112.
  61. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 117 f.
  62. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 118–121.
  63. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 121 f.
  64. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 125 f.
  65. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 126–128.
  66. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 131–133.
  67. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 133 f.
  68. ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell, Malden 2004, S. 207.
  69. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 113.
  70. ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell, Malden 2004, S. 206 f.
  71. ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 251.
  72. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 114.
  73. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 116.
  74. ↑ John Guy, Julia Fox: Jagd auf den Falken: Anne Boleyn und Heinrich VIII. Die Ehe, die die Welt erschütterte. C.H. Beck, München 2024, S. 388 f.
  75. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 115.
  76. ↑ David Starkey: Six Wives: The Queens of Henry VIII. HarperCollins, New York 2003, S. 554.
  77. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 114 f.
  78. ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 307 ff.
  79. ↑ Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. The Most Happy. Blackwell Publishing, London 2004, S. 326 f.
  80. ↑ John Schofield: The rise and fall of Thomas Cromwell: Henry VIII’s most faithful servant. History Press, Stroud 2008, S. 205.
  81. ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. Harper Perennial 2003, S. 638.
  82. ↑ John Schofield: The rise and fall of Thomas Cromwell: Henry VIII’s most faithful servant. History Press, Stroud 2008, S. 384.
  83. ↑ John Schofield: The rise and fall of Thomas Cromwell: Henry VIII’s most faithful servant. History Press, Stroud 2008, S. 402.
  84. ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. Harper Perennial 2003, S. 638 f.
  85. ↑ Howard Leithead: Cromwell, Thomas, earl of Essex. In: Oxford Dictionary of National Biography, 23. September 2004, zuletzt aktualisiert am 21. Mai 2009.
  86. ↑ Howard Leithead: Cromwell, Thomas, earl of Essex. In: Oxford Dictionary of National Biography, 23. September 2004, zuletzt aktualisiert am 21. Mai 2009.
  87. ↑ John Schofield: The rise and fall of Thomas Cromwell: Henry VIII’s most faithful servant. History Press, Stroud 2008, S. 406 ff.
  88. ↑ David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. Harper Perennial 2003, S. 639.
  89. ↑ Diarmaid MacCulloch: Thomas Cromwell. London 2018, S. 530.
  90. ↑ Howard Leithead: Cromwell, Thomas, earl of Essex. In: Oxford Dictionary of National Biography, 23. September 2004, zuletzt aktualisiert am 21. Mai 2009.
VorgängerAmtNachfolger
Titel neu geschaffenBaron Cromwell
1536–1540
Titel aberkannt
Titel neu geschaffenEarl of Essex
1540
Titel aberkannt
Personendaten
NAME Cromwell, Thomas, 1. Earl of Essex
ALTERNATIVNAMEN Cromwell, Thomas; Cromwell, Thomas, 1. Baron Cromwell
KURZBESCHREIBUNG englischer Staatsmann
GEBURTSDATUM um 1485
GEBURTSORT Putney
STERBEDATUM 28. Juli 1540
STERBEORT London