Thomas M. Bohn

Thomas Bohn, 2025

Thomas Michael Bohn (* 28. Dezember 1963 in Hannover) ist ein deutscher Historiker. Seit 2009 lehrt er als Professor für Osteuropäische Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Leben und Wirken

Thomas Bohn studierte von 1985 bis 1991 Mittlere und Neuere Geschichte sowie Slavistik an der Universität Hamburg. Von 1992 bis 1995 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Moderne osteuropäische Geschichte der Universität Hamburg. Bohn wurde 1996 promoviert bei Norbert Angermann am Historischen Seminar in Hamburg mit einer Arbeit über den Historiker Pavel N. Miljukov und die Moskauer Schule. Von 1995 bis 2007 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Assistent am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im Jahr 2004 habilitierte er über den Wiederaufbau der belarusischen Hauptstadt Minsk nach dem Zweiten Weltkrieg. Es folgten Lehrstuhlvertretungen für Geschichte Osteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) (2005/06) und an der Europa-Universität Viadrina (2006). Von 2007 bis 2009 war Bohn Professor an der LMU München für Geschichte Osteuropas mit einem Schwerpunkt Geschichte Ostmitteleuropas. Seit 2009 lehrt Bohn als Professor für Osteuropäische Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, in der Südosteuropa-Gesellschaft und im Verband der Osteuropashistorikerinnen und -historiker.

Seit 2013 fungiert Bohn als Herausgeber der Reihe „Historische Belarus-Studien“. Außerdem war er Sprecher der im Januar 2020 auf fünf Jahre berufenen Belarusisch-Deutschen Geschichtskommission, deren Arbeit wegen der politischen Entwicklungen in der Republik Belarus im Juli 2021 faktisch eingestellt wurde. Darüber hinaus setzt er sich für den Gebrauch der Landesbezeichnung „Belarus“ als Alternative zu „Weißrussland“ ein. Zusammen mit der Gießener Slawistin Marion Rutz vertritt Bohn seit November 2020 einen Paradigmenwechsel in der deutschen Wissenschaftssprache. Zum einen entspricht die Schreibweise des Adjektivs „belarusisch“ statt „belarussisch“ der Landessprache. Zum anderen kann in Anlehnung an die Kiewer Rus in historischer Perspektive auch auf das Genus Bezug genommen und von der „Weißen Ruß“ oder der Belarus gesprochen werden. In einer 2025 erschienen Studie über die Weiße Ruß in Historiographie und Kartographie weist Bohn darauf hin, dass mit „Weißrussland“ im Russischen Kaiserreich die Gegend zwischen den heutigen belarusischen Städten Wizebsk und Mahiljou sowie der heutigen russischen Stadt Smolensk gemeint war.

Bohns Forschungsschwerpunkte sind Historiographiegeschichte und Erinnerungskulturen, die Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung, Dracula und der Vampirismus sowie die belarusische Geschichte und die Alltagsgeschichte der Sowjetunion. Seine Hamburger Dissertation wurde 1998 mit dem Fritz-Theodor-Epstein-Preis des Verbandes der Osteuropahistoriker ausgezeichnet. Zusammen mit Dietmar Neutatz hat er den zweiten, auf die Geschichte des Russischen Reiches und der Sowjetunion bezogenen Band des Studienhandbuchs östliches Europa herausgegeben. Mit Albert Weber, Adrian Gheorghe und Christof Paulus ediert er das dreibändige Corpus Draculianum, eine Dokumentation zu Vlad Țepeș Drăculea. Mit der Edition sollen die in insgesamt 17 europäischen und orientalischen Sprachen erhaltenen Briefe, Urkunden und Erzählungen zu Leben und Herrschaft durch kritische Edition, Übersetzung und Kommentar einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Die Reihe soll 2025 mit einem Band über die Überlieferung aus West- und Südosteuropa und dem Moskauer Reich zum Abschluss kommen. Er veröffentlichte 2016 eine Monographie über den europäischen Vampir-Mythos.

Gegenwärtig arbeitet Bohn an einer Familiengeschichte, die unter dem Titel Donauschwaben und Banater Bulgaren den Zeitraum von 1750 bis 1950 erfasst und in der Aufarbeitung der Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges im niedersächsischen Dorf Wülfingen gipfelt.

Schriften

Monographien

Quelleneditionen

Herausgeberschaften

Commons: Thomas Michael Bohn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Vgl. dazu die Besprechung von Nikolaus Katzer in: Historische Zeitschrift 269, 1999, S. 790–792.
  2. ↑ „Belarusisch-Deutsche Geschichtskommission“ (Stand: 2020), abgerufen am 16. Februar 2021.
  3. ↑ „Weißrussland heißt jetzt Belarus: Aber wie nennt man die Einwohner – Belarusen oder Belarussen?“, uepo.de, 18. August 2020; „Empfehlungen zur Schreibweise von Belarus in deutschsprachigen Texten“ (Stand: Juli 2020), abgerufen am 16. Februar 2021.
  4. ↑ A Belarusian Dream. In: Thomas M. Bohn, Marion Rutz (Hrsg.): Belarus-Reisen. Empfehlungen aus der deutschen Wissenschaft. Wiesbaden 2020, S. VII–IX.
  5. ↑ Thomas M. Bohn: Weißrussland oder Belarus? Die Weiße Ruß in Historiographie und Kartographie. Wiesbaden 2025, S. 61–89.
  6. ↑ Homepage des Projekts Corpus Draculianum
  7. ↑ Vgl. dazu die Besprechung von Florian Kührer-Wielach in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 66, 2018, S. 684–686 (online)
Personendaten
NAME Bohn, Thomas
ALTERNATIVNAMEN Bohn, Thomas M.
KURZBESCHREIBUNG deutscher Historiker
GEBURTSDATUM 28. Dezember 1963
GEBURTSORT Hannover