Thomas Stahel

Thomas Stahel (geboren am 26. Dezember 1971 in Zürich) ist ein Schweizer Historiker und Stadtforscher in Stadtentwicklungs- und Wohnungsfragen. Seit einigen Jahren beteiligt er sich auch als Aktivist an städtischen Verkehrsfragen.

Leben

Thomas Stahel studierte von 1994 bis 2000 Geschichte, Ethnologie und Soziologie an der Universität Zürich. Er lizenzierte 2000 mit der Arbeit Alternative Wohnformen und linke Wohnpolitik in Zürich 1980-95 bei Bruno Fritzsche. 2001–04 dissertierte er mit der Arbeit Wo-Wo-Wonige! Stadt- und wohnpolitische Bewegungen in Zürich nach 1968 bei Bruno Fritzsche und Hans-Peter Kriesi. Die Dissertation erschien, ergänzt, als Buch im Paranoia City Verlag, Zürich 2006. Aus Wo-Wo-Wonige! wurde, und wird, in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion rege zitiert, auch ausserhalb der Schweiz.

Seit 1997 schrieb/schreibt er für DAZ, Toaster, Zürcher Studentin, WoZ, Surprise, Landbote und weitere Zeitungen. 1997–99 war er Redaktor der Zürcher Studentin (heute Zürcher Studierendenzeitung), verantwortlich für die Produktion der Zeitung, samt Layout. 2001–02 erarbeitete er ein neues Konzept für die Monatszeitung der Roten Fabrik, die Fabrik Zeitung, wo er anschliessend, 2002–05, Redaktionsmitglied war, Themen-Setting, Betreuung der freien Journalistinnen, Redigieren, Koordination der Redaktionsarbeiten, Verfassen von Artikeln, wie für die Kolumne Züri Stadtgschicht.

2002–05 redaktionelle Mitarbeit am Buch von Heinz Nigg Wir wollen alles und zwar subito über die Jugendbewegung der 80er Jahre mit Aufsatz über die Bedeutung des Wohnens für die Jugendbewegung. 2003 Aufsatz über die Geschichte des Grünau-Quartiers für das Buch von Franziska Stärk Siedlung Bernerstrasse.

2001–02 Konzept und Organisation der wohnpolitischen Veranstaltungswochen Città chiusa – geschlossene Stadt: Wer kann sich Zürich noch leisten?, die im September 2002 stattfanden.

Seit 2003 koordinierte und organisierte er Veranstaltungen im stadt.labor, einer Plattform und Werkstatt für Debatten zu Stadtentwicklungs- und Wohnungsfragen. Seit 2005 ist/war er Geschäftsleiter der Umweltorganisation umverkehR.

Im Oktober 2008 lancierte Thomas Stahel mit umverkehR städtische Volksinitiativen in Zürich, Basel, Genf, Luzern, St. Gallen und Winterthur. Es sollte erreicht werden, dass die Städte öffentliche Verkehrsmittel sowie den Fuss- und den Veloverkehr gezielt fördern und deren Anteil am Verkehr innert zehn Jahren um zehn Prozent steigern. Weitere Städte folgten, doch auch wenn die Initiativen vom Volk angenommen wurden, ist ihre Umsetzung nicht einfach.

In den 2000er und 2010er Jahren machte er im Kernteam der Genossenschaft Kalkbreite mit. Zu den Anfängen des Anfangs von «Kalki» schrieb er:

«Eine wichtige Erfahrung für mich war, dass es extrem schwierig ist, auf einem privaten Areal und gegen den Widerstand einer gewinnorientierten Eigentümerschaft etwas zu erreichen. Wenn du irgendwo eine Chance hast, dann ist das am ehesten auf einem städtischen Areal, weil du dort gezielt politischen Druck aufsetzen kannst.»
«Die Richtung war klar: wir wollten ein Gegenprojekt zu den Plänen der Stadt. Offen war aber, wie die gemeinsame Vision konkret aussehen würde.»
«Und da hat man natürlich versucht, auch mit der Stadt und Politikern direkt Kontakt zu haben, beziehungsweise mittels [einer] Motion Druck aufzusetzen.»
«Die Nähe zu anderen Genossenschaften oder anderen Projekten war sicher extrem wichtig für den Erfolg des Projekts. [Ihre] Leute haben gezeigt, dass man eine Vision wirklich realisieren kann. Ich glaube, wenn irgendeine Genossenschaft ohne diese Erfahrungen gekommen wäre, hätte das kaum funktioniert.»

– Thomas Stahel, 2015

Beim Sekretariat der SP Kanton Zürich ist er verantwortlich für Kampagnen, Fundraising und Kommunikation.

Trivia

Përparim Avdili, der 2026 für die FDP als Stadtrat und Stadtpräsident kandidierte, benutzte Wo-Wo-Wonigë! als Slogan in seinem Wahlkampf.

Publikationen

Artikel

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Auszeichnung(en)

Referenzen

siehe auch Publikationen↑, Weblinks↑ oben

  1. ↑ siehe Artikel↑ oben
  2. ↑ Lorenz Schmid: 7309 Unterschriften für den öffentlichen Verkehr – Mit einem Vielfachen der nötigen Unterschriften kam die Initiative für einen starken öffentlichen Verkehr zustande. Heute wurde sie den Behörden übergeben, tagesanzeiger.ch, 8. Oktober 2008
  3. ↑ sda: Städte-Initiative will öffentlichen Verkehr fördern – In den Städten Zürich, Basel, [Genf], Luzern. St. Gallen und Winterthur sollen der öffentliche Verkehr, der Fuss- und der Veloverkehr gezielt gefördert werden und ihr Anteil am Verkehr innert zehn Jahren um zehn Prozent gesteigert werden. Die Umweltorganisation umverkehR fordert dies mit einer Städte-Initiative, nzz.ch, 9. Oktober 2008
  4. ↑ sda: Städte-Initiative will öffentlichen Verkehr fördern, nzz.ch, 9. Oktober 2008
  5. ↑ Städte-Initiative auf umverkehr.ch
  6. ↑ Daniel Gerny: Autos bleiben in der Übermacht – Mehr Busse und Velos, dafür weniger Autos und Abgase verlangt die Städteinitiative, über die nun erstmals in einer Grossstadt abgestimmt wird. Doch erste Erfahrungen zeigen, dass sich der Verkehr nicht so einfach lenken lässt, nzz.ch, 16. November 2010
  7. 1 2 Thomas Stahel: Die Anfänge des Anfangs, S. 34–36 in: Kalkbreite: ein neues Stück Stadt, Genossenschaft Kalkbreite, Zürich 2015 / S. 46, Res Keller: kalkgüte – eine eigene art protokoll: acht wochen nach einer besprechung zwischen thomas stahel, iris vollenweider und res keller, 27. August 2005 (siehe Publikationen↑ hier oben)
  8. ↑ spzuerich.ch/person/thomas-stahel
  9. ↑ Beat Metzler: Wahlkampf in der Stadt Zürich: «Wo-Wo-Wonige»: FDP-Kandidat benutzt autonomen Slogan – Përparim Avdili bekämpft linke Wohnpolitik. Nun verwendet er einen Slogan aus der autonomen Szene für die eigene Kampagne. Ein linker Historiker spricht von «Täuschung», tagesanzeiger.ch, 5. Januar 2026
Personendaten
NAME Stahel, Thomas
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Historiker und Stadtforscher in Stadtentwicklungs- und Wohnungsfragen
GEBURTSDATUM 26. Dezember 1971
GEBURTSORT Zürich