Tikun Olam

Tikun Olam häufig auch Tikkun Olam (hebräisch תיקון עולם Tiqqūn ʿOlām, deutsch ‚Reparatur der Welt‘), ist ein ursprünglich in der frühen Periode des rabbinischen Judentums entstandenes ethisches Prinzip. Der Ausdruck findet sich zuerst um 200 in der Phrase מִפְּנֵי תִקּוּן הָעוֹלָם mip'nei tiqqun ha-ʿolam im Zusammenhang der Bestimmungen hinsichtlich des Umgangs mit Scheidebriefen (Mischna Gittin 4:2–9), nach Lazarus Goldschmidt: ‚wegen des allgemeinen Wohles‘, wörtlich: ‚um der Ordnung der Welt willen‘; nach Marcus Jastrow: establishment, institution; amendment, making right. […] for the sake of the social order. um der sozialen Ordnung willen. Später wurde es in der Kabbala aufgegriffen, erhielt während des Mittelalters neue Bedeutungen und erfuhr weitere Bedeutungsbeilegungen in modernen Strömungen des Judentums.

In der jüdischen Liturgie erscheint der Ausdruck letaqqen ʿOlam („Weltverbesserung“) im täglichen Schlussgebet Alenu als Ausdruck der messianischen Hoffnung.

Eine spezielle Bedeutung hat das Wort tikun in den Lehren der Kabbala. Auslöschung des Makels, Wiederherstellung der Harmonie, war der von den kabbalistischen Nachfolgern des Zohar dem Wort zugeordnete Sinn. Gemeint waren damit jene religiösen Taten Israels, die helfen würden, eine Trennung Gottes von der Schechina zu überwinden. Im Rahmen der Lehren Isaak Lurias standen die tikun für Handlungen, die die göttlichen Mächte von den Folgen jener Urkatastrophe erlösen, die das „Zerbrechen der Gefäße“ genannt wird.

Zeitgenössische Verwendung

Ähnlich wie die Adaption des jiddischen Widerstandsliedes Mir velen zei iberleben (oder: Mir veln zey iberlebn, „Wir werden sie überleben“), wird Tikun Olam in der feministischen und queer-aktivistischen Szene der Vereinigten Staaten von Amerika aufgegriffen.

Sam Altman und Jeffrey Sachs geben an, sich am Tikun Olam zu orientieren.

Literatur

Aufsätze

Lexika

Monographien

Einzelnachweise

  1. ↑ Elischa Portnoy: Was ist eigentlich Tikkun Olam? In: Jüdischen Rundschau. 3. Juni 2019, abgerufen am 25. Mai 2021.
  2. 1 2 Mishna Gittin 4. In: sefaria org, abgerufen am 6. Juli 2024.
  3. ↑ תִּיקּוּן, תִּקּוּן m. (תָּקַן). 2) In: Marcus Jastrow: A Dictionary of the Targumim, the Talmud Babli and Yerushalmi, and the Midrashic Literature. Luzac, London 1903 (sefaria.org).
  4. ↑ Gershom Scholem: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen. Zürich 1957 (Frankfurt am Main 1967), S. 253 f.
  5. ↑ Joseph Dan: Kabbalah. A Very Short Introduction. New York 2006, S. 57; E-Book: Oxford University Press, New York, N. Y. 2007, ISBN 978-0-19-531348-2.
  6. ↑ Tad Friend: Sam Altman’s Manifest Destiny. In: The New Yorker. 3. Oktober 2016 (newyorker.com [abgerufen am 3. Juni 2024]).
  7. ↑ Renata Schmidtkunz: Jeffrey Sachs im Gespräch. In: effsachs.org. 28. September 2022, abgerufen am 6. Juli 2024 (Transkript; ursprünglich gesendet im ORF Radio, 28. September 2022): „And one idea of Judaism is called to Tikkun Alum [sic! in fehlerhafter Verschriftung – Anmerkung Wikipedia], which is to heal the world. It's about the first thing I heard as a child. It was part of what I was told by my grandfather and by my parents, and it stuck with me as a basic idea: you try to heal the world. Why not? What else are we going to do?“ – Audiodatei, Download: orf.at (92,3 MB [!]).