
Tilman Neuffer (* 1957 in Stuttgart; † 19. September 2026) war ein deutscher Dramaturg und Regisseur. Er arbeitete an Inszenierungen des klassischen und zeitgenössischen Repertoires, aber auch an interkulturellen und ortsspezifischen Projekten.
Tilman Neuffer studierte Germanistik und Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Nach dem Studium arbeitete er ab 1986 als Regieassistent am Landestheater Tübingen, am Schauspiel Köln und am Staatstheater Kassel, wo er ab 1989 als Dramaturg engagiert wurde. Bis zum Ende der Intendanz von Manfred Beilharz 1991 war Neuffer an der dramaturgischen Konzeption mehrerer Inszenierungen beteiligt, die sich mit einer zeitgenössischen Interpretation klassischer Stoffe auseinandersetzten. Er arbeitete unter anderem mit dem Regisseur Jaroslav Chundela sowie den bildenden Künstlern Johannes Grützke, Roland Topor und Elvira Bach zusammen.
Ab 1991 war Neuffer als freier Dramaturg tätig, zum Beispiel am Schauspiel Bonn in Zusammenarbeit mit Thirza Bruncken und am Staatstheater Darmstadt. Parallel dazu inszenierte er in der freien Theaterszene in Stuttgart und Köln. Er gründete die freie Theatergruppe „Schauprojekt Bonn“ in Verbindung mit dem Theater im Ballsaal und Rosi Ulrich. Im Jahr 2002 verfasste und inszenierte er dort das Stück Karla Kojote macht weiter.
Von 2003 bis 2011 war Neuffer als Dramaturg am Badischen Staatstheater Karlsruhe engagiert. In dieser Zeit arbeitete er mit Regisseurinnen und Regisseuren wie Valentin Jeker, Christian von Treskow, Thomas Krupa und Michael Simon zusammen. Zudem betreute er die Deutsch-Französischen Autorentage „Blickwechsel“, unter anderem mit den Autoren Valère Novarina und Marie NDiaye. Während dieser Zeit nahm er zudem einen zweijährigen Lehrauftrag an der Universität Karlsruhe wahr. Im Jahr 2011 übernahm er gemeinsam mit Knut Weber die künstlerische Leitung der Baden-Württembergischen Theatertage in Karlsruhe. Im Anschluss zeichnete er für die Dramaturgie und Organisation des interkulturellen Projekts Das A-Casting des FlinnWorks am Hebbel am Ufer (HAU) in Berlin verantwortlich.
Es folgten Stationen am Schauspiel Essen (2012) mit der Dramaturgie für Die Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss, am Theater Freiburg (2013/14), am Nationaltheater Mannheim arbeitete er an Produktionen zeitgenössischer Dramatik mit Zino Wey, Tim Eglof, Nora Schlocker und im Jahr 2018 war er am Stadttheater Ingolstadt als Dramaturg für Thomas Köcks Stück Kudlich in der Regie von Michael Simon tätig.
Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählten die zeitgenössische Dramatik so betreute er Uraufführungen von Roland Schimmelpfennig, Lutz Hübner und Inszenierungen von Stücken von Elfriede Jelinek, Peter Handke und Ewald Palmetshofer. Weitere Schwerpunkte lagen auf der Dramatisierung von Romanen, darunter Werke von Peter Weiss und J. M. Coetzee, sowie auf ortsspezifischen Projektarbeiten im Stadtraum. Dazu gehörten Kombi Lösung (2011) im Rahmen von Baukultur vor Ort Karlsruhe mit HS Winkler, Mannheim Arrival Projekt (2015) mit Geflüchteten von Burkhard Kosminski, Über die Dörfer-alb:hören (2017) mit dem LTT Tübingen und Zukunft Bühnenbild (2022), ein von Michael Simon initiiertes Projekt am Deutschen Theatermuseum München, an dem Neuffer als Dramaturg beteiligt war.
Tilman Neuffer lebte zuletzt in Karlsruhe. Er hatte zwei Töchter (* 1991, * 1994) und war seit 2007 verwitwet.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Neuffer, Tilman |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dramaturg und Regisseur |
| GEBURTSDATUM | 1957 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 19. September 2026 |