Titus Sextius

Titus Sextius (* um 85 v. Chr. wohl in Ostia; † nach 40 v. Chr.) war ein im 1. Jahrhundert v. Chr. lebender hochrangiger Militärführer der ausgehenden Römischen Republik. Er diente als Parteigänger Caesars in dessen Gallischem Krieg und verwaltete als Anhänger des Marcus Antonius in den späten 40er Jahren v. Chr. die römische Provinz Africa.

Leben

Die Herkunft von Titus Sextius ist unbekannt. Jedenfalls gehörte er dem römischen Geschlecht der Gens Sextia an. Er war seit spätestens 54 v. Chr. Quästor und seit 53 v. Chr. Legat Caesars in Gallien. In dieser Eigenschaft führte er 53 v. Chr. für Caesars Gallischen Krieg Rekrutierungen durch. Im folgenden Jahr 52 v. Chr. war er Befehlshaber der 13. Legion, mit der er an der Schlacht von Gergovia teilnahm und dann sein Winterquartier im Siedlungsgebiet der Bituriger aufschlug.

Titus Sextius kämpfte auch die letzten beiden Jahre des Gallischen Kriegs für Caesar, ebenso in dessen Bürgerkrieg gegen Gnaeus Pompeius Magnus und Pompeius’ Söhne. Dazwischen war er auch als Prätor tätig. Für das Jahr 44 v. Chr. wurde er vom Diktator in der Stellung eines Proprätors als Nachfolger des Militärs und Geschichtsschreibers Sallust zum Statthalter der auf dem Gebiet des ehemaligen Königreichs Numidien errichteten römischen Provinz Africa Nova ernannt. Nach der Ermordung Caesars im März 44 v. Chr. trat er auf die Seite des Konsuls Marcus Antonius, dem damals mächtigsten Gefolgsmann Caesars, über.

Während des Mutinensischen Kriegs unterstützte Titus Sextius den Konsul Marcus Antonius und erregte daher das Misstrauen des Senats. Nach Antonius’ Niederlage im April 43 v. Chr. erhielt er vom Senat den Befehl, zwei seiner drei Legionen nach Italien zu entsenden, wo sie dem Schutz Roms dienen sollten, und die dritte dem Statthalter der ihm benachbarten Provinz Africa Vetus, Quintus Cornificius, zu übergeben. Dieser war ein Anhänger der republikanischen Staatsform und gehörte zur Senatspartei.

Nachdem Antonius, Octavian (der spätere Kaiser Augustus) und Marcus Aemilius Lepidus im November 43 v. Chr. das Zweite Triumvirat geschlossen hatten und die neuen Machthaber in Italien geworden waren, ernannten sie Sextius auch zum Statthalter von Africa Vetus. Daher verlangte Sextius nun, dass Cornificius seine Provinz räumen solle. Da Cornificius dieser Forderung nicht nachkam, beschloss Sextius, sich gewaltsam in den Besitz der Provinz zu setzen. Anfang 42 v. Chr. unternahm er einen Einfall nach Africa Vetus und stieß bis zur Stadt Hadrumetum (heute Sousse, Tunesien) vor. Im weiteren Kriegsverlauf musste er aber vor den gegnerischen Truppen zurückweichen und wurde bis in seine eigene Provinz verfolgt. Dort belagerten feindliche Heere Cirta (heute Constantine). Mit Hilfe der Anhänger des Publius Sittius und den Streitkräften des einheimischen Stammeshäuptlings Arabio konnte Sextius schließlich den Sieg erringen und eroberte dabei in schweren Kämpfen die Provinz Africa Vetus. Cornificius und dessen Feldherr Decimus Laelius Balbus kamen bei den Kampfhandlungen in der Nähe von Utica ums Leben. Sextius legte sich nun den Imperatortitel zu und übernahm die Verwaltung von beiden afrikanischen Provinzen.

Aufgrund von Antonius’ Absprache mit Octavian nach ihrem Sieg über die Caesarmörder Brutus und Cassius in der Schlacht bei Philippi übergab Sextius seine Provinzen und Streitkräfte 41 v Chr. dem von Octavian bestimmten Statthalter Gaius Fuficius Fango. Beim Ausbruch des Perusinischen Kriegs zwischen Octavian und der Partei des Antonius Ende 41 v. Chr. forderte Sextius aber auf Aufmunterung von Antonius’ Gattin Fulvia die Provinzen von Fango zurück. Er beanspruchte, sie im Namen des Antonius erneut zu verwalten. Da Fuficius die Provinzen nicht freiwillig räumte, nahm Sextius den Kampf gegen ihn auf und erhielt hierbei Unterstützung durch die Numider. Nach einem längeren wechselvollen Krieg behielt er schließlich die Oberhand; und Fuficius beging Selbstmord. Kurzzeitig konnte Sextius nun in der ersten Jahreshälfte 40 v. Chr. wieder die Herrschaft über beide afrikanischen Provinzen ausüben. Mitte 40 v. Chr. musste er sie aber zusammen mit seinen vier Legionen dem Triumvir Lepidus übergeben, da diesem die afrikanischen Provinzen als Reichsteil zugesprochen worden waren. Danach wird Sextius in den antiken Quellen nicht mehr erwähnt.

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Caesar, De bello Gallico 6, 1, 1.
  2. ↑ Caesar, De bello Gallico 7, 49, 1; 7, 51, 1; 7, 90, 6; 8, 11, 1.
  3. ↑ Friedrich Münzer: Sextius 13). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,2, Stuttgart 1923, Sp. 2041–2043 (hier: Sp. 2041).
  4. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 21, 1; dazu Friedrich Münzer: Sextius 13). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,2, Stuttgart 1923, Sp. 2041–2043 (hier: Sp. 2041 f.).
  5. ↑ Appian, Bürgerkriege 3, 85, 351.
  6. ↑ Appian, Bürgerkriege 4, 52, 224 und 4, 53, 227 f.; Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 21, 1 ff.
  7. ↑ Titus Livius, Ab urbe condita, Periocha 123; Appian, Bürgerkriege 4, 53, 228 f.; Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 21, 4 f.
  8. ↑ Appian, Bürgerkriege 4, 55, 236 – 4, 56, 243; Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 21, 5 f. und 48, 22, 4.
  9. ↑ CIL 10, 6104
  10. ↑ Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 22, 1.
  11. ↑ Appian, Bürgerkriege 5, 12, 46; Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 22, 1.
  12. ↑ Appian, Bürgerkriege 5, 26, 102 f.; Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 22, 2 – 23, 4.
  13. ↑ Appian, Bürgerkriege 5, 75, 321; Cassius Dio, Römische Geschichte 48, 23, 5.
Personendaten
NAME Sextius, Titus
KURZBESCHREIBUNG römischer Feldherr
GEBURTSDATUM um 85 v. Chr.
GEBURTSORT wohl in Ostia
STERBEDATUM nach 40 v. Chr.