Tour de Natur

Tour de Natur
(TdN)
Gründung 1991
Zweck „Aktiv – umweltbewegt – unaufhaltsam“ setzt sich die Tour de Natur für den Schutz der Umwelt ein
Mitglieder dynamisch
Website tourdenatur.net
Tour de Natur 2016 am Wesertunnel

Die Tour de Natur (TdN) ist eine seit 1991 jährlich in Deutschland stattfindende, zwei Wochen dauernde politische Veranstaltung, die für eine nachhaltige Verkehrspolitik und Lebensweise wirbt. Kern des Anlasses ist eine Fahrradtour, die von Musik-, Theater- und Akrobatikdarbietungen sowie Diskussionen und Aktionen begleitet wird.

Ziele, Inhalte, Aktionsformen

Tour de Natur: Straßentheater 2005

Die Organisatoren und Teilnehmer der Tour de Natur setzen sich für verschiedene Anliegen ein; darunter fallen unter anderem eine den Umwelt- und Klimaschutz verstärkt berücksichtigende Verkehrspolitik, die Verlagerung des Personen- und Güterverkehrs von den Straßen auf die Bahnen. Sie protestieren gegen die geplante Privatisierung der Deutsche Bahn AG, gegen den Bau neuer Autobahnen sowie gegen den Ausbau von Flughäfen.

Entsprechend ihrem aktuellen Schwerpunktthema fährt die Tour de Natur jedes Jahr auf einer anderen Route. Das TdN-„Kerngebiet“ liegt historisch bedingt in Thüringen, Hessen und Bayern (Franken). Seit 2002 rollt die Fahrraddemonstration auch durch Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg und Berlin sowie durch Tschechien, seit 2013 durch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Frankreich.

Die rund 150 Teilnehmer fahren auf bunt geschmückten Fahrrädern die geplante Route ab, wobei sie an verkehrspolitisch relevanten Orten oder bei ausgewählten Betrieben Halte einlegen. Dort tragen sie ihre Forderungen an die Verkehrspolitik sowie ihre Vorstellungen von nachhaltiger Lebensweise mittels Demonstrationen, Vorträgen, öffentlichen Diskussionen, Straßentheatern oder anderer Formen vor.

Die Organisatoren verbuchen als Erfolge die Durchsetzung diverser verkehrspolitischer Anliegen sowie ihre Öffentlichkeitsarbeit bezüglich einer nachhaltigen und sozialverträglichen Verkehrspolitik und Lebensweise.

Organisation und Selbstverständnis

Tour de Natur 2005

Die Tour de Natur wird von den Teilnehmern selbst organisiert. Dies umfasst die Unterkünfte, die Verpflegung sowie die Vorbereitung der öffentlichen Darbietungen während der Tour.

In die Organisation eingebunden war außerdem bis zum September 2009 ein junger Mensch im freiwilligen ökologischen Jahr (FÖJ), der im Büro des Trägervereins saß. Als Träger fungiert die Grüne Liga Dresden/Oberes Elbtal e.V. Bis 2005 war die Tour de Natur organisatorisch beim ADFC Thüringen (Erfurt) angesiedelt.

Alltag der Tour de Natur

„Mampfmobil“ 2006

Die Durchführung der Tour de Natur erfolgt als angemeldeter Demonstrationszug, der von Polizeifahrzeugen begleitet wird. Alle Mitradelnden transportieren ihr Gepäck, ihre Musikinstrumente und Jonglierutensilien selbst. Für den Transport großer Instrumente, von Aktionsmaterialien und defekten Fahrrädern fährt ein Kleinbus mit. Die Tagesetappen sind zwischen 25 und 60 Kilometer lang. Die Verpflegung der Teilnehmer erfolgt durch mobile Küchen mit ehrenamtlichen Helfenden, die ausschließlich vegetarische, seit 2007 vegane Kost zubereiten.

Die Tour de Natur versucht, alle wichtigen, die Tour betreffenden Entscheidungen basisdemokratisch zu treffen. Dafür kommen während der Radtour alle Teilnehmenden mindestens zum Eröffnungs- und Abschlussplenum zusammen. An der Tour de Natur nehmen Menschen verschiedener Altersgruppen teil.

Geschichte

Tour de Natur: das Logo

Im August 1991 initiierte Frank Tober vom Kreisverband Suhl der Grünen Liga kurzfristig die erste Fahrrad-Protestaktion gegen die Thüringer-Wald-Autobahn. Die etwa 30 Teilnehmer wollten die Bevölkerung auf die ökologischen und sozialen Folgen des Autobahnneubaus aufmerksam machen und umweltverträgliche Lösungen diskutieren. Die erste Tour de Natur hatte aufgrund der kurzfristigen Planung noch einen eher privaten Charakter: Die Radler übernachteten in Gärten und verpflegten sich selbst.

Bereits an der zweiten TdN-Auflage im Sommer 1992 beteiligten sich drei Mal so viele Menschen. Im Jahr 1993 übernahm der ADFC Erfurt die Trägerschaft der Tour de Natur. Der Verein stellte ein Büro und Personal zur Verfügung, das mit ABM-, SAM- und FÖJ-Mitteln finanziert wurde. Im „Grünen Haus“ Erfurt fanden bis zu dessen Schließung auch die regelmäßigen Tour-Vorbereitungstreffen statt. Bis etwa 1997/98 erfuhren die geplanten Autobahnen A 71/A 73 und die ICE-Neubaustrecke Erfurt–Bamberg–Nürnberg einen breiten Widerstand. Die Tour de Natur war ein wichtiger Teil davon und mobilisierte bis zu 300 radelnde Teilnehmer. Als die Bauarbeiten für die Thüringer-Wald-Autobahn begannen, betrachteten viele Aktivisten ihren Kampf als gescheitert, so dass weniger Menschen zur TdN kamen. Nach dem Teilnehmer-Tief um das Jahr 2000 herum pegelte sich die Teilnehmerzahl bei täglich 150 Radfahrern ein.

Commons: Tour de Natur – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Susanne Timm, Jens Hansen, Bericht über die Tour de Natur 2012.
  2. ↑ Radeln für die Umwelt Artikel in: neues deutschland, Peter Nowak, 30. Juli 2012.
  3. ↑ Strecke der Tour 2016
  4. ↑ Beschluss des Verwaltungsgerichtes Oldenburg zur Fahrt durch den Wesertunnel
  5. ↑ Nordsee-Zeitung, 21. Juli 2016, "Radlerdemo will durch den Wesertunnel", Nordsee-Zeitung, 23. Juli 2016, "Streitgespräch über die A20-Pläne"
  6. ↑ NWZ-Online, 27. Juli 2016, Ausnahme für Radtour?
  7. ↑ Nordsee-Zeitung, 28. Juli 2016, "Erste Radlerdemo durch den Wesertunnel", Nordsee-Zeitung, 30. Juli 2016, "Mit dem Rad durch den Wesertunnel"
  8. ↑ Tour de Natur radelt am 5. August über die Iffezheimer Staustufe, Presseinfo, 4. August 2017