TriVis Weather Graphix (TriVis) ist ein seit 1992 entwickeltes Softwaresystem zur Visualisierung meteorologischer Daten, das ursprünglich am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes und in Zusammenarbeit mit diesem für Wetterdarstellungen im Fernsehen entwickelt wurde. Seit 1995 wird es von der daraus hervorgegangenen ask – Innovative Visualisierungslösungen GmbH weiterentwickelt, die heute der Hersteller ist. Das System wird international bei staatlichen und privaten Wetterdiensten sowie bei nationalen und regionalen Rundfunkanstalten eingesetzt.
Ende 1990 entstand die Idee, dass man auf Basis von Bewölkungsinformationen aus numerischen Wettervorhersagemodellen ähnliche Animationen erstellen könnte, wie dies schon mit Satellitenbildern (Infrarotkanal von Meteosat-4) möglich war. Auf diesen Satellitenfilmen war nämlich die Dynamik des Wetters gut zu erkennen. Diese Idee eines „Pseudo-Satellitenfilms“ wurde vom Süddeutschen Rundfunk (SDR) und dem Deutschen Wetterdienst als Frage nach einer geeigneten mediengerechten Visualisierung von Wolkenvorhersagedaten für das Fernsehen entwickelt und vom Deutschen Wetterdienst als Projektvorschlag an das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt herangetragen. Der offizielle Projektbeginn erfolgte zu Ostern 1992 in der Abteilung Visualisierung und Simulation (A4). Das System trug zunächst den Namen „Triton“.
Im Dezember 1992 fand die erste Ausstrahlung im Wetterbericht des SDR statt. Ab Januar 1993 wurde das System täglich im Sendebetrieb eingesetzt. Im selben Jahr erschienen die ersten wissenschaftlichen Publikationen zu dem System (noch unter dem Namen „Triton“). Das System ist seitdem beim Deutschen Wetterdienst installiert und die damit erstellten Wetteranimationen wurden bereits durch den SDR und den Hessischen Rundfunk ausgestrahlt, unter anderem im ARD-Mittagsmagazin und in Regionalprogrammen.
Wegen eines Konflikts um die Rechte am Namen „Triton“ wurde das System später in „TriVis“ umbenannt.
1995 wurde einem an der Entwicklung beteiligten Mitarbeiter des Institut für Graphische Datenverarbeitung der Joseph-von-Fraunhofer-Preis für die laiengerechte Visualisierung meteorologischer Daten verliehen.
Im selben Jahr entstand durch Ausgründung aus dem Institut für Graphische Datenverarbeitung das Unternehmen ask - Innovative Visualisierungslösungen für die weitere Entwicklung und Vermarktung der Software (erste Eintragung ins Handelsregister am 24. Juli 1995). Der Deutsche Wetterdienst meldete im November 1995 die Wortmarke „TriVis“ beim Deutschen Patent- und Markenamt an. Sie wurde im März 1996 für wirtschaftliche Beratungen und Gutachten über Wetter- und Klimaerscheinungen eingetragen und ist bis heute auf den Deutschen Wetterdienst registriert.
Im Oktober 1995 wurde die neue Grafikgeneration erstmals abends in der ARD-Wettervorhersage gesendet und es wurde die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Wetterdienst SMHI gestartet. Im selben Jahr wurde das System für einen Dokumentarfilm des WDR zum zehnten Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl eingesetzt, um die historische Ausbreitung von Niederschlägen über mehreren europäischen Regionen zu visualisieren. TriVis wurde auf dem „Festival Meteo“ in Paris präsentiert. Der Deutsche Wetterdienst produzierte Wettervorhersageanimationen u. a. für Sat.1 und arte.
1997 erschien eine Dissertation zur Visualisierung meteorologischer Daten, die dem System ein eigenes Kapitel widmete. Im August/September 1997 wurde mit TriVis auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin erstmals live eine dreidimensionale Wetterpräsentation aus einem virtuellen Studio gezeigt. An diesem Projekt waren das Institut für Graphische Datenverarbeitung, der Deutsche Wetterdienst, der Hessische Rundfunk, die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, die Kunsthochschule für Medien Köln und das Institut für Rundfunktechnik beteiligt. Im November desselben Jahres wurde das System beim Sixth Workshop on Meteorological Operational Systems des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage in Reading vorgestellt. 1998 kam die Technik beim dreidimensionalen Rendering für die Tour de France zum Einsatz. 1999 folgte eine weitere wissenschaftliche Veröffentlichung auf dem gemeinsamen Symposium von Eurographics und IEEE TCVG.
Im Jahr 2000 war TriVis das offizielle Wettervisualisierungssystem der Olympischen Sommerspiele in Sydney. Im selben Jahr erschien eine erweiterte Zeitschriftenfassung der Publikation von 1999, ebenso ein eigenständiges Kapitel zur Animation meteorologischer Daten für Massenmedien in einem Sammelband zur kartographischen Animation. 2006 wurde TriVis anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland auch beim ZDF eingesetzt.


2017 meldete das aus dem Institut für Graphische Datenverarbeitung hervorgegangene Unternehmen ask - Innovative Visualisierungslösungen beim Deutschen Patent- und Markenamt die Wortmarken „TriVis Weather Graphix“ und „trivis“ an.
2020 bis 2023 erweiterte ask - Innovative Visualisierungslösungen seine auf TriVis basierende Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst im Forschungsprojekt „Met4Airports“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, das mithilfe künstlicher Intelligenz wetterbedingte Betriebseinschränkungen vorhersagbar machen sollte.
TriVis wird weiterhin international von Wetterdiensten und Rundfunkanstalten eingesetzt: 2022 entschied sich der norwegische Rundfunk NRK nach europaweiter Ausschreibung für TriVis als neues Grafiksystem für die Fernsehwettervorhersage. und der kroatische Rundfunk HRT erstellt weiterhin mit TriVis seine Wettergrafiken zur Darstellung der Luftdruck- und Temperaturentwicklung etc. Der Deutsche Wetterdienst beschrieb 2023 den fortgesetzten Einsatz von TriVis bei der Produktion von Wetter- und Warnvideos. 2025 veröffentlichte der slowenische Wetterdienst ARSO seine Beschaffung zur Erneuerung ihrer TriVis-Lizenzen und der irische Wetterdienst Met Éireann wählte TriVis ebenfalls nach einem öffentlichen Vergabeverfahren als Wettergrafiksystem aus.
TriVis dient der automatisierten wie auch interaktiven Erzeugung zwei- und dreidimensionaler Animationen aus den Daten numerischer Wettervorhersagemodelle, Wetterbeobachtungen, Punktterminprognosen, Blitzortungen sowie aus Satelliten- und Radardaten. Dabei werden viele verschiedene Datenformate von Standards der Weltorganisation für Meteorologie (z. B. GRIB2) oder Industriestandards (z. B. GeoTIFF, XML) unterstützt.
Zur realistisch wirkenden Darstellung von Wolken verwendet das System seit seinen frühen Versionen fraktale Verfahren, insbesondere die sogenannte Rescale-and-Add-Technik, mit der aus meteorologischen Parametern wie Bewölkungsgrad, Wolkendichte oder Niederschlagsart realistisch wirkende, zweidimensional berechnete, aber dreidimensional wirkende Wolkenobjekte erzeugt werden.
Die Ausgabe kann als Videosequenz für den Rundfunk, als Inhalt für Online- und Social-Media-Angebote sowie im Vektorformat EPS für den Druck (z. B. für Zeitungswetterkarten) erfolgen. Zusätzlich lässt sich das System in virtuelle Studioumgebungen integrieren (Fill und Key-Videosignale, animierte Texturen).
Die ursprüngliche Softwareversion des DWD/IGD-Projekts war auf IRIX in C unter X11/OSF-Motif auf Workstations des Herstellers Silicon Graphics (beispielsweise Onyx, Indigo2, O2, Octane) realisiert. Die neue, von ask - Innovative Visualisierungslösungen hergestellte Version basiert seit den 2000er-Jahren auf Linux und ist in C++ und Python mit der Bibliothek Qt für die Benutzungsoberfläche sowie OpenGL mit Shadern für die Grafikausgabe realisiert.
Der Medienwissenschaftler Rolf F. Nohr analysierte 2002 die mit TriVis erzeugten Wetterflüge der ARD und diskutierte dabei Schwierigkeiten der räumlichen Orientierung sowie den möglichen Eindruck einer zeitlichen Wetterentwicklung, obwohl die Darstellung einen festen Prognosezeitpunkt wiedergab. 2005 entstand an der Fachhochschule Gießen-Friedberg in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk eine Diplomarbeit, die TriVis als Datengrundlage für eine neu entwickelte Echtzeitanwendung zur Simulation von Wetterflügen nutzte. Der Deutsche Wetterdienst bezeichnete TriVis anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Systems 2015 als Erfolgsgeschichte, aus der ein weltweit erfolgreiches Wettervisualisierungssystem hervorgegangen sei.
Die im Umfeld von TriVis entstandenen wissenschaftlichen Publikationen werden bis in die Gegenwart in Fachliteratur zur meteorologischen Visualisierung zitiert.