
„Tristan Otto“, auch nur „Tristan“, wird das Skelett eines Tyrannosaurus rex (kurz T. rex) genannt, das Anfang der 2010er Jahre im US-Bundesstaat Montana entdeckt und ausgegraben wurde. Das seit Dezember 2015 im Naturkundemuseum Berlin (MfN) ausgestellte Exemplar ist eines der besterhaltenen weltweit. Insbesondere der Schädel ist mit 98 Prozent außergewöhnlich vollständig erhalten. Tristan Otto war das erste und bis September 2016 das einzige in Europa ausgestellte Originalskelett eines T. rex.
Das Skelett von Tristan Otto besteht aus 300 Elementen, 170 davon sind originale Fossilien. Trotz des weit zurückliegenden Lebenszeitraums gibt es einzelne Anhaltspunkte, die den Paläozoologen Aufschluss über das Leben Tristan Ottos geben. So offenbarten Untersuchungen der Knochen neben verheilten Verletzungen auch einen gutartigen Tumor im Unterkiefer und Anomalien der Zahnwurzeln – vermutlich hatte er starke Zahnschmerzen, verursacht von einem überlangen Zahn. Im Gegensatz zu den benachbarten Zähnen fiel er bei den periodischen Wechseln der abgenutzten Zähne nicht aus; der nachschiebende Zahn blieb dahinter und dürfte schmerzhaften Druck auf den Kieferknochen ausgeübt haben.
Im Sommer 2012 wurden in Montana in der Hell-Creek-Formation auf einem Privatgrundstück die fossilen Knochen eines außergewöhnlich vollständigen Exemplars von T. rex ausgegraben. Die Schichten der Hell-Creek-Formation sind allgemein bekannt für ihren Reichtum an Dinosaurierknochen aus der späten Kreidezeit.
Die dänischstämmigen Mäzene Niels Nielsen, ein Londoner Investmentbanker, und sein Kompagnon Jens Peter Jensen kauften diese Knochen und überließen sie im Juli 2015 für drei Jahre dem Museum für Naturkunde in Berlin mit der Auflage weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen.
Das Exemplar erhielt die Inventarnummer MB.R.91216 und den Spitznamen „Tristan Otto“ nach den Vornamen der Söhne der beiden Mäzene.
Bei der Einfuhr nach Deutschland erhob der Zoll anfangs eine Gebühr von mehreren hunderttausend Euro, da der Schädel als Handelsobjekt und nicht als Kultur- und Wissenschaftsobjekt eingestuft wurde. Davon wurde dann aber Abstand genommen.
Das Skelett traf am 14. November 2015 in Berlin ein und musste binnen eines Monats aufgebaut werden. Da der originale Schädel mit seiner Masse von 180 kg für die Installation am Skelett zu schwer gewesen wäre, wurde er im 3D-Labor der Technischen Universität Berlin mittels Computertomographie digitalisiert, um nach einer umfangreichen Datenbearbeitung eine Schädelkopie in mehreren Einzelteilen sintern zu können. Die wesentlich leichtere Kopie ersetzt am Skelett den Originalschädel, der in einer separaten Vitrine ausgestellt und somit auch jederzeit für die laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen besser zugänglich ist. Dies wird bei vielen großen Dinosaurier-Exponaten ähnlich gehandhabt, so auch beim Giraffatitan-Skelett im zentralen Lichthof (Jura-Saal) des Naturkundemuseums. Das montierte T. rex-Skelett bekam im Dezember 2015 in einer Nachbarhalle des Jura-Saals seinen Platz. Nach Angaben des MfN kamen bis 2020 rund 3 Millionen Besucher, um Tristan Otto zu sehen.
Ursprünglich sollte das Skelett im Frühjahr 2019 nach Kopenhagen überführt und im dortigen Naturkundemuseum ausgestellt werden, der Umzug verzögerte sich jedoch um ein Jahr. In Berlin musste es für seine Reise in Einzelteile zerlegt und sorgfältig verpackt werden. Ab Juni 2020 war Tristan Otto dann im Naturkundemuseum Kopenhagen zu sehen und konnte dort auch im Jahr 2021 bleiben. Das Interesse an der Ausstellung König der Dinosaurier war trotz Auflagen in der Corona-Pandemie sehr groß, von mehr als 100.000 Besuchern wird berichtet. Durch die Pandemie verzögerte sich die Rückreise nach Berlin.
Seit August 2022 befindet sich Tristan Otto im Rahmen einer neuen Ausstellung wieder im Museum für Naturkunde in Berlin. Anlässlich der Wiederaufstellung beschlossen die Fachleute eine andere Haltung des Dinos, die seinen damaligen Bewegungen und seiner Umwelt besser entspricht.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Alter des Fossils | ca. 66 Millionen Jahre (Hell-Creek-Formation, spätes Maastrichtium) |
| geschätztes Lebensalter | 20 Jahre |
| geschätzte Lebendmasse | 7 Tonnen |
| Masse der fossilen Schädelknochen | 180 kg |
| Vollständigkeit (321 Teile = 100 %) | 157 Originalteile = 48,9 %, Rest ergänzt |
| Länge des Skeletts über alles | 12 m |
| Höhe über alles (am Becken) | 3,63 m |
| Höhe über Schädeldecke | 3,31 m (stimmt nicht mit Foto überein) |
| Höhe unter dem offenen Unterkiefer | 1,95 m |
| geringste Höhe unter dem Brustkorb | 1,51 m |
| Höhe unter dem Schambein | 1,45 m |
| geringste Höhe unter dem Schwanzskelett | 2,76 m |
| maximale Höhe über dem Schwanzskelett | 3,41 m |