Zwei Arten von Trompen: links Ecktrompe in einer Außenecke, rechts Winkeltrompe in einer Innenecke.
Eine Trompe (englisch: squinch; französisch: trompe; spanisch: trompa) ist in der Architektur ein eckständiger, schräg über Eck gemauerter Bogen, wobei das Innere als Kalotte gewölbt oder in mehreren Bögen stufig gestaffelt ist. Trompen dienen bei Innenecken als Nischentrompe der baukonstruktiven Überleitung vom quadratischen Grundriss in einen oktogonalen Grundriss darüber – oder umgekehrt bei Außenecken als Ecktrompe von einer Abschrägung in eine Ecke darüber.
Die bekanntere Trompe ist als Winkeltrompe oder Nischentrompe ein architektonisches Mittel zur Überführung aus der Innenecke einer Vierung (z. B. eines Kirchengebäudes) in eine Kuppel darüber. Bei der Trompenkuppel sind die vier Ecken eines Quadrats als Trompen abgeschrägt, so dass darüber ein Oktogon entsteht. (Eine baukonstruktiv andere und auch anders gestaltete Überleitung vom Viereck in das Achteck bzw. in die Kuppel ist das Pendentif der Pendentifkuppel.)
Ebenso wie Winkeltrompen unter einer Kuppel müssen auch Gewölbebögen über Fenster- und Türöffnungen in der Mauer eines runden Turms konstruiert werden, was im Quaderbau zu den schwierigsten Aufgaben des Steinschnitts gehört.
Winkel- oder Nischentrompen, insbesondere unter Kuppeln, waren oft auch Trägerflächen für Schmuck und Dekor. In der islamischen Kunst sind sie manchmal muschelförmig gestaltet oder mit Muqarnas-Stuckdekor verkleidet. In der ehemaligen Abteikirche Sainte-Foy in Conques sind vier Engelsfiguren in die Trompen eingepasst; die Kathedrale von Valencia zeigt einen oktogonalen Laternenturm mit muschelförmigen Trompen und den – zu Beginn des 19. Jahrhunderts hinzugefügten – vier Evangelisten.
Bilder
Trompen unter einer Kuppel, Qal'e-Dochtar in Firuzabad, Iran (209 AD)
Während Winkeltrompen immer an Innenecken auftreten, werden Ecktrompen (französisch: trompe sur le coin) an Außenecken gebildet, was selten ist. Eine Ecktrompe bildet den architektonischen Übergang von der Schräge in eine darüberliegende Ecke, z.B. bei einer abgeschrägten Hausecke.
Wilfried Koch: Baustilkunde. Das grosse Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Orbis, München 1994, ISBN 3-572-00689-9.
Johann Friedrich Penther: Ausführliche Anleitung zur bürgerlichen Bau-Kunst (Band 1): Enthaltend ein Lexicon Architectonicum oder Erklärungen der üblichsten Deutschen, Französischen, Italiänischen Kunst-Wörter der Bürgerlichen Bau-Kunst ... Augsburg 1744, S. 157: Trompe (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg, abgerufen am 2. März 2024).
L. v. Willmann: Trompe. In: Otto Lueger (Hrsg.): Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 8. Stuttgart / Leipzig 1910, S. 627 (Digitalisat auf Zeno.org, abgerufen am 3. März 2024).
↑Johann Friedrich Penther: Ausführliche Anleitung zur bürgerlichen Bau-Kunst (Band 1): Enthaltend ein Lexicon Architectonicum oder Erklärungen der üblichsten Deutschen, Französischen, Italiänischen Kunst-Wörter der Bürgerlichen Bau-Kunst ... Augsburg 1744, S. 157: Trompe. (Digitalisat auf digi.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 2. März 2024).