Trysub

Der Trysub im ukrainischen Wappen

Der Trysub (ukrainisch Тризуб) ist in der Heraldik eine gemeine Figur und fast nur auf ukrainischen Wappen und Flaggen (Beispiel Kriegsflaggen) anzutreffen.

Der Dreizack, wie die Bezeichnung übersetzt werden kann, ist ein nationales Symbol der Ukraine. Dargestellt ist er in Gold auf blauem Grund.

Geschichte

Trysub-Relief aus den Überresten der Zehntkirche in Kiew, 1908 gefunden und auf das 10. Jahr­hundert datiert

Die früheste eigene Münzprägung in der Kiewer Rus existierte von etwa 988 bis etwa 1019 und entstand im Zuge der Einführung einer neuen Staatsreligion (Christentum). Zeitlich war diese Periode begrenzt auf nur etwa 30 Jahre, historisch jedoch von Bedeutung. Aus dieser Zeit sind 11 Goldmünzen und etwa 330 Silbermünzen bekannt. Der Trysub tritt hier erstmal in Erscheinung – er kommt auf all diesen Münzen in mehreren Varianten vor.

Der erste Münzfund mit dem Porträt eines Fürsten namens Wladimir und einem Trysub über der Schulter erfolgte vor 1794 im nördlichen Teil der Linksufrige Ukraine, innerhalb der damaligen Grenzen der Oblaste Tschernihiw bzw. Poltawa. In 1796 wurde diese Münze in Kiew gekauft. Diese Münze wurde unter dem Namen Zlatnik bekannt. Eine weitere Münze tauchte 1815 im alten Dorf Boryspil (an der Stelle des heutigen Flughafen Kiew-Boryspil) auf und zeigte auf ganzer Fläche einen Trysub.

Der Begriff Trysub (Dreizack) wurde erstmals vom russischen Historiker Nikolai Michailowitsch Karamsin verwendet, der 1816 in seiner Geschichte des Russischen Reiches bei der Beschreibung einer Münze aus der Sammlung des Grafen Alexei Iwanowitsch Mussin-Puschkin feststellte: „In der Mitte der Inschrift befindet sich ein Zeichen, das einem Trysub (Dreizack) ähnelt.“ Diese Erwähnung findet sich im Abschnitt „Anmerkungen zu Band II“.

Das Zeichen hat sich im Laufe der Zeit zur heutigen Form entwickelt; es wurde von 1918 bis 1921 zum Symbol der Ukrainischen Volksrepublik.

Das Symbol gab der in Paris erschienenen Zeitung Trysub ihren Namen.

Deutung

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Trysub unterschiedlich interpretiert. Eine Auflistung der Deutungen inklusive der Deutungsurheber findet sich z. B. bei Grechylo in seinem Buch Nasch Herb. Darunter sind Zepter, Krone, Leuchter, Taube, Rabe, Falke, Kirchenportal, Monogramm, Ornament. Eine allgemein anerkannte Trysub-Deutung gibt es nicht. Es wird von einem Fürstenzeichen (Княжеский Знак) gesprochen, z. B. bei M. P. Sotnikova und I. G. Spasski in Russian coins of the X-XI Centuries.

Srebrenik von Jaroslaw dem Weisen

Der ukrainische Historiker Domet Oljancyn hat den Trysub im Jahr 1956 als Christogramm gedeutet. In seinem Aufsatz Die Symbolik des Zeichens auf den Münzen Vladimirs des Großen und seiner Nachkommen führt er aus dem Erscheinungskontext der Münzen heraus an, dass der Trysub ein christliches Symbol sei. Nach Oljancyn ist der Trysub „ein christlich-religiöses Zeichen … ein Symbol wie das Kreuz oder das Christogramm Konstantins des Großen“. Das Zeichen gebe „sinnbildlich, gemäß der Offenbarung des hl. Johannes, ... die Buchstaben Alpha und Omega wieder ... wobei das Alpha (Α) seinen unteren und das Omega (ω) seinen oberen Bestandteil bilden“. Der Rahmen, der beide Buchstaben verbinde, sei „ein und derselbe“. Als Referenz für den Trysub führt er den Srebrenik von Jaroslaw dem Weisen (* 979; † 1054) an. Auf dem Revers dieser Münze erscheint der Trysub, umrahmt von der Legende ΙΑΡΟϹΛΑΒΛΕ ϹЬΡΕБΡΟ. Oljancyn schlägt auch eine zweite mögliche Lesart vor: als kombiniertes Monogramm ΧΡΗϹΤΟϹ – ΘΕΟϹ, ΑΛΦΑ – ΩΜΕΓΑ (siehe Relief-Bild im Abschnitt „Geschichte“).

Heutige Verwendung

Briefmarken-Jahrgang 1992 der Ukrainischen Post
Sondermarke vom 19. August 1992 anlässlich des Jahrestages der Unabhängigkeit

Heute ist das Wappenzeichen nicht nur auf dem Staatswappen der Ukraine, sondern auf vielen Wappen der Oblaste, Briefmarken, Münzen und Geldscheinen der Nationalwährung Hrywnja abgebildet. Auch die Präsidentenstandarte führt das Zeichen.

Für das Wappen in der gültigen Form wurde die Wappenfigur 1918 vom Künstler Wassyl Krytschewskyj erarbeitet.

Die italienische Militäreinheit Reggimento genio ferrovieri verwendet den Trysub in seinem Wappen.

Wappen mit dem Trysub

Am Gebäude des ukrainischen Außenministeriums ersetzte der Trysub das sowjetische Emblem an der Außenfassade.

Literatur

Commons: Trysub – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. M. P. Sotnikova and I. G. Spasski, BAR Publishing, 1982: Russian coins of the X-XI Centuries A.D.: Recent research and a corpus in commemoration of the millenary of the earliest Russian coinage
    1. ↑ S. 1–239, hier 10.
    2. 1 2 S. 1–239, hier 9.
    3. 1 2 S. 1–239, hier 14.
    4. ↑ S. 1–239, hier 98.
  2. ↑ R. M. Shust. Zlatnyk // Enzyklopädie der ukrainischen Geschichte... Bd. 3, S. 364.
  3. ↑ Ernst Lüdemann: Ukraine (= Beck’sche Reihe 860 Länder). 3., völlig neu bearbeitete Auflage. C. H. Beck oHG, München 2006, ISBN 3-406-54068-6, S. 20.
  4. ↑ Andri Grechylo: Nasch Herb.
    1. ↑ S. 1–400, hier 28.
  5. ↑ Domet Oljancyn: Die Symbolik des Zeichens auf den Münzen Vladimirs des Großen und seiner Nachkommen. In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas. Band 4, Nr. 1, 1956, JSTOR:41041367.
    1. ↑ S. 1–17, hier 2.
    2. ↑ S. 1–17, hier 4.
    3. ↑ S. 1–17, hier 15.
  6. 1 2 Günther Schäfer: Kiev entdecken. Rundgänge durch die Metropole am Dnepr. 2., aktualisierte Auflage. Trescher, Berlin 2007, ISBN 978-3-89794-111-3, S. 69, 128.