Turbenthal

Turbenthal
Wappen von Turbenthal
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Zürich Zürich (ZH)
Bezirk: Winterthurw
BFS-Nr.: 0228i1f3f4
Postleitzahl: 8488 Turbenthal
8495 Schmidrüti
UN/LOCODE: CH TUR
Koordinaten: 706277 / 254802Koordinaten: 47° 26′ 8″ N, 8° 50′ 51″ O; CH1903: 706277 / 254802
Höhe: 550 m ü. M.
Höhenbereich: 538–871 m ü. M.
Fläche: 25,22 km²
Einwohner: 5369 (1. Januar 2026)
Einwohnerdichte: 213 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
20,9 %
(1. Januar 2026)
Gemeindepräsident: René Gubler
(FDP.Die Liberalen)
Website: www.turbenthal.ch
Turbenthal
Turbenthal
Lage der Gemeinde
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Karte von Turbenthal
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Turbenthal [ˈtʊrbənˌtaːl] (im einheimischen Dialekt: [ˈtʊːrbəˌtaːl], Turbetaal, älter: Turpetaal) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz.

Name

Der Name des Dorfes ist erstmals im Jahr 825 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen als Turbatuntale belegt, dann 829 als Turbatun und noch 1330 als Turbaten. Er dürfte auf eine keltische Form *Turbādūnum mit der Bedeutung ‹befestigte Siedlung am Flusse Turbā› zurückgehen; Turbā (idg. *twer- ‹drehen, wirbeln›) wäre dabei der alte Name der Töss.

Wappen

Blasonierung:

In Rot ein schrägrechter, silberner Balken, belegt mit drei blauen Ringen

Die drei Ringe beziehen sich auf das Geschlecht Breitenlandenberg, deren Stammburg sich auf dem Gemeindegebiet befindet; die Nachbargemeinde Wila führt das Landenberger Familienwappen ohne Abänderung als Gemeindewappen. Der Schrägbalken ist in Turbenthal seit dem 18. Jahrhundert nachweisbar, in der heute gültigen Form seit 1928.

Dorfwappen

Geographie

Die im oberen Tösstal gelegene Gemeinde zählt mit ihren 25,22 km² zu den grösseren des Kantons und umfasst neben dem Dorf Turbenthal zahlreiche weitere Ortschaften. Seit dem frühen 19. Jahrhundert bestanden auf dem heutigen Gemeindegebiet zehn Zivilgemeinden:

Diese wurden bis 1930 nach und nach alle aufgelöst, ihre Aufgaben gingen an die politische Gemeinde über.

Vom Gemeindegebiet sind 57,1 % bewaldet, 34,1 % werden landwirtschaftlich genutzt, 5,2 % sind Siedlungs- und 2,7 % Verkehrsfläche, 0,4 % sind Gewässer und 0,5 % unproduktive Fläche (Stand 2018). Der mit 540 m ü. M. tiefste und zugleich westlichste Punkt der Gemeinde befindet sich auf der Grenze zur Gemeinde Zell ZH an der Töss, der höchste auf 842 m ü. M. an der Grenze zu Hofstetten.

In der Ortsmitte mündet bei der Kirche von Osten das Neubrunnental ins Tösstal ein. Es bildet eine sehr niederschwellige Verbindung zur Kantonsgrenze zum Hinterthurgau am Bichelsee und zu den Ostschweizer Kantonen Thurgau, St. Gallen und Appenzell. Hier bestanden zur Zeit des Eisenbahnbaus im 19. Jahrhundert zweimal Projekte von Adolf Guyer-Zeller zum Bau von Verbindungsachsen von der Tösstalbahn zu den Linien Winterthur–Frauenfeld–Romanshorn und Winterthur–Wil–St. Gallen–Rorschach, die aber nie verwirklicht wurden.

An die Bedrohungen durch Nazideutschland erinnern gleichenorts Panzersperren aus Betonhindernissen am Bichelsee, im Volksmund «Toblerone-Sperre» genannt. Sie hätte den Einfall mechanisierter Truppen aus dem Bodenseeraum behindern sollen.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr14671634185019001950200020052010201520202022
Einwohnerca. 340502233619522467401941544091419949895041

Von den 5041 Personen in der Gemeinde sind 36,1 % reformierter und 16,3 % katholischer Konfession, 47,6 % haben eine andere oder keine Konfessionszugehörigkeit (Stand 2023).

Politik

Gemeindepräsident ist seit 2022 René Gubler (FDP, Stand 2023).

Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Turbenthal: SVP 40,43 % (−2,56), SP 14,08 % (+1,46), glp 8,20 % (−0,74), FDP 7,61 % (−0,45), EVP 6,85 % (−0,66), Mitte 6,65 % (+1,00), Grüne 5,85 % (−3,48), EDU 3,79 (+0,13).

Geschichte

Luftbild aus 300 m von Walter Mittelholzer (1920)

Um das Jahr 700 wurde in der Region um Turbenthal das Christentum eingeführt. In einer Urkunde aus dem Jahre 858 übertrug ein Reginbert seinen Besitz und seinen Anteil an der «Basilika in Turbanturn» dem Kloster St. Gallen. Das Kloster übte in den folgenden Jahrhunderten Einfluss auf die Kirche aus. Der schwarze Bär auf gelbem Grund, das Wappen der Fürstabtei St. Gallen, ist auch heute noch am Kirchturm unter dem Zifferblatt zu finden.

1328 wurde in Dokumenten erstmals die Stammburg des Adelsgeschlechtes von Breitenlandenberg erwähnt, das damals nicht nur im Tösstal Macht besass. Die Burg stand «hoch über dem Dorf» Turbenthal. Die grosse Burganlage wurde 1804 abgebrochen. Teile davon wurden in Häuser eingebaut und sind teilweise noch erhalten. Bis 1452 gehörte die Gemeinde Turbenthal zum Gebiet der Grafschaft Kyburg. Als die Stadt Zürich die Grafschaft kaufte, wurde das Dorf zürcherisch.

Im 17. Jahrhundert wurde Turbenthal bekannt durch die zahlreichen grossen Spinnereien und Webereien. Das Dorf litt unter Hungersnöten. Nach einer schweren Krise wurde die Hausindustrie durch die Fabrikindustrie abgelöst. Erste Baumwollspinnereien entstanden. 1830 erhielt das Dorf den traditionellen Jahrmarkt, der auch heute noch im Frühling und im Herbst stattfindet.

1875 wurde die Tösstalbahn durch das Dorf gebaut. Die Krankenkasse Turbenthal bestand von 1888 bis 2018. Vor 1920 trat die Töss mehrmals über die Ufer und richtete teilweise verheerende Schäden an. In den 1930er Jahren wurde das Flussbett mit Schwellen saniert.

Ortsmuseum

Das Ortsmuseum Turbenthal befindet sich im ehemaligen Ökonomieteil des Stiefelhauses. Seit 1988 wurden Gegenstände des früheren Brauchtums, des Handwerks und der Heimindustrie aus dem Tösstal zusammengetragen. Im Ortsmuseum können auch Künstler aus der Region ihr Schaffen vorstellen. Besondere Bedeutung haben die ausgestellten Gegenstände aus dem persönlichen Nachlass der Schriftstellerin Olga Meyer. Sie hat in ihren Romanen Anneli, Sabinli oder Gesprengte Fesseln das frühere Leben im Tösstal beschrieben.

Sehenswürdigkeiten

Reformierte Kirche, 1512 erbaut, 858 als Basilika in Turbanturn erwähnt

Auf dem Gebiet von Turbenthal gibt es vier Kirchen:

Weitere Sehenswürdigkeiten sind:

Verkehr

Die Tösstalbahn verbindet das Dorf seit 1875 mit der Stadt Winterthur und verkehrt heute als Teil des Zürcher Verkehrsverbundes regelmässig als S 26 Winterthur – Bauma – Rüti ZH und S 11 Aarau – Lenzburg – Dietikon – Zürich HB – Stettbach – Winterthur – Seuzach/Sennhof-Kyburg (– Wila) . Im Sommer kann man Spezialfahrten mit den alten Dampflokomotiven durch das Tösstal geniessen.

Ab Turbenthal, Bahnhof verkehren folgende Postautolinien:

805 Turbenthal – Hutzikon – Girenbad

806 Turbenthal – Bichelsee – Ithaslen – Dussnang

807 Turbenthal – Wila – Schmidrüti – Sitzberg

825 Turbenthal – Wildberg – Ehrikon – Madetswil – Russikon – Pfäffikon ZH

Turbenthal ist für den Strassenverkehr ein Verkehrsknotenpunkt Richtung St. Gallen, Rapperswil SG, Winterthur, Frauenfeld und Uster.

Der nächste bediente Bahnhof befindet sich in Winterthur Seen.

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Turbenthal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
  4. ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
  5. ↑ Heinz Gallmann: Zürichdeutsches Wörterbuch (= Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen in allg. verständl. Darstellung, begleitet vom Verein Schweizerdeutsch. Band III). 1. Auflage. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2009, ISBN 978-3-03823-555-2, S. 670.
  6. ↑ Andres Kristol: Turbenthal ZH (Winterthur). In: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS/LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 978-3-7193-1308-1 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 978-2-6010-3336-6, S. 891.
  7. ↑ Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Hrsg.): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 6: Tavetsch Val – Zybachsplatte, Supplement – letzte Ergaenzungen – Anhang. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1910, S. 212, Stichwort Turbenthal.
  8. ↑ Geschichte. Website der Gemeinde Turbenthal.
  9. ↑ Gemeindeporträts. Turbenthal. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018.
  10. ↑ Beschlußentwürfe. Die Bundesversammlung der schweizerischen Eidgenossenschaft […] beschließt. In: Bundesblatt. Band 2, Nr. 29, 1871, S. 1092–1094, abgerufen am 21. Dezember 2021.
  11. ↑ Hans Rudolf Schneider: Sperre Grenzbrigade 6 Bichelsee. In: FO Festung Oberland. 2021, abgerufen am 21. Dezember 2021.
  12. ↑ Ueli Müller: Turbenthal. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 29. November 2012. abgerufen am 14. Juli 2022 2009.
  13. ↑ 1850–1960: Eidgenössische Volkszählungen, danach: Gemeindeporträts. Turbenthal. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 1962–2022.
  14. ↑ Gemeindeporträts. Turbenthal. Konfession. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
  15. ↑ Gemeinderat. Website der Gemeinde Turbenthal.
  16. ↑ Eidgenössische Wahlen 2023, NR – Ergebnisse Parteien (csv). In: opendata.swiss. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 17. Februar 2024.
  17. ↑ Website des Museumsvereins Turbenthal. Abgerufen am 1. Dezember 2014.
  18. ↑ Peter Niederhäuser: Ein Bischof mit Wurzeln im Tösstal. In: Heimatspiegel. Illustrierte Beilage von «Zürcher Oberländer» und «Anzeiger von Uster». Juni 2010. Zürcher Oberländer Verlag, Wetzikon 2010.
  19. ↑ Website der Evangelisch-reformierten Kirche Turbenthal. Abgerufen am 29. April 2014.
  20. ↑ Orgel. Website der Reformierten Kirche Sitzberg.
  21. ↑ Herz Jesu Turbenthal, Wila, Wildberg und Rämismühle-Zell. Website der Katholischen Kirchgemeinde Herz Jesu Turbenthal, abgerufen am 1. Oktober 2023.
  22. ↑ Website der Evangelisch-methodistischen Kirche Turbenthal. Abgerufen am 10. Juli 2020.
  23. ↑ Töss 91. Wasserlehrpfad (PDF; 4,39 MB), Teil 2 (PDF; 5,34 MB), Teil 3 (PDF; 4,95 MB), Zürioberland Tourismus (ehemalige Broschüre).
  24. ↑ Rudolf Bolliger: Giessen im Tösstal. 1. Auflage. Eigenverlag, Weisslingen ZH 2020, ISBN 978-3-033-07989-2, S. 13, 27, 33, 48, 96, 97, 125.
  25. ↑ Haltestellen- und Linienfahrpläne. Zürcher Verkehrsverbund, abgerufen am 25. Februar 2019.