Ulrich Dietzel

Ulrich Peter Dietzel (* 17. März 1932 in Berlin; † 12. September 2020 ebenda) war ein deutscher Literaturwissenschaftler. Er war Direktor der Akademie der Künste der DDR.

Leben und Wirken

Ulrich Dietzel wurde 1932 als Sohn eines Arbeiters und Kommunisten in Berlin geboren. Als Kind verbrachte er die letzten Kriegsjahre zuerst in Suhl, dann von Weihnachten 1944 bis zur Ausbombung im Februar 1945 wieder in Berlin, schließlich in Ilmenau. Nach dem Krieg zog die Familie nach Berlin-Biesdorf.

1949 war er Kandidat der SED, das heißt Anwärter auf Mitgliedschaft. Das Abitur legte er im Juni 1951 an der Franz-Mehring-Schule in Berlin-Lichtenberg ab. Von 1951 bis 1955 studierte er Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und wandte sich insbesondere den Werken von Robert Musil und Erich Mühsam zu. Unter anderem war Alfred Kantorowicz sein Professor. Jener holte ihn 1955 nach Abschluss des Studiums an die Akademie der Künste (Ost).

Ab September 1955 arbeitete er in der Akademie als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Künstlerische und literarische Archive. Zunächst gehörte er zum Team, das mit der Einrichtung des Heinrich-Mann-Archivs betraut war. 1957 wurde er Fachgruppenleiter der Sektion Dichtkunst und Sprachpflege und 1961 Leiter der Literatur-Archive.

1965 gab er in dieser Funktion den Briefwechsel der Brüder Mann heraus. Kantorowicz hielt ihm vom Westen aus vor, er habe dabei im Sinne der Staatsdoktrin Texte unterdrückt. Es erschienen 1969 und 1977 jeweils erweiterte Auflagen. 1970 wurde er an der Karl-Marx-Universität Leipzig promoviert. Sein Dissertationsthema lautete Heinrich Mann und Thomas Mann und ihr Werk 1914–1925.

Innerhalb der Akademie leitete er ab 1973 die wissenschaftliche Abteilung (WA) Literatur und Sprachpflege. Dabei setzte er sich im Diskurs um die Ausrichtung dieser Abteilung durch: Er erteilte dem Bestreben einer Verselbstständigung eine Absage, denn man müsse den wissenschaftlichen Auftrag an den kulturpolitischen Aufgaben der Akademiesektionen und dem künstlerischen Werk der Mitglieder ausrichten. Außerdem wurde er zum stellvertretenden Direktor befördert. Ab 1984 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Forschungsabteilung (FA) Literatur und Sprachpflege. Zum Direktor des Bereichs Archive, Bibliotheken, Sammlungen sowie zum stellvertretenden Direktor der Forschungs- und Gedenkstätten des 20. Jahrhunderts der Akademie der Künste der DDR wurde er 1986 ernannt. Seine dienstliche Stellung ermöglichte ihm diverse Reisen ins westliche Ausland, zum Beispiel in die BRD, in die USA, nach Schweden, in die Schweiz oder nach Italien. Von 1990 bis 1993 war er Direktor der Akademie und begleitete den Vereinigungsprozess der Ost- mit der West-Akademie. Von Ende 1993 bis 1997 blieb er der Akademie als Mitarbeiter auf Honorarbasis erhalten.

Schließlich widmete er sich in Tüzen/Mecklenburg der publizistischen Aufarbeitung seines Lebens und beruflichen Wirkens.

Ulrich Dietzel starb am 12. September 2020 in Berlin.

Tagebuch-Eintrag zu DDR-Staatsmännern

„Gestern in der Akademie Willi Stoph. Der Eindruck: Der Mann ist sympathisch, unambitiös, bescheiden im Vergleich etwa zu dem immer ein wenig verkrampft wirkenden Honecker. Doch was er zu sagen hatte, hätte jeder im Saal besser gekonnt. […] Er redet und redet und findet kein Ende. Der Mann ist senil.“

– Ulrich Dietzel: Tagebuch, 30. Januar 1979

Schriften

Beteiligungen an Schriften

Einzelnachweise

  1. ↑ Klappentext zu Träume und Albträume.
  2. ↑ Ulrich Dietzel: Träume und Albträume. Widersprüchliche Erinnerungen (= Erkundungen – Entwürfe – Erfahrungen. Band 6). Edition Schwarzdruck, Berlin 2010, ISBN 978-3-935194-36-5, Willkürlicher Anfang, S. 13 f.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 Ulrich-Dietzel-Archiv. Kurzbiografie / Geschichte der Institution. In: adk.de. Abgerufen am 21. Oktober 2026.
  4. 1 2 Hannes Schwenger: Die Angst vor den Instrumenten. Ein Akademiedirektor der DDR erinnert sich. Kultur. In: tagesspiegel.de. 1. August 2011, abgerufen am 21. Oktober 2026.
  5. ↑ Ulrich Dietzel: Männer und Masken. Ein Tagebuch. Kunst und Politik in Ostdeutschland. Faber & Faber, Leipzig 2003, ISBN 3-936618-18-6, 11.11.56, S. 15.
  6. ↑ Ulrich Dietzel: Männer und Masken. Ein Tagebuch. Kunst und Politik in Ostdeutschland. Faber & Faber, Leipzig 2003, ISBN 3-936618-18-6, Vorwort, S. 8.
  7. ↑ Klappentext zu Männer und Masken.
  8. ↑ Ulrich Dietzel: Männer und Masken. Ein Tagebuch. Kunst und Politik in Ostdeutschland. Faber & Faber, Leipzig 2003, ISBN 3-936618-18-6, 30.1.79, S. 91.
Personendaten
NAME Dietzel, Ulrich
ALTERNATIVNAMEN Dietzel, Ulrich Peter (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Literaturwissenschaftler
GEBURTSDATUM 17. März 1932
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 12. September 2020
STERBEORT Berlin