Ulrich Thoden

Ulrich Thoden spricht auf der OSZE PV in Porto am 03.07.2025
Ulrich Thoden spricht auf der OSZE PV in Porto am 03.07.2025

Ulrich Thoden (* 16. Mai 1973 in Münster-Hiltrup) ist ein deutscher Politiker der Partei Die Linke. Er wurde für den 21. Deutschen Bundestag über die NRW-Landesliste gewählt.

Leben und Beruf

Nach dem Abitur 1992 am Ratsgymnasium in Münster studierte Thoden u. a. Katholische Theologie an der Universität Münster und schloss 1999 mit Auszeichnung ab. 2005 folgte das Erste Staatsexamen für das Lehramt Sekundarstufe I/II und das Zweite Staatsexamen 2008. Thoden unterrichtete ab 2006 am Gymnasium Canisianum in Lüdinghausen in den Fächern Englisch, Latein, Griechisch und Kath. Religionslehre; er fungierte hierbei auch als Klassenlehrer. Von 2017 bis zum Einzug in den Deutschen Bundestag 2025 war er als Lehrer am Berufskolleg Rheine des Kreises Steinfurt tätig, wo er Englisch, Latein, Philosophie und katholische Religion unterrichtete.

Politik

Thoden beteiligte sich bereits während seiner Schulzeit am Ratsgymnasium in Münster politisch, beispielsweise organisierte er als Schülersprecher die Demonstrationen gegen den Ersten Irakkrieg 1991. Er engagierte sich friedenspolitisch und ist Mitbegründer der Friedenskooperative Münster (FriKo). 2008 trat er der SPD bei und bewarb sich 2016 parteiintern um die Nachfolge des münsterischen SPD-Abgeordneten Christoph Strässer. 2018 trat er in Die Linke ein, in der er von 2020 bis 2024 Fraktionssprecher für Die-Linke-Ratsfraktion Münster war. Von 2022 bis 2025 war er Stellvertretender Landessprecher von Die Linke NRW und ist seit 2023 Delegierter für Nordrhein-Westfalen zum Parteirat. Außerdem vertritt er seit 2025 seine Partei als Delegierter bei der Europäischen Linken.

Thoden war Mitglied im Landessprecherrat der Kommunistischen Plattform (KPF) und verließ diese Strömung im Jahr 2026 aufgrund „unüberbrückbarer Differenzen“. Er engagiert sich in der BAG Betrieb und Gewerkschaft, BAG Frieden und internationale Politik und BAG Die Linke.queer.

Am 14. Dezember 2024 fand eine Mitgliederversammlung statt, bei der Thoden zum Direktkandidaten im Wahlkreis 127 (Steinfurt III) gewählt wurde. Auf der Landesvertreterversammlung von Die Linke NRW am 11. Januar 2025 wurde er auf Platz 4 der Landesliste für die Bundestagswahl 2025 gewählt. In seinem Wahlkreis erhielt Die Linke 6,0 % für die Erststimme und 6,4 % für die Zweitstimme.

Thoden ist Obmann im Verteidigungsausschuss und verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag. Darüber hinaus ist er stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Haushaltsausschuss. Er ist parlamentarischer Geschäftsführer mit besonderer Zuordnung seiner Fraktion und Mitglied des Ältestenrates.

International vertritt er den Deutschen Bundestag als Mitglied der deutschen Delegation zur OSZE PV und zur NATO PV. Außerdem ist er Vorsitzender der Deutsch-Pazifischen Parlamentariergruppe.

Seine erste Rede im Deutschen Bundestag hielt Thoden am 14. Mai 2025 im Rahmen der Aussprache zur Regierungserklärung (Verteidigung).

Sein Wahlkreisbüro hat Thoden in Emsdetten. Außerdem betreut er für Die Linke Gütersloh und Warendorf.

Gewerkschaftliche Tätigkeit

Neben seiner politischen Arbeit engagiert sich Thoden in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). 2017 wurde er erstmals vom GEW-Stadtverband Münster zum Vorsitzenden gewählt. In dieser Funktion setzt er sich für bessere Arbeitsbedingungen im Bildungsbereich ein und kritisierte im Zusammenhang der Aktion „Baustelle Bildung“ eine ungleiche Bezahlung der Lehrkräfte und forderte mehr Personal durch bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen.

Politische Positionen

Thoden definiert Friedenspolitik in einem umfassenden Sinn nach innen und außen. Ersteres beinhaltet nach Thodens Auffassung eine klassische Politik der sozialen Gerechtigkeit mit Umverteilung von oben nach unten, womit auch die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) demokratischer Gesellschaften gegenüber äußeren Gegnern mit autoritären Regimen gestärkt werde. Den Sozialstaat betrachtet er als unabdingbar für die Gesamtverteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik. Soziale, innere und äußere Sicherheit sind laut Thoden keine Gegensätze, sondern würden einander bedingen. In diesem Kontext kritisiert er die Bundesregierung dafür, dass sie die Aufrüstungsmilliarden für die Bundeswehr mit Sozialabbau in nie dagewesenem Ausmaß gegenfinanziere.

Thoden benennt als verteidigungspolitischer Sprecher der Linken offen Russland als Bedrohung für die Sicherheit Deutschlands, kritisiert aber zugleich die massive militärische Aufrüstung der Bundeswehr im Rahmen der NATO. Diese reiche weit über das zur Verteidigung Notwendige hinaus und verfolge in Wahrheit das Ziel militärischer Überlegenheit, was die offensive Fähigkeit zur dauerhaften Eroberung fremder Territorien einschließe und nur rhetorisch als militärische Abschreckung getarnt werde.

Deutschland müsse laut Thoden für seine äußere Sicherheit vor allem die defensiven militärischen Selbstverteidigungsfähigkeiten der Bundeswehr ausbauen und auf internationaler Ebene mit einer friedlichen Außensicherheitspolitik verknüpfen, die auf klassische Instrumente wie Vertrauensbildung, Konfliktdiplomatie sowie Rüstungsbegrenzung und Abrüstung setzt, um einem neuen globalen Wettrüsten entgegenzuwirken. Dafür fordert Thoden die umfassende Stärkung der OSZE, ihres Budgets und ihrer Kompetenzen und hat hierzu für Die Linke einen Antrag für den Bundestag initiiert. Als Mitglied der deutschen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der OSZE (OSZE PV) brachte er für Die Linke einen weiteren Antrag zur Umsetzung der Vancouver-Deklaration 2023 in den Bundestag ein, in dem die deutschen Außenpolitik systematisch um das Instrument der Science Diplomacy erweitert werden soll, um die internationale Zusammenarbeit in Fragen der globalen Sicherheit, der friedlichen Konfliktbearbeitung sowie des Klima- und Umweltschutzes mittels Wissenschaftskooperationen deutlich wirksamer zu gestalten.

Thoden beschäftigt sich intensiv mit der Arktis und dem Hohen Norden als Austragungsort zukünftiger geopolitischer Interessengegensätze und hatte hierzu für Die Linke eine medial viel beachtete Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Er bezeichnete auf der Jahrestagung der OSZE PV 2026 in Den Haag (Niederlande) die Übernahmepläne der Trump-Administration gegenüber Grönland diplomatisch scharf als eines OSZE-Partners unwürdig und bekräftigte stattdessen die völkerrechtliche Zugehörigkeit zum Königreich Dänemark.

In Bezug auf die Militäroffensiven Israels und der USA gegen den Iran beauftragte Thoden den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags mit der Erstellung von zwei Gutachten, in denen die Verletzung des internationalen Rechts bestätigt und unter Vorliegen bestimmter Voraussetzungen bei der Nutzung der US-Militärbasen für die US-Kriegsführung auch eine Verantwortlichkeit Deutschlands für völkerstrafrechtliche Beihilfehandlungen bejaht werden.

Im Nahostkonflikt gilt Thoden innerhalb der LINKEN als Vertreter des gemäßigt palästina-solidarischen Lagers. Er verurteilte die Kriegsführung des israelischen Militärs gegen Gaza und den Libanon als eindeutige Völkerrechtsverbrechen und kritisierte die Bundesregierung für ihre doppelten Standards im Nahostkonflikt und die deutschen Waffenlieferungen an Israel. Zugleich bekräftigt er die Aufrechterhaltung der Zwei-Staaten-Lösung als einzige zukunftsfähige Verhandlungslösung für einen gerechten Frieden im Nahen Osten und positioniert sich klar gegen die islamistischen Terrororganisationen Hamas und Hisbollah sowie gegen das iranische Mullah-Regime.

Im Hinblick auf die linke Tradition des Antiimperialismus plädiert Thoden für eine konsequente Anwendung. Er gilt als entschiedener Gegner aller imperialistischen Großmächte. Er verurteilt sowohl Russlandsvölkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine als auch die Wiederaufnahme der imperialen Hinterhofpolitik der USA gegenüber Lateinamerika, insbesondere die militärischen Drohungen gegenüber Kuba, sowie die Annexionsabsichten der USA gegenüber Grönland.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Thoden, Ulrich. Abgerufen am 25. Februar 2025.
  2. ↑ Zwei Linke aus dem Kreis Steinfurt im Bundestag. 25. Februar 2025, abgerufen am 25. Februar 2025 (deutsch).
  3. 1 2 3 Peter Werth: Cani-Lehrer ordnet sich selbst als „links“ ein. Abgerufen am 25. Februar 2025.
  4. ↑ Kontakt zu den MdBs: Die Linke Nordrhein-Westfalen. Archiviert vom Original am 23. Juni 2025; abgerufen am 16. August 2025 (deutsch).
  5. ↑ Podiumsdiskussion zu Frieden und internationaler Zusammenarbeit. Abgerufen am 16. August 2025.
  6. ↑ Martin Kalitschke: Vom Klassenraum in den Plenarsaal: Lehrer aus Münster sitzt nun im Bundestag. Abgerufen am 25. Februar 2025.
  7. ↑ Stefan Reinecke, Franziska Schindler: Neue Linken-Fraktion im Bundestag: Geht's zusammen? In: Die Tageszeitung: taz. 1. März 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 16. August 2025]).
  8. 1 2 Ulrich Thoden: Bewerbung für Platz 4 der Landesliste - Ulrich Thoden. Abgerufen am 16. August 2025.
  9. ↑ https://kpf.die-linke.de/mitteilungen/detail/news/wir-sagen-nein-zum-artikel-42-des-eu-vertrages-1/
  10. ↑ Direktkandidat:innen-Wahl Borken I - Steinfurt I. 14. Dezember 2024, abgerufen am 26. Februar 2025 (deutsch).
  11. ↑ Mareike Hermeier und Ulrich Thoden als Direktkandidierende gewählt. 22. Dezember 2024, abgerufen am 26. Februar 2025 (deutsch).
  12. ↑ Landesvertreter:innenversammlung Die Linke NRW 11.01.2025 / Kamen. Abgerufen am 26. Februar 2025 (deutsch).
  13. ↑ Detail-Ergebnis. Abgerufen am 25. Februar 2025.
  14. 1 2 3 4 5 Deutscher Bundestag - Ulrich Thoden. Abgerufen am 16. August 2025.
  15. ↑ Profil - Fraktion Die Linke im Bundestag. Abgerufen am 16. August 2025.
  16. ↑ Peter Henrichmann-Roock: Barrikaden, Buffet und ein Polit-Star: Heidi Reichinnek besucht das Linke-Wahlkreisbüro in Emsdetten. Abgerufen am 16. August 2025.
  17. ↑ wn: Neuer Vorsitzender lobt Tarifabschluss. Abgerufen am 27. Februar 2025.
  18. ↑ Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW: GEW-Stadtverband wählt neuen Vorstand. Abgerufen am 26. Februar 2025.
  19. ↑ Münster Tube: GEW-Aktion "Baustelle Bildung" in Münster - Statement von Ulrich Thoden (Vors. GEW Münster). 6. April 2022, abgerufen am 26. Februar 2025.
  20. ↑ Deutscher Bundestag - Video. Abgerufen am 10. August 2026.
  21. ↑ Deutscher Bundestag - Video. Abgerufen am 10. August 2026.
  22. ↑ Deutscher Bundestag - Video. Abgerufen am 10. August 2026.
  23. ↑ DIP. Abgerufen am 10. August 2026.
  24. ↑ DIP. Abgerufen am 10. August 2026.
  25. ↑ DIP. Abgerufen am 10. August 2026.
  26. ↑ OSCE Parliamentary Assembly: General Committee on Political Affairs and Security, 11:00 – 12:30, 6 July 2026. 6. Juli 2026, abgerufen am 10. August 2026.
  27. ↑ Iran-Krieg laut Bundestags-Experten völkerrechtswidrig. Abgerufen am 10. August 2026.
  28. ↑ Deutscher Bundestag - Video. Abgerufen am 10. August 2026.
  29. ↑ Deutscher Bundestag - Video. Abgerufen am 10. August 2026.