Ein unbemanntes System ist eine Technologie oder ein Gerät, das ohne menschliche Besatzung oder Personal betrieben wird. Diese Systeme sind durch einen hohen Grad an Automatisierung gekennzeichnet und nutzen autonome und intelligente Systeme, die ihnen die Fähigkeit zur eigenen Steuerung oder zur Fernsteuerung durch einen Menschen ermöglichen.
Allgemeines
Unbemannte oder unbesetzte Systeme sind Echtzeitsysteme, die aus einer Vielzahl elektrisch-mechanischer Komponenten sowie Software (in der Praxis meist eingebettete Systeme) zur Kontrolle, Steuerung und Regelung bestehen. Die Entwicklung findet als Teil des Systems Engineering statt oder wird von diesem begleitet. Die Einsatzgebiete derartiger Systeme sind Land, Luft und See. Auch Satelliten und viele Raumfahrtsysteme, z.B. Raumsonden, sind unbemannte Systeme.
Allgemein wird auch von einem unbemannten Fahrzeug gesprochen. Unbemannte Flugobjekte oder Fluggeräte werden auch als Drohnen bezeichnet. Der Begriff bezog sich ursprünglich auf unbemannte Flugzeuge, wird mittlerweile jedoch auch elastisch auf land- und seebasierte Geräte angewendet.
Autonome Systeme sind Technologien, die in der Lage sind, eigenständig Entscheidungen zu treffen und Aktionen auszuführen – oft ohne menschliches Eingreifen, aber teilweise auch mit menschlicher Besatzung, vgl. selbstfahrende Kraftfahrzeug bzw. deren Anwendung als „Robotaxis“.
Unbemannte Systeme werden sowohl im zivilen (vgl. Hersteller wie Boston Dynamics) als auch im militärischen Kontext (vgl. Hersteller wie Anduril, Helsing oder Stark Defence) beauftragt, entwickelt und hergestellt. Wenn zivile Anwendungen militärisch genutzt werden, spricht man auch von Doppelnutzung. Diese Systeme werden von der Verteidigungsindustrie im Rahmen der Wehrtechnik entwickelt, getestet und produziert, während die Kommissionierung und Inbetriebnahme in Zusammenarbeit mit dem Militär erfolgt. Militärische autonome und intelligente Systeme sind auch bekannt als Autonome Waffensysteme (AWS), welche einige Ähnlichkeiten zu unbemannten Systemen aufweisen.
Technologien und Domänen
Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit. Die Systeme weisen teilweise Schnittmengen in ihren Merkmalen, Fähigkeiten oder Eigenschaften auf. Ebenso sind einige Geräte im zivilen und militärischen Kontext zu finden. Doppelnutzung einzuordnen.
Militärische unbemannte Systeme können verschiedenen Zwecken dienen, beispielsweise der Überwachung, Aufklärung oder als Waffe. Zu letzteren zählen beispielsweise auch hochautomatisierte Raketenwaffen oder Lenkwaffen wie Marschflugkörper. Historisch wurden verschiedene unbemannte Systeme bereits als Teil der Future Combat Systems (FCS) in den 2000er Jahren durch die US Army entwickelt und erprobt.
Drohnen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Merkmale, wie Antriebsart (z.B. Propeller, Raketen, Turbojet), Reichweite, Bewaffnung, Steuerungsmechanismen und Herstellungskosten (zwischen Millionen und Tausend Dollar), sowie dem daraus resultierenden Potenzial zur Abschreckung eines Gegners. Ein Beispiel für eine neuartige Kampfdrohne oder Drohnenwaffe ist das unbemannte Waffensystem, auch bekannt als Raketendrohne, Palianytsia, das von der Ukraine entwickelt wird. Weitere Systeme sind z. B. die Low-cost Uncrewed Combat Attack System (LUCAS), auch bekannt als „Einweg-Drohnen“ oder „Kamikaze-Drohnen“. LUCAS basiert konzeptuell auf der iranischen Drohne Shahed-136. Die russische (lizenzierte) Kopie der Shahed-Drone ist unter dem Namen Geran bekannt und wird in Russland produziert.
Im Rahmen der Föderationsversammlung der Russischen Föderation im März 2018 kündigten Vertreter des russischen Rüstungskomplexes eine Vielzahl neuer Waffensysteme an, die auch als „Superwaffen“ („Супероружие“) bezeichnet werden. Einige der Systeme weisen einen hohen Grad an Automatisierung auf und sind unbemannt.
Die Medien bezeichneten die Systeme auch als „Wunderwaffen“. Fachleute sind sich der Einsatzfähigkeit der Systeme nicht sicher und sehen darin eher Propaganda. Hinweise: Die in Klammern angegebenen Zuordnungen erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit. Genauere Details zu den Systemen sind nur teilweise bekannt. So ist beispielsweise unbekannt, ob diese Systeme autonome Entscheidungen treffen. Wahrscheinlicher ist, dass diese unbemannten Systeme durch eine oder mehrere militärische Kommunikationsinfrastrukturen ferngesteuert werden.
In diesem Zusammenhang sei auch auf das INF-Abkommen zwischen den USA und Russland hingewiesen, welches 2019 von den USA mit der Begründung gekündigt wurde, Russland teste und mache seit mehreren Jahren Systeme wie das 9M729 Novator Marschflugkörpersystem einsatzbereit.
Experten weisen jedoch darauf hin, dass diese Systeme konventionelle Streitkräfte und Waffensysteme, wie beispielsweise Kampfpanzer, eher ergänzen als ersetzen sollen. Der britische General Sir Roly Walker und Chief of the General Staff stellt 2026 im Zuge der neuen AufrüstungEuropas fest: „Die moderne Kriegsführung verbraucht Ausrüstung und Munition in außergewöhnlichem Tempo. In der Ukraine feuern beide Seiten täglich zehntausende Artilleriegeschosse ab – dies erzeugt eine Feuerkraft und eine Intensität des Kampfgeschehens auf dem gesamten Schlachtfeld, die allein durch Drohnen nicht erreicht werden können. Um also gegen Angriffe gewappnet zu sein, müssen wir in der Lage sein, die eingesetzten Waffensysteme in dem Maße zu ersetzen oder zu reparieren, in dem sie verbraucht beziehungsweise abgenutzt werden.“
Während ihres militärischen Einsatzes können unbemannte Systeme außerdem in Cyberoperationen integriert werden, die „digitale Angriffe“ und strategische Informationen umfassen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht jeder Einsatz unbemannter Systeme automatisch einem Cyberkrieg gleichgesetzt werden kann. Die veränderte Sicherheitslage seit Beginn des 21. Jahrhunderts (Umstellung von einer bipolaren Ausrichtung der Streitkräfte im Kalten Krieg) führt grundlegend zu einer Vielzahl von Transformationen und Modernisierungen der Militärs. Dies begann mit der Joint Vision 2010-Doktrin und der Transformation der US Army und reicht bis heute zu den Multi-Domain Operations (MDO). Diese schließen auch die hybride, irreguläre oder asymmetrische Kriegsführung mit ein.
Aufgrund der sich weiterhin rasch entwickelnden Fähigkeiten und Kapazitäten unbemannter Systeme, die zu militärischen Zwecken eingesetzt werden, besteht die Gefahr eines Sicherheitsdilemma, das auch die Kriegsführung beeinflusst. Die Regulierungautonomer Waffensysteme (AWS) wird seit etwa den 2010er Jahren diskutiert. Dies betrifft auch die Regulierung der künstlichen Intelligenz in Bezug auf autonome Waffensysteme.
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