Im Sinne von „am Anfang, ursprünglich“ dient die Vorsilbe auch zur Verstärkung (Augmentativbildung) und Steigerung (Elativ) mancher Eigenschaftsworte: uralt, urgermanisch, uramerikanisch, ureigen und sogar uranfänglich.
Eine gänzlich andere Bedeutung im Sinne von „groß, vortrefflich, vorzüglich“ leitet sich ab vom alten Rind Ur oder Urochs (Auerochse, 1627 ausgestorben), entsprechende Bildungen sind aber altertümlich: Urgaul, Ursau oder Urkämpe. Seit den 1980er-Jahren findet sich diese Bedeutung im ost-österreichischen Deutsch als Verstärkungsfloskel der Jugendsprache wieder, vor allem im Wienerischen; so wird beispielsweise etwas als urgefährlich bezeichnet („besonders gefährlich“). Einige bereits verstärkende Modewörter werden damit noch gesteigert (Exzessiv): urcool oder urgeil.
Nur volkstümlich ist die Herleitung vom „Ur“vater Abraham, weil er aus der sumerischen Stadt Ur kam – die Silbe steht aber in diesem Fall der Vorsilbe Erz- nahe, von altgriechischarchē „der Erste, der Anfang“.
Lexikoneintrag: Ur. In: Johann Christoph Adelung: Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Band4. Leipzig 1801, S.956–958, Zitat: „Ur, ein sehr altes Wort, nicht allein in der Deutschen, sondern fast in allen Sprachen, welches indessen im Deutschen nur noch in der Zusammensetzung mit einigen Nennwörtern, und einigen wenigen davon abstammenden Zeitwörtern üblich ist. Es bedeutet daselbst […]“: 6 verschiedene Bedeutungen.
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Wolfgang Pfeifer u. a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Band3. 1.Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-05-000626-9, S.1878.
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Ur... In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band19: Sternberg–Vector. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1909, S.949 (Digitalisat.zeno.org– Komplettzitat: „Ur…, Vorsilbe zur Bezeichnung der Beziehung auf den ersten Anfang von etwas, z.B. Urahn, Ursprung, Urkunde etc. (altdeutsch soviel wie hervor, aus).“).
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Lexikoneintrag: Ur 1). In: Johann Christoph Adelung: Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Band4. Leipzig 1801, S.956, Zitat: „1. Groß, und nach einer sehr nahen Figur auch vortrefflich, vorzüglich, so fern ehedem körperliche Größe und Stärke der vornehmste und fast einzige wesentliche Vorzug war […]“.
↑Programmankündigung:Schnappschuss: Kenia, 13.01.13.In:Miniversum.Okidoki-Kindersendung,13.Januar 2013,archiviertvomOriginal(nicht mehr online verfügbar)am4.November 2013;abgerufen am 30.Juli 2019:„Hyänen sind urgefährlich.“
↑Duden online:
urcool,urgeil,
alle abgerufen am 30. Juli 2019; Zitat: „Gebrauch: besonders österreichische Jugendsprache“.
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Lexikoneintrag: Ur 3). In: Johann Christoph Adelung: Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Band4. Leipzig 1801, S.956, Zitat: „3. Das erste in einer Sache, einen Anfang, eine der ältesten Bedeutungen […]“.