Uwe Hoßfeld (* 5. August 1966 in Bad Liebenstein) ist ein deutscher Biologiehistoriker, Biologiedidaktiker und Publizist. Er ist außerplanmäßiger Professor für Didaktik der Biologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Uwe Hoßfeld schloss 1985 die Erweiterte Oberschule in Sonneberg mit Abitur ab. Er leistete von 1985 bis 1988 Wehrdienst bei der Volksmarine. Hoßfeld studierte dann von 1988 bis 1994 die Fächer Biologie, Wissenschaftsgeschichte, Sportwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Indonesistik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU). Er absolvierte schließlich ein Referendariat in Weimar und Apolda von 1993 bis 1995. Nach dem Ersten Staatsexamen 1993 folgte 1994 der Abschluss zum Magister artium für Geschichte der Naturwissenschaften und Biologie (M. A., Philosophische Fakultät) sowie das Zweite Staatsexamen 1995. Hoßfeld wurde 1996 an der FSU Jena mit der Arbeit „Gerhard Heberer (1901–1973) – Sein Beitrag zur Biologie im 20. Jahrhundert“ zum Dr. rer. nat. promoviert. Es folgten ein HEP-Stipendium am Lehrstuhl für Ethik in den Biowissenschaften in Tübingen (Eve-Marie Engels) 1996 und ein Stipendium der VolkswagenStiftung am Institut für Wissenschaftsgeschichte in Göttingen (Nicolaas A. Rupke) im Jahre 1997. Von 1998 bis 2000 arbeitete Hoßfeld als wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)-Projekt „Erschließung der Korrespondenz Ernst Haeckels“, 2000 bis 2002 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik (Ernst-Haeckel-Haus) in Jena.
Er war 2002 bis 2006 wissenschaftlicher Assistent in der Senatskommission zur „Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert“, Bereich Naturwissenschaften und am Ernst-Haeckel-Haus. Im Jahre 2003 folgte die Habilitation für das Fach „Geschichte der Naturwissenschaften“ mit einer Arbeit zum Thema „Biologische Anthropologie zwischen Politik, Ideologie und Wissenschaft, 1861–1945 unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungen an der Jenaer Universität“.
Uwe Hoßfeld ist seit WS 2006/07 Leiter der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik und seit 2009 außerplanmäßiger Professor für Didaktik der Biologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 2013 bis 2015 leitete er ein „Labor für Wissenschaftsforschung“ an der Staatlichen Universität für Informationstechnologien, Mechanik und Optik Sankt Petersburg (ITMO) mit, von 2016 bis 2017 war er dort als Forschungsprofessor tätig, ebenso an der Polytechnischen Peter-der-Große-Universität Sankt Petersburg. Seit 2018 ist er zudem Doktor filosofskich nauk (Dr. sc. phil.) für Geschichte der Wissenschaft und Technik an der Staatlichen Universität in St. Petersburg.
Von 2019 bis 2024 war Hoßfeld Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie, deren Gründungsmitglied er auch ist.
Hoßfeld ist managing editor der Zeitschrift Annals of the History and Philosophy of Biology, die jährlich (seit 2006) von der DGGTB im Universitätsverlag Göttingen herausgegeben wird und zuvor als Jahrbuch für Geschichte und Theorie der Biologie (seit 1994) erschien. Gemeinsam mit Karl Porges hat er sich 2025 in einem Plädoyer ebenso zur zentralen Bedeutung der Biologiegeschichte aus Sicht der DGGTB geäußert. Ernst Mayr hatte hierzu bereits 1993 bemerkt: „Eine gründlich historisch-philosophische Analyse macht viel Arbeit, vor allem das sorgfältige Studium der Originalquellen. Ich habe in den USA gesehen, daß sich einige jüngere Leute einen bequemen Ausweg gesucht haben und stattdessen über die sozialen und politischen Aspekte der Wissenschaft geschrieben haben. Das gehört aber in den Bereich der Sozialwissenschaften und ist kein Beitrag zur Geschichte der Biologie. Geschichte der Biologie ist letzten Endes immer vor allem Ideengeschichte. Und da gibt es so viel zu tun, daß man nicht in die Sozialwissenschaften ausweichen sollte.“
Nach einer Reise zu den Kleinen Sunda-Inseln in Indonesien im Jahre 1993, die insbesondere dem Vergleich von Archivalien aus dem Nachlass von Gerhard Heberer diente und wichtige Ergebnisse der sog. „Rensch-Expedition“ von 1927 bestätigen konnte, beschäftigte Hoßfeld sich zunächst mit der Geschichte und Theorie der Evolutionsbiologie im deutschen Sprachraum sowie der Wissenschafts- und Universitätsgeschichte im Nationalsozialismus und der DDR.
Seit 2001 vertritt er mit Thomas Junker und Wolf-Ernst Reif – in Anlehnung an Ernst Mayr u. a. – einen „Synthetischen Darwinismus“ (Synthetische Evolutionstheorie). Hierbei handelt es sich um eine zwischen 1930 und 1950 entstandene Erweiterung der Evolutionstheorie, in der die Selektionstheorie mit Erkenntnissen der Genetik (Mutation) und Systematik (geographische Isolation) verbunden wurde. Als ein Meilenstein dieser Forschung kann das 2010 edierte Buch Die Evolutionsfaktoren. Eine Theorie der stabilisierenden Auslese, das auf einer Übersetzung durch Georg Schneider von 1946 beruht, von Ivan I. Schmalhausen angesehen werden. Es stellt die bedeutendste russische Arbeit zur Evolutionslehre nach 1900 dar und steht zugleich für den eigenständigen Ansatz der russischen Biologie zur so genannten Synthetischen Theorie der Evolution.
Schmalhausens Werk (Faktory Evolyutsii, russisches Original, 1946) hat dabei nahezu die gleiche Bedeutung wie Julian Huxley mit seiner programmatischen Darstellung Evolution. The Modern Synthesis von 1942. Die hier vorgelegte deutsche Übersetzung kommt Schmalhausens Urtext sehr viel näher als die vormalige englische Ausgabe (Factors of Evolution, 1949). In diesem Zusammenhang konnte auch erstmals der Einfluss von Ernst Mayr innerhalb der sowjetischen (russischen) Evolutionsbiologie aufgearbeitet werden. Parallel dazu unterstrich Hoßfeld auch immer wieder die Bedeutung der „Biologischen Anthropologie“ für die Evolutionsbiologie.
Biologiehistorische Falsifizierungen erfolgten zu Themenbereichen wie Nikolai V. Timoféeff-Ressovsky (Kollaboration im Nationalsozialismus?), Ernst Haeckel (Nobelpreis, Gegenpapst, Stammbäume), Alfred Russel Wallace (Darwins Schatten-Mann), zu alternativen Evolutionstheorien (z. B. Lyssenkoismus, Kreationismus), zum „Generalized Darwinism“ und zur Genetik (Wiederentdeckung der Mendelschen Gesetze um 1900). Gemeinsam mit Lennart Olsson hat Hoßfeld auch zur Geschichte der Zeitschrift Nature im Dritten Reich gearbeitet. Am 23. Januar 2006 folgte Hoßfeld einer Einladung des damaligen Ministerpräsidenten Dieter Althaus in die Thüringer Staatskanzlei nach Erfurt. Hier war er neben Klaus Tanner und Michael Gabel einer der Hauptredner beim „Erfurter Dialog“ zum Thema „Evolution und Schöpfung“. Hoßfeld nahm dabei als Vertreter der Wissenschaft (Biologie) teil, warnte vor den Gefahren des Kreationismus/der Intelligent-Design-Bewegung und gab vielmehr ein Plädoyer für die breite wissenschaftliche und weltanschauliche Bedeutung der darwinschen Evolutionstheorien ab, indem er wichtige Etappen und deren Bedeutung für die Geschichte des Darwinismus und Antidarwinismus skizzierte. Zuvor hatte es monatelang Diskussionen über die Veranstaltung gegeben. Der „Erfurter Dialog“ war eine vom ehemaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel begründete Veranstaltungsreihe in der Thüringer Staatskanzlei. Sie knüpfte an die „Assembleen“ des 18. und 19. Jahrhunderts im historischen Gebäude der ehemaligen Kurmainzischen Statthalterei an. Der „Erfurter Dialog“ bot dabei ein Forum des Austausches von Ansichten und Meinungen zur Zeit, einen Dialog des Aufeinanderzugehens und der Orientierung. Dieter Althaus setzte dann diese Tradition fort.
Von Hoßfeld stammt auch die Metapher „Rassen-Quadriga“, die erstmals während eines Vortrages anlässlich der Debatte um die Rektorenportraits an der Universität Jena am 21. Januar 1998 im Zeitgeschichtlichen Kolloquium des Historischen Instituts verwendet wurde. Bezugnehmend auf die vier Jenaer Professoren Hans F. K. Günther (Sozialanthropologie 1930–1935), Karl Astel (Menschliche Züchtungslehre und Vererbungsforschung 1934/35, Menschliche Erbforschung und Rassenpolitik 1935–1945), Victor Franz (Zoologie / Phylogenie, Vererbungslehre und Geschichte der Zoologie 1936–1945) und Gerhard Heberer (Allgemeine Biologie und Anthropogenie 1938–1945) bezeichnete er die Vorreiterstellung der Universität Jena bei der Institutionalisierung rassenkundlicher Fächer in Wissenschaft und Forschung im Zeitraum von 1930 bis 1938. Diesem Jenaer Kreis ferner zuzuordnen sind der Mediziner und sogenannte völkische Philosoph Lothar Stengel von Rutkowski, der Botaniker Heinz Brücher sowie die Biometrikerin Erna Weber. Die „Rassen-Quadriga“ etablierte von Jena aus die Deutsche Wissenschaft / Biologie und trug damit maßgeblich dazu bei, dass die Salana frühzeitig den zweifelhaften Ruf einer NS-ideologisch gefestigten Hochschule erwarb.
Hoßfeld konnte zudem nachweisen, dass bereits um 1900 zahlreiche Kritiken gegen die Ausbreitung rassenkundlichen Denkens in Deutschland erschienen sind. Zu den frühen und profiliertesten Gegnern gehörten hier zunächst der österreichisch-britische Soziologe und Nationalökonom Friedrich Hertz („Moderne Rassentheorien“, 1904) sowie der aus Karlsbad stammende jüdische Eugeniker, Anthropologe und Röntgenologe Ignaz Zollschan („Das Rassenproblem unter besonderer Betrachtung der theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassenfrage“, 1910). Anfang der 1920er Jahre verstummten dann schlagartig aber alle kritischen Stimmen gegen die Rassenhygiene und Rassentheorien, da es in Deutschland zu einer breiten Konsolidierung der Rassenhygiene sowie zu einer inhaltlichen, institutionellen und organisatorischen Vernetzung mit der Mendelschen Vererbungswissenschaft gekommen war. Den zentralen Höhepunkt bildete dabei die Veröffentlichung des sogenannten Baur-Fischer-Lenz, ein Werk über „Menschliche Erblichkeitslehre und Rassenhygiene“ (1921). Ein Jahrzehnt später, im Nationalsozialismus, flammten die wissenschaftlichen Kritiken erneut auf, insbesondere im Umfeld einer anthropologisch dominierten Rassenkunde, die u. a. das populäre Werk des Philologen Hans F. K. Günther („Rasse-Papst“) in den Blick nahmen (Friedrich Hertz, Friedrich Merkenschlager). Hier standen sich die Vertreter eines dynamisch konzipierten Rassenbegriffs (Karl Saller, Franz Weidenreich u. a.) versus typologischen Rassenkonzeptes (Eugen Fischer, Fritz Lenz, H. F. K. Günther) gegenüber oder generelle Kritiker der Rassenbiologie kamen zu Wort (Hugo Iltis).
Aktuelle Forschungen thematisieren derzeit Fragen der internationalen Ausbreitung von EvoDevo, zur Paläoanthropologie und Evolutionsbiologie, der russischen Biologiegeschichte sowie dem Lebenswerk Ernst Haeckels. Er ist einer der Hauptautoren der Jenaer Erklärung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. Der Beitrag „The Biogenetic Law and the Gastraea theory: From Ernst Haeckel’s discoveries to contemporary views.“ war 2022/23 einer der 10 meistzitierten Artikel in der Zeitschrift Journal of Experimental Zoology Part B: Molecular and Developmental Evolution (JEZ-B). Als Modellorganismus ist zudem in den letzten Jahren der Axolotl (Ambystoma mexicanum) in den Fokus der Forschungsarbeiten von Hoßfeld und seinen Kollegen gerückt. Der mexikanische Axolotl hat dabei eine lange Geschichte als Labortier. Seit 1864 entwickelten sich diese Tiere von kolonialen Kuriositäten zu einem wichtigen Modellorganismus in der Evolutions- und Entwicklungsbiologie (EvoDevo). Kein Geringerer als Alexander von Humboldt war es, der während seiner sogenannten „zweiten Entdeckung Amerikas“ (1799–1804) erstmals zwei in Alkohol konservierte Exemplare zur Untersuchung nach Europa, nach Paris, zu Georges Cuvier schickte. Mittlerweile gibt es auf der ganzen Welt Millionen von Axolotln in Laboratorien und Heimaquarien, während der angestammte Lebensraum der Tiere in Mexiko immer weiter zurückgeht und die Spezies kurz vor dem Aussterben steht. In der Geschichte des Axolotls verbinden sich die Geschichte des Kolonialismus, Aquariums und Labors in der Zoologie mit der Naturgeschichte einer Spezies auf außergewöhnliche Art und Weise.
Im Nachgang zur „Jenaer Erklärung“ hat Hoßfeld gemeinsam mit Georgy S. Levit den russischen Forschungsreisenden Nikolai Nikolajewitsch Miklucho-Maklai als „ersten wissenschaftlichen Anti-Rassisten“ beschrieben sowie mit Kollegen dessen im Jahr 2018 bei der Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg aufgefundene Vorlesungsmitschriften der Jahre 1865/66 aus seiner Jenaer Zeit zur Zoologie (Ernst Haeckel), Vergleichenden Anatomie (Carl Gegenbaur) und Paläontologie (Ernst Haeckel) ediert. Diese geben erstmals einen Einblick zum Aufbau und den Inhalten der Vorlesungen jener Zeit und wurden in einer Besprechung in der FAZ als „kleine Perlen“ bezeichnet. Miklucho-Maklai war es auch, der im Jahr 1868 ein mögliches Schwimmblasen-Rudiment bei Haien entdeckte, welches die Pioniere der Evolutionsforschung Charles Darwin und Ernst Haeckel ausführlich in ihrem Briefwechsel diskutierten.
Hoßfeld war im Jahr 2023 auch Teil einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, die erstmals Mumien in Thüringen, an der Universität Jena, untersucht hat. Es handelte sich dabei um vier Schädel, ein Rumpffragment, ein Becken, zwei Unterkiefer, zwei Wirbelgruppen, drei linke Füße und einige Gewebereste von ägyptischen Mumien sowie um zwei nahezu vollständig erhaltene Kindermumien aus Südamerika. Als Sammler konnten der Mediziner Theodor Meyer-Steineg sowie der Entomologe Otto Schmiedeknecht nachgewiesen werden. Ein besonderes Augenmerk legte das Forschungsteam auf die Textilien, mit denen die Mumien eingewickelt waren, da sich die bisherigen Forschungen bei solchen Stücken oftmals in der Regel nur auf anthropologische Untersuchungen sowie den Mumifizierungsprozess konzentrierten. Große Unterschiede in der Gewebefeinheit ließen darauf schließen, dass die Textilien, mit denen die ägyptischen Mumien umwickelt waren, für einen unterschiedlichen Gebrauch hergestellt wurden und so etwa auch als Bekleidung gedient haben könnten. Die Gewebe bestanden in erster Linie aus Flachs oder Hanf.
Nach fast 10-jähriger, internationaler und transdisziplinärer Zusammenarbeit, veröffentlichte Hoßfeld, gemeinsam mit seinen Kollegen Michael Mielewczik und Michal V. Simunek, im Jahr 2024 eine umfassende Studie zu Gregor Mendels Versuche über Pflanzen-Hybriden. Neben einem ausführlich kommentierten Nachdruck der klassischen Artikel von Gregor Mendel beinhaltet die Analyse ebenso zahlreiche neue Querverweise zu Mendels Leben und Werk, zur regionalen, nationalen und internationalen Rezeption seiner Arbeit seit 1865, zur sogenannten Wiederentdeckung der Mendelschen Gesetze nach 1900, sowie eine Darstellung der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung (u. a. DDR) seiner zentralen Publikation. Für diese Arbeit wurden die Wissenschaftler im Juni 2025 mit der Caspar-Friedrich-Wolff-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie (DGGTB) in Prag geehrt.
Im Jahr 2026 konnte Hoßfeld gemeinsam mit dem Jenaer Ur- und Frühgeschichtler Enrico Paust die Fundgeschichte zum Neandertaler-Schädel Le Moustier I (und II) mit neuen Archivalien um eine Episode ergänzen. Das Skelett von Le Moustier I wurde 1908 durch Otto Hauser unter Beteiligung einer Expertengruppe geborgen und 1910 durch das Königliche Museum für Völkerkunde Berlin gekauft. Anschließend begann eine neue Zusammensetzung des Schädels durch den Konservator E. Krause und unter Anleitung eines Teams aus Carl Schuchardt, Hermann Klaatsch, Erich Kallius, Anton Waldeyer sowie Rudolf Virchow, welche 1912 publiziert wurde. Anschließend erfolgte die Ausstellung des Fundes im Gropius-Bau, wo das postcraniale Skelett bei einem Bombenangriff am 3. Februar 1945 zerstört wurde. Der zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Museumsinsel ausgelagerte Schädel soll nachfolgend in die Sowjetunion gelangt sein und wurde erst 1965 durch eine Mitarbeiterin des Museums für Ur- und Frühgeschichte Berlin auf der Museumsinsel wiederentdeckt. Bisher war hierzu allerdings nur bekannt, dass der Zustand im Jahr 1996 dokumentiert und anschließend neu zusammengesetzt wurde. Was mit dem Schädel zwischen 1965 und 1996 geschah, galt als unklar. Mit den 2025 im Nachlass des Jenaer Anthropologen Horst Bruchhaus neu aufgefundenen Materialien konnte gezeigt werden, dass der Schädel lange Zeit am Institut für Anthropologie und Humangenetik der Friedrich-Schiller-Universität Jena aufbewahrt und untersucht wurde (Röntgenaufnahmen aller Fragmente am 24. Oktober 1982 usw.). Demnach gelangte Le Moustier I am 13. Juni 1974 zu Herbert Bach nach Jena, damit dieser eine neue Zusammensetzung der Fragmente vornehmen konnte. Diese sollte innerhalb eines internationalen Expertenteams erfolgen, von dessen Mitgliedern neben Bach nur noch der tschechische Anthropologe Emanuel Vlcek namentlich bekannt ist. Aus unbekannten Gründen kam diese Neuzusammensetzung nicht zustande und der Schädel wurde am 20. Juni 1989 wieder an das Berliner Museum zurückgegeben, wo die Arbeiten durch Herbert Ullrich an der Akademie der Wissenschaften der DDR fortgesetzt werden sollten.
Innerhalb dieser Fachdisziplin interessieren Hoßfeld Fragen des biologischen Modellbaues, die Geschichte biologischer Unterrichtssammlungen, außerschulische Lernorte, rassismuskritische Bildungsarbeit, Nachhaltigkeit und Mikroskopie.
Seit 2019 – dem Erscheinungsjahr der sog. Jenaer Erklärung – war es Karl Porges und Hoßfeld ein Anliegen, sich verstärkt für eine rassismuskritische Bildungs- und Demokratiearbeit in Lehre, Forschung sowie der Öffentlichkeit einzusetzen. Die besondere Herausforderung bei dieser Thematik besteht darin, dass die Frage nach der Existenz menschlicher „Rassen“ emotional aufgeladen ist, da es neben individuellen Erfahrungen und Erlebnissen auch das menschliche Selbstverständnis betrifft. Die sachliche Ebene zu erreichen, erfordert daher einen verschärften Blick auf die notwendige Kompetenzentwicklung: die Schulung der Reflexionsfähigkeit – und zwar die der Lernenden sowie die der eigenen. Im Sinn der Transparenz sollte dabei nicht vergessen werden, dies mit den Lernenden zu besprechen. Voraussetzung für ein Gelingen des Unterrichts ist es, einen sicheren Umgang mit dem (historischen) Begriff „Rasse“ zu gewährleisten und dadurch ein mögliches „aneinander vorbeireden“ einzuschränken. Wissenschaftliche Erklärungen sind gut und notwendig, reichen aber allein nicht aus. Der tatsächliche Verzicht auf die Verwendung des „Rasse“-Begriffs im Alltag setzt voraus, dass dies aus Überzeugung und Einsicht geschieht. Dies wiederum macht unterrichtliches Handeln mit jungen Menschen notwendig. Folglich muss die Antwort auf die Frage nach der Existenz von „Menschenrassen“ Teil der naturwissenschaftlichen Grundbildung (Scientific Literacy) und als solches ein unverzichtbares Element der Allgemeinbildung sein. Den „Rasse“-Begriff nur aus Lehrplänen, Lehrbüchern sowie Gesetzestexten (GG-Artikel 3) zu streichen, ist nicht zweckdienlich. Vielmehr muss er historisch eingeordnet diskutiert und thematisiert werden – zumindest solange er im Alltag als soziales Konstrukt existiert. Nur dadurch kann gewährleistet werden, dass sich die heranwachsenden Generationen im persönlichen und gesellschaftlichen Leben sachlich richtig, selbstbestimmt und aktiv an der gesellschaftlichen Kommunikation und Meinungsbildung beteiligen – schließlich ist Sachkompetenz vor allem durch Fachwissen geprägt.
Gemeinsam mit der Landeszentrale für Politische Bildung in Thüringen hat Hoßfeld in den letzten Jahren seine Forschungsergebnisse zu Themenbereichen wie Biologie und Politik, Ernst Haeckel, Geschichte der Rassenkunde etc. in zahlreichen Büchern und verschiedenen „Blättern zur Landeskunde Thüringens“ einer breiten Öffentlichkeit in allgemein verständlicher Form zugänglich gemacht.
Monografien
Herausgeberschaften
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hoßfeld, Uwe |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Biologiehistoriker, Biologiedidaktiker und Publizist |
| GEBURTSDATUM | 5. August 1966 |
| GEBURTSORT | Bad Liebenstein |