Vamireh Chacon

Vamireh Chacon, 2018

Vamireh Chacon, auch Vamirech Chacon (* 1. Februar 1934 in Recife; † 20. September 2023), war ein brasilianischer Politikwissenschaftler, Forscher und Hochschullehrer aus dem Bundesstaat Pernambuco.

Leben

Chacon besuchte das Colégio Nóbrega dos Jesuítas in Recife, studierte dann an der traditionsreichen Faculdade de Direito da Universidade do Recife (Rechtsfakultät der Universität Recife) und promovierte 1959 gleichzeitig in Brasilien und Deutschland. Ein Postdoktorat verbrachte er an der University of Chicago. Die Lehrberechtigung erhielt er an der Faculdade de Filosofia, Ciências e Letras der Universidade Católica de Pernambuco. 1975 wurde er Titularprofessor am Institut für Politikwissenschaften der Universidade de Brasília. An dieser Universität wirkte er 30 Jahre, bevor er 2005 emeritiert wurde.

Großen Einfluss auf ihn hatten die Theorien und Denkmodelle der traditionsreichen Schule von Recife, die er auch in seiner História das idéias sociologicas no Brasil (1977) behandelte und erneut in A luz do norte (1989). Er war in seinem soziologischen Denken geprägt von Gilberto Freyre, über den er mehrere Werke schrieb, aus Deutschland hatte Max Weber Einfluss. Schwerpunkte waren Politikwissenschaft, Politikgeschichte, Zivilrecht, Globalisierung, soziologische Fragestellungen und Ideengeschichte Brasiliens. Er lebte und wirkte in den Zeiten der Ablösung des Estado Novo durch die Militärdiktatur, der erneuten Demokratisierung und der Neuen, 6. Republik in Brasilien.

Chacon veröffentlichte an die 30 Bücher und zahlreiche Beiträge. Er war Mitglied der Academia Pernambucana de Letras, des Instituto Arqueológico, Histórico e Geográfico de Pernambuco und des Instituto Histórico e Geográfico do Distrito Federal. Als Gastprofessor war er an Universitäten in den Vereinigten Staaten, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Portugal, Indien und China eingeladen. Die Universität Erlangen-Nürnberg verlieh ihm 1995 den Ehrendoktor.

Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Zuletzt erhielt er 2014 den renommierten Prêmio Machado de Assis der Academia Brasileira de Letras für sein Lebenswerk.

Schriften

Nach seiner Emeritierung legte er noch vor:

2008 folgten drei kurze Diplomatenbiografien: Araújo Casto (1919–1975), Azeredo da Silveira (1917–1990), Ítalo Zappa (1926–1997) und 2010 der Titel Bolíva in der gleichen Reihe.

Paulo Freire nennt Chacon in seinem Werk Cartas a Cristina „einen der größten Kenner der Ideengeschichte Brasiliens“.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Vamireh Chacon, professor da UnB e escritor, morre aos 89 anos. In: Correio Braziliense. 21. September 2023, abgerufen am 5. Oktober 2025 (brasilianisches Portugiesisch).
  2. ↑ Elogio de Nuremberg : discursos pronunciados na outorga do Doutoramento Honoris Causa da Universidade de Erlangen-Nuremberg ao Prof. Dr. Vamireh Chacon = Lob auf Nürnberg : gehaltene Reden anläßlich der Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Erlangen-Nürnberg an Prof. Dr. Vamireh Chacon. Universität, Erlangen-Nürnberg 1995.
  3. ↑ Paulo Freire: Cartas a Cristina. Siglo XXI, 1996, ISBN 968-23-2025-9, S. 239.
Personendaten
NAME Chacon, Vamireh
ALTERNATIVNAMEN Chacon, Vamirech
KURZBESCHREIBUNG brasilianischer Politikwissenschaftler, Forscher und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 1. Februar 1934
GEBURTSORT Recife, Pernambuco
STERBEDATUM 20. September 2023