Vanessa Emde

Vanessa „Vedi“ Emde (* 1981 in Düsseldorf) ist eine deutsche Politikerin (Die Linke), Regisseurin und Autorin. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026 wurde sie ins Landesparlament gewählt.

Leben und Wirken

Ausbildung und Karriere

Vanessa Emde wuchs als Tochter einer alleinerziehenden Mutter auf. Sie studierte von 2003 bis 2009 Komparatistik und Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Peter-Szondi-Institut der FU Berlin. Während dieser Zeit schuf Emde mehrere Performances im Rahmen der Berliner queer-feministischen Szene, die Video-Performance Blickkontakt für die Galerie Onyva in Maastricht sowie das Theaterprojekt DRAG. Ein Kleidungsstück.

Anschließend studierte Emde bis 2012 Theaterregie an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg. Im Rahmen des Studiums schrieb und inszenierte sie mehrere Theaterstücke, unter anderem Ich. Ein biografisches Projekt, Geht ein Pfirsich ins Schwimmbad… sowie Von toten Vögeln. Das Stück wurde beim Körber Studio Junge Regie am Thalia Theater inszeniert sowie ins Tschechische übersetzt und am Prager Theater Divadlo X10 aufgeführt (O mrtvých ptácích). Außerdem schrieb Emde das Stück Keinort. Lost in, das 2012 an der Brotfabrik Berlin inszeniert wurde.

Ab 2013 arbeitete Emde als freie Regisseurin und Theaterautorin. Neben ihren Theaterarbeiten veröffentlichte Emde Texte in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften, unterrichtete „Performance & Autor*innenschaft“ und gab Diversity-Trainings in den Darstellenden Künsten und am Theater. Für das Magazin Aviv schrieb sie 2016 Kurzgedichte.

Politik

Laut eigenen Angaben engagiert sich Emde seit vielen Jahren in queer-feministischen, antikapitalistischen und internationalistischen Zusammenhängen. 2022 trat sie der Partei Die Linke bei und engagiert sich seitdem im Bezirksverband Neukölln. Im November 2024 wurde Emde in den Vorstand des Bezirksverbandes gewählt.

Der Bezirksverband Neukölln nominierte Emde für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2026 im Wahlkreis Neukölln 1 sowie auf den zweiten Platz der Bezirksliste. Emde gewann ihren Wahlkreis mit 46,2 Prozent und zog direkt ins Parlament ein.

Politische Positionen

Vanessa Emde wird dem trotzkistischen Netzwerk Marx21 zugerechnet. Emde vertritt innerhalb der Linken eine explizit propalästinensische Position. Sie gehört der 2022 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität im Bezirksverband Neukölln an, die sie mitbegründete, und ist auch in der Landesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität aktiv. Bei einer Veranstaltung im Mai 2026 äußerte Emde: „Es gibt kein Existenzrecht für Staaten – Menschen haben ein Recht zu existieren.“ Die Forderung nach einer „demokratischen Einstaatenlösung“ „mit gleichen Rechten für alle Menschen“ dürfe nicht kriminalisiert werden und sei politisch legitim. Medien warfen ihr daraufhin die Verneinung des Existenzrechts Israels und Antisemitismus vor.

Zudem erschien sie auf einem Foto der Neuköllner Linken-Wahlparty 2026 gemeinsam mit Ibrahim Ibrahim, einem Vertreter des vom Berliner Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees (VPNK). Emde selbst wies eine Einstufung als antisemitisch zurück und bezeichnete darüber hinaus den Verfassungsschutz als „keine legitime Quelle für politische Bewertungen oder die Auswahl unserer Bündnispartner*innen“.

Emde sprach sich im Wahlkampf 2026 gegen eine Regierungsbeteiligung der Linken aus. Medien zitierten einen von ihr mitverfassten Instagram-Beitrag mit den Worten „Lieber richtig in die Opposition als falsch in die Regierung“.

Im August 2026 lud Emde zu einer Veranstaltung ein, auf der der Palästina-Aktivist Ramsis Kilani einen Workshop anbot. Der Berliner Morgenpost erklärte sie, Kilani sei im Bezirksverband „herzlich willkommen“. Kilani war im Dezember 2024 von der Landesschiedskommission aus der Linken ausgeschlossen worden, da er den Antragstellern zufolge den Terror der Hamas relativiert, Gewalt gegen Frauen als Mittel der Kriegführung nur selektiv kritisiert und das Existenzrecht Israels abgelehnt habe. Die Bundesschiedskommission bestätigte den Ausschluss im November 2025.

Im Oktober 2026 bezeichnete Emde ihre Aufnahme in die Linksfraktion als „Geländegewinn gegen die Staatsräson“. Parteiführung und Fraktionsvorstand sahen daraufhin keine „gemeinsame Arbeitsgrundlage“ mehr mit Emde.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Vanessa Emde. In: Akademie Schloss Solitude. 26. März 2020, abgerufen am 22. September 2026.
  2. ↑ SPRACHRÄUME. 31. März 2012, abgerufen am 17. Oktober 2026.
  3. ↑ Lenka Jungmannová: Příběhy obyčejných šílenství: "Nová vlna" české dramatiky po roce 1989. Akropolis, 2014, ISBN 978-80-7470-087-3, S. 73.
  4. ↑ Natalie Mayroth: Deutsch-hebräisches Kulturmagazin: Paartherapie auf Papier. In: taz.de. 16. März 2016, abgerufen am 22. September 2026.
  5. ↑ Mentoringprogramm „Text“ 2018 – 2019. In: Performing Arts Programm Berlin. Abgerufen am 22. September 2026.
  6. ↑ Natalie Mayroth: Deutsch-hebräisches Kulturmagazin: Paartherapie auf Papier. In: Die Tageszeitung: taz. 16. März 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 17. Oktober 2026]).
  7. ↑ Kandidat*innen: Bezirksverband Neukölln. Archiviert vom Original am 22. September 2026; abgerufen am 22. September 2026.
  8. 1 2 3 Jule Meier: Linke Neukölln: Solidarität lässt sich nicht spalten. In: Neues Deutschland. 28. August 2025, abgerufen am 22. September 2026.
  9. ↑ Vorstand: Bezirksverband Neukölln. Archiviert vom Original am 24. Mai 2026; abgerufen am 22. September 2026.
  10. ↑ Der Landeswahlleiter: Wahlkreisvorschläge, Bezirks- und Landeslisten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin sowie Bezirkswahlvorschläge für die Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen am 20. September 2026. (PDF; 4,1 MB) In: Amtsblatt für Berlin. Landesverwaltungsamt Berlin, 27. August 2026, abgerufen am 21. September 2026.
  11. ↑ Ergebnisse Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus von Berlin am 20. September 2026 in 0801 - Neukölln 1. Abgerufen am 22. September 2026.
  12. ↑ Alexander Dinger, Lars Petersen, Lennart Pfahler: Warum ein radikaler linker Bezirksverband eine mögliche rot-rot-grüne Koalition gefährdet. In: Die Welt. 7. Oktober 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  13. ↑ Sebastian Fischer, Sophie Garbe, Florian Kistler, Ulrich Kraetzer, Anna Reimann, Marc Röhlig, Anna-Lena Schou, Hannes Schrader, Severin Weiland: Kontakte zu Terrorsympathisanten, Chatnachrichten mit Clanmitgliedern - wie gefährlich ist die Berliner Linke? In: Der Spiegel. 1. Oktober 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  14. ↑ Erik Peter: Probleme in der dritten Reihe. In: taz. 23. September 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  15. ↑ Oskar Paul: Die Rebellen von Neukölln: Wie viel Lust hat die Linke auf Regieren? In: Berliner Morgenpost. 28. August 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  16. ↑ Anke Myrrhe: Verharmlosung von Gewaltaufrufen: Mit der Linken wird der Antisemitismus ins Rote Rathaus einziehen. In: Tagesspiegel.de. 1. September 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  17. ↑ Matthias Deuring, Anna Reimann und Marc Röhlig: So gefährden die eigenen Genossen Eralps Einzug ins Rote Rathaus. In: Spiegel.de. 21. September 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  18. ↑ Nach der Wahl in Berlin: Wie viel Israelhass duldet die Linke? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. September 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  19. ↑ Marc Röhlig: Terrorunterstützer feiert auf Neuköllner Linken-Wahlparty. In: Spiegel.de. 21. September 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  20. ↑ Kevin Culina: Ibrahim Ibrahim: Das ist der Terror-Unterstützer, der mit der Linken in Neukölln feiert. In: Welt.de. Abgerufen am 22. September 2026.
  21. ↑ Berlin Wahl 2026: Würde die Linkspartei Elif Eralp regieren lassen? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. September 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  22. ↑ Armin Lehmann: Jubel, Skepsis, Issa Remmo: So lief der Wahlabend der Linken in Berlin-Neukölln. In: Tagesspiegel. 20. September 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  23. ↑ rbb24.de: Welche Koalitionen nach der Berlin-Wahl wahrscheinlich sind. 12. September 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  24. ↑ Anna Reimann und Marc Röhlig: Elif Eralps Traum vom Roten Rathaus – und was für sie noch alles schiefgehen kann. In: Spiegel.de. 17. September 2026, abgerufen am 22. September 2026.
  25. ↑ Debatte nach Wahlsieg: Was dran ist an den Vorwürfen gegen die Linke Berlin. In: taz. 26. September 2026, abgerufen am 27. September 2026.
  26. ↑ Nahost-Streit in der Linkspartei: Aktivist Kilani fliegt raus. In: nd. 11. Dezember 2024, abgerufen am 27. September 2026.
  27. ↑ Nach Parteiausschluss von Anti-Israel-Aktivist: Berliner Linke-Mitglieder besetzen Parteizentrale. In: Der Tagesspiegel. 23. November 2025, abgerufen am 27. September 2026.
  28. ↑ Vanessa Emde: Berliner Linken-Abgeordnete kritisiert Diskurs und bekräftigt Aussagen. In: Die Zeit. Oktober 2026, abgerufen am 21. Oktober 2026.
  29. ↑ Alexander Fröhlich: Berliner Linke reagiert: Emde beklagt Bekenntniszwang zu Israels Existenzrecht und feiert „Geländegewinn gegen Staatsräson“. In: Der Tagesspiegel. 17. Oktober 2026, abgerufen am 21. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Emde, Vanessa
ALTERNATIVNAMEN Emde, Vedi
KURZBESCHREIBUNG deutsche Regisseurin, Autorin und Politikerin (Die Linke), MdA
GEBURTSDATUM 1981
GEBURTSORT Düsseldorf