Der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e. V. ist der älteste heute noch existierende Zusammenschluss bildender Künstlerinnen in Deutschland.

Der Verein der Berliner Künstlerinnen ging aus dem Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin hervor. Dieser Verein war seit seiner Gründung im Jahr 1867 durch Marie Remy, Clara Wilhelmine Oenicke, Rosa Petzel und Clara Heinke auf das ganze deutschsprachige Gebiet und auf die angrenzenden Länder ausgerichtet. So konnte unter anderem auch Marie Wiegmann aus Düsseldorf Mitglied des Vereins werden.
Im Jahr 1867 waren Frauen im Deutschen Reich nicht rechtsfähig, deshalb bedurfte es männlicher Gründungsmitglieder, die durch eine Ehrenmitgliedschaft an den Verein gebunden waren, ohne ordentliche Mitglieder zu sein. Die Kunstfreundinnen sicherten dem Verein die Verankerung im Bürgertum und damit nicht zuletzt eine finanzielle Basis. Einige der Kunstfreundinnen hatten zudem wichtige Positionen in der Vereinsleitung inne. So gehörte Hedwig Weiß zeitweise dem Vorstand an.
Als Vereinsorgan diente zunächst die Zeitschrift Die Werkstatt der Kunst, die auch von anderen Künstlerverbänden genutzt wurde.
1919, zu Beginn der Weimarer Republik, in der die Rechte der Frauen gestärkt wurden, benannte sich der Verein um in Verein der Künstlerinnen zu Berlin.
Der Verein der Berliner Künstlerinnen und Kunstfreundinnen hatte seit 1868 eine eigene Kunstschule am Askanischen Platz 7, die ab 1871 auch eine „Zeichen- und Malschule“ mit angeschlossenem „Zeichenlehrerinnen-Seminar“ umfasste. Die Unterrichtung erfolgt zu Anfang durch renommierte Akademieprofessoren.
1893 erwarb der Verein zusammen mit dem Victoria-Lyzeum für höhere Frauenbildung das mehrstöckige Gartenhaus in der Potsdamer Straße 39 (heute 98a). Dort war im Erdgeschoss und im I. Stock das Lyzeum untergebracht, und die Räume der Zeichen- und Malschule lagen im II. und III. Stockwerk.
Mit gestiegener Schülerzahl zog der Verein 1911 in ein eigens erbautes Haus am Schöneberger Ufer 38 (heute 71).
Der Verein pflegt das kulturelle Gedächtnis und fördert die aktuellen Entwicklungen zeitgenössischer Künstlerinnen. Er veranstaltet von Beginn an jährlich Kunstausstellungen, publiziert Vereinsmitteilungen und Kataloge und vergibt seit 1990 einen nach Marianne von Werefkin benannten Kunstpreis an zeitgenössische Künstlerinnen.
Kooperationspartner des Vereins ist die Berlinische Galerie Landesmuseum für moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Mit ihrer Hilfe konnte im Jahr 1992 zum 125-jährigen Vereinsjubiläum im Martin-Gropius-Bau die große, zwei Millionen DM teure Ausstellung „Profession ohne Tradition“ mit über 250 Exponaten von ca. 100 Leihgebern realisiert werden. Zur Ausstellung erschien ein 600-seitiger Katalog mit Beiträgen von 33 Autoren. Ergänzend zum Katalogbuch erschien das Nachschlagewerk Käthe, Paula und der ganze Rest, das über 1200 Künstlerinnen, Kunstfreundinnen und männliche Ehrenmitglieder des Vereins verzeichnet.

Bis 2012 unterhielt der Verein selbst das umfangreiche Archiv Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e. V. Es wird unter anderem als Quelle von Dissertationen, Magister- und Diplomarbeiten über einzelne Künstlerinnen sowie die Position von Künstlerinnen in Ausbildung und Gesellschaft genutzt. So diente Datenmaterial aus dem Archiv für Arbeiten über Charlotte Berend-Corinth, Käthe Kollwitz, Jeanne Mammen, Paula Modersohn-Becker, Marg Moll, Elisabet Ney, Harriet von Rathlef-Keilmann und Gertraud Rostosky.
Am 1. November 2012 ging das Vereinsarchiv per Vertrag an das Archiv der Akademie der Künste (Abteilung Bildende Kunst) über und kann dort online eingesehen werden, siehe Weblinks.
Seit 1990 vergibt der Verein im zwei- bis dreijährigen Turnus den Marianne-Werefkin-Preis an zeitgenössische Künstlerinnen. Der Preis mit 5000 Euro dotierte Preis wurde 2025 zum 13. Mal vergeben. Zur Preisträgerin des Jahres 2025 wurde die Performance- und Installationskünstlerin Mehtap Baydu gewählt.

