Vera King

Vera King bei den 59. Römerberggesprächen 2026

Vera King (* 1960 in Schramberg, Baden-Württemberg) ist eine deutsche Soziologin und Sozialpsychologin. Sie ist seit 2016 Professorin für Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt sowie Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main.

Werdegang

Nach dem Studium der Soziologie, Psychologie und Erziehungswissenschaft promovierte Vera King 1994 an der Universität Frankfurt am Main über die Bedeutung von Freuds Fallgeschichte das „Bruchstück einer Hysterie-Analyse“ im Theorieentstehungsprozess der Psychoanalyse. 2002 schloss sie die Habilitation über „Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz. Individuation, Generativität und Geschlecht in modernisierten Gesellschaften“ mit der Venia legendi für Soziologie ab und nahm einen Ruf an die Universität Hamburg an. Von 2002 bis 2016 war sie Professorin in der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg mit Schwerpunkten Sozialisations- und Entwicklungsforschung. Im März 2016 übernahm sie die Kooperationsprofessur für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt in Verbindung mit der Position einer Direktorin am Sigmund-Freud-Institut. Seit November 2016 ist sie Geschäftsführende Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main.

Werk

Im Zentrum von Vera Kings Forschungen und Publikationen liegt insbesondere die Analyse von Zusammenhängen zwischen gesellschaftlichen Bedingungen und individuellen Entwicklungen, zwischen Kultur und Psyche. Dazu hat sie Projekte u. a. im Bereich der Jugend- und Adoleszenzforschung, der Familien- und Generationenforschung sowie der sozialpsychologischen Kulturanalysen durchgeführt und publiziert. Der Band ‚Weibliche Adoleszenz‘, herausgegeben 1992 mit Karin Flaake, verknüpfte sozial- und kulturwissenschaftliche Analysen mit entwicklungspsychologischen und psychoanalytischen Perspektiven. In späteren Arbeiten untersuchte sie die Bedeutung der Jugend/Adoleszenz und des ‚adoleszenten Möglichkeitsraums‘ für biographische und kulturelle Entwicklungen. Sie arbeitete insbesondere die intergenerationale Dynamik der Adoleszenz heraus und entwickelte ein Konzept von Generativität im Schnittpunkt von Subjekt- und Kulturtheorie. Die Erforschung der Bedeutung von Generationenbeziehungen ist zudem Gegenstand von Studien über Familien und psychosoziale Entwicklungen von Eltern, Kindern und Adoleszenten im Kontext von Migration und Flucht. Vera King forscht überdies zu psychosozialen und psychischen Folgen von Optimierungsdynamiken, veränderten Zeitverhältnissen und Digitalisierung und vor diesem Hintergrund auch zur Sozialpsychologie des Autoritarismus und Populismus. Sie ist u. a. Sprecherin der transdisziplinären Forschungsprojekte ‚Aporien der Perfektionierung in der beschleunigten Moderne‘ sowie des Projekts ‚Das vermessene Leben. Produktive und kontraproduktive Folgen digital quantifizierender Optimierung‘, die sie jeweils gemeinsam mit Benigna Gerisch und Hartmut Rosa leitet (gefördert von der Volkswagenstiftung in der Förderlinie ‚Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft‘). Dabei werden jeweils kulturelle und organisationale Wandlungen der Arbeitswelt auch mit Blick auf ihre Bedeutungen und Folgen für biographische Verläufe, für psychische Bewältigungsformen und Muster der Lebensführung untersucht.

Funktionen

Vera King ist Mitherausgeberin der Zeitschriften Psyche und Psychosozial. Sie ist Mitglied des Stiftungs- und Aufsichtsrats der International Psychoanalytic University Berlin (IPU), wissenschaftliche Beirätin des Scientific Advisory Board am Freiburg Institute for Advanced Studies der Universität Freiburg und der Ärztlichen Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen, Mitglied des Comité scientifique international der Association Internationale Interactions de la Psychanalyse (A2IP) sowie wissenschaftliche Beirätin verschiedener Fachzeitschriften, u. a. der Zeitschrift Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, der Zeitschrift Familiendynamik und der Zeitschrift Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie (KJP).

Schriften (Auswahl)

Commons: Vera King – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Kurzportrait der Autorin in: King, V. (2022). Neue Matrix des Zusammenlebens. Die Folgen der Digitalisierung für Kultur und Psyche. In: Netzkultur – Leben in der digitalen Gesellschaft, Die Politische Meinung, Nr. 573, März/April 2022, 67. Jg., 16-20.
  2. ↑ Publikationsfassung: V. King (1995): Die Urszene der Psychoanalyse. Adoleszenz und Geschlechterspannung im Fall Dora. Stuttgart: Verlag Internationale Psychoanalyse
  3. ↑ Publikation der Habil.: V. King (2013): Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz. Individuation, Generativität und Geschlecht in modernisierten Gesellschaften. Wiesbaden: Springer
  4. ↑ K. Flaake, V. King (Hrsg.) (2003): Weibliche Adoleszenz. Zur Sozialisation junger Frauen. 5. Auflage. Weinheim: Beltz
  5. ↑ V. King (2013): Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz : Individuation, Generativität und Geschlecht in modernisierten Gesellschaften. Wiesbaden: Springer V. King (2015): Kindliche Angewiesenheit und elterliche Generativität. Subjekt- und kulturtheoretische Perspektiven. In: Andresen, S. u. a. (Hrsg.): Vulnerable Kinder. Eine kritische Diskussion. Wiesbaden: Springer, S. 23–43 V. King (2017): Intergenerationalität – theoretische und methodologische Forschungsperspektiven, In: Böker K, Zölch J (Hrsg.): Intergenerationale Qualitative Forschung – Theoretische und methodische Perspektiven. Springer VS, Wiesbaden S. 13–32
  6. ↑ Psychosoziale Folgen von Migration und Flucht – generationale Dynamiken und adoleszente Verläufe. SFI, Frankfurt am Main.
  7. ↑ V. King, B. Gerisch, H. Rosa (eds.) (2018), with editorial assistance from Julia Schreiber and Benedikt Salfeld: ‘Lost in Perfection.‘ Impacts of Optimisation on Culture and Psyche. London: Routledge V. King, B. Gerisch (Hrsg.) (2015): Perfektionierung und Destruktivität. Schwerpunktheft der Zeitschrift Psychosozial, Heft 3/2015.
  8. ↑ King, V. (2018): Geteilte Aufmerksamkeit. Kultureller Wandel und psychische Entwicklung in Zeiten der Digitalisierung. Psyche - Zeitschrift für Psychoanalyse 72, S. 640–665
  9. 1 2 WestEnd 1/2021: Destruktivität und Regression im Rechtspopulismus. In: Campus Verlag. Vera King, Ferdinand Sutterlüti, abgerufen am 9. November 2021.
  10. ↑ Prof. Dr. Vera King – Forschung sowie Aporien der Perfektion . Universität Hamburg.
  11. 1 2 Lost in Perfection. Zur Optimierung von Gesellschaft und Psyche. In: Suhrkamp Verlag. Vera King, Benigna Gerisch, Hertmut Rosa, abgerufen am 9. November 2021.
  12. ↑ Forschungsprojekt: Das vermessene Leben. Produktive und kontraproduktive Folgen der Quantifizierung in der digital optimierenden Gesellschaft
  13. ↑ Adoleszenz und Generationendynamik im Kontext von Migration und Flucht. In: Adoleszenzforschung. 2023, ISSN 2512-0433, doi:10.1007/978-3-658-42009-3 (springer.com [abgerufen am 21. Dezember 2023]).
  14. ↑ Sozioanalyse - Zur Psychoanalyse des Sozialen mit Pierre Bourdieu. Abgerufen am 8. November 2022.
Personendaten
NAME King, Vera
KURZBESCHREIBUNG deutsche Soziologin und Sozialpsychologin
GEBURTSDATUM 1960
GEBURTSORT Schramberg, Baden-Württemberg