Konkrete Kategorie

Eine konkrete Kategorie ist in der Mathematik eine Kategorie zusammen mit einem treuen Funktor von ihr in die Kategorie der Mengen. Dieser Funktor heißt Vergissfunktor. Eine Kategorie, zu der solch ein Vergissfunktor existiert, heißt konkretisierbare Kategorie. Vermöge dieses Vergissfunktors kann man sich die Objekte der an sich abstrakten Kategorie auch als Mengen mit einer zusätzlichen mathematischen Struktur vorstellen, wobei die Morphismen genau die mit dieser Struktur verträglichen Abbildungen zwischen den entsprechenden Mengen sind.

Motivation

Viele wichtige Kategorien sind ohnehin in folgender Form gegeben:

Durch den offensichtlichen Funktor in die Kategorie der Mengen sind solche Kategorien konkretisierbar. Dies ist insbesondere der Fall für die Kategorie Top der topologischen Räume (mit stetigen Abbildungen als Morphismen), für die Kategorie Grp der Gruppen und trivialerweise auch für die Kategorie Set der Mengen selbst. Wenn man auf diese Weise von Elementen eines Objektes sprechen kann, ermöglicht dies beispielsweise einfache und anschauliche Definitionen von Begriffen wie Kern und Bild eines Morphismus und das Beweisverfahren der Diagrammjagd. Eine wichtige Aussage in dieser Richtung liefert etwa der Einbettungssatz von Mitchell.

Definition

Sei X eine Kategorie, die sogenannte Basiskategorie. Eine konkrete Kategorie über X ist ein Paar (C,U) aus einer Kategorie C und einem treuen Funktor U:C→X in die Basiskategorie. Eine Kategorie C heißt über X konkretisierbar, wenn es eine über X konkrete Kategorie (C,U), d. h. einen treuen Funktor U:C→X gibt.

Falls X die Kategorie Set der Mengen und Abbildungen ist, heißt (C,U) auch schlicht konkrete Kategorie und C konkretisierbar. Einige Autoren bezeichnen eine konkrete Kategorie auch als Konstrukt.

Der Funktor U wird auch als Vergissfunktor bezeichnet, der jedem Objekt von C sein zugrunde liegendes X-Objekt (bzw. zugrunde liegende Menge) und jedem Morphismus in C seinen zugrunde liegenden X-Morphismus (bzw. zugrunde liegende Abbildung) zuordnet.

Bemerkungen

Beispiele

Gegenbeispiele

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Saunders MacLane, Garrett Birkhoff: Algebra. 3. Auflage. AMS, Chelsea 1999, ISBN 978-0-8218-1646-2 (englisch).
  2. ↑ Peter Freyd: Homotopy is not concrete. In: Franklin Peterson (Hrsg.): The Steenrod Algebra and its Applications: A conference to celebrate N. E. Steenrod’s 60th birthday (= Springer Lecture Notes in Mathematics. Nr. 168). Springer, 1970, ISBN 3-540-05300-X (englisch, Reprints in Theory and Applications of Categories. [abgerufen am 11. Oktober 2010]).
  3. ↑ Peter Freyd: On the concreteness of certain categories. In: Symposia Mathematica. Band IV. Academic Press, London 1970, S. 431–456 (englisch).

Adámek, Herrlich, Strecker: Abstract and Concrete Categories: the joy of cats.

  1. ↑ S. 61
  2. ↑ vgl. S. 63
  3. ↑ S. 62, (4)
  4. ↑ S. 62, (3)