Verlag Louis Blumenthal

Geschäftsraum Blumenthals in: Panorama von Berlin: für die Gewerbe-Ausstellung 1896, S. 11

Louis Blumenthal war ein von 1876 bis 1908 in Berlin betriebenes „Kunst-, Luxus-, Leder- und Papierwaaren-Geschäft“ mit angeschlossener Buchdruckerei, Lithografischer Anstalt und Geschäftsbücher-Fabrik. Das Geschäft befand sich bis 1883 in der Mohrenstraße 18–19/Ecke Friedrichstraße und zog dann in die Leipziger Straße 38 (nahe der Charlottenstraße). Neben Angeboten von Galanteriewaren tat sich die Firma auch als Verlag von Ansichtskarten hervor, darunter insbesondere „mit Porträtfotografien von Personen des kulturellen Lebens“. Dieser Bereich wurde 1909 vom Verlag Hermann Leiser übernommen.

Verlagsprofil

Schon in einer Anzeige im ersten Jahrgang des Deutschen Adelsblattes 1883 bewarb Louis Blumenthal als „größtes und schönstes Magazin in der Schreibmaterialien-, Kurz- und Lederwaarenbranche der Residenz“ als Groß- und Einzelhändler für den gehobenen Bedarf unter anderem frühe Alben für Fotografien.

Gertrud Eysoldt als „Salome“ in Oscar Wildes gleichnamigem Drama
Nr. 2639, Foto von Hanna Schwarz

Spätestens 1890 war Blumenthal als Einzel- und Großhändler auch im Export tätig und konnte nach der Einführung von Ansichtskarten schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch über Vertriebspartner etwa in Frankfurt am Main eine Kollektion von mehr als 1000 „Porträt-Karten“ anbieten. Diese Postkarten waren fortlaufend nummeriert; beispielsweise zeigte die Karte Nummer 2639 die Schauspielerin Gertrud Eysoldt als „Salome“ in einer Aufnahme der Fotografin Hanna Schwarz.

Seit etwa 2021 versucht ein Hermann Leiser Projekt alle veröffentlichten Karten der Verlage Blumenthal und Leiser zu dokumentieren und Angaben zu einer zeitlichen Einordnung der Publikationen zu sammeln.

Leben

Der Kaufmann Louis Blumenthal stammte aus einer jüdischen Familie. Er wurde am 27. Februar 1852 in Schlochau, Provinz Westpreußen geboren und starb am 6. Juni 1912 in Charlottenburg. Blumenthal wurde auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee begraben.
Ab spätestens 1876 lebte er in Berlin und wurde Teilhaber der Firma „Isaac Simon, Hoflieferant, Geschäftsbücherfabrik und Papierhandlung, Monogramm-Prägeanstalt, Buch- und Steindruckerei“. Ab 1878 war Blumenthal alleiniger Inhaber; ab 1896 war Hermann Leiser sein Geschäftspartner.
1885 heiratete er in Thorn Johanna Leiser (1862 in Thorn; † 1942 im Ghetto Theresienstadt). Das Paar hatte zwei Söhne: der Kaufmann Siegfried (* 1886 in Berlin) starb als Soldat 1916 in der Schlacht an der Somme in Fresnes, Frankreich. Der Jurist Dr. Erich Blumenthal (* 1887 in Berlin) wanderte 1939 in die USA aus, arbeitete als Immobilienmakler und starb als Eric Bloom 1973 in Los Angeles.

Porträtfotografien (Auswahl)

Commons: Louis Blumenthal (publisher) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Digitalisat der Digitalen Landesbibliothek Berlin
  2. ↑ Louis Blumenthal…großer Ausverkauf wegen Aufgabe des Geschäfts. In: Berliner Tageblatt vom 17. Dezember 1908, S. 15
  3. 1 2 Deutsches Adelsblatt, 1. Jahrgang (1883), S. 453, v. a. S. 459; Google-Books
  4. ↑ Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1884, S. 84 . Das Gebäude existiert nicht mehr; es stand auf dem Gelände des heutigen „Jugendparks“
  5. ↑ Angaben zum Verlag Hermann Leiser im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  6. ↑ Anzeige im Berliner Tageblatt vom 7. März 1909, S. 40, Sp. 4
  7. ↑ Berliner Adreßbuch auf das Jahr 1890, S. 103
  8. ↑ Bühne und Welt, Band 5, Teil 1, 1903, S. 480; Vorschau über Google-Bücher
  9. ↑ Bildpostkarte Nummer 2639
  10. ↑ online im Internet Archive
  11. ↑ Standesamt Charlottenburg I, Sterbeurkunde Nr. 376 vom 6. Juni 1912 (Landesarchiv Berlin)
  12. ↑ Louis Blumenthal in der Datenbank Find a Grave
  13. ↑ Berliner Adreß-Buch für das Jahr 1878, S. 879
  14. ↑ Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, Ausgabe 1897, S. 107. Blumenthals Ehefrau war eine geborene Leiser; möglicherweise waren Leiser und Blumenthal verschwägert
  15. ↑ Johanna Blumenthal im Gedenkbuch. Die Todesanzeige im Aufbau vom 21. September 1945, S. 18 ist somit leider unzutreffend
  16. ↑ Berliner Tageblatt vom 16. Juli 1916, S. 15 ; auch er wurde in Weißensee begraben (Siegfried Blumenthal in der Datenbank Find a Grave)
  17. ↑ Standesamt Berlin II, Geburtsurkunde Nr. 1043 vom 5. November 1887 (Landesarchiv Berlin)

Koordinaten: 52° 30′ 37,3″ N, 13° 23′ 34,3″ O