Vesoul

Vesoul
Vesoul (Frankreich)
Vesoul (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Bourgogne-Franche-Comté
Département (Nr.) Haute-Saône (Präfektur) (70)
Arrondissement Vesoul
Kanton Vesoul-1 (Hauptort)
Vesoul-2 (Hauptort)
Gemeindeverband Vesoul
Koordinaten 47° 37′ N, 6° 9′ OKoordinaten: 47° 37′ N, 6° 9′ O
Höhe 213–375 m
Fläche 9,07 km²
Bürgermeister Alain Chrétien
Einwohner 15.078 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 1.662 Einw./km²
Postleitzahl 70000
INSEE-Code
Website http://www.vesoul.fr/

Rathaus von Vesoul

Vesoul [və.zul] ⓘ (deutsch veraltet Wesel) ist eine französische Gemeinde in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie ist Hauptort (Präfektur) des Départements Haute-Saône.

Geografie

Die Stadt mit 15.078 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) liegt an der alten Bahnstrecke, die von Paris über Troyes nach Mülhausen und weiter nach Basel führt. Auch die Route nationale 19 (N19) von Paris nach Basel führt über Vesoul.

Durch Vesoul fließen der Durgeon, ein Nebenfluss der Saône, und die Colombine, die bei Vesoul in den Durgeon mündet. Westlich der Stadt liegt, auf dem Gebiet der Gemeinde Vaivre-et-Montoille, der See „Lac de Vesoul-Vaivre“.

Geschichte

Vesoul, von den Römern Castrum Vesulium genannt, behielt seinen römischen Namen in den ersten Urkunden von 899, 988 und 1005 bei. In der Nähe der Stadt, an einem Ort Offonis villa, wurde im Vertrag von Meerssen 870 die Grenze zwischen den neuen fränkischen Reichen Ludwigs des Deutschen und Karls des Kahlen gezogen. 1196 war Kaiser Heinrich VI. auf dem Weg zwischen Luxeuil und Visulium. Seit 1242 ist die heutige Lautung des Ortsnamens zu belegen.

Jüdische Gemeinde im Mittelalter

Im 14. Jahrhundert siedelten sich Juden in Vesoul an. Sie wurden 1306 von Philippe le Bel (Philipp IV. (Frankreich)) aus seinem Königreich vertrieben, Vesoul gehörte zu dieser Zeit zum Heiligen Römischen Reich. Sie betrieben hauptsächlich den Geldverleih, da ihnen anderen Aktivitäten untersagt waren. Der bekannteste war Héliot de Vesoul. Insgesamt lebten wohl 15 jüdische Familien in Vesoul. In den folgenden Jahren wurden sie immer wieder angefeindet und schließlich, während der großen Pestepidemie 1348, vertrieben.

Vesoul als Landeshauptstadt

1814 war Vesoul einige Monate lang (27. Januar – 6. Juni) die Hauptstadt des ephemeren Landes État de Franche-Comté. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig trafen sich die Sieger Alexander I. (Russland), Friedrich Wilhelm III. (Preußen), Franz II. (HRR) von Österreich zuerst in Vesoul, dann in Langres, um die Nachkriegsordnung zu besprechen. Es wurde der Plan eines Pufferstaats entworfen, der den Südwesten Deutschlands von Frankreich trennen sollte, von der Schweiz bis westlich von Strasbourg. Der Staat wurde gegründet aus den französischen Departements Vosges, Haupte-Soâne, Doubs, Jura, der Gegend um Montbéliard und eines Teils der Schweiz um Porrentruy mit Vesoul als Hauptstadt. Als Regierungschef wurde Conrad Karl Friedrich von Andlau-Birseck eingesetzt. Wenige Monate später war der Spuck vorbei, der Staat wurde aufgelöst und Vesoul war wieder eine normale Provinzstadt.

Zweiter Weltkrieg

Während der Deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg befand sich in Vesoul von Oktober 1940 bis Dezember 1943 ein deutsches Kriegsgefangenenlager, das Frontstalag 141. Ab Dezember 1943 war dieses Frontstalag ein Zweiglager des Frontstalags 194 in Nancy.

Landesweite Bekanntheit durch Jacques Brel

Vesoul geniest in Frankreich den Ruf einer langweiligen Stadt par excellence, dies dank einem Chanson von Jacques Brel von 1968 mit dem Refrain „T’as voulu voir Vesoul et on a vu Vesoul“ und dem Titel Vesoul. Immerhin darf sich Vesoul darin direkt mit Paris messen, das nicht viel besser wegkommt.

Bevölkerungsentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl
Jahr179318001806182118311836184118461851185618611866
Einwohner5.3035.4175.7085.3915.4085.8876.7885.9416.6217.2817.5797.614
Jahr187218761881188618911896190119061911192119261931
Einwohner7.7169.2069.5539.7339.77010.0839.70410.16310.53910.47110.85911.562
Jahr193619461954196219681975198219901999200620122017
Einwohner11.92611.82512.03813.67816.35218.17318.41217.61417.16816.37015.63714.937

Wirtschaft

In Vesoul befindet sich eine der Fabriken der PSA-Automobilwerke, die 4500 Mitarbeiter beschäftigt und damit einen der größten Arbeitgeber im Département Haute-Saône darstellt.

Bauwerke

Städtepartnerschaften

Persönlichkeiten

In Vesoul geboren

Literatur

Siehe auch

Commons: Vesoul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ A. Gevrey: Histoire de Vesoul, und andere Quellen.
  2. ↑ RI I., 1480.
  3. ↑ RI IV., 528.
  4. ↑ Julian Führer: Juden in der Grafschaft Burgund im Mittelalter. In: Perspectivia.Net. Francia – Forschungen zur westeuropäischen Geschichte, 2007, abgerufen am 14. September 2026 (französisch).
  5. ↑ Léon Gauthier: Les Juifs dans les deux Bourgognes. In: Revue des études juives. 1904, abgerufen am 14. September 2026 (französisch).
  6. ↑ Vesoul. In: JC Guide Europe – The Cultural Guide To Jewish Europe. 2026, abgerufen am 14. September 2026 (englisch).
  7. ↑ Gotthard Deutsch, S. Kahn: VESOUL. In: Jewish Encyclopedia. 2021, abgerufen am 14. September 2026 (englisch).
  8. ↑ Annegret Holtmann: Juden in der Grafschaft Burgund im Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2003, ISBN 3-7752-5621-0.
  9. ↑ P.-A. Pidoux: Vesoul - Capitale d'État. In: Bulletin de la Société d'agriculture, sciences et arts. Bibliothèque nationale de France, Januar 1906, abgerufen am 16. September 2026 (französisch).
  10. ↑ Liste der Kriegsgefangenenlager auf moosburg.org
  11. ↑ Fatima Larbi: "Vesoul" : tout ce que vous ignorez peut-être encore sur la chanson de Jacques Brel. France 3, 14. Dezember 2018, abgerufen am 7. Oktober 2026.
  12. ↑ cassini.ehess.fr