Vibrio metoecus

Vibrio metoecus
Systematik
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Gammaproteobacteria
Ordnung: Vibrionales
Familie: Vibrionaceae
Gattung: Vibrio
Art: Vibrio metoecus
Wissenschaftlicher Name
Vibrio metoecus
Kirchberger et al. 2014

Vibrio metoecus ist eine Bakterienart. Die Art ist ein allgegenwärtiger Bewohner von küstennahen Meereslagunen. V. metoecus ist phylogenetisch sehr nah verwandt mit Vibrio cholerae. Die Art wurde im Jahr 2014 beschrieben und kommt zum Beispiel in Gewässern vor. Sie wurde auch aus Stuhlproben von Patienten isoliert und ist ein opportunistischer Krankheitserreger, sie kann bei immungeschwächten Patienten eine Lebensmittelvergiftung (Vibriose) auslösen.

Merkmale und Stoffwechsel

Die Zellen von Vibrio metoecus sind gekrümmt-stäbchenförmig und etwa 1,25–2 µm lang und 0,4 µm breit. Es ist durch einziges polares Flagellum beweglich. Die Gram-Färbung verläuft negativ, die Zellwand besteht also aus zwei Membran zwischen denen sich eine dünne Mureinschicht befindet. Der Oxidase-Test fällt positiv aus, das Enzym Cytochrom-c-Oxidase ist also vorhanden. Das Cytochromsystem ist in der Regel nur in aeroben Organismen vorhanden, die in der Lage sind, Sauerstoff als terminalen Elektronenakzeptor zu nutzen. Der Voges-Proskauer-Test fällt negativ aus, V. metoecus führt keine 2,3-Butandiolgärung durch. Das Wachstum erfolgt im LB-Medium bei Temperaturen von 20–40 °C. Der Stoffwechsel von Vibrio metoecus ist chemoorganotroph, er benutzt organische Verbindungen als Energiequelle und zum Zellaufbau. Es kann verschiedene Verbindungen durch Gärung nutzen. Der Indol-Test fällt positiv aus, das Bakterium besitzt das Enzym Tryptophanase und kann die Aminosäure Tryptophan spalten. Es kann mehrere Stoffe für die Gärung nutzen, hierzu zählen z. B. Glucose, Fructose, Mannitol und Galactose. Es kann nicht Arabinose vergären. Des Weiteren reduziert es Nitrat zu Nitrit. Der Urease-Test verläuft negativ.

Unterscheidung von Vibrio cholerae

Die Stämme von Vibrio metoecus ähneln stark denen von Vibrio cholerae. So liegt die Ähnlichkeit der 16S rRNA-Gensequenzen zwischen dem Typstamm OP3HT von V. metoecus und den V. cholerae-Stämmen zwischen 98,4 und 99,8 %. Mit den meisten Standard-Identifizierungsverfahren lässt sich Vibrio metoecus nicht von V. cholerae unterscheiden. Nur eine Untersuchung des ompW-Gens (Outer membrane protein W family) und ein negativer Voges-Proskauer-Test bei V. metoecus zeigt einen Unterschied. Darüber hinaus unterschieden sich alle isolierten Stämme durch ihre Fähigkeit, N-Acetyl-d-Galactosamin und d-Glucuronsäure als einzige Kohlenstoffquellen zu nutzen, hierzu ist V. cholerae nicht in der Lage. Außerdem waren sie im Allgemeinen nicht in der Lage, den Schleimpilz Dictyostelium discoideum zu infizieren, eine bei V. cholerae weit verbreitete Fähigkeit. Weiterhin fehlen das Choleratoxin und toxinkoregulierte Pili.

Es wird angenommen, dass das Bakterium Vibrio metoecus durch horizontalen Gentransfer pathogene Eigenschaften erlangte und dass es als Speicher für diese Gene fungieren kann. Vergleichende Analysen der Genome von V. metoecus und V. cholerae zeigten, dass V. metoecus besonders empfänglich für die Aufnahme genetischer Informationen von V. cholerae ist. Bei einer Studie wurde beobachtet, das Vibrio metoecus ca. sechsmal häufiger Gene von V. cholerae aufnimmt, als dies umgekehrt der Fall ist. Eine Erklärung könnte eine höhere Populationsdichte von V. cholerae sein, es wurde in der Studie ca. zehnmal häufiger nachgewiesen.

Systematik

Die Art Vibrio metoecus zählt zu der Gattung Vibrio. Hier sind über 150 Arten vereint (Stand Oktober 2025). Es sind einige für den Menschen gefährliche Arten vorhanden, zu den wichtigsten zählen Vibrio cholerae, Vibrio vulnificus, Vibrio parahaemolyticus und Vibrio alginolyticus. Weiterhin sind Vibrio fluvialis, Vibrio mimicus, Vibrio hollisae, Vibrio metschnikovii, Vibrio metoecus und Vibrio furnissii als wichtige Krankheitserreger zu nennen.

Ökologie

Vibrio metoecus wurde in Küstengewässern, Lagunen und Flussmündungen gefunden. Die Art kommt auch im Schleim und auf der Haut von Aalen (Anguilla-Arten) vor. V. metoecus wurde als eine der häufigsten Vibrio-Spezies im Schleim der Aale identifiziert, gemeinsam mit Vibrio anguillarum und Vibrio cholerae. Die Art zählt zum natürlichen Mikrobiom dieser Fische.

Einzelnachweise

  1. ↑ Roberto C. Molina-Quiroz, Andrew Camilli, Cecilia A. Silva-Valenzuela: Role of Bacteriophages in the Evolution of Pathogenic Vibrios and Lessons for Phage Therapy. In: Vibrio spp. Infections. Band 1404. Springer International Publishing, Cham 2023, ISBN 978-3-031-22996-1, S. 149–173, doi:10.1007/978-3-031-22997-8_8, PMID 36792875, PMC 10587905 (freier Volltext) – (springer.com [abgerufen am 23. September 2025]).
  2. 1 2 Paul C. Kirchberger, Maryann Turnsek, Dana E. Hunt, Bradd J. Haley, Rita R. Colwell, Martin F. Polz, Cheryl L. Tarr, Yan Boucher: Vibrio metoecus sp. nov., a close relative of Vibrio cholerae isolated from coastal brackish ponds and clinical specimens. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 64, Pt_9, 1. September 2014, ISSN 1466-5026, S. 3208–3214, doi:10.1099/ijs.0.060145-0 (microbiologyresearch.org [abgerufen am 24. September 2025]).
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  4. 1 2 3 Daniela Ceccarelli, Carmen Amaro, Jesús L. Romalde, Elisabetta Suffredini, Luigi Vezzulli: Vibrio Species. In: Food Microbiology. ASM Press, Washington, DC, USA 2019, ISBN 978-1-68367-047-6, S. 347–388, doi:10.1128/9781555819972.ch13 (wiley.com [abgerufen am 17. August 2025]).
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  6. ↑ Bradd J Haley, Christopher J Grim, Nur A Hasan, Seon-Young Choi, Jongsik Chun, Thomas S Brettin, David C Bruce, Jean F Challacombe, J Chris Detter, Cliff S Han, Anwar Huq, Rita R Colwell: Comparative genomic analysis reveals evidence of two novel Vibrio species closely related to V. cholerae. In: BMC Microbiology. Band 10, Nr. 1, Dezember 2010, ISSN 1471-2180, doi:10.1186/1471-2180-10-154, PMID 20507608, PMC 2889950 (freier Volltext) – (biomedcentral.com [abgerufen am 25. Oktober 2025]).
  7. ↑ Yan Boucher, Otto X. Cordero, Alison Takemura, Dana E. Hunt, Klaus Schliep, Eric Bapteste, Philippe Lopez, Cheryl L. Tarr, Martin F. Polz: Local Mobile Gene Pools Rapidly Cross Species Boundaries To Create Endemicity within Global Vibrio cholerae Populations. In: mBio. Band 2, Nr. 2, 29. April 2011, ISSN 2161-2129, doi:10.1128/mBio.00335-10 (asm.org [abgerufen am 29. Oktober 2025]).
  8. ↑ Fabini D. Orata, Paul C. Kirchberger, Raphaël Méheust, E. Jed Barlow, Cheryl L. Tarr, Yan Boucher: The Dynamics of Genetic Interactions between Vibrio metoecus and Vibrio cholerae, Two Close Relatives Co-Occurring in the Environment. In: Genome Biology and Evolution. Band 7, Nr. 10, Oktober 2015, ISSN 1759-6653, S. 2941–2954, doi:10.1093/gbe/evv193 (oup.com [abgerufen am 25. Oktober 2025]).
  9. ↑ LPSN
  10. ↑ Miguel Carda-Diéguez, Rohit Ghai, Francisco Rodríguez-Valera, Carmen Amaro: Wild eel microbiome reveals that skin mucus of fish could be a natural niche for aquatic mucosal pathogen evolution. In: Microbiome. Band 5, Nr. 1, Dezember 2017, ISSN 2049-2618, doi:10.1186/s40168-017-0376-1, PMID 29268781, PMC 5740887 (freier Volltext) – (biomedcentral.com [abgerufen am 25. Oktober 2025]).