
Julius Victor Carus (* 25. August 1823 in Leipzig, Königreich Sachsen; † 10. März 1903 ebenda) war ein deutscher vergleichender Anatom.
Julius Victor Carus war ein Sohn des Chirurgen Ernst August Carus und der Sängerin Agnes Küster. Er war der Enkel des Philosophen Friedrich August Carus. Wilhelm Engelmann war sein Schwager.
Ab 1835 besuchte er gemeinsam mit Friedrich Max Müller die Nikolaischule in Leipzig. 1841 immatrikulierte Carus sich an der Universität Leipzig. Er studierte dort unter Ernst Heinrich Weber Johann Christian August Clarus und Gustav Biedermann Günther Medizin und Naturwissenschaften. Am 29. April 1843 bestand Carus die Prüfungen zum Bakkalaureat. 1844 begleitete Carus seine Familie nach Dorpat und setzte sein Studium an der Kaiserlichen Universität Dorpat fort, wo ihn insbesondere Karl Bogislaus Reichert beeinflusste. Im April 1846 kehrte er nach Leipzig zurück und wurde durch Vermittlung von Justus Radius Assistenzarzt am St. George Hospital. Am 30. April 1847 fand seine die geburtshilfliche Prüfung statt, und am 18. Dezember 1847 absolvierte er das Examen rigorosum.
Seine Promotion zum Doktor der Medizin und Chirurgie fand am 21. Mai 1849 im Juridicum statt. Die Dissertation trägt den Titel Conspectus rerum in nosocomio Sti. Georgii triennio 1846, 1847 et 1848 gestarum. Mit Hilfe eines Reisestipendiums der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig begab er sich 1849 nach Würzburg zu Albert von Koelliker und nach Freiburg im Breisgau zu Carl Theodor von Siebold.
Im Oktober 1849 trat Carus eine Stelle als Konservator am Museum of Comparative Anatomy in Oxford an. In Oxford kam er unter anderem mit Richard Owen in Kontakt. Mit dem Museumsdirektor Henry Wentworth Acland (1815–1900) verband ihn eine enge Freundschaft. Den Sommer 1850 verbrachte Carus auf den Scilly-Inseln.
1851 habilitierte er sich für vergleichende Anatomie in Leipzig. Carus wurde 1853 zum außerordentlichen Professor für vergleichende Anatomie ernannt und übernahm gleichzeitig die Leitung der zootomischen Sammlungen an der Universität Leipzig.
Carus gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Vereins von Freunden der Erdkunde zu Leipzig, dessen erster Vorsitzender er von 1861 bis 1866 war.
In den Sommermonaten 1873 und 1874 hielt Carus in Vertretung von Charles Wyville Thomson, der die Leitung der Challenger-Expedition übernommen hatte, Vorlesungen über Zoologie in Edinburgh.
Ab 1879 gab er die Zeitschrift Zoologischer Anzeiger heraus.
Carus war 1890 Mitbegründer der Deutschen Zoologischen Gesellschaft und bis 1899 Mitglied in deren Vorstand.
Er stand in Korrespondenz mit Charles Darwin und übersetzte unter anderem dessen Werke Descent of Man, and Selection in Relation to Sex, Origin of Species, The Expression of the Emotions in Man and Animals und The formation of vegetable mould ins Deutsche. Diese Übersetzungen werden seitdem oft als Standardübersetzung verwendet. Außerdem übersetzte er 1863 das Werk von Thomas Henry Huxley Man's Place in Nature (Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur).
Carus schrieb Biografien für die Allgemeine Deutsche Biographie (1875–1880). Außerdem schrieb er Artikel für die von August Leskien herausgegebene zweite Sektion der Allgemeinen Encyclopädie der Wissenschaften und Künste (1882–1885).
Carus heiratete 1853 in Schönefeld bei Leipzig Sophie Catharina Hasse (13. Mai 1827; † 18. April 1884), eine Tochter des Professors Friedrich Christian August Hasse. Das Paar hatte drei Töchter:
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1886 in Dresden Alexandra Petroff (* 28. Januar 1847; † 1940), eine Tochter des Kaiserlich russischen Geheimrats Alexander Petroff aus Odessa. Das Paar hatte einen Sohn Victor Alexander.
Im Januar 1856 wurde Carus mit dem Beinamen „Chamisso“ zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt. Er war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. 1861 wurde Carus in die Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen aufgenommen, der er von 1874 bis 1881 als Meister vom Stuhl vorstand. Seit 1898 war er ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Carus, Julius Victor |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Zoologe |
| GEBURTSDATUM | 25. August 1823 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
| STERBEDATUM | 10. März 1903 |
| STERBEORT | Leipzig |