Viola Amherd

Bundesratsportrait von Viola Amherd des Jahres 2024

Viola Amherd (* 7. Juni 1962 in Brig-Glis, Kanton Wallis; heimatberechtigt in Brig-Glis, Zwischbergen und Naters) ist eine Schweizer Politikerin (Die Mitte, vormals CVP). Von 2018 bis 2025 war sie Bundesrätin und stand dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vor. Im Jahr 2024 war sie Bundespräsidentin der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Leben

Viola Patricia Amherd besuchte von 1969 bis 1978 die Primar- und Sekundarschule in Brig-Glis. Von 1978 bis 1982 war sie am Kollegium in Brig, wo sie 1982 die Maturität Typus B ablegte. Von 1982 bis 1987 studierte sie Jurisprudenz an der Universität Freiburg. 1987 erhielt sie dort ein Lizentiat beider Rechte (siehe Doktor beider Rechte).

Von 1988 bis 1990 absolvierte Amherd ein Advokatur- und Notariatspraktikum in Brig-Glis. 1990 erhielt sie ein Notarsdiplom des Kantons Wallis und 1991 ein Anwaltsdiplom und Anwaltspatent des Kantons Wallis. Amherd war von 1991 bis 2018 selbständig als Advokatin und Notarin mit Büro in Brig-Glis tätig und von 1994 bis 2006 nebenamtliche Richterin der Eidgenössischen Personalrekurskommission.

Bis kurz nach ihrer Wahl in den Bundesrat war Amherd Mitglied zahlreicher Verwaltungsräte – zum Beispiel bei der BLS AG und der Migros Wallis.

Amherd ist ledig und wohnt in Bern und in Brig-Glis.

Politik

Bundesrätin Amherd am Frauenstreik (2019)

Von 1993 bis 1996 war Amherd Mitglied des Stadtrates von Brig-Glis (Exekutive), von 1997 bis 2000 Vizepräsidentin der Gemeinde Brig-Glis und von 2000 bis 2012 Präsidentin. 2005 rückte sie für Jean-Michel Cina in den Nationalrat nach. Sie war Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, Mitglied der Kommission für Rechtsfragen, Mitglied des Büros des Nationalrats sowie ab 2011 Vizepräsidentin der CVP-Bundeshausfraktion. Bei der CVP Oberwallis war sie Präsidiumsmitglied.

Bundespräsidentin Amherd und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj

Am 24. Oktober gab sie ihre Kandidatur für die Ersatzwahl von Doris Leuthard vom 5. Dezember 2018 bekannt. Im Zuge von vorherigen Spekulationen über eine Bundesratskandidatur hatte der Walliser Bote am 9. Oktober 2018 berichtet, dass Amherd in ein zivilrechtliches Verfahren um einen Mietzinsstreit involviert sei. Die Parteien einigten sich 2020 aussergerichtlich. Am 16. November wurde Amherd neben Heidi Z’graggen von der CVP-Fraktion als Bundesratskandidatin nominiert. Am 5. Dezember 2018 wurde sie neben Karin Keller-Sutter (FDP) mit 148 Stimmen im ersten Wahlgang in den Bundesrat gewählt.

Am 10. Dezember 2018 gab der Bundesrat bekannt, dass Amherd ab dem 1. Januar 2019 dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport vorstehen wird. Amherd ist damit die erste Frau an der Spitze des Schweizer Verteidigungsministeriums. Bei den Bundesratswahlen vom 13. Dezember 2023 wurde Vizepräsidentin Amherd turnusgemäss zur Bundespräsidentin für das Jahr 2024 gewählt.

Amherd gilt als gesellschaftsliberal, etwa weil sie im Wallis für die Fristenlösung kämpfte. Gleichzeitig habe sie als Vertreterin der Interessen der Bergkantone die Unterstützung der Konservativen.

Amherds persönliche Beraterin bis Ende 2024 war Brigitte Hauser-Süess, die Schwägerin von Nicolas Perrin, der wiederum 2019 vom Bundesrat und auf Vorschlag Amherds zum Verwaltungsratspräsidenten des Schweizer Rüstungskonzerns RUAG MRO Holding ernannt wurde.

Am 15. Januar 2025 gab sie in einer Pressekonferenz den Rücktritt aus dem Bundesrat per Ende März 2025 bekannt. Ihr Nachfolger Martin Pfister wurde bei der Bundesratswahl im März 2025 gewählt.

F-35-Beschaffung

Bundesrätin Amherd am Frauenstreik (2019)

Viola Amherd erreichte bei der Volksabstimmung über die Beschaffung von Kampfjets am 27. September 2020 eine knappe Mehrheit. Bei ihrer Verabschiedung im Juni 2025 blieb der inzwischen eskalierte Kostenstreit über die Beschaffung der F-35 unerwähnt. Der Kernbefund der später eingesetzten Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats kam in seinem Bericht vom 8. September 2026 zum Schluss, mit den USA sei kein fixer Preis vereinbart worden. Nur wenige Beteiligte hätten den Vertrag vollständig gelesen. Auch Bundesrätin Viola Amherd habe lediglich Teile des Vertrags zur Kenntnis genommen. Die Kommission kritisierte ausserdem die Organisation der Verhandlungen, den ungenügenden Einbezug des amtsinternen Rechtsdienstes und die Aufsicht durch Departement und VBS-Spitze.

RUAG

Bundesrätin Amherd am Frauenstreik (2019)

Ein am 30. Januar 2026 veröffentlichter Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats widmete sich dem jahrelangen Missmanagement in der RUAG. Demnach gingen die Verantwortlichen einem 2019 an den RUAG-Verwaltungsrat und die VBS-Vorsteherin gerichteten Whistleblower-Hinweis nicht in angemessener Weise nach, wonach mutmasslich missbräuchliche Geschäfte mit Panzerersatzteilen stattgefunden hatten. Stattdessen wurde die Darstellung des beschuldigten RUAG-Mitarbeiters weitgehend übernommen und an das VBS weitergeleitet, das ebenfalls untätig blieb. Die GPK hat die Untätigkeit von Seiten VBS- und RUAG-Führung kritisiert. Eine forensische Untersuchung der Anwaltskanzlei NKF in Zürich im Auftrag der RUAG, die am 30. Oktober 2026 publiziert wurde, spricht von schweren Compliance-Verstössen, strukturellen Kontrollschwächen und eine am Geschäftserfolg orientierte "Business-First"-Kultur. Die RUAG verlangt von zehn Personen insgesamt 51 Millionen Franken Schadenersatz plus Zinsen.

Sonstiges

Amherd sagte zwölf Monate nach ihrem Amtsantritt als Verteidigungsministerin in einem Interview, sie telefoniere fast nur mit ihrem iPhone und habe ihr abhörsicheres Krypto-Handy noch nie verwendet. Amherd wurde dafür kritisiert.

Seit der globalen Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 ist allgemein bekannt, dass ausländische Geheimdienste weltweit und automatisiert gezielt auch Minister und Regierungen befreundeter westlicher Staaten abhören. Während dieser Affäre war auch bekanntgeworden, dass der US-Auslandsgeheimdienst NSA die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört hatte.

Literatur

Dokumentation

Commons: Viola Amherd – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ lic. iur. Viola Patricia Amherd in Brig. Abgerufen am 15. Januar 2025.
  2. ↑ Interessebindungen von Viola Amherd auf der Website der Bundesversammlung. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 3. April 2019; abgerufen am 14. November 2020.
  3. ↑ Viola Amherd tritt als Verwaltungsrätin zurück. In: bls.ch. 20. Dezember 2018, abgerufen am 14. November 2020.
  4. ↑ Wahl von Christine Clausen in die Verwaltung der Migros Wallis. In: migros.ch. 29. April 2019, abgerufen am 14. November 2020.
  5. ↑ Walliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd steigt ins Rennen | Luzerner Zeitung. In: Luzerner Zeitung. (luzernerzeitung.ch [abgerufen am 29. Oktober 2018]).
  6. ↑ Nachfolge von Doris Leuthard – Das sind die Favoriten für den CVP-Sitz im Bundesrat. In: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). 27. September 2018 (srf.ch [abgerufen am 25. Oktober 2018]).
  7. ↑ David Biner: Verzettelt? In: Walliser Bote vom 9. Oktober 2018.
  8. ↑ Viola Amherd zahlt, um Ruhe zu haben. 13. Februar 2020, abgerufen am 15. Januar 2025.
  9. ↑ Raphaela Birrer, Markus Häfliger, Christoph Lenz: So vernichtend triumphierten Amherd und Z’graggen. In: Tages-Anzeiger. ISSN 1422-9994 (tagesanzeiger.ch [abgerufen am 17. November 2018]).
  10. ↑ Ersatzwahlen in den Bundesrat – Die Resultate auf einen Blick. 5. Dezember 2018, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  11. ↑ Neue Ämter – Überraschend grosse Departements-Rochade im Bundesrat. In: srf.ch. 10. Dezember 2018, abgerufen am 10. Dezember 2018.
  12. 1 2 Joël Widmer: Die doppelte Amherd. Porträt von in der Wochenzeitung vom Nr. 45 vom 8. November 2018, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  13. ↑ «Natürlich halte ich an Armeechef Süssli fest». In: vbs.admin.ch. 26. Februar 2024, abgerufen am 17. April 2024.
  14. ↑ Bundesrätin Viola Amherd gibt Rücktritt bekannt – und teilt gegen Kritiker aus. In: watson.ch. Abgerufen am 15. Januar 2025.
  15. ↑ Beschaffung neuer Kampfflugzeuge, Volksabstimmung vom 27. September 2020, swissvotes.ch
  16. ↑ Mitte-Delegierte: Amherd verabschiedet, kein Wort zu Kampfjets. In: srf.ch. 28. Juni 2025, abgerufen am 1. November 2026.
  17. ↑ Fedlex. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
  18. ↑ https://www.parlament.ch/centers/documents/de/Bericht%20vom%2008.09.2026%20D.pdf
  19. ↑ https://www.parlament.ch/centers/documents/de/Bericht%20vom%2030.1.2026%20D.pdf
  20. ↑ Millionenbetrug bei Ruag: Laut Pfister «schwere Verfehlungen». Abgerufen am 31. Oktober 2026.
  21. ↑ srf.ch: Amherd: «Ich telefoniere fast nur mit dem iPhone» (17. Januar 2020)
  22. ↑ spiegel.de 24. Oktober 2013: "Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht"
VorgängerinAmtNachfolger
Doris LeuthardMitglied im Schweizer Bundesrat
2019–2025
Martin Pfister