Stella Bertha Violette Mazia (* 30. August 1896 in Paris, Frankreich; † 19. September 1988) war eine französisch-amerikanische Malerin, Dozentin und Autorin. Sie war über 60 Jahre lang eine Lehrerin an der Barnes School und übernahm 1951 nach dem Tod von Albert C. Barnes die Leitung der Bildungsabteilung und unterrichtete dort bis zu ihrer Pensionierung 1987.

De Mazia war die Tochter von Jules Sonny Mazia und Fanny Feige Fraenkel. Ihre Eltern waren jüdische Emigranten, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts mit ihren Familien aus Russland geflohen waren. Kurz nach ihrer Geburt verließ ihre sie mit ihrer Familie Paris und zog nach Saint-Gilles/Sint-Gillis in Belgien. 1902 besuchte sie dort die Grundschule und pendelte für den Besuch der Isabelle-Gatti-de-Gamond-Schule drei Jahre lang nach Brüssel. Dort absolvierte sie einen Kurs, der fünf Sprachen, Literatur, Naturwissenschaften und Buchhaltung umfasste. Im Sommer 1914, kurz vor dem Einmarsch der Deutschen, verließ sie mit ihrer Familie Belgien und zog nach London. Sie fügte zu dem Zeitpunkt dem Familiennamen Mazia das de hinzu. Sie setzte ihr Englischstudium an der Priory House School in London fort und begann dort Französisch und Mathematik zu unterrichten. Vier Jahre später legte sie am London Polytechnic Prüfungen in Italienisch ab. Anschließend erlernte sie Stenografie an der Pitman School. Sie studierte Kunst im Atelier von Robert Christie am Hampstead Conservatory, an der Camden School of Art und an der London Polytechnic School in England.
Sie verlobte sich mit Joseph Katz, einem Piloten der Royal Air Force und frühen Freiheitskämpfer für die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. Katz kam 1923, kurz vor der geplanten Hochzeit, bei einem Flugzeugabsturz in Kairo ums Leben.
Im Frühjahr 1924 zog de Mazia zu ihren Cousins nach Philadelphia. Durch sie fand sie eine Anstellung als Französischlehrerin für die Tochter eines Kaufhausbesitzers. Später unterrichtete sie Französisch und höhere Mathematik an der Miss Sayward’s School, einer Vorbereitungsschule für Mädchen. Im September 1925 erhielt de Mazia eine Stelle als Französischlehrerin bei der A.C. Barnes Company, die Argyrol herstellte. Gleichzeitig besuchte sie Vorlesungen in Kunstgeschichte und Philosophie an der im März desselben Jahres offiziell eröffneten Barnes Foundation. In den Jahren 1924 und 1925 ging die Barnes Foundation Partnerschaften mit der University of Pennsylvania beziehungsweise der Columbia University in New York City ein, um an den jeweiligen Standorten allgemeine Kurse zur Kunstbetrachtung durchzuführen. 1927 wurde de Mazia Dozentin an der Barnes Foundation. In den folgenden Jahren wurde sie eine Partnerin von Barnes sowie eine Verfechterin seines Ansatzes in der Kunsterziehung, der stark von den Schriften des Philosophen und Bildungsreformers John Dewey beeinflusst war. Für ihre Erstsemester und Seminarteilnehmer trug sie Outfits, die auf die Kunstwerke abgestimmt waren, die an diesem Tag besprochen wurden. 1934 erhielt de Mazia die US-Staatsbürgerschaft. Am 4. Dezember 1935 wurde sie einstimmig in das Kuratorium der Barnes Foundation gewählt.
Während der Zweite Weltkrieg Reisen nach Übersee unmöglich machte, setzten de Mazia und Barnes ihre schriftstellerische Zusammenarbeit fort und verfassten gemeinsam acht neue Kapitel für die 1947 erschienene zweite Auflage von Art and Education. Diese Ausgabe enthielt ein neues Kapitel von de Mazia über die Mängel von Kunstakademien. Gemeinsam verfassten de Mazia und Barnes auch den Text für einen Ausstellungskatalog aus dem Jahr 1943, der sich mit altchinesischer und moderner europäischer Malerei befasste.
Nach dem Tod von Barnes im Jahr 1951 wurden ihre Positionen als Stiftungsrätin und Leiterin der Kunsterziehung auf Lebenszeit verlängert. 1966, nach dem Tod von Mrs. Barnes, wurde de Mazia zur Vizepräsidentin des Stiftungsrats ernannt. Als Leiterin der Kunstvermittlung war de Mazia für die Zulassungen, die Lehrplanentwicklung sowie die Bearbeitung von Anfragen zur Besichtigung der Sammlung und zur Reproduktion von Kunstwerken zuständig.
Im Laufe der Jahre verfasste sie gemeinsam mit Barnes mehrere Bücher und prägte die Entwicklung der pädagogischen Philosophie der Stiftung maßgeblich. Neben ihrer Lehrtätigkeit war de Mazia Mitautorin von vier Büchern und verfasste zahlreiche Essays. 1970 belebte sie die Barnes-Zeitschrift wieder, benannte sie 1979 in Vistas um und war bis zu ihrem Tod 1988 als Redakteurin tätig. Die letzten drei Ausgaben, die nach ihrem Tod erschienen, enthielten Essays von de Mazia, die auf ihren Vorlesungen basierten. De Mazia unterrichtete bis zu ihrer Pensionierung im Mai 1987 an der Barnes-Stiftung.
1991 wurde der Violette de Mazia Trust durch Testamentsvollstreckerbeschluss aus dem Nachlass von Violette de Mazia gegründet. Von 1998 bis 2004 finanzierte und unterstützte der Trust Kurse an der Barnes Foundation in Merion, die von der Pennsylvania Academy of Fine Arts akademisch akkreditiert waren. Die gesamten Studiengebühren wurden vom Violette de Mazia Trust übernommen. Der Trust wurde 2015 zu einer Stiftung mit einem gewählten Verwaltungsrat.
Im April 2015 kündigten die Barnes und die Violette de Mazia Stiftung einen Plan zur Zusammenlegung ihrer Bildungsprogramme und zur Gründung des Barnes–de Mazia Bildungsstiftungsfonds an. Der Fonds hat sich der Unterstützung und dem Ausbau von Bildungsprogrammen der Barnes Foundation verschrieben, darunter Stipendien, eine jährliche Violette-de-Mazia-Vorlesung und ein Forschungsstipendium für Wissenschaftler zur Erforschung der Theorien, Schriften und Methodik von Albert Barnes, Violette de Mazia und John Dewey.
Bis Ende 1979 hatte Violette de Mazia fast zwanzig lokale, nationale und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter biografische Einträge in einem Dutzend Bänden von Who’s Who. 1966 wurde sie in die Chapel of Four Chaplains aufgenommen, eine in Philadelphia gegründete Institution, die unter anderem den selbstlosen Dienst Einzelner würdigt. Drei Hochschulen im Raum Philadelphia/Chester County verliehen de Mazia die Ehrendoktorwürde: das Moore College of Art (1968), die Lincoln University (1969) und das St. Joseph’s College (1970). Eine vierte Universität, LaSalle, verlieh de Mazia 1984 ihre letzte Auszeichnung: den Ehrendoktortitel für Bildende Kunst (Honorary Doctor of Fine Arts). 1973 ehrte die Französische Republik sie mit der Ernennung zum „Chevalier“ (Ritter) des Ordre des Arts et des Lettres, und 1978 wurde de Mazia von der Juvenile Diabetes Foundation als eine der Super Achievers gewürdigt. Die vielleicht bedeutendste Anerkennung war die Veranstaltung A Tribute to Violette de Mazia in Music and Poetry, die von den Friends of the Barnes Foundation ausgerichtet wurde. Mehr als 400 Gäste besuchten die Veranstaltung, die am 2. Dezember 1973 in der Academy of Music in Philadelphia stattfand.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mazia, Violette de |
| ALTERNATIVNAMEN | Mazia, Stella Bertha Violette |
| KURZBESCHREIBUNG | französisch-amerikanische Malerin, Dozentin und Autorin |
| GEBURTSDATUM | 30. August 1896 |
| GEBURTSORT | Paris, Frankreich |
| STERBEDATUM | 19. September 1988 |