
Virginia Eubanks (* 1972) ist eine US-amerikanische Wissenschaftlerin und Hochschullehrerin sowie investigative Journalistin. Ihr Arbeitsfeld ist das Verhältnis von Technologie und sozialer Gerechtigkeit, beispielsweise in den Bereichen von algorithmischer Steuerung (Governance), prädiktiver Analytik, digitaler Überwachung, sozialer Ungleichheit, Armut und Datengerechtigkeit. Sie ist Associate Professor in der Abteilung für Politikwissenschaft an der University at Albany, The State University of New York.
Virginia Eubanks hat mehrere Bücher geschrieben bzw. herausgegeben, von denen das bekannteste Automating Inequality: How High-Tech Tools Profile, Police, and Punish the Poor ist. Das preisgekrönte Buch deckt die systematischen sozialen und persönlichen Schäden auf, die entstehen, wenn Algorithmen im Bereich der Sozialhilfe (Gesundheitswesen, Wohnraumwesen und Kinder- und Jugend- bzw. Familienhilfe) menschliche Entscheidungen ersetzen und wie sie sich insbesondere negativ auf wirtschaftlich benachteiligte Personengruppen auswirken.
Reportagen und Essays von Virginia Eubanks sind im New York Times Magazine, in Scientific American, The Nation, Harper’s Magazine und Wired erschienen.
Virginia Eubanks studierte American Literary Culture, ein literatur- und kulturwissenschaftliches Programm, an der University of California, Santa Cruz und legte dort 1994 den Bachelor of Arts ab. Zum Masterstudium wechselte sie an das Rensselaer Polytechnic Institute, wo sie 1999 einen Master of Science in Communikation and Rhetoric und 2004 ihren PhD in Science and Technology Studies ablegte.
Im Jahr 2004 wechselte sie an die University of Albany, New York. Von 2004 bis 2015 war sie dort Associate Professor in der Abteilung für Women’s, Gender, and Sexuality Studies. Von September 2015 bis August 2018 war sie freigestellt. Seit 2018 ist Virginia Eubanks Associate Professor für Politikwissenschaft an der University of Albany.
Virginia Eubanks war Stipendiatin verschiedener Stiftungen, Think Tanks und Programme, die Schriftstellerei, Kunst und gesellschaftliche Verantwortung fördern, darunter die MacDowell-Stiftung und New America. Seit Anfang 2022 ist sie Scholar-In-Residence im Electronic Privacy Information Center, Washington D.C.
Die Arbeitsschwerpunkte von Virginia Eubanks liegen an den Schnittpunkten von Technologie, Technologiepolitik und sozialen Gerechtigkeitsfragen. Sie ist eine führende kritische Stimme in Diskussionen um algorithmische Governave und Präditive Analytik. Insbesondere macht sie durch Feldforschung darauf aufmerksam, wie beide systemische Ungleichheiten, etwa Armut und Ungleichheiten zwischen gesellschaftlichen Gruppen, verstärken. Auf der Grundlage ihrer empirischen Arbeiten formuliert sie eine menschenrechtsorientierte Kritik digitaler Kontrollmechanismen.
Virginia Eubanks hat drei Bücher geschrieben:
Mit Barbara Smith und Alethia Jones hat sie herausgegeben
Virginia Eubanks tritt in dem Dokumentarfilm Coded Bias von Shalini Kantayya auf.
Im Jahr 2018 veröffentlichte Eubanks das Buch Automating Inequality: How High-Tech Tools Profile, Police, and Punish the Poor. Die New York Times bewertete das Buch als fesselnd, eine für ein Buch über Technologie und Politik ungewöhnliche Leistung.
In dieser Arbeit untersuchte Eubanks die Auswirkungen von Data-Mining, politischen Algorithmen und prädiktiven Risikomodellen sowie deren Folgen für arme Menschen und die Arbeiterklasse, insbesondere im Hinblick darauf, dass automatisierte Systeme den Menschen bei der Entscheidung, wer Hilfe verdient, ersetzen werden. Sie belegte durch ihre Arbeit, dass KI-gestützte öffentliche und private Systeme in den Bereichen Gesundheit, Sozialleistungen und Politik auf der Grundlage fehlerhafter Daten sowie aufgrund von Vorurteilen in Bezug auf soziale Schicht, ethnische Zugehörigkeit und Geschlecht schädliche Entscheidungen trafen. Dafür prägte sie den Begriff „digitales Armenhaus“: technologische Systeme, in denen historische oder kulturelle Vorstellungen davon, was es bedeutet, arm zu sein, verankert sind. Als Beispiele analysierte sie die Automatisierung der Sozialhilfeberechtigung, insbesondere von Medicaid, wie sie 2006 vom ehemaligen Gouverneur von Indiana, Mitch Daniels, eingeführt wurde, die Vorhersage von Kindesmissbrauch und -vernachlässigung in Pittsburgh sowie die Einstufung von obdachlosen Menschen zur Zuweisung begrenzter Wohnraumressourcen in Los Angeles. Um die Probleme automatisierter Systeme zu lösen, sprach sich Eubanks für staatliche Eingriffe aus und dafür, Menschen in politische Ämter zu wählen, denen soziale Verantwortung am Herzen liegt.
Das Buch wurde breit rezensiert und gelobt, u. a. in The New York Times Sunday Review of Books, The Harvard Law Review, Critical Social Policy, Science & Technology Studies und MITTechnology Review. Ausschnitte erschienen in Harper’s Magazine, American Scientist und WIRED (online).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Eubanks, Virginia |
| KURZBESCHREIBUNG | amerikanische Politikwissenschaftlerin |
| GEBURTSDATUM | 1972 |