Talgmuskatnussbaum

Talgmuskatnussbaum

Talgmuskatnussbaum (Virola sebifera)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Magnoliids
Ordnung: Magnolienartige (Magnoliales)
Familie: Muskatnussgewächse (Myristicaceae)
Gattung: Virola
Art: Talgmuskatnussbaum
Wissenschaftlicher Name
Virola sebifera
Aubl.

Der Talgmuskatnussbaum (Virola sebifera Aubl.) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Virola innerhalb der Familie der Muskatnussgewächse (Myristicaceae). Dieser Urwaldbaum ist in der Neotropis in Zentralamerika sowie in Südamerika verbreitet.

Beschreibung

Illustration bei Aublet Histoire des plantes de la Guiane Françoise, 1775

Vegetative Merkmale

Der Talgmuskatnussbaum ist ein halbimmergrüner, schlanker Baum, der Wuchshöhen von bis zu 30 Metern oder mehr und Stammdurchmesser von bis über 1 Meter erreicht. Es können Brettwurzeln ausgebildet werden. Die Borke ist leicht rifflig und bräunlich. Dieser Baum führt ein rötliches, kinoähnliches Exsudat (Latex).

Die wechselständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter in kurzen Blattstiel und -spreite gegliedert. Die einfache und ganzrandige ist bei einer Länge von 16 bis 32 Zentimeter eilanzettlich bis länglich oder elliptisch bis verkehrt-eiförmig mit spitzem bis zugespitztem oberen Ende. Die Blattunterseite etwas filzig behaart. Die Nervatur ist gefiedert und unterseits erhaben. Nebenblätter fehlen.

Generative Merkmale

Der Talgmuskatnussbaum ist hauptsächlich zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Der meistens achsel- oder ast- bzw. überachsel- oder seitenständige Blütenstandsschaft ist rost-braun und samtig. Die kurz gestielten Blüten sind in rispige Blütenständen angeordnet, die Blüten können aber auch einzeln oder in kleinen traubigen Gruppen erscheinen.

Die relativ kleinen, gelben bis rost-braunen, eingeschlechtigen und duftenden Blüten besitzen eine einfache, drei– bis fünfteilig, außen behaarter Blütenhülle. Die drei bis sechs Staubblätter sind röhrig verwachsen. Der einkammerige Fruchtknoten ist oberständig mit kurzem Griffel und zweilappiger Narbe.

Die rundlichen und anfänglich orangefarbenen, samtig behaarten, später verkahlenden und grünen, einsamigen Stein- oder Kapselfrüchte sind 2,5 bis 4 Zentimeter groß. Die bei einer Länge von 1,2 bis 2,3 Zentimeter ellipsoiden Samen sind dunkel-braun mit einem roten Arillus.

Ökologie

Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Samen, erfolgt zum Teil zoochor. Einen großen Anteil an der Ausbreitung haben Goldkehltukane.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Talgmuskatnussbaums umfasst Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Peru, das zentrale bis nördliche Brasilien, Venezuela, Guayana, Suriname und Französisch-Guayana.

Laut einer wissenschaftlichen Studie könnte die globale Erwärmung, wenn sie weiter so rasch fortschreitet, die Existenz des Talgmuskatnussbaumes in seinem Hauptverbreitungsgebiet dem brasilianischen Amazonas-Regenwald bedrohen.

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Virola sebifera erfolgte 1775 durch Jean Baptiste Christophore Fusée Aublet in Plantarum Guianae Rariorum Icones et Descriptiones ..., Band 2, Seite 904, Tafel 345.

Synonyme für Virola sebifera Aubl. sind: Myristica sebifera (Aubl.) Sw., Myrica ocuba.

Trivialnamen

Trivialnamen sind: portugiesisch: Ucuúba-do-Cerrado und englisch: red ucuuba.

Verwendung

Wichtige Inhaltsstoffe und Verwendung durch indigene Völker

Die Innenrinde wird von venezolanischen Indianern (Schamanen) zur Heilung von Fieberzuständen geraucht oder auch gekocht zur Vertreibung böser Geister eingesetzt.

Die Rinde des Talgmuskatnussbaumes enthält reichlich Gerbstoffe aber auch die Halluzinogene Dimethyltryptamin (Kurzform: DMT) sowie 5-Methoxy-DMT und wird von den Einheimischen zur Behandlung von Hautkrankheiten verwendet. Die reifen Samen weisen einen hohen Gehalt an Fettsäureglyceriden (besonders Laurodimyristin und Trimyristin) auf.

In der Industrie

Das aus den Samen von Virola sebifera und auch von Virola surinamensis gewonnene Virolafett oder Ocubawachs, Ucuuba-Butter ist gelblich, wird schnell ranzig und riecht frisch nach Muskatbutter. Es wird zur Herstellung von Fetten, Kerzen und Seifen industriell verwendet. Dieses Virolafett besitzt ähnliche Eigenschaften wie Kakaobutter oder auch Sheabutter.

In der Homöopathie

Das Homöopathikum Myristica sebifera, (Kürzel: Myris) wird aus dem frischen, roten Saft der verletzten Baumrinde des Talgmuskatnussbaumes gewonnen und hat auch die Bezeichnungen „homöopathisches Messer“ oder „homöopathisches Skalpell“ erhalten. Es wird besonders bei Beschwerden eingesetzt, wo Eiter aus einer Hautentzündung abfließen soll. Dazu gehören z. B. Abszesse, Phlegmone, Nagelumlauf, Furunkel, Analfistel, Parotis, bakteriell-eitrige Mandelentzündung usw. Aus Sicht der Homöopathie ist Myristica sebifera zu wenig und nicht ausreichend geprüft. Die homöopathischen Arzneimittellehren weisen nur wenige Geist- und Gemütssymptome (Mittel eher für apathische, gleichgültige, nicht wehrhafte Menschen) auf.

Es existieren keine Studien, welche die Wirksamkeit homöopathischer Myristica sebifera Präparate bestätigen. Eine physiologische Wirkung wäre zudem biochemisch unplausibel.

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Markus Wiesenauer, Suzann Kirschner-Brouns: Homöopathie - Das große Handbuch. Gräfe & Unzer Verlag, 2007, ISBN 978-3-8338-0034-4.
  2. ↑ Lester L. Short, Jennifer F. M. Horne: Toucans, Barbets and Honeyguides – Ramphastidae, Capitonidae and Indicatoridae. Oxford University Press, Oxford 2001, ISBN 0-19-854666-1, S. 431.
  3. ↑ Virola im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 6. Juni 2018.
  4. ↑ Climate risk ‘to million species’ BBC News, 7. Januar 2004.
  5. 1 2 Myristica sebifera bei Henriette's Herbal Homepage.
  6. ↑ Laboratório de Análise e Planejamento Ambiental UFSCar, Brasil (Memento vom 8. Februar 2012 im Internet Archive).
  7. ↑ Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. 8. Auflage, AT Verlag, 2007, ISBN 978-3-03800-352-6.
  8. ↑ Virola sebifera bei Catbull.
  9. 1 2 Karl Hiller, Matthias F. Melzig, Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2 Bände, Genehmigte Sonderausgabe für den Area Verlag, 2006, ISBN 3-89996-682-1.
  10. ↑ Talg, vegetabilischer. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 15, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 499.
  11. ↑ Mohinder Singh Jus: Praktische Materia Medica. Arzneimittellehre von A–Z. Homöosana, 2004, ISBN 3-906407-05-5.
  12. ↑ Homöopathisches Repertorium, Deutsche Homöopathie Union (DHU)
  13. ↑ Frederik Schroyens: 1001 kleine Arzneimittel. EOS-Verlag, 1995, ISBN 3-929271-03-6.
  14. ↑ Edzard Ernst: The truth about homeopathy. (PDF-Datei; 55 kB) In: British Journal of Clinical Pharmacology. Volume 65, Issue 2, 2008, 163–4, Epub 2007 Sep 13. PMID 17875194.
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