Walstrandung

Massenstrandung von Grindwalen vor Cape Cod, 1902
Gestrandetes Kalb eines Buckelwals in Alaska (2005)
Gestrandete Grindwale in Neuseeland (2006)

Unter einer Walstrandung versteht man das unbeabsichtigte Auflaufen eines Wals auf den Strand oder eine Untiefe aufgrund einer Störung des Echolotsystems der Meeressäuger, verursacht durch Schifffahrt, Fischfang, Verschmutzung, Klimawandel oder auch durch militärische Operationen. Am bekanntesten sind Massenstrandungen von Grind- und Pottwalen, bei denen mindestens drei Tiere zeitgleich an einem Küstenabschnitt stranden.

Mögliche Ursachen

Die Ursachen von Walstrandungen (Massen- oder Einzelstrandungen) werden seit den 1980er Jahren erforscht und setzen sich meist aus mehreren Faktoren zusammen, hierzu zählen:

Behauptungen, nach denen Offshore-Windparks die Ursache seien, werden von Seiten der Wissenschaft als irreführend eingestuft und betont, dass es „keinen erwiesenen Zusammenhang zwischen den Anlagen und den Todesfällen gestrandeter Wale gibt.“ In Australien führten solche Falschinformationen im Jahr 2023 dazu, dass Bürger, Politiker und Fischereivertreter gegen den Ausbau australischer Windfarmen mobilisierten.

Historisches

Seit Ende des 16. Jahrhunderts sind in der Nordsee Pottwale gestrandet. Diese traten vor allem in den Wintermonaten zwischen November und Februar in der Zeit der männlichen Südwanderung auf.

Historisch galten gestrandete Wale in Europa häufig als wirtschaftlich verwertbare Ressource; ihre Bergung führte nicht selten zu lokalen Auseinandersetzungen um die Nutzung des Kadavers.

Seit den 1990er-Jahren treten Walstrandungen im Zusammenhang mit militärischen Sonartests gehäuft auf. Im Dezember 2001 räumte die US Navy eine Mitschuld an der Strandung und dem Tod mehrerer Meeressäuger im März 2000 ein. Der von ihr mitverfasste Zwischenbericht kommt zu dem Schluss, dass die Tiere durch das aktive Sonar einiger Navy-Schiffe getötet oder verletzt wurden. Generell wird Unterwasserlärm, der noch immer im Zunehmen begriffen ist, vermehrt für Strandungen verantwortlich gemacht, da er die Kommunikation und den Orientierungssinn der Tiere beeinträchtigt.

Auch der Klimawandel scheint durch die Beeinflussung der großen Windsysteme der Erde und damit des Verlaufs der Meeresströmungen zu Walstrandungen zu führen. Mark Hindell und sein Team von der University of Tasmania in Hobart untersuchten Walstrandungen an der Küste von Tasmanien zwischen 1920 und 2002 und stellten fest, dass in gewissen zeitlichen Abständen jeweils größere Strandungsereignisse vorkamen. In den Jahren mit einer zehnfachen Anzahl von Strandungsereignissen wurde auch das Auftreten von starken Stürmen registriert, welche die Kaltwasserströmungen vermehrt in Küstennähe leiteten. In nährstoffreichem, kaltem Wasser finden Wale besonders viele Beutetiere, weshalb sie den Kaltwasserströmungen folgten und damit in diesen meteorologisch außergewöhnlichen Jahren in seichtere Gewässer gelangten als sonst, wo die Gefahr für Strandungen höher ist.

Da viele Wale und Delfine in Gruppenverbänden leben, folgen oder begleiten sie oft kranke oder geschwächte Tiere in seichte Gewässer, was bei Ebbe zu Massenstrandung führen kann.

Umgang mit gestrandeten Walen

Einmal gestrandet, werden vor allem Großwale von ihrem eigenen Körpergewicht erdrückt, wenn sie nicht rechtzeitig ins tiefere Wasser zurückgelotst werden können. Zudem ist die Regulation der Körpertemperatur bei einem gestrandeten Wal nicht mehr gewährleistet und es besteht die Gefahr der Überhitzung.

Da die Kadaver gestrandeter Wale Gase bilden und es so zu einer Walexplosion kommen kann, ist es sowohl aus Sicherheitsgründen als auch aus gesundheitlicher Sicht sinnvoller, gestrandete Walkadaver wieder ins Meer zu schleppen und sie dort zu versenken. Insbesondere bei Massenstrandungen wirkt man so auch einer möglichen Ausbreitung von Mikroorganismen entgegen, die sich bei der Verwesung bilden.

Forscher verwenden mittlerweile hochauflösende Satellitenkameras, um Massenstrandungen in dünn besiedelten und unbewohnten Gebieten rechtzeitig zu bemerken und Rückschlüsse hinsichtlich der Ursachen ziehen zu können. Alle festgestellten Massenstrandungen werden darüber hinaus genau erfasst und kartiert. Auch bei der im September 2020 eingetretenen Massenstrandung von Grindwalen vor Tasmanien wurde das Ereignis entdeckt, als erst 270 Tiere (von insgesamt etwa 470) gestrandet waren, so dass noch über 100 Wale gerettet werden konnten.

Nach einer Strandung eines Timmy genannten Buckelwals auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht (Ostsee) am 24. März 2026, wurde mittels schwimmender Bagger, auch einem Saugbagger, Sand land- und seeseitig des Wals abgegraben und damit die Wassertiefe vergrößert. Der Wal kam vom Aufsitzen auf Grund los. Ein Schnorchler und mehrere Schlauchboote geleiteten den Wal.

Konkrete Fälle

Schon früh wurden Walstrandungen auch in der Kunst zum Thema wie hier bei Esaias van de Veldes Gestrandetem Wal mit eleganten Betrachtern zwischen Scheveningen and Katwijk, ca. 1617
Commons: Walstrandung – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

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