Walter Oudney

Walter Oudney (* im Dezember 1790 bei Edinburgh; † 12. Januar 1824 bei Katagum) war ein schottischer Arzt und Afrikaforscher. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „Oudney“.

Leben

Walter Oudney stammte aus einfachen Verhältnissen. Er hatte mehrere jüngere Schwestern, die und seine alleinstehende Mutter er später materiell versorgte, und blieb zeitlebens unverheiratet. Als Kind zeigte er sich als außergewöhnlich lernbegierig. In jungen Jahren arbeitete er als Arztgehilfe auf einem britischen Kriegsschiff. Während der Napoleonischen Kriege war er im südlichen Asien stationiert. Er wurde 1810 zum Assistenzschiffsarzt und 1814 zum Schiffsarzt befördert.

Zurück in der Heimat, studierte Oudney Medizin an der University of Edinburgh. Er wurde 1817 zum Doktor der Medizin promoviert. In seiner Dissertation befasste er sich mit Dysenterie. Anschließend eröffnete eine Arztpraxis. Er war mit dem Arzt und Philosophen John Abercrombie befreundet, der medizinische Fallgeschichten Oudneys im Edinburgh Medical and Surgical Journal veröffentlichte. Walter Oudneys Interesse galt insbesondere der Botanik. Er wurde in die naturgeschichtliche Gelehrtengesellschaft Wernerian Society aufgenommen. In der Hoffnung auf eine Stelle als Lektor für Botanik an der University of Edinburgh, begann er dort ein weiteres Studium in Chemie und Naturgeschichte.

Karte der Reiseroute von Oudney, Denham und Clapperton in Afrika (1824)

Auf Empfehlung von James Robinson Scott, einem ehemaligen Botanik-Lektor an der Universität, wurde er 1821 mit der Leitung einer britischen Expedition betraut, die die Quelle des Niger in Afrika finden sollte. Oudney vermutete die Quelle irrtümlicherweise in Nupe. Außerdem sollte er diplomatische Beziehungen zu Bornu aufbauen. Zu diesem Zweck wurde er zum Vizekonsul ernannt. Auf seinen Wunsch wurde der Marineoffizier Hugh Clapperton aus Edinburgh zu seinem Assistenten bestimmt. Nachdem sie zum Start der Expedition in Tripolis eintrafen, setzte sich allerdings ein weiterer Offizier, Dixon Denham, an die Spitze der Mission. Sie reisten südwärts nach Murzuk im Fessan, wo sie sich mehrere Monate aufhalten mussten, bis eine Militäreskorte für die nächste Etappe zusammengestellt war.

Oudney, Clapperton und Denham gelang in weiterer Folge als ersten Europäern eine Nord-Süd-Durchquerung der Wüste Sahara. Sie erreichten den Tschadsee und Kuka, die Hauptstadt Bornus, im November 1822. Dort erkrankte Oudney und sie hielten sich ein Jahr lang in Kuka auf. Der sprachbegabte Oudney erwarb sich einen Ruf, sehr erfolgreich in der Kommunikation mit der lokalen Bevölkerung zu sein. Während Denham auf der Suche nach der Quelle des Niger – die letztlich keiner der Expeditionsteilnehmer finden sollte – den Tschadsee umrundete, brachen Oudney und Clapperton im Dezember 1826 aus Kuka auf. Sie erforschten den Fluss Schari und setzten ihre Reise in Richtung Kano fort.

Der gesundheitlich weiterhin angeschlagene Walter Oudney erkrankte auf dem Weg an einer Lungenentzündung. Er starb Anfang 1824 in der Nähe von Katagum, wo er begraben wurde. Über 300 seiner gesammelten naturkundlichen Sammlungsobjekte aus Afrika gelangen nach Großbritannien. Nach ihm wurde die Kreuzblütler-Gattung Oudneya benannt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Thomas Nelson: A biographical memoir of the late Dr. Walter Oudney, and Captain Hugh Clapperton, both of the Royal Navy, and Major Alexander Gordon Laing, all of whom died amid their active and enterprising endeavours to explore the interior of Africa. Waugh and Innes, Edinburgh 1830, S. 5–6.
  2. ↑ Thomas Nelson: A biographical memoir of the late Dr. Walter Oudney, and Captain Hugh Clapperton, both of the Royal Navy, and Major Alexander Gordon Laing, all of whom died amid their active and enterprising endeavours to explore the interior of Africa. Waugh and Innes, Edinburgh 1830, S. 8.
  3. ↑ Thomas Nelson: A biographical memoir of the late Dr. Walter Oudney, and Captain Hugh Clapperton, both of the Royal Navy, and Major Alexander Gordon Laing, all of whom died amid their active and enterprising endeavours to explore the interior of Africa. Waugh and Innes, Edinburgh 1830, S. 2.
  4. 1 2 3 4 Henry Manners Chichester: Oudney, Walter. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 42: O'Duinn – Owen. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1895, S. 354 (englisch, Volltext [Wikisource]).
  5. 1 2 3 4 5 6 Stephen Hall: Walter Oudney. African Heritage Centre Scotland, 11. März 2016, abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 4 5 Natural History Museum (BM): Oudney, Walter (1790–1824). In: JSTOR Global Plants. Abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Walter Oudney. British Museum, abgerufen am 6. Oktober 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Oudney, Walter
KURZBESCHREIBUNG schottischer Arzt und Afrikaforscher
GEBURTSDATUM Dezember 1790
GEBURTSORT bei Edinburgh
STERBEDATUM 12. Januar 1824
STERBEORT bei Katagum