Der Begriff Chausou (dt. etwa „Hände verschränken“, „Hände in die Ärmel stecken“), eine im Westen eher selten zu findende Bezeichnung für Wan Tan oder Huntun, stammt aus dem Sichuan-Dialekt. Ein bekanntes Gericht der Sichuanküche ist z.B. Chausou in Chiliöl nach Sichuan-Art. Im lokalen Sprachraum des Peking-Dialekts in Nordchina und des Min Nan in Südostchina bzw. Taiwan ist weiterhin der Begriff Bianshi für Wan Tan zu finden, der jedoch im Hochchinesischen gleichzeitig für „teigtaschenähnliche Mehlspeise“ wie Jiaozi steht. Der gängige Begriff Pangsit (Pansit, auch Pancit in den Philippinen) für Wan Tan in bestimmten südostasiatischen Ländern wie Indonesien wurde vermutlich durch dortig niedergelassene minnansprachige Auslandschinesen geprägt oder bekannt gemacht.
Die Bezeichnung huntun (nach kantonesische Aussprache hier als wantan ausgesprochen, 餛飩) stammt ursprünglich vom Wortspiel auf den gleichklingenden Begriff hundun (混沌) für „Chaos“ und „Durcheinander“. Der chinesische Begriff huntun (餛飩) und der japanische Begriff udon (historisch als Kanji饂飩, heute meist als Kanaうどんundon) haben ursprünglich dieselbe Wurzel.
Zur Herstellung der Wan Tan werden die Zutaten für die Füllung zerkleinert, zusammen vermengt, gewürzt und vorgegart. Anschließend wird die Füllung mit Teigblättern umhüllt. Die Wan-Tan-Teigblätter aus Weizennudelteig werden entweder industriell vorgefertigt oder aus selbstgeknetetem Teig von Hand hergestellt. Teigblätter für Wan Tan sind im Vergleich zu Jiaozi-Teigblättern relativ dünn. Sie sind meist quadratisch und haben eine Seitenlänge von etwa sechs Zentimetern. Als regionale Spezialität haben Wan Tan in China nicht nur unterschiedliche Namen. Sie können je nach Region unterschiedliche Formen haben. Je nach Technik können so rundliche, halbrunde, dreieckige oder schiffchenähnliche Wan Tan geformt werden.
Bei der Zubereitung werden die Wan Tan entweder in einem Dampfbad in Körbchen oder in einer heißen Brühe bzw. heißem Wasserbad fertig gegart, anschließend in einem Körbchen serviert oder einer Suppe beigegeben, der Wan-Tan-Suppe.
Auf europäischen Speisekarten erscheinen sie gelegentlich frittiert in der Variante als „(aus-)gebackene Wan Tan“ und werden meist mit süß-saurer Soße serviert, die in der indonesischen Küche Pangsit Goreng heißt. Beliebt ist auch die alternative Zubereitung von Wan Tan mit Nudeln zusammen. Als Nudelgericht kann es unterschieden werden als Nudelsuppe oder Nudeln mit Soße. Populär ist die Wan-Tan-Nudelsuppe, die regional in Taiwan als Biansi-Nudelsuppe bezeichnet wird.
Schritte der Zubereitung für Wan Tan
Teigblätter für Wan Tan
Vorbereitung (Video)
Rohe Wan Tan
Gekochte Wan Tan
Gedämpfte Wan Tan
Angebratene Wan Tan
Frittierte Wan Tan
Literatur
Alan Eaton Davidson:The Oxford Companion to Food. Hrsg.: Tom Jaine (=Oxford Companions Series.). 3. Auflage. Oxford University Press, New York 2014, ISBN 978-0-19-967733-7, S.268 (englisch, Volltext– hier im Englischen unter wonton; weitere Infos auf S. 555–556, 842).
Wiktionary: Wan Tan– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Fußnoten
Anmerkungen
↑Chausou (chinesisch抄手, Pinyinchāoshǒu; deutsch etwa „Hände verschränken“, „Hände in die Ärmel stecken“) eine regionale Bezeichnung aus dem Sichuaner Mundart.
↑Chausou in Chiliöl nach Sichuan-Art (紅油抄手/红油抄手, hóngyóu chāoshǒu–„Chaosou, also Huntun nach Sichuan-Art, in rotem Öl“).
↑Bianshi (扁食, biǎnshí, Pe̍h-ōe-jīpián-sit, dt. etwa „flache Speise, plattes Essen“).
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Der Begriff Wan Tan wird orthografisch korrekt im Chinesischen als 餛飩/馄饨, húntun, Jyutpingwan4tan1 geschrieben. Die alternative Schreibung als „雲吞/云吞, yúntūn, Jyutpingwan4tan1“ ist inoffiziell und wird im Alltag meist im kantonesischen Sprachraum in Guangdong, Hongkong oder Macau genutzt, aufgrund der Homophoneie (Gleichklang) zwischen den beiden Schreibvarianten in der kantonesischen Aussprache.
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Auch in Japan existiert zwei verschiedenen Kanji-Schreibung für den Begriff Wan Tan, nämlich die kantonesische 雲呑wantan sowie die ursprünglich chinesisch korrekte Schreibung als 饂飩wantan.
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Der Begriff hundun (混沌, hùndùn, Jyutpingwan6deon6) bedeutet im Chinesische etwa „chaotisch, konfus, durcheinander, verwirrt“. Hier mythologisch im Sinne des urzeitlichen chaotischen Zustand des Kosmos.
123Alan Eaton Davidson:The Oxford Companion to Food. Hrsg.: Tom Jaine (=Oxford Companions Series.). 3. Auflage. Oxford University Press, New York 2014, ISBN 978-0-19-967733-7, S.555 (englisch, Volltext– die Sprache Min Nan oder Minnan ist ein Oberbegriff für Hokkien, die derselben Sprachfamilie angehören).
↑Alan Eaton Davidson:The Oxford Companion to Food. Hrsg.: Tom Jaine (=Oxford Companions Series.). 3. Auflage. Oxford University Press, New York 2014, ISBN 978-0-19-967733-7, S.268 (englisch, Volltext).
↑Begriff „Hundun (混沌)“.In:zdic.net.Handian – 汉典,abgerufen am 5.März 2026(chinesisch,englisch).
↑Alan Eaton Davidson:The Oxford Companion to Food. Hrsg.: Tom Jaine (=Oxford Companions Series.). 3. Auflage. Oxford University Press, New York 2014, ISBN 978-0-19-967733-7, S.842 (englisch, Volltext– historisch bezeichnete die Kanji 饂飩 ursprünglich nicht die heutige Udon-Nudel, sondern eine teigtaschenähnliche Speise wie das Wanton bzw. Huntun): “Contemporary documents suggest that the original udon was not noodles but pieces of roll-out dough wrapped around filling, […]”