
Wanda Pimentel (* 12. November 1943 in Rio de Janeiro, Brasilien; † 23. Dezember 2019 ebenda) war eine brasilianische Malerin. Sie war eine Vertreterin der globalen Pop-Art-Bewegung der 1960er Jahre. In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren malte sie, stilistisch im Einklang mit der brasilianischen Neuen Figuration, häusliche Räume und Alltagsgegenstände in leuchtenden Farben. In den folgenden Jahrzehnten integrierte sie die sie umgebende Landschaft Rio de Janeiros in ihre formale Komposition und stellte Berge und Ausblicke aus einem fensterartigen Rahmen dar. Sie schuf Skulpturen aus Kanaldeckeln und malte Sequenzen geometrisch dargestellter Tiere.
Pimentel gehörte zu einer Generation, die im Zeitalter des aufkommenden Konsumkapitalismus in Brasilien erwachsen wurde. Angesichts der in Rio aufkommenden Kunstströmungen wie dem Neokonkretismus schrieb sie sich 1964 für Kurse am Museu de Arte Moderna do Rio de Janeiro bei dem Künstler Ivan Serpa ein, der Mitte der 1950er-Jahre zusammen mit Lygia Clark und Lygia Pape sowie anderen die Künstlergruppe Grupo Frente gegründet hatte. Im Gegensatz zu Serpa verfolgte Pimentel einen gegenständlichen Ansatz und malte ihre Motive in den Konturen der Pop Art aus ungewöhnlichen Perspektiven. Ein Großteil der künstlerischen Produktion der 1960er-Jahre erkundete neue Wege der figurativen Kunst durch die Pop Art der USA und Englands, den Nouveau Réalisme in Frankreich sowie die Bewegungen der Neuen Figuration und der Neuen Sachlichkeit in Brasilien.
Als Pimentel 1968 begann an ihrer Serie Envolvimento (Beteiligung, 1968–1984) zu arbeiten, eröffnete die Architektin Lina Bo Bardi auf der Avenida Paulista in São Paulo ihr größtes Projekt, den neuen Hauptsitz des Museu de Arte de São Paulo (MASP). Im selben Jahr erließ das Militärregime von Artur da Costa e Silva das Institutionelle Gesetz Nr. 5 (AI5), das die nationale Legislative auflöste und jeglichen politischen Protest verbot. Um einer strengen Zensur zu entgehen, sind ihre harmlosen Haushaltsgegenstände und teils nackten Körper typisch für die unterschwellig politischen Kunstwerke, die ihre Botschaften verbargen. Ihre Serie Envolvimento bietet eine pointiertere Darstellung von Frauen als Opfer der Konsumkultur, deren Körper buchstäblich mit Haushaltsgegenständen verstrickt sind. Werke aus Envolvimento wurden für die Biennale von São Paulo 1969 angenommen, die als Boykott-Biennale in die Geschichte einging, da viele Künstler, darunter auch Pimentel, aus Protest gegen das zunehmend repressive Regime ihre Teilnahme zurückzogen.
Pimentels Werk zeichnet sich durch eine präzise, kantige Qualität aus, die geometrische Linien und glatte Oberflächen in Arbeiten vereint, die sich oft einer eindeutigen Kategorisierung als abstrakt oder figurativ entziehen. In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren malte sie, stilistisch der brasilianischen Neuen Figuration entsprechend, häusliche Räume und Alltagsgegenstände in leuchtenden Farben. Ihre Gemäldeserie Envolvimento hinterfragt die Rolle der Frauenfüßen und Frauenbeinen sind in bedrückenden Innenräumen platziert, die mit Gegenständen wie Haartrocknern und Nähmaschinen gefüllt sind. Pimentels erste Ausstellung fand 1969 in der Galeria Relêvo in Rio de Janeiro statt.
In den späten 1970er Jahren integrierte sie Alltagsgegenstände in Arbeiten, die Malerei und Skulptur in den Serien Bueiros (Gullydeckel) und Portas (Türen) verbanden. In der Serie Montanhas do Rio (Berge von Rio, 1990er Jahre) wandte sie sich der Landschaft zu, die man durch ein Fenster erblickte. In den 1990er Jahren wichen ihre farbenfrohen Werke einem minimalistischen Einsatz gedeckter Farben, wie in Invólucros (Kapseln) und ihrer Serie Linhas (Linien), in der Leitern die Bildfläche durchziehen. In der Serie Animais (Tiere, 2000er Jahre) versuchte sie, die poetische Bedeutung von Geschöpfen einzufangen, die oft als abstoßend verachtet werden, wie Käfer, Fliegen und Schlangen. In den 2010er Jahren setzte sie sich mit ihren vergangenen Erfahrungen auseinander: In der Serie Memórias (Erinnerungen) enthalten Acrylboxen Objekte, die mit ihrer persönlichen Geschichte in Verbindung stehen, und Geometria/Flor (Geometrie/Blume) beinhaltet Elemente aus ihrem früheren Schaffen.
Pimentel nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, darunter 1971 die 7. Biennale von Paris und die 11. Biennale von São Paulo sowie die Ausstellung International Pop, die 2015 vom Walker Art Center in Minneapolis organisiert wurde. 1969 erhielt sie den Jurypreis beim 18. Salão Nacional de Arte Moderna in Rio de Janeiro und den Reisepreis beim ersten Salão de Verão, der vom MAM-RJ veranstaltet wurde.
Pimentel starb im Alter von 76 Jahren in Rio de Janeiro.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pimentel, Wanda |
| KURZBESCHREIBUNG | brasilianische Malerin |
| GEBURTSDATUM | 12. November 1943 |
| GEBURTSORT | Rio de Janeiro, Brasilien |
| STERBEDATUM | 23. Dezember 2019 |
| STERBEORT | Rio de Janeiro, Brasilien |