Gomadingen

Wappen Deutschlandkarte
Gomadingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gomadingen hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 48° 24′ N, 9° 24′ OKoordinaten: 48° 24′ N, 9° 24′ O
Bundesland:Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 693 m ü. NHN
Fläche: 45,83 km²
Einwohner: 2215 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72532
Vorwahl: 07385
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 027
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 2
72532 Gomadingen
Website: www.gomadingen.de
Bürgermeisterin: Silke Hirsch
Lage der Gemeinde Gomadingen im Landkreis Reutlingen
KarteAlb-Donau-KreisLandkreis BiberachLandkreis BöblingenLandkreis EsslingenLandkreis EsslingenLandkreis GöppingenLandkreis SigmaringenLandkreis TübingenZollernalbkreisBad UrachDettingen an der ErmsEngstingenEningen unter AchalmGomadingenGrabenstettenGrafenberg (Landkreis Reutlingen)Gutsbezirk MünsingenHayingenHohenstein (Landkreis Reutlingen)HülbenLichtenstein (Württemberg)MehrstettenMetzingenMünsingen (Württemberg)PfronstettenPfullingenPfullingenPliezhausenReutlingenRiederichRömerstein (Gemeinde)SonnenbühlSt. Johann (Württemberg)TrochtelfingenWalddorfhäslachWannweilZwiefalten
Karte

Gomadingen ist ein Luftkurort im Großen Lautertal im Landkreis Reutlingen, der vor allem durch das Haupt- und Landgestüt Marbach und durch Schloss Grafeneck bekannt ist. Gomadingen ist mit 85 % seiner Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Geographie

Geographische Lage

Gomadingen liegt im Tal der Großen Lauter, die im Ortsteil Offenhausen entspringt. Oberhalb des Ortes befindet sich der Sternberg.

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Gomadingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle zum Landkreis Reutlingen:

St. Johann, Münsingen, Hohenstein und Engstingen.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Gomadingen gehören seit 1. Dezember 1971 die früher selbstständigen Gemeinden Dapfen und Steingebronn (In Klammern die Einwohnerzahl vom 30. September 2019). Zur Gemeinde Dapfen gehörten die Dörfer Dapfen (457 Einwohner) und Wasserstetten (66 Einwohner), der Weiler Marbach an der Lauter (42 Einwohner), Schloss und Hof Grafeneck (74 Einwohner), die Siedlung Schelmenbühl und die Häuser Ölmühle. Zur Gemeinde Gomadingen in den Grenzen vom 30. November 1971 die Dörfer Gomadingen (1219 Einwohner) und Offenhausen (125 Einwohner) und das Gehöft Gestütshof. Zur Gemeinde Steingebronn gehörte das Dorf Steingebronn (270 Einwohner).

In der Gemarkung Dapfen liegen die Wüstungen Achilinishusen, Benzingen, Bickenhofen, Hinterhofen, Pfeln und Weygstetten und in der Gemarkung Gomadingen liegen die Wüstungen Hebinolsriet, Notzenweiler, Schwarzwach und Stetten.

In Gomadingen befindet sich der Burgstall Burg Gomadingen, im Ortsteil Steingebronn der Burgstall Burg Steingebronn und bei Wasserstetten der Burgstall Burg Baldelau.

Schutzgebiete

Gomadingen hat einen sehr kleinen Anteil am Naturschutzgebiet Eichholz im Süden der Gemarkung Dapfen. Ein großer Teil der Gemeindefläche gehört zum Landschaftsschutzgebiet Großes Lautertal. Gomadingen hat darüber hinaus Anteile am FFH-Gebiet Großes Lautertal und Landgericht. Die Gemeinde gehört überdies, bis auf einige Flächen im Südwesten des Gemeindegebiets, zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Kernzonen wurden im Süden der Gemeinde im Geigenbuch, am Jörgenbühl und am Baldenloh sowie am Alten Hau und Hinter dem Hochberg ausgewiesen.

Geschichte

Frühe Geschichte

Zur römischen Geschichte, siehe separaten Artikel Kastell Gomadingen.

Der Ort Gomadingen kam schon vor dem Jahre 1265 an Württemberg.

Im Ortsteil Offenhausen befand sich seit zirka 1260 ein Frauenkloster, das unter dem Namen Gnadenzell bekannt war.

Landgestüt Marbach

Das Haupt- und Landgestüt Marbach ist das älteste staatliche Gestüt (Land Baden-Württemberg als Träger) in Deutschland. Bereits unter Herzog Christoph von Württemberg (1550–1568) lässt sich sein Ausbau nachweisen. 1817 wurde es das Landgestüt des Königreichs Württemberg.

Schloss Grafeneck

Das um 1560 erbaute Schloss Grafeneck, das als Jagdschloss der württembergischen Herzöge diente, liegt an der Landstraße 247 im Ortsteil Grafeneck. Im 19. Jahrhundert wurde es als Forstamt benutzt und im Jahr 1928 wurde es von der evangelischen Samariterstiftung erworben, die ein Behindertenheim einrichtete. In der Zeit des Nationalsozialismus diente Schloss Grafeneck in einer kurzen Zeitspanne als Tötungsanstalt. Dort wurden bis Ende 1940 in der nationalsozialistischen Euthanasieaktion (später Aktion T4) 10.654 behinderte und kranke Menschen durch Gas ermordet (Vgl. Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus). Sie wurden vor allem aus Süddeutschland dorthin transportiert und vor Ort in einem Krematorium verbrannt. Die französische Besatzungsmacht gab das Gelände 1946/47 wieder an die Samariterstiftung zurück, die es als Lebensstätte für behinderte und psychisch erkrankte Menschen ausbaute und bis heute betreibt. Bereits in den 1950er Jahren begann die Entwicklung des Friedhofes als Gedenkort. 2005 wird schließlich das Dokumentationszentrum Gedenkstätte Grafeneck errichtet.

Steingebronn

Steingebronn wurde in der ersten Hälfte des 12. Jh. als Stainigebrunnon erstmals urkundlich erwähnt. Auf der inzwischen abgegangenen Burg saßen die Ortsherren, die Speth (1276 miles de Stainibrunn... Späte). Die Familie verkaufte 1562 den Ort mit allen Rechten an Württemberg. Steingebronn gehörte dann zum Amt/Oberamt Urach und kam 1808 an das Oberamt Münsingen.

Zugehörigkeit und Eingemeindungen

1812 kam das Dorf Offenhausen zur Gemeinde Gomadingen. Gomadingen gehörte wie Dapfen (frühere Schreibweise auch Tapfen) und Steingebronn zum Oberamt Münsingen. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangten die Gemeinden 1938 zum Landkreis Münsingen. 1945 wurde das Gebiet Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging. Am 1. Dezember 1971 wurden Dapfen und Steingebronn nach Gomadingen eingemeindet. Seit der Kreisreform von 1973 ist die Gemeinde Gomadingen Teil des Landkreises Reutlingen.

Religion

Bereits 904 wurde im Königsgut eine Martinskirche in Dapfen, 1275 eine Pfarrei erwähnt. 1407 wurde der Kirchensatz Dapfen durch Speth von Ehestetten an Württemberg verkauft, das die Reformation einführte. Eine Martinskirche wurde in Gomadingen 1180 erwähnt. 1275 war der Ort Sitz einer Pfarrei und eines Dekanats. Im Gomadinger Weiler Offenhausen bestand ein Dominikanerinnenkloster St. Maria Gnadenzell. Im 15. Jahrhundert gelangte es unter württembergische Oberhoheit. 1575 wurde es aufgehoben und ein Gestüt eingerichtet. 1812 kam die Siedlung zur Gemeinde Gomadingen. Die Klosterkirche diente ab 1690 als evangelische Kirche und wurde 1812 profaniert. In Steingebronn wurde eine Pfarrkirche erstmals 1275 erwähnt. Sie war den Heiligen Philipp, Walpurg und den Heiligen Drei Königen geweiht. Der Kirchensatz befand sich bei den Speth und kam dann 1420 an die Propstei Güterstein und schließlich an Württemberg, das die Reformation einführte.

In diesem evangelisch geprägten Gebiet gibt es heute die evangelische Kirchengemeinde Gomadingen-Steingebronn und die evangelische Kirchengemeinde Dapfen im Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Politik

Gemeinderat

Rathaus Gomadingen

In Gomadingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht nach der letzten Wahl aus den 14 (2019:16) gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2024
Sitze
2024
%
2019
Sitze
2019
Kommunalwahl 2024
 %
50
40
30
20
10
0
47,40 %
32,18 %
17,63 %
2,79 %
OL
Go
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
  −6
  −8
+6,12 %p
+1,98 %p
−6,77 %p
−1,31 %p
OL
Go
UWV Unabhängige Wählervereinigung 47,40 7 41,28 6
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands/Bürgerliste 32,18 5 30,2 5
OL Offene Liste 17,63 2 24,4 4
Go GomadingerInnen 2,79 0 4,1 1
gesamt 100,0 14 100,0 16
Wahlbeteiligung 70,08 % 70,8 %

Bürgermeister

Bürgermeisterin ist seit 2026 Silke Hirsch. Zuvor amtierte von 1994 bis 2026 Klemens Betz.

Wappen

Wappen der Gemeinde Gomadingen
Wappen der Gemeinde Gomadingen
Blasonierung: „Unter silbernem (weißem) Schildhaupt, darin eine schwarze Hirschstange, in Blau zwei goldene (gelbe) Schräglinksbalken.“
Wappenbegründung: Der blaue Schild mit zwei goldenen Schräglinksbalken soll an das Ortsadelsgeschlecht von Gomadingen erinnern, das dieses Wappen zuvor geführt hatte. Die württembergische Hirschstange, die wie im Münsinger Stadtwappen auf silbernem Grund erscheint, bezieht sich auf die frühere Zugehörigkeit aller Gemeindeteile zu Alt-Württemberg und zum Amts-, Oberamts- und Kreisverband Münsingen.

Das Wappen wurde der Gemeinde mit Beschluss des Innenministeriums Württemberg-Hohenzollern vom 27. Februar 1948 verliehen.

Wappen der ehemals selbständigen Gemeinden

Gemeindepartnerschaft

Gomadingen unterhält seit dem 14. Mai 1999 eine Partnerschaft mit dem französischen Buis-les-Baronnies.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Klosterkirche in Offenhausen, heute Gestütsmuseum

Museen

Musik

Jugend

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Rathausbrunnen (2024)
Sternbergturm auf dem Sternberg

Sport

Regelmäßige Veranstaltungen

Höhepunkt der Veranstaltungen in der Gemeinde Gomadingen sind die regelmäßig am letzten Wochenende im September und am ersten Wochenende im Oktober stattfindenden Hengstparaden in der 10.000 Zuschauer fassenden Arena im Haupt- und Landgestüt Marbach. Daneben ist das Anfang Mai stattfindende internationale Vielseitigkeitsturnier in Marbach ein weiteres pferdesportliches Highlight.

Jedes Jahr, am dritten Wochenende im September, findet das traditionelle Schlachtfest in Dapfen statt.

Traditionell findet jedes Jahr im Juli das Festival on Eiche auf dem alten Sportplatz Eichach in Gomadingen statt.

Kulinarische Spezialitäten

Wirtschaft und Infrastruktur

Roter Brummer im Bahnhof Gomadingen

Verkehr

Bahnhof Gomadingen

Die Landesstraße 230 führt von der B 27 bei Gomaringen kommend durch das Gemeindegebiet bis zur A 8 bei Merklingen.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 224. 1893 erhielten Gomadingen und Marbach an der Lauter über die Strecke Reutlingen–Münsingen (1901 bis nach Schelklingen verlängert) Anschluss an das Eisenbahnnetz. In Gomadingen entstand dafür ein Einheitsbahnhof vom Typ IIa, in Marbach ein solcher vom Typ IIIa. Montags bis freitags halten heute Regionalzüge, die vor allem Schüler von und nach Münsingen befördern. Samstags und sonntags wird er von Regionalbahnen und Sonderzügen angefahren, um vor allem Wanderer und Ausflügler an ihr Ziel zu bringen.

Über eine Alltagsradroute aus dem Radnetz Baden-Württemberg ist Gomadingen über Engstingen mit Reutlingen und in der anderen Richtung mit Münsingen verbunden. Der Schwäbische-Alb-Radweg führt als Fernradweg durch Gomadingen; er führt vom Bodensee nach Donauwörth.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben

Literatur

Commons: Gomadingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Gomadingen – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Tabellengruppe 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes zum 31. Dezember 2025 (Hilfe dazu).
  2. ↑ Gomadingen – Zahlen & Daten
  3. ↑ Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 51–53
  4. ↑ Daten- und Kartendienst der LUBW
  5. ↑ Kurt Nowak: Widerstand, Zustimmung, Hinnahme. Das Verhalten der Bevölkerung zur „Euthanasie“. In: Norbert Frei (Hrsg.): Medizin und Gesundheitspolitik in der NS-Zeit. R. Oldenbourg Verlag, München 1991 (= Schriften der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Sondernummer), ISBN 3-486-64534-X, S. 235–251, hier: S. 242.
  6. ↑ Grafeneck - Geschichte und Gegenwart. Gedenkstätte Grafeneck e. V., 2011, abgerufen am 27. Dezember 2011.
  7. ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 530 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  8. ↑ Website der Evangelischen Kirchengemeinde Gomadingen-Steingebronn
  9. ↑ Website der Evangelischen Kirchengemeinde Dapfen
  10. ↑ Wahlinformationen auf komm.one
  11. ↑ Joachim Lenk: Silke Hirsch ist neue Bürgermeisterin von Gomadingen. In: gea.de. 27. April 2026, abgerufen am 27. April 2026.
  12. ↑ Wappenbeschreibung bei leo bw – landeskunde entdecken online; abgerufen am 18. Januar 2024
  13. ↑ siehe evangelisches-gemeindeblatt.de (Memento des Originals vom 29. Juni 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. und evangelisches-gemeindeblatt.de (Memento des Originals vom 29. Juni 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., zuletzt abgerufen am 29. Juni 2020
  14. ↑ Rainer Stein: Der württembergische Einheitsbahnhof auf Nebenbahnen. In: Eisenbahn-Journal Württemberg-Report. Band 1, Nr. V/96. Merker, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-96-0, S. 80–83.
  15. ↑ Das RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de
  16. ↑ Alb Bote vom 22. Juni 2009