Campact

Campact
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Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 2004 in Verden (Aller)
Gründer Christoph Bautz, Felix Kolb, Günter Metzges
Sitz Berlin
Geschäftsführung Christoph Bautz, Astrid Deilmann, Daphne Heinsen und Felix Kolb
Umsatz 24,63 Mio. Euro (2024)
Beschäftigte 124 (2024)
Mitglieder 12
Förderer > 127.668 (2024)
Newsletter-Leser > 4,25 Mio. (2025)
Website www.campact.de

Campact [kæmpækt] ist ein deutscher Verein, der Online-Kampagnen organisiert. Campact bezeichnet sich selbst als „Kampagnen-Organisation, mit der über 4,25 Millionen Menschen entschlossen für progressive Politik eintreten und unsere Demokratie verteidigen“. Dabei baut die Organisation mit Hilfe von Appellen politischen Druck auf. Die Appelle wenden sich oft an politische Gremien, aber auch an Unternehmen. Seine genauen politischen Positionen definiert Campact nicht näher und positioniert sich nur bei Themen wie der Energiewende und der ökologischen Landwirtschaft kampagnenunabhängig.

Die 2004 entstandene Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin orientierte sich zunächst an der US-amerikanischen Online-Plattform MoveOn. Als internetbasiertes Beteiligungsforum in Form eines eingetragenen Vereins richten sich Teilnehmer mit Protest-E-Mails gebündelt in Form von Online-Petitionen an politische Entscheidungsträger.

Campact hat mehr als drei Millionen Menschen verzeichnet, die sich an den Kampagnen beteiligen.

Prioritäten

Campact organisiert Kampagnen zu einer großen Bandbreite politischer Themen. Konkret gehört dazu unter anderem der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Stärkung demokratischer Teilhabe. Die Analysen und Positionen von Campact wurden in der Gründungsphase durch einen Beraterkreis unterstützt, der inzwischen nicht mehr aktiv ist. Bei den Kampagnen kooperiert Campact häufig mit Fachorganisationen.

Campact ist im Lobbyregister für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung eingetragen und nimmt wie andere akkreditierte Nichtregierungsorganisationen Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren, indem Gutachten und Stellungnahmen an Fraktionen, Gruppen und Abgeordnete gesendet werden. Bislang (Stand Anfang 2026) war dies in 14 konkreten Regelungsvorhaben der Fall. Die Zahl der mit der Aufgabe der Interessenvertretung direkt betrauten Mitarbeiter beträgt über zwei Dutzend.

Struktur und Finanzierung

Campact ist ein eingetragener Verein, der von einem vierköpfigen geschäftsführenden Vorstand geleitet wird, der an zwölf Vollmitglieder berichtet. Das Budget betrug 2011 rund zwei Millionen Euro aus Spenden und Förderbeiträgen, 2018 verfügte die Organisation über einen Etat von 10,1 Mio. Euro. 2014 wurden in Berlin und in Verden 22,5 Vollzeitstellen vorgehalten, für 2018 sind über 60 Mitarbeiter benannt. Für das Jahr 2023 gab Campact an, 109 Mitarbeiter (entsprechend 87 Vollzeitstellen) fest angestellt und außerdem studentische Hilfskräfte, Praktikanten und FSJler beschäftigt zu haben.

Zu Beginn wurde der Verein durch private Fördermittel finanziert; 2009 waren dies die European Climate Foundation, die Bewegungsstiftung, die Stiftung GEKKO, die Stiftung „bridge“ und die Hans-Böckler-Stiftung. Die Organisation finanzierte sich seit 2011 ausschließlich aus Spenden und Förderbeiträgen.

Nachdem der Bundesfinanzhof dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac die Gemeinnützigkeit entzogen hatte, gründete Campact im Juli 2019 eine Stiftung. Im selben Jahr wurde auch Campact e. V. der Status einer gemeinnützigen Organisation aberkannt. Das Finanzamt gab zur Begründung an, die Organisation sei überwiegend allgemeinpolitisch tätig gewesen. Campact habe Kampagnen zu Themen durchgeführt, die keinem gemeinnützigen Zweck der Abgabenordnung zugeordnet werden könnten. Die Statusänderung löste eine Nachzahlung von bis dahin erlassener Schenkungssteuer in Höhe von ca. 300.000 Euro aus.

Campact e. V. ist Gesellschafter der HateAid gGmbH und hält mit Stand 2025 etwa ein Drittel der Anteile.

Es gibt keine Zahlungen vom Staat an Campact e.V. Der Parlamentarische Staatssekretär Florian Toncar hielt am 11. September 2023 auf Anfrage fest: „Der Verein Campact e. V. hat aus dem Bundeshaushalt keine Zuwendungen erhalten.“

2025 untersagte das Landgericht Hamburg dem Journalisten Ulf Poschardt die Falschbehauptung, Campact (wörtlich „Netzwerk Campact“) sei staatlich finanziert.

Geschichte

campact-Aktion am 31. August 2009 in Bremen bei der Kampagne Endlagersuche

Campact ist als Verein organisiert, startete als Organisation im Ökozentrum Verden und kooperierte mit anderen dort aktiven Gruppen. Da ein Großteil der Aktionen in Berlin stattfand, baute Campact seine Strukturen auch dort auf. Später wurde auch Berlin offizieller Sitz des Vereins.

Nach der Gründung der international tätigen Online-Kampagnen-Plattform Avaaz durch MoveOn.org und andere US-amerikanische Organisationen gewann der Internetaktivismus mit der britischen Open Rights Group sowie 38 Degrees auch in Europa an Fahrt. Schließlich entstanden auch die europaweit tätigen „Avanti Europe!“ und WeMove.eu.

Campact unterstützt die im Juni 2010 von Transparency International Deutschland e. V. gestartete Initiative Transparente Zivilgesellschaft und veröffentlicht einmal jährlich einen Transparenzbericht. Einheitliche Veröffentlichungspflichten für gemeinnützige Organisationen – ein Status, den Campact bis 2019 innehatte – gibt es in Deutschland bisher nicht. Campact hat sich selbst verpflichtet, Informationen über Ziele, Mittelherkunft, Mittelverwendung und Entscheidungswege nach den Richtlinien der Initiative zu veröffentlichen.

Ein Kampagnennetzwerk betreibt die Kampagne „Kein Freibrief für Steuerbetrüger“ gegen das Steuerabkommen Deutschland–Schweiz. Sie wird getragen von Campact, Tax Justice Network, Attac Deutschland, der Verdi-Fachgruppe Finanz- und Steuerverwaltung, der Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe, medico international und dem Südwind-Institut. Sie wendet(e) sich explizit an die SPD.

Seit Oktober 2017 veröffentlicht die Organisation in einer eigenen Rubrik auf ihrer Website Fehler, Korrekturen oder Präzisierungen eigener Aussagen, etwa aus ihrem Newsletter.

2015 machte der Organisation die von ihr aufgebaute Datenbank Probleme. Sie gewährleistete offenbar nicht ausreichenden Datenschutz und die Landesbeauftragte für den Datenschutz in Niedersachsen, Barbara Thiel, leitete im September 2015 ein Verfahren gegen Campact wegen Verstößen gegen das Datenschutzgesetz ein. Bemängelt wurde, dass Campact personenbezogene Daten sammle, verarbeite und speichere, ohne die ausdrückliche Einwilligung der Bürger einzuholen. Daraufhin änderte Campact sein Newsletter-Bestellverfahren und die Datenschutzbehörde erklärte: „Unsere Forderungen sind umgesetzt“. Sanktionen wegen Rechtsverstößen verhängte die Behörde nicht.

In der Nacht zum 9. Januar 2018 wurde auf eine Lagerhalle von Campact am Ökozentrum Verden ein Brandanschlag verübt. In der 200 Quadratmeter-Halle lagerten über 2500 Aktionsmaterialien der Organisation. Banner, Kostüme, Masken, Fahnen, Megafone und Werkzeug verbrannten. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Brandes auf den benachbarten Supermarkt verhindern. Weil von einem politischen Motiv ausgegangen wurde, übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. Nach Schätzungen der Polizei lag der Schaden im fünfstelligen Bereich.

WeAct

WeAct ist die Petitionsplattform der Kampagnen-Organisation Campact, über die sich Bürgerinnen und Bürger seit 2015 mit Petitionen an die Politik oder Unternehmen wenden können. Die Petenten agieren zum Teil unter Pseudonym. In der Selbstbeschreibung schließt WeAct aus, rechtspopulistische und demokratiefeindliche Forderungen zu unterstützen. Der Plattform wurde ein Einfluss zugeschrieben bei der Entscheidung von Bahnhofsbuchhändlern, das rechtsextreme Compact-Magazin aus dem Sortiment zu nehmen. Öffentliche Aufmerksamkeit erregte 2023/24 eine Petition über WeAct, die für den AfD-Politiker Björn Höcke eine Grundrechtsverwirkung nach Artikel 18 GG fordert. Mit knapp 1,7 Millionen Unterschriften ist sie die bislang größte Petition Deutschlands.

Demokratie-Stiftung Campact

Als Reaktion auf die Debatten über die Gemeinnützigkeit von Organisationen, die tagespolitische Kampagnen führten, entschloss sich Campact e. V. 2019, eine Stiftung zu gründen. Für die Ausstellung von Spendenbescheinigungen, Zustiftungen und testamentarische Zuwendungen. Die Stiftung kann auch Projekte außerhalb des Vereins fördern.

Kritik

Einige Beobachter stellen die langfristige Wirksamkeit der von Campact betriebenen Kampagnen in Frage. Besonders die Konzentration auf öffentlichkeitswirksame Online-Kampagnen ohne oder mit geringen realweltlichen Aktionen wird innerhalb sozialer Bewegungen kritisch gesehen. Campact sei in der Klimabewegung zwar umstritten, schreibt Hanna Poddig, die Kritik werde aber oft nur indirekt geäußert, da viele kleine Organisationen zu abhängig von den lukrativen Kooperationen mit Campact seien. Attac Deutschland kritisiert, Campact nutze zwar das inhaltliche Know-how seiner Kooperationspartner, respektiere aber häufig deren demokratische Entscheidungsprozesse nicht; sie seien für Campact zu langsam und ineffizient. In der Folge würde Campact mitunter seinen Partnern sein Tempo sowie seine Denk- und Arbeitsweise aufzwingen. Wenn die Verdener ein Thema übernähmen, ziehe das häufig die öffentliche Aufmerksamkeit von inhaltlich differenziert arbeitenden Fach-Organisationen ab. Auch die Herangehensweise, bei aktuell verhandelten Themen nur dann politischen Druck und Dringlichkeit aufzubauen, wenn ein hohes Konsenspotential zu erwarten ist, verstelle den Blick für eine wirklich langfristige alternative Politik.

„Sowohl hinter den verbalradikalen Phrasen als auch hinter Forderungen zur Änderung belangloser Nachkommastellen steckt die immer gleiche Realpolitik. Campact schreibt nicht, wovon die dort angestellten Menschen überzeugt sind, sondern immer nur das, von dem sie denken, es sei potentiell mehrheitsfähig.“

– Hanna Poddig

2015 forderte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, die Gemeinnützigkeit von Campact durch die Finanzverwaltung überprüfen zu lassen. Für unvereinbar mit dem Status der Gemeinnützigkeit hält Pfeiffer, dass Campact Kampagnen zu tagespolitischen Themen ins Werk setzt. Laut taz und Neues Deutschland nahm Pfeiffer die Organisation hingegen aufgrund ihrer Kritik am Handelsabkommen TTIP ins Visier. Statt mit politischen Argumenten versuche der TTIP-Befürworter Pfeiffer, Campact über die Gemeinnützigkeit anzugreifen. Campact selbst bezeichnete Pfeiffers Vorstoß als „Versuch, Kritiker mundtot zu machen“. Nach Campact müssen Unklarheiten im deutschen Gemeinnützigkeitsrecht beseitigt werden, damit sich so etwas nicht wiederholen könne. Inzwischen wurde Campact tatsächlich die Gemeinnützigkeit aberkannt.

Zur Bundestagswahl im Februar 2025 warnte Campact in einem Aufruf davor, kleine Parteien zu wählen, da davon indirekt Union und AfD profitieren würden. Einige der Kleinparteien reagierten darauf mit Kritik. So bezeichnete Dennis Landgraf von der Tierschutzpartei die Kampagne als „grob fahrlässig“. Wer taktisch wähle, könne langfristig nicht die erhofften Veränderungen herbeiführen. Gina Nießer, Sprecherin der Partei Volt, beklagte die Untergrabung des demokratischen Wettbewerbs durch eine „systematische Unsichtbarkeit kleiner Parteien“ und die Fokussierung der Medien auf etablierte Parteien.

Kampagnen und Aktionen

Campact hat bisher zum Beispiel Kampagnen für mehr Transparenz über Nebeneinkünfte von Abgeordneten, gegen ein Comeback der Atomenergie, für Alternativen zur Erhöhung der Mehrwertsteuer, gegen Softwarepatente, für Volksentscheide auf Bundesebene, für ein restriktives Gentechnikgesetz, gegen Steuerflucht und gegen die Privatisierung der Deutschen Bahn organisiert. Ziel von Campact-Kampagnen ist zum einen, die Kommunikation zwischen Bürgern und Politik bei aktuellen politischen Themen zu stärken. Zum anderen will es Campact Bürgern ermöglichen, Politik mit Online-Aktionen zu beeinflussen. Sie sollen genau dann aktiv sein können, wenn politische Entscheidungen anstehen.

2005

Im Jahr 2005 organisierte Campact eine Kampagne für die Offenlegung der Nebeneinkünfte von Abgeordneten. In Kooperation mit Attac, BUND, Transparency International und Mehr Demokratie e. V. begleiteten Bürger mit Online-Aktionen den politischen Prozess und forderten verschärfte Transparenzregeln. Die Kampagne trug mit dazu bei, dass Ende 2005 schärfere Veröffentlichungsregeln erlassen wurden.

Im April 2005 begann Campact gemeinsam mit dem Linux-Verband und Attac eine Kampagne gegen die geplante Richtlinie für Softwarepatente in der Europäischen Union. Etwa 5.000 Teilnehmer luden ein Bild von sich als Teil einer Online-Demonstration auf die Campact-Internetseite. Die Online-Demonstration wurde am Tag der Abstimmung als Banner vor dem Europäischen Parlament entrollt. Am 5. Juli 2005 lehnte das Parlament die Richtlinie ab, gegen die es breiten Protest in ganz Europa gegeben hatte.

Zusammen mit dem BUND und X-tausendmal quer organisiert Campact seit September 2005 die Anti-Atom-Kampagne „.ausgestrahlt“. Damit soll ein Comeback der Kernenergie verhindert werden. Mit Online-Aktionen und Präsenz vor Ort begleitete das Bündnis die Koalitionsverhandlungen. „.ausgestrahlt“ ist inzwischen eine eigenständige Organisation.

2006

Im Januar 2006 begann Campact eine Kampagne gegen eine Verwässerung der Haftungsregeln durch eine Novellierung des Gentechnikgesetzes. Campact mobilisierte Unterstützer für eine Ballon-Aktion im Bereich Gentechnik. 13.000 Luftballons bildeten im November im Regierungsbezirk den Schriftzug „Gen-Food – Nein Danke!“ und wurden anschließend gemeinsam gestartet.

Im Herbst 2006 startete Campact eine Kampagne gegen die geplante Reform des Urheberrechts. Eine zunächst vorgesehene Bagatell-Klausel wurde auf Druck von Musik- und Medienkonzernen aus dem Gesetzentwurf gestrichen. Sie hätte alle, die Kopien nur in geringem Umfang und für den privaten Gebrauch herstellen, vor Strafverfolgung geschützt. Mit Streichung der Klausel besteht nach Ansicht von Campact die Gefahr der Kriminalisierung großer Bevölkerungsteile. Campact richtete „das erste Internet-Gefängnis der Welt“ ein, um gegen die geplante Urheberrechtsreform zu mobilisieren.

2007

Im Januar wurde die Kampagne „Spritfresser stoppen!“ gestartet. Damit sollen EU-weit verbindliche Obergrenzen für den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß (CO2) von Neuwagen erreicht werden. Innerhalb von fünf Tagen folgten 12.000 Menschen dem Aufruf, eine Protest-E-Mail an die verantwortlichen Politiker zu schicken.

Im März startete Campact einen Online-Appell an die Bundesregierung, sich während der EU-Ratspräsidentschaft für strikte Grenzwerte beim Kohlenstoffdioxid-Ausstoß für Neuwagen einzusetzen und sich für eine nachhaltige Umweltpolitik in Deutschland und Europa starkzumachen. Im Juni überreichten Campact-Aktivisten im Vorfeld eines Treffens der EU-Umweltminister über 32.000 Unterschriften an Umweltminister Sigmar Gabriel.

In einer Online-Aktion, adressiert an die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, forderten Campact und über 5.000 Unterzeichner der Aktion im Mai 2007 die Umsetzung der vom Bundestag beschlossenen Regelungen zur Transparenz von Politiker-Nebeneinkünften, denen sich zahlreiche, zum Teil prominente Mitglieder des Bundestages widersetzen. Mittlerweile hat der Bundestag den Beschluss umgesetzt. Campact hatte sich über zwei Jahre immer wieder für eine Veröffentlichung der Nebeneinkünfte von Politikern eingesetzt.

2008

Im Jahresrückblick 2008 sind folgende Kampagnen aufgeführt:

2009

Bei der Demonstration der Kampagne „Endlagersuche“ in Stuttgart 2009

Vor der Bundestagswahl 2009 startete Campact im August 2009 eine neue Anti-Atom-Kampagne, zu der auch die Atom-Tour gehörte. Ein als Castor-Transport zurechtgemachter Wagen rollte durch zwölf deutsche Großstädte, darunter Berlin und Hamburg. Durch die fingierte Suche eines Endlagers für Atommüll in bevölkerungsreichen Städten sollte auf die ungelöste Endlagerproblematik der Kernkraft aufmerksam gemacht werden. Im Bündnis mit Bürgerinitiativen und Umweltverbänden rief Campact auch zu der Großdemo „Mal richtig abschalten“ am 5. September 2009 in Berlin auf. Die Veranstalter sprachen von über 50.000 Demonstrierenden sowie von 300 Traktoren. Um die Veranstaltung nicht parteipolitisch instrumentalisieren zu lassen, sprach kein Politiker auf dem Podium.

2010

2010 führte Campact weitere Online-Kampagnen und Aktionen durch, unter anderem für den Klimaschutz, für den Atomausstieg (z. B. Mobilisierung für und Beteiligung an der 120 Kilometer langen Menschenkette und Protesten in Berlin) und gegen Sparpläne der Bundesregierung mit der Forderung nach einem sozial gerechten Sparpaket. Campact startete die Aktion „Kopfpauschale Stoppen“ u. a. mit einer Aktion vor dem Bundestag in Berlin. Kampagnenpartner waren hier u. a. Ver.di und die Diakonie. Campact unterstützte ab Oktober 2010 zusammen mit z. B. dem VCD und dem BUND Proteste gegen Stuttgart 21 und forderte einen Baustopp sowie einen Volksentscheid.

2011

Am 21. Mai 2011 startete Campact vor dem Atomkraftwerk Unterweser (bei Bremen) tausende Ballons aus einem 25 Meter breiten Radioaktivitätszeichen. Die Ballons symbolisierten eine radioaktive Wolke. Die Verbreitung der Ballons sollte demonstrieren, wie sich Radioaktivität bei einem GAU unaufhaltsam ausbreiten würde. An jedem der Ballons hing eine Karte; sie forderte den Finder des Ballons auf, den Fundort in einer Internet-Karte zu vermerken.

2012

Demonstration in Berlin 2013 gegen die Privatisierung der Wasserversorgung

2012 richtete Campact einen Appell an die deutschen Abgeordneten des Europäischen Parlamentes, das geplante Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) im Ausschuss für internationalen Handel des Europäischen Parlaments abzulehnen, der am 29. Februar 2012 darüber entscheiden soll. Hierfür hat Campact bereits über 70.000 Online-Unterschriften gesammelt.

In einer Petition vom Juni 2012 wurde Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr aufgefordert, die prekäre Situation der Hebammen aufgrund der hohen Haftpflichtversicherungen zu verbessern („Hebammen sind unersetzlich“). Bis zum 18. Juni hatte die Petition mehr als 123.000 Unterstützer.

Im Juli startete Campact gemeinsam mit dem FoeBuD und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Kampagne „Melderecht: Meine Daten sind keine Ware!“, die sich gegen Regelungen im geplanten Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens richtet und die innerhalb von rund 24 Stunden mehr als 100.000 Unterstützer fand.

2012 schloss sich campact dem Bündnis Umfairteilen an. Seit Beginn 2014 ist campact nicht mehr im Trägerkreis genannt.

2013

Campact übte mit einem Appell Druck auf die Bundesregierung aus, damit diese sich in der EU einsetzt, Wasser zum Menschenrecht zu erklären.

Unter dem Motto „Zuflucht für Edward Snowden – Whistleblower schützen“ startete Campact am 3. Juli 2013 eine Kampagne, die sich an die Bundeskanzlerin und den Innenminister wendet, um eine Aufnahme von Edward Snowden in Deutschland zu erreichen.

Ende 2013 startete Campact eine Kampagne gegen das Freihandelsabkommen TTIP. Innerhalb von fünf Tagen kamen mehr als 250.000 Unterschriften zusammen. Im Juni 2014 waren es schon mehr als eine halbe Million, einen Monat später 100.000 Stimmen mehr.

2014

Die Kampagnen zu dem Handelsabkommen TTIP hat Campact 2014 als Schwerpunkt fortgesetzt und im Jahreslauf auch auf das geplante kanadisch-europäische Abkommen CETA ausgedehnt. Campact startete zusätzlich zu Online-Petitionen weitere Aktivitäten, unter anderem verteilten 24.000 bei Campact aktive Freiwillige zur Europawahl 2014 sechs Millionen Informationsblätter in Form von Türhängern, die über die Positionen der wichtigsten antretenden Parteien zu TTIP informierten. Bei Wahlveranstaltungen von Spitzenkandidaten protestierten von Campact mobilisierte Bürgerinnen und Bürger gegen TTIP, oft in der Form von Flashmobs. Zudem beteiligte sich Campact an Aktivitäten des Bündnisses „TTIP unFAIRhandelbar“ und als Unterstützer einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI) „Stop TTIP“.

Mit sowohl elektronischen als auch gedruckten Publikationen und Erklärvideos steuerte Campact Beiträge zur Debatte in Deutschland rund um die Handelsabkommen bei: Die Broschüre TTIP „vor Ort“, verfasst von Thomas Fritz, thematisierte die Folgen von TTIP für Bundesländer und Kommunen. Das Erklärvideo von Campact zu den bei TTIP vorgesehenen Schiedsverfahren Investor-state dispute settlement (ISDS) hat inzwischen mehrere hunderttausend Zugriffe. Zum TTIP-Protest konstatierte die Konrad-Adenauer-Stiftung im Mai 2015 rückblickend: „Im Zentrum der Protestaktivitäten in Deutschland steht der Verein ,Campact‘“.

Weitere Kampagnen von Campact im Jahr 2014

2015

Demonstration am 10. Oktober 2015 in Berlin für einen gerechten Welthandel, gegen TTIP und CETA

2016

Während Zehntausende gegen TTIP und CETA in Hannover demonstrieren, hat die INSM im Obama-Stil pro-TTIP plakatiert

2017

2018

Campact gründete gemeinsam mit Fearless Democracy die NGO HateAid, zur Beratung und Unterstützung von Opfern von Online-Hass.

Im Jahresrückblick 2018 werden folgende Kampagnen genannt:

2019

2020

2021

2022

2023

2024

2025

2026

Commons: Campact – Sammlung von Bildern und Videos

Einzelnachweise

  1. ↑ Der Vorstand. Dr. Felix Kolb. In: www.campact.de. Abgerufen am 5. November 2024.
  2. ↑ Campact und die Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ). Abgerufen am 3. März 2025 (deutsch).
  3. ↑ Campact und die Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ). Abgerufen am 3. März 2025 (deutsch).
  4. 1 2 Campact: Der Verein und seine Strukturen. 2018, abgerufen am 21. Januar 2025.
  5. ↑ Campact – bewegt Politik! In: campact.de. Abgerufen am 12. Mai 2025.
  6. ↑ mdr.de: Bauernprotest in Dresden: Eine Karre Mist für die Agrarwende | MDR.DE. Abgerufen am 31. März 2021.
  7. ↑ Tweets an Edeka / Über 400.000 Menschen fordern, dass sich Edeka Boykottdrohung anschließt. Abgerufen am 31. März 2021.
  8. ↑ Campact – bewegt Politik! Abgerufen am 18. Mai 2017.
  9. ↑ Campact e. V.: Positionen (Memento vom 16. Oktober 2010 im Internet Archive)
  10. ↑ Die Berater und Beraterinnen von Campact (Memento vom 13. April 2009 im Internet Archive)
  11. 1 2 Campact e. V.: Finanzbericht für 2009. (PDF) Abgerufen am 1. September 2019.
  12. ↑ Registereintrag Campact e. V. Abgerufen am 31. Januar 2026.
  13. ↑ Amtsgericht Charlottenburg, VR Nummer 25165 B
  14. 1 2 3 Finanzen und Transparenz. In: campact.de. Campact e. V., abgerufen am 1. September 2019.
  15. 1 2 3 Markus Grabitz: Linke Lobbytruppe kassiert Schlappe. Stuttgarter Nachrichten, 10. Dezember 2015, abgerufen am 10. Dezember 2017.
  16. ↑ Campact und die Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ). In: campact.de. Abgerufen am 3. März 2025.
  17. ↑ Finanz- und Transparenzbericht 2011, S. 20f.: Bezogen auf die Zahl aller Einzelspenden sind ... [nur] 0,3 % über 500 Euro.
  18. ↑ Petitionsportal Campact verliert Gemeinnützigkeit. In: heise.de. Abgerufen am 24. Oktober 2019.
  19. 1 2 Verein Campact gründet gemeinnützige Stiftung. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 27. Dezember 2020.
  20. 1 2 Campact e. V. gründet Stiftung. In: Stiftung Aktive Bürgerschaft. 29. August 2019, abgerufen am 27. Dezember 2020 (deutsch).
  21. ↑ NGOs unter Druck: auch Campact verliert Gemeinnützigkeitsstatus. In: haufe.de. 30. Oktober 2019, abgerufen am 30. April 2026.
  22. ↑ Transparenzbericht. In: HateAid. Abgerufen am 28. April 2026 (deutsch).
  23. ↑ BT-Drucksache 20/8347 S. 14, Frage 19, Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Florian Toncar vom 11. September 2023.
  24. ↑ Aktenzeichen: 324 O 146/25
  25. ↑ Campact vor Gericht: Juristische Erfolge. In: campact.de. Abgerufen am 25. September 2025.
  26. ↑ Campact erwirkt einstweilige Verfügung gegen Ulf Poschardt. In: epd.de. Abgerufen am 25. September 2025.
  27. ↑ Transparenz. In: campact.de. Campact e. V., abgerufen am 1. September 2019.
  28. ↑ Campact e. V.: Pressemitteilung (5. April 2012) (Memento vom 7. April 2012 im Internet Archive): Steuerabkommen: „SPD-Länder müssen bei ihrer Ablehnung bleiben“
  29. ↑ Campact e. V.: Wir korrigieren uns. Abgerufen am 23. März 2018.
  30. ↑ Anna Steiner: Merkwürdige Weltverbesserer: Wie eigennützig sind Campact-Aktivisten? In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 26. Dezember 2020]).
  31. ↑ Svenja Bergt: Dem Netzwerk Campact wurde zuletzt schlampiger Datenschutz vorgeworfen. Dass der Verband auf die Kritik schnell reagierte, spricht für ihn. Die Tageszeitung, 5. Januar 2016, abgerufen am 5. Januar 2016.
  32. ↑ Brandstiftung: Feuer zerstört Lager von Campact. NDR Nachrichten, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. Januar 2018; abgerufen am 29. Januar 2018.
  33. ↑ Anna Zacharias: Polizei geht von Brandanschlag auf Campact aus. Verdener Nachrichten, abgerufen am 19. Januar 2018.
  34. ↑ WeAct – Die Petitionsplattform von Campact. Abgerufen am 23. April 2024 (deutsch).
  35. 1 2 Sebastian Stoll: Darum nehmen so viele Bahnhofsbuchhandlungen »Compact« aus den Regalen. Der Spiegel, 7. Februar 2024, abgerufen am 23. April 2024.
  36. ↑ WeAct – Die Petitionsplattform von Campact. Abgerufen am 23. April 2024 (deutsch).
  37. ↑ Höcke stoppen. Abgerufen am 23. April 2024.
  38. ↑ Größte Online-Petition in Deutschland: 1,6 Millionen Menschen wollen Höcke Grundrechte entziehen. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 23. April 2024]).
  39. ↑ Hanna Poddig (2019): Klimakämpfe. Wir sind die fucking Zukunft! Unrast Verlag, S. 67 ff, ISBN 978-3-89771-148-8
  40. ↑ Zitiert nach Hanna Poddig (2019): Klimakämpfe. "Wir sind die fucking Zukunft!" Unrast Verlag, S. 69, ISBN 978-3-89771-148-8
  41. ↑ Martin Kaul: Datenschutz und Gemeinnutz bei Campact – „Empörungsmaschine“ in der Kritik. Die Tageszeitung, 4. Januar 2016, abgerufen am 4. Januar 2016. NGOs kämpfen für ein neues Gemeinnützigkeitsrecht. Nun melden sich ihre Gegner. Im Fokus steht vor allem das Kampagnenportal Campact.
  42. 1 2 Ines Wallrodt: Attacken über Bande – Erst der Datenschutz, nun die Gemeinnützigkeit: Das Kampagnennetzwerk Campact muss sich Angriffen von TTIP-Verfechtern erwehren. Neues Deutschland, 6. Januar 2016, abgerufen am 6. Januar 2016.
  43. ↑ Campact e. V.: Campact erfüllt hohe Datenschutzansprüche. Abgerufen am 6. Januar 2016.
  44. 1 2 Süddeutsche Zeitung: Campact verliert Status der Gemeinnützigkeit. In: sueddeutsche.de. 21. Oktober 2019, abgerufen am 20. Oktober 2020.
  45. 1 2 Saladin Salem: Bundestagswahl: Im Schatten der großen Parteien - ein Blick auf die kleinen "Sonstigen". In: sueddeutsche.de. 18. Februar 2025, abgerufen am 18. Februar 2025.
  46. ↑ Steven Geyer: „Taktisch wählen“ 2025: So kompliziert wie nie - aber möglich. In: rnd.de. 18. Februar 2025, abgerufen am 18. Februar 2025.
  47. ↑ Campact: Taktisches Wählen: Stimmen effektiv einsetzen. Abgerufen am 18. Februar 2025.
  48. ↑ Impressum der ausgestrahlt-Website. Abgerufen am 1. Mai 2009.
  49. ↑ Jahresrückblick 2008 (Memento vom 28. Oktober 2010 im Internet Archive)
  50. ↑ Analyse: Ein Widerstand, der Generationen eint. FR-online, 6. September 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. März 2016; abgerufen am 18. September 2009.
  51. ↑ Anti-Atomkraft-Demo: „Der Trog bleibt, die Schweine wechseln.“ Spiegel Online, 5. September 2009, abgerufen am 18. September 2009.
  52. ↑ ARD Tagesschau, 26. Oktober 2010 (Memento vom 1. November 2010 im Internet Archive)
  53. ↑ Bahnhofs-Gegner übergeben 55.000 Unterschriften. Berliner Morgenpost, 25. September 2010, archiviert vom Original am 22. April 2014; abgerufen am 28. September 2010.
  54. ↑ Campact e. V.: Tödliche Nachbarn (abgerufen am 28. April 2011) (Memento vom 5. Mai 2011 im Internet Archive)
  55. ↑ Campact e. V.: ACTA stoppen! (Memento vom 17. Februar 2012 im Internet Archive)
  56. ↑ Campact e. V.: Hebammen sind unersetzlich! Archiviert vom Original am 22. Januar 2013; abgerufen am 19. März 2024.
  57. ↑ Campact e. V.: Melderecht: Meine Daten sind keine Ware! Archiviert vom Original am 12. Juli 2012; abgerufen am 19. März 2024.
  58. ↑ Campact e. V.: Meldedaten: Über 100.000 Unterschriften in 24 Stunden. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. November 2013; abgerufen am 1. August 2012.
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