| Umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen EU-Kanada | |
|---|---|
| Titel (engl.): | Comprehensive Economic and Trade Agreement |
| Abkürzung: | CETA |
| Datum: | 30. Oktober 2016 |
| Fundstelle: | Vertragstext siehe unten |
| Fundstelle (deutsch): | BGBl. 2023 II Nr. 9 |
| Vertragstyp: | Bilateral (EU, Kanada) |
| Rechtsmaterie: | Internationales Handelsrecht (Freihandelsabkommen) |
| Unterzeichnung: | 30. Oktober 2016 |
| Ratifikation: | – (18 von 30 Partnern) |
| Teilnehmer des Umfassenden Wirtschafts- und Handelsabkommens | |
| Bitte beachte den Hinweis zur geltenden Vertragsfassung. | |
Das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen EU-Kanada, kurz CETA (von englisch Comprehensive Economic and Trade Agreement, auch als Canada-EU Trade Agreement gelesen, französisch Accord économique et commercial global (AECG)), ist ein EU-kanadisches Freihandelsabkommen. Der Vertrag enthält zahlreiche Handels- und Zollerleichterungen.
Für seine Kritiker gilt es insbesondere beim Investitionsschutz als umstritten, der es Unternehmen ermöglichen soll, bei veränderter Rechtslage von Staaten unter Umständen Schadensersatz zu fordern (Investor-State Dispute Settlement).
Ab 2009 wurde das umfassende CETA-Abkommen verhandelt und am 26. September 2014 zum Verhandlungsabschluss veröffentlicht. Es wurde mit auf Kritik eingehenden nachverhandelten Änderungen am 30. Oktober 2016 vom Europäischen Rat, der Europäischen Kommission und der kanadischen Regierung unterzeichnet, nachdem alle 28 europäischen Regierungen zugestimmt hatten.
Das Europäische Parlament stimmte am 15. Februar 2017 mit großer Mehrheit dem Abkommen zu. Daraufhin sind Teile von CETA seit dem 21. September 2017 vorläufig in Kraft getreten. Für ein vollständiges Inkrafttreten bedarf das Abkommen noch der Ratifizierung durch die nationalen Parlamente in der EU, Kanadas und der EU selbst. Mit Stand September 2026 haben 17 EU-Mitgliedsstaaten und das Vereinigte Königreich das Abkommen ratifiziert.
2004 vereinbarten die EU und Kanada ein freiwilliges Framework on Regulatory Cooperation and Transparency (auf Deutsch: Rahmenabkommen über Regulierungszusammenarbeit und Transparenz). 2007 wurde auf dem Gipfeltreffen EU-Kanada in Berlin dessen Umsetzung in der EU-Canada Roadmap for Regulatory Cooperation (auf Deutsch: Fahrplan der Regulierungszusammenarbeit EU-Kanada) vereinbart und eine gemeinsame Studie in Auftrag gegeben, um „die Kosten und Nutzen einer engeren wirtschaftlichen Partnerschaft zu untersuchen und zu bewerten“. Die Autoren der Studie untersuchten darin, „die bestehenden und insbesondere nicht-tarifären Barrieren auf den Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr“ und „schätzten die potenziellen Kosten und Vorteile der Beseitigung derartiger Schranken“ ab. Sie zeigten auch auf, „wie eine solche Partnerschaft die laufenden Bemühungen zur Verbesserung der bilateralen Zusammenarbeit in Bereichen wie Wissenschaft, Technologie, Energie und Umwelt ergänzen könnte“.
Auf dem Gipfeltreffen EU-Kanada in Montreal am 17. Oktober 2008 wurde die Studie Assessing the costs and benefits of a closer EU-Canada economic partnership (auf Deutsch: Einschätzung der Kosten und Vorteile engerer wirtschaftlicher Partnerschaft EU-Kanada) verabschiedet um „eine ausgewogene und engere künftige wirtschaftliche Integration zwischen der EU und Kanada zu verfolgen“ und „die Zusammenarbeit im Bereich der Regulierung zu intensivieren“.
Ab dem 10. Juni 2009 wurden Verhandlungen über ein Abkommen aufgenommen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am 18. Oktober 2013 gaben die Verhandlungspartner, die Europäische Kommission und die kanadische Regierung bekannt, sich in den Hauptpunkten geeinigt zu haben. Die Verhandlungen wurden am 1. August 2014 abgeschlossen.
Am 26. September 2014 unterzeichneten der damalige kanadische Premierminister Stephen Harper, der damalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der damalige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy während eines EU-Kanada-Gipfels in Ottawa eine Erklärung zum Abschluss der fünfjährigen Verhandlungen über das Freihandelsabkommen.
Der Inhalt des Abkommens war lange geheim, zunächst wurden lediglich einige Eckdaten wie der Abbau von Zöllen, Zugang europäischer Firmen zu öffentlichen Ausschreibungen in Kanada sowie der Schutz des geistigen Eigentums und regionaler Herkunftsbezeichnungen für landwirtschaftliche Produkte bestätigt. Diese wurden erst bei der Einigung von EU-Handelskommissar Karel De Gucht und dem kanadischen Handelsminister Ed Fast vom 18. Oktober 2013 bekannt gegeben. Technische Details würden angeblich erst feststehen, wenn das Abkommen dem Rat und Parlament der EU vorgelegt wird.
Schon im Dezember 2009 wurde ein Kapitel des damals noch geheimen Abkommens auf WikiLeaks veröffentlicht, in dem es um den Schutz geistigen Eigentums geht. Am 18. Oktober 2013 veröffentlichte das Onlinemagazin Telepolis einen Teil des Vertragstextes mit einer Analyse. Das ARD-Hauptstadtstudio stellte den 519 Seiten langen ausgehandelten Vertrag am 14. August 2014 als PDF-Datei ins Internet.
Anlässlich des Verhandlungsabschlusses zog die EU-Kommission am 26. September 2014 nach und veröffentlichte den konsolidierten CETA-Text.
Am 29. Februar 2016 veröffentlichte die EU-Kommission die offizielle Endfassung des CETA-Vertragstextes, nachdem die Kommission und Kanada die Rechtsförmlichkeitsprüfung abgeschlossen und einige Punkte nachgebessert hatten:
„Dies bedeutet im Einzelnen z. B. die stärkere Verankerung des ‚right to regulate‘, die Errichtung eines ständigen Gerichtshofes, die Auswahl der Schiedsrichter durch die Vertragsparteien selbst, transparente Verfahren und eine Berufungsinstanz.“
Nach Zustimmung Belgiens (siehe Abschnitt Belgien) am 28. Oktober 2016 fassten die EU-Staaten die nötigen Beschlüsse im schriftlichen Verfahren. Am 30. Oktober wurde der für den 28. Oktober anberaumte und zwischenzeitig abgesagte EU-Kanada-Gipfel nachgeholt, bei dem das Abkommen von allen Staaten unterzeichnet wurde.
Anlässlich der Unterzeichnung sagte Justin Trudeau:
“The fact that people were asking tough questions on a deal that will have a significant impact on our economies, giving us the opportunity to demonstrate that that impact will be positive, is a good thing.”
Doch die EU-Repräsentanten hatten weniger Verständnis:
“Belgium should think about how it functions at the international level.”
“[the negotiations] showed how important impressions and emotions are in the modern world (…) It showed that facts and figures won’t stand up for themselves alone. That post-factual reality and post-truth politics pose a great challenge on both sides of the Atlantic (…) We should be able to convince our citizens that free trade is in their interest, and not just big companies and corporations.”
Nach der Unterzeichnung wurde CETA dem EU-Parlament vorgelegt. Am 15. Februar 2017 stimmte das Europäische Parlament mit 408 Ja-Stimmen, bei 254 Gegenstimmen und 33 Enthaltungen, dem umstrittenen Abkommen CETA zu. Nach dessen Zustimmung traten große Teile des CETA-Vertrags am 21. September 2017 vorläufig in Kraft. Auf diesen Termin hatten sich EU-Kommissionspräsident Juncker und der kanadische Premierminister Trudeau am Rande des Hamburger G20-Gipfels verständigt.
Unter die vorläufige Anwendung fallen weite Teile des Abkommens. Ausgenommen sind der Investitionsschutzteil sowie einzelne Kapitel und Abschnitte in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Steuern und Geistiges Eigentum.
Im April 2019 entschied der Europäische Gerichtshof in einem 2017 von Belgien beantragten Gutachten, der vorgesehene Mechanismus zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen Investoren und Staaten sei mit dem Unionsrecht vereinbar.
Einige Zeit war unklar, ob die Zustimmung der nationalen Parlamente der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten notwendig ist. Nach Ansicht der EU-Kommission handelt es sich um ein rein in den Kompetenzbereich der EU fallendes Abkommen und CETA müsse daher nicht von den Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. Die Handelsminister der EU widersprachen dieser Ansicht mit der Begründung, Teile des Abkommens fielen in den Zuständigkeitsbereich der Mitgliedsstaaten, weshalb es sich um ein sogenanntes gemischtes Abkommen handle, dessen Vertragspartner neben der EU auch die Mitgliedsstaaten werden müssten, die Entscheidung müsse einstimmig fallen.
In Deutschland teilen die Beurteilung des CETA als ein gemischtes Abkommen der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages wie auch das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Italien stützte jedoch die Ansicht der EU-Kommission.
EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström verkündete am 5. Juli 2016, dass – entgegen einem anders lautenden juristischen Gutachten – das Handelsabkommen mit Kanada von der Kommission nicht als reine EU-Angelegenheit eingestuft werde und somit die nationalen Parlamente über das Abkommen ebenfalls mit abstimmen müssen, damit dieses für die EU in Kraft tritt. Vollständig und definitiv tritt CETA damit erst in Kraft, wenn seitens der EU auch alle nationalen – und teils regionalen – Parlamente den Vertrag ratifiziert haben.
Mit Stand September 2026 haben erst 18 Staaten das Abkommen ratifiziert.: Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Spanien und Tschechien sowie 2018 das am 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union ausgeschiedene Vereinigte Königreich.
| Staat | Ratifiziert | Datum | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Nein | Das kanadische Unterhaus stimmte dem Abkommen am 14. Februar, der Senat am 11. Mai 2017 zu. Am 16. Mai 2017 trat das Zustimmungsgesetz durch Royal Assent in Kraft. Die Modalitäten für die vorläufige Anwendung von CETA in Kanada wurden anschließend durch einen Erlass des Ministerrats festgelegt. Kanada kann das Abkommen durch einen weiteren Erlass des Ministerrats endgültig ratifizieren, sobald alle EU-Mitgliedstaaten CETA ratifiziert haben. | ||
| Nein | Das Europäische Parlament stimmte am 15. Februar 2017 für das Abkommen. Die Ratifikation durch den Rat der EU steht allerdings noch aus. | ||
| Ja | 23.05.2019 | ||
| Nein | |||
| Nein | |||
| Ja | 09.11.2017 | Das kroatische Parlament stimmte bereits am 30. Juni 2017 für das Abkommen, die Notifikation durch die Regierung erfolgte aber erst im November. | |
| Ja | 16.11.2017 | Der tschechische Senat stimmte am 20. April 2017 zu, das Abgeordnetenhaus am 13. September 2017. | |
| Nein | Das zypriotische Parlament lehnte die Ratifikation am 31. Juli 2020 ab. | ||
| Ja | 01.06.2017 | ||
| Ja | 10.11.2017 | ||
| Ja | 03.01.2019 | ||
| Nein | Die Nationalversammlung stimmte am 23. Juli 2019 zu, der Senat jedoch bisher nicht. | ||
| Ja | 01.12.2022 | Der Deutsche Bundestag stimmte am 1. Dezember 2022 zu. Das Zustimmungsgesetz wurde am 19. Januar 2023 zusammen mit dem Text des Abkommens und dessen Anlagen verkündet. | |
| Nein | |||
| Nein | |||
| Nein | |||
| Nein | |||
| Ja | 09.03.2017 | Die Saeima stimmte am 23. Februar 2017 zu. | |
| Ja | 17.05.2018 | Die Seimas stimmte am 24. April 2018 zu. | |
| Ja | 10.06.2020 | ||
| Ja | 26.07.2017 | ||
| Ja | 12.07.2022 | Die Zweite Kammer (Abgeordnetenhaus) stimmte am 18. Februar 2020 zu, die Erste Kammer (Oberhaus) am 12. Juli 2022. | |
| Nein | |||
| Ja | 31.01.2018 | ||
| Ja | 02.12.2020 | ||
| Ja | 28.11.2019 | ||
| Nein | |||
| Ja | 13.12.2017 | ||
| Ja | 09.10.2018 | ||
| Ja | 08.11.2018 | Mit dem Brexit ist auch CETA nicht mehr anwendbar. |
Laut EU-Kommission entfallen „mehr als 99 %“ der Zölle durch das Abkommen. Normen und Vorschriften (sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse) sollen gegenseitig anerkannt oder angeglichen werden, was sich u. a. für die Automobilbranche positiv auswirken soll. Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sollen sich auf allen Verwaltungsebenen auch europäische Unternehmen in Kanada bewerben können. Weiterhin soll es Unternehmen erleichtert werden, Angestellte vorübergehend in ein Partnerland zu versetzen, und berufliche Qualifikationen sollen gegenseitig anerkannt werden. Unter dem Schlagwort „Nachhaltige Entwicklung“ sollen außerdem Umwelt- und Sozialrechte berücksichtigt werden.
Die landwirtschaftlichen Ausfuhren der EU nach Kanada belaufen sich auf jährlich 2,9 Milliarden Euro, damit hat die EU einen Exportüberschuss gegenüber Kanada. Fast alle Zölle auf landwirtschaftliche Produkte sollen beseitigt werden und auch der Handel mit sogenannten „empfindlichen Waren“, d. h. vor allem Export von Milchprodukten nach Kanada und Import von Schweine- und Rindfleisch in die EU, soll ausgeweitet werden. Konkret wird Kanada 90,9 % der Zölle auf Agrarimporte aus der EU abschaffen, nach sieben Jahren 91,7 %. Die EU ihrerseits wird 92,2 % aller Zölle auf Importe landwirtschaftlicher Produkte aus Kanada abschaffen, nach sieben Jahren 93,8 %. Die wichtigsten Quoten sind die Käsequote für die EU (die EU darf zusätzlich 18.500 Tonnen ausführen, laut EU werden die Ausfuhren um 128 % steigen und der Marktanteil von Käse aus der EU in Kanada auf 4 % steigen), die Rindfleischquote (45.853 Tonnen für Rindfleisch aus Kanada) und die Quote für Schweinefleisch (zusätzlich 75.000 Tonnen für kanadisches Schweinefleisch). Geflügel und Eier sind von der Liberalisierung ausdrücklich ausgenommen. Die Abschaffung von Zöllen spielt aus landwirtschaftlicher Sicht eine besondere Rolle: Kanada erhob 2007 im Durchschnitt lediglich Zölle in Höhe von 3,5 % auf Einfuhren aus der EU, die EU wiederum erhob 2007 auf Einfuhren aus Kanada Zölle in Höhe von 2,2 %. Bei bestimmten landwirtschaftlichen Produkten aber liegen die Zölle besonders hoch, so erhebt Kanada Zölle in Höhe von 245,6 % auf Käse, die EU wiederum erhebt Zölle auf Rindfleisch aus Kanada in Höhe von 407,8 %. Auch der Bereich Wein und Spirituosen bildet einen wichtigen Teil der Ausfuhren nach Kanada und soll durch das Abkommen wachsen. Wein und Spirituosen machten 2016 insgesamt 40 % der Agrarausfuhren der EU nach Kanada aus. Die EU hat bei Wein und Spirituosen einen Handelsüberschuss, mit CETA werden verschiedene Handelshemmnisse für Wein und Spirituosen (u. a. die Vorschrift nicht abgefüllte importierte Spirituosen mit kanadischen Spirituosen zu mischen) abgeschafft sowie ein gemeinsames Forum eingerichtet. Kanadischer Fisch soll leichter auf den europäischen Markt kommen und die Kontrollen der Fischerei verbessert werden. Geographische Angaben für Lebensmittel aus der EU werden durch das Abkommen auch in Kanada geschützt. Beide Seiten versuchen ihre heimischen Landwirte zu schützen, sodass laut einem Zeitungsbericht sogar Ausfuhrquoten im Gespräch waren.
Kritik bezieht sich hier auf die unterschiedlichen Herstellungsstandards und Regulierungen in der EU und Kanada. So dürfen Rinder in Kanada mit Hormonen behandelt werden, in der EU jedoch nicht, was zunächst zu der Befürchtung führte, dass bisher nicht zugelassenes Fleisch auf dem europäischen Markt verkauft werden könnte. Mit dem Freihandelsabkommen CETA werden die Lebensmittelstandards der EU aber nicht berührt, Produkte aus Kanada müssen weiterhin den gleichen europäischen Anforderungen entsprechen wie zuvor auch.
Das Abkommen soll den Schutz geistigen Eigentums in Bezug auf Patente, Marken, Muster, Modelle und Urheberrecht verbessern, wobei besonders die Verbesserung des Schutzes von Arzneimittelrechten in Kanada und die geographischen Herkunftsbezeichnungen von Lebensmitteln betont werden.
Im Dezember 2009 wurde das Kapitel über geistiges Eigentum aus den CETA-Verhandlungen bekannt und es wurden Überschneidungen mit ACTA festgestellt, was zu einer Welle von Kritik geführt hat. Als Reaktion auf den Leak von 2009 erklärte die Kommission im Oktober 2013, dass die Ablehnung des ACTA-Abkommens durch das EU-Parlament im Juli 2012 berücksichtigt werde und das Three-Strikes-Prinzip und ein Auskunftsanspruch auf Ermittlung von IP-Adressen von Rechtsverletzern (Artikel 27.3. und 27.4.), die in ACTA vorgesehen waren, aus den CETA-Verhandlungen ausgenommen wurden.
Laut EU-Kommission sollen ausländische Investitionen erleichtert und die in CETA enthaltenen Investitionsschutzverpflichtungen „durch einen modernen und wirksamen Mechanismus zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen Investoren und Staaten gestützt“ werden.
Zum Schutz von Investitionen sieht das Abkommen die Möglichkeit der Anrufung von öffentlich legitimierten Schiedsgerichten vor, die mit nicht-staatlichen Richtern besetzt sind und für den beklagten Staat bindende Entscheidungen über Schadensersatzzahlungen fällen können. Die Gerichte ersetzen die traditionellen nichtöffentlichen Schiedsgerichte, die mit Schiedsrichtern ad hoc von den jeweiligen Streitparteien benannt werden. Auch viele andere Handelsabkommen (z. B. das zurzeit verhandelte TTIP) enthalten Investitionsschutzklauseln und sehen die Anrufung von Schiedsgerichten vor, um Streitigkeiten zwischen Unternehmen und Staaten beizulegen, was bei TTIP zu heftiger Kritik geführt hat. Ein Missbrauch dieses Systems soll bei CETA unter anderem verhindert werden durch:
In einer Fassung von Anfang 2016 sah CETA zunächst einen ständigen „Investitionsgerichtshof“ mit 15 Mitgliedern vor, die von Kanada und der EU ernannt werden, sowie öffentliche Verfahren mit Berufungsinstanz. In der Fassung von Mitte 2018 soll es je ein Drittel europäische, kanadische und unabhängige Richter geben, die Amtszeit dieser Richter soll fünf Jahre betragen, und in dieser Zeit dürfen die Richter nur in einem einzigen Streitfall zwischen Investor und Staat entscheiden. Das soll die Unabhängigkeit des Gerichts fördern. Es gibt die Absicht, den bilateralen Investitionsgerichtshof später in einen multilateralen Investitionsgerichtshof (englisch: Multilateral Investment Court) umzuwandeln, in dem dann auch Verfahren anderer Freihandelsabkommen verhandelt werden könnten, bspw. das Freihandelsabkommen zwischen Vietnam und der Europäischen Union.
Laut EU-Kommission war Kanada 2012 mit einem Anteil von 1,8 % am gesamten EU-Außenhandel der zwölftwichtigste Handelspartner der EU. Auf der Grundlage der Zahlen von 2011 entfielen auf die EU 10,4 % des gesamten kanadischen Außenhandels, was sie zum zweitwichtigsten Handelspartner Kanadas nach den USA machte. Der bilaterale Warenverkehr zwischen der EU und Kanada belief sich 2012 auf 61,8 Milliarden Euro. Bei den Warenausfuhren aus der EU nach Kanada handelte es sich vorwiegend um Maschinen, Fahrzeuge und Chemikalien. 2011 beliefen sich die Investitionen der EU in Kanada auf rund 220 Milliarden Euro und kanadische Investitionen in der EU auf knapp 140 Milliarden Euro.
Historische Daten des Handels mit Gütern zwischen Kanada und der EU:
Die EU-Kommission prognostizierte, dass das „bilaterale Handelsvolumen bei Waren und Dienstleistungen um 22,9 %, das heißt 25,7 Milliarden Euro“ steigen werde. Die Zollersparnis für Exporteure aus der EU belaufe sich insgesamt auf ca. 500 Millionen Euro pro Jahr. Das Abkommen werde die Beschäftigung in Europa erhöhen und Wachstum von bis zu 11,6 Milliarden Euro pro Jahr, davon 5,8 Milliarden im Bereich der Dienstleistungen, zur Folge haben.
Zudem ging die Kommission davon aus, dass mit jeder zusätzlichen Milliarde Wachstum rund 14.000 Jobs entstehen werden, also etwa 160.000 Arbeitsplätze pro Jahr mehr entstehen würden, als ohne das Abkommen.
Die Verbraucherzentralen gingen davon aus, dass es langfristig zu einer größeren Produktauswahl zu geringeren Preisen kommen wird.
Laut einer im November 2025 von der EU-Kommission vorgelegten Bilanz brachte das Handelsabkommen einen deutlichen Anstieg der Exporte. Der bilaterale Handel stieg von 64 Mrd. Euro im Jahr 2016 auf 123 Mrd. Euro im Jahr 2023. Im Jahr 2025 belief sich der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen der EU und Kanada auf über 130 Mrd. Euro. Der Warenhandel erhöhte sich zwischen 2016 und 2024 um etwa 76 %, Dienstleistungen um 90 %. Einer Ex-post-Evaluierung des CETA zufolge ist das BIP der EU aufgrund des Abkommens jährlich um 3,2 Mrd. € gestiegen.
Für den EU-Arbeitsmarkt stieg die Beschäftigung im Textilbereich um 0,28 %, in der Automobilindustrie um 0,09 %. In Kanada stiegen die Beschäftigtenzahlen im Schiffbau und Wassertransportwesen um 1,64 % an.
Der Export von Fleischprodukten aus der EU nach Kanada hat sich seit 2017 um 188 % erhöht, von Milchprodukten um 62 %. Zu einem wichtigen landwirtschaftlichen Exportgut der EU entwickelten sich auch Wein und Trauben. Die Exporte aus Kanada in die EU stiegen bei Fisch und Krustentieren um 65 %, bei Ölsaaten um 44 % und bei Getreide um 21 %; wichtigstes landwirtschaftliches Importgut der EU aus Kanada sind Sojabohnen.
Zwischen Kanada, den USA und Mexiko besteht bereits das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA). Durch das CETA-Abkommen soll es EU-Ländern möglich sein, mit US-amerikanischen Unternehmen auf dem kanadischen Markt zu konkurrieren. Andererseits wird befürchtet, dass auch Unternehmen der drei nordamerikanischen Länder auf dem europäischen Markt an Einfluss gewinnen.
CETA galt als Blaupause für das geplante Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP).
Vor dem Hintergrund des Handelskrieges 2026 Zischen den USA und Kanada drohte US-Präsident Donald Trump am 16. September 2026 im Zusammenhang mit einer geplanten weiteren wirtschaftlichen Annäherung zwischen Kanada und der Europäischen Union (EU) mit weiteren Zöllen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen hatte vorgeschlagen, Kanada zum ersten „assoziierten Mitglied“ der EU zu machen. Trump sagte dazu „Wenn sie das tun und ich das auch nur im Geringsten als feindseligen Akt betrachte, werde ich sehr hohe Zölle verhängen oder den Handel mit Europa einstellen.“ Er bezeichnete Kanada als „schrecklichen Handelspartner“. Der kanadische Premierminister Mark Carney antwortete auf die Aussage vom Trump am 17. September 2026 in einer Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Carney unterstützte den Vorschlag, sein Land enger an die EU zu binden. Hintergrund sei auch der eskalierende Handelsstreit mit den USA. Er sagte: „Wir wollen widerstandsfähiger werden, damit niemand unsere offenen Märkte kontrollieren, unsere Souveränität beeinträchtigen, unsere territoriale Unversehrtheit bedrohen oder unsere Freiheiten, unsere Demokratien und unsere Rechtsstaatlichkeit untergraben kann.“ Er betonte, dass es nicht darum gehen würde, einen dritten Block zu schaffen, der zu einem Rivalen der Großmächte werden solle. Kanada und die EU würden nicht nach Macht streben, um andere zu beherrschen. Die genaue Ausgestaltung der Beziehung zwischen Kanada und der EU war zu diesem Zeitpunkt aber noch offen. Neben der assoziierten Mitgliedschaft war auch eine Vollmitgliedschaft oder eine Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) vorstellbar. Der Militärökonom Marcus M. Keupp hielt als Folge des Irankieges am 17. September 2026 eine engere Verbindung der EU zu Kanada, wie sie zu diesem Zeitpunkt von beiden Seiten begrüßt wurde für vielversprechend.
Die Linkspartei, die Partei Die Grünen sowie der DGB kritisierten die Sonderrechte und Privilegien beim gerichtlichen Klagerecht für die Konzerne.
Am 25. September 2014 sprach sich Sigmar Gabriel, damaliger Bundesminister für Wirtschaft und Energie, in einer Bundestagsdebatte grundsätzlich für CETA aus, bezeichnete aber den ausgehandelten Investitionsschutz als „nicht erforderlich“ zwischen „entwickelten Rechtssystemen“ wie denen Kanadas und der EU. Gabriel zitierte zustimmend den neuen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker:
Am 19. September 2016 ermächtigte der SPD-Parteikonvent (Kleiner Parteitag) in Wolfsburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit 2/3 von 220 Stimmen Sigmar Gabriel zur Zustimmung zu CETA innerhalb der Bundesregierung. Einige Landesverbände der SPD wie Bayern oder Bremen sowie Parteilinke positionierten sich jedoch gegen CETA.
Die AfD nahm eine ablehnende Haltung gegenüber dem Abkommen ein.
Die CDU und FDP befürworteten den Handelsvertrag. Sowohl Peter Tauber, damaliger CDU-Generalsekretär, als auch Nicola Beer, damalige FDP-Generalsekretärin, hoben hervor, dass durch das Zustandekommen des CETA-Abkommens die Möglichkeit gegeben sei, die Globalisierung aktiv zu gestalten. Zudem werden unter anderem das Anknüpfen an den internationalen Handel sowie Arbeitsplätze als Gründe für das Abkommen benannt.
In Deutschland ließ eine von mehr als 125.000 Menschen gestellte Verfassungsbeschwerde durch das Bundesverfassungsgericht am 13. Oktober 2016 überprüfen, ob die vorläufige Anwendbarkeit mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist. Dies hat das Bundesverfassungsgericht grundsätzlich bejaht; die Bundesregierung müsse allerdings sicherstellen,
CETA wird seit 2017 vorläufig angewandt, ohne die Regeln zum Investitionsschutz. Ein Antrag der FDP, CETA zu ratifizieren, wurde am 14. Juni 2018 vom Bundestag abgelehnt. Andreas Lämmel (MdB) verwies dabei auf ein laufendes Verfahren beim Bundesverfassungsgericht.
Das Bundesverfassungsgericht wies im März 2021 eine Klage der Linkspartei gegen die vorläufige Anwendung ab. Mit Beschluss vom 9. Februar 2022 hat der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts mehrere weitere Verfassungsbeschwerden und einen Antrag im Organstreitverfahren zur vorläufigen Anwendung des Freihandelsabkommens als unbegründet zurückgewiesen.
Der Deutsche Bundestag stimmte daraufhin am 1. Dezember 2022 dem Abkommen zu. Das Zustimmungsgesetz wurde am 19. Januar 2023 zusammen mit dem Text des Abkommens und dessen Anlagen verkündet.
Am 24. September 2014 wurde CETA im österreichischen Nationalrat diskutiert, nachdem die Grünen eine dringliche Anfrage an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner eingebracht hatten. Alle Fraktionen äußerten sich hierbei zu verschiedenen Aspekten des Abkommens kritisch, wobei die Regierungsparteien sowie NEOS und Team Stronach es prinzipiell verteidigten. Schließlich wurde mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und Die Grünen ein Entschließungsantrag angenommen, in dem gefordert wird, dass
Am 11. Mai 2016 gaben die österreichischen Bundesländer in der Landeshauptleutekonferenz, also als ein föderales Gremium, eine bindende „einheitliche Stellungnahme“ gemäß Art. 23d Abs. 2 B-VG ab, die Wirtschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner aufforderte, CETA nicht zuzustimmen, solange u. a. eine vorläufige Anwendbarkeit vorgesehen ist.
Christian Kern (SPÖ), Bundeskanzler von Mai 2016 bis Dezember 2017, lehnte CETA ab und ließ die SPÖ-Mitglieder befragen.
Im September 2016 wurde die Abhaltung eines Volksbegehrens genehmigt, das eine verpflichtende Behandlung der beiden Abkommen CETA und TTIP durch das Parlament beinhaltet. Initiatoren des Begehrens waren mehrere SPÖ-Bürgermeister aus Niederösterreich.
Im Juni 2018 wurde das umstrittene Abkommen vom Österreichischen Nationalrat ratifiziert. Die für die Ratifizierung benötigte Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten der Republik Österreich nahm Bundespräsident Van der Bellen zunächst nicht vor und erklärte dazu: „Ich habe den Staatsvertrag zu CETA, wie es meiner Aufgabe als Staatsoberhaupt entspricht, ausführlich und gewissenhaft geprüft. Das Ergebnis dieser Prüfung ist mit einem Vorbehalt positiv ausgefallen. Es gibt Zweifel, ob die Schiedsgerichte mit EU-Recht konformgehen. Sollte der EuGH entscheiden, dass CETA mit dem Unionsrecht vereinbar ist, werde ich den Staatsvertrag umgehend unterzeichnen.“ Am 30. April 2019 erklärte Van der Bellen über Twitter, den Staatsvertrag zu CETA unterschreiben zu wollen, nachdem der EuGH entschieden hatte, dass CETA mit EU-Recht vereinbar sei. Am 23. Mai wurde der Europäische Rat über die Ratifizierung informiert.
(Quellen:)
Mitte Oktober 2016, kurz vor der geplanten Unterzeichnung des Abkommens durch EU und Kanada am 27. Oktober 2016, teilte Belgien mit, dass das Land dem Abkommen nicht zustimmen kann. Die belgische Föderalregierung befürwortete zwar das CETA-Abkommen, doch braucht sie in solchen Fällen auch das Einverständnis der Regierungen aller belgischen Regionen und Sprachgemeinschaften.
Die niederländischsprachigen Flamen und ihre Regierung, wie auch die deutschsprachige Gemeinschaft, befürworteten das Abkommen – die deutschsprachige Gemeinschaft „hielt aber ihre Zustimmung vor“. Hingegen lehnten das Parlament der Französischen Gemeinschaft, das Parlament und die Regierung Walloniens von Ministerpräsident Paul Magnette (PS) sowie das Parlament und die Regierung der Hauptstadtregion Brüssel das Abkommen ab. Das Regionalparlament der französischsprachigen Wallonie, des südlichen Landesteils, verabschiedete am 14. Oktober 2016 mit großer Mehrheit eine Motion gegen CETA. Darin ersuchte es die Regionalregierung, der Föderalregierung die Zustimmung zur Unterzeichnung des Abkommens zu verweigern und Nachverhandlungen zu fordern. Zur Begründung verwiesen die Abgeordneten unter anderem auf Gefahren für die Landwirtschaft sowie den Umwelt- und Sozialschutz. Das Parlament der Fédération Bruxelles-Wallonie, der frankofonen Sprachgemeinschaft Belgiens, hieß am 12. Oktober 2016 eine ähnliche Resolution gut. Auch das Parlament der zweisprachigen Hauptstadtregion Brüssel sprach sich – bereits am 8. Juli 2016 – gegen CETA aus, danach auch ihre Regierung. Bei der Ablehnung des Abkommens kamen auch innenpolitische Gründe zutage, da die Wallonie und die Hauptstadtregion Brüssel den wirtschaftlich schwächeren Teil Belgiens mit überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit bilden.
Am 27. Oktober 2016 erzielten die Ministerpräsidenten der belgischen Regionen und Sprachgemeinschaften nach tagelangen Verhandlungen eine Einigung mit der Föderalregierung – sie vereinbarten unter anderem eine Erklärung des belgischen Staats, die die Sorgen der Wallonie unter anderem auch zur geplanten Investitionsgerichtsbarkeit und zu den Auswirkungen von CETA auf die Landwirtschaft beinhaltet. Am 28. Oktober gab das Regionalparlament der belgischen Wallonie dem Handelsvertrag ihre Zustimmung, dabei votierten 58 Abgeordnete für CETA, während 5 gegen den Vertrag stimmten. Auch das Regionalparlament der Hauptstadtregion Brüssel stimmte CETA zu.
Kritik an CETA (frz. AECG) äußerten vor allem Vertreter der Landwirte und der Winzer.
Die Nationalversammlung des Landes stimmte dem Abkommen am 23. Juli 2019 mit 266 gegen 213 Stimmen zu, damit war die erste Stufe des Gesetzgebungsverfahrens bewältigt. Im März 2024 änderte der Senat den Gesetzentwurf ab und lehnte die Ratifizierung von CETA ab. Bis zum 31. August 2025 war der geänderte Gesetzentwurf noch nicht zur Beratung an die Nationalversammlung zurückverwiesen worden.
Am 18. Februar 2020 stimmte das Unterhaus des niederländischen Parlaments der Ratifizierung zu. Die notwendige Mehrheit im Oberhaus gab es zunächst noch nicht. Erst zwei Jahre später, am 12. Juli 2022, stimmte das Oberhaus dem Ratifizierungsgesetz zu.
Tschechien, Bulgarien und Rumänien meldeten zunächst ihren Vorbehalt zu CETA an – sie forderten von Kanada die Liberalisierung der Visabestimmungen für ihre Bürger. Zu Beginn der CETA-Verhandlungen waren Bulgarien, Rumänien und Tschechien die einzigen EU-Mitgliedsländer, die vom Zugang zu Kanadas Besuchervisa (Temporary Resident Visas / Visas de résidence temporaire) ausgeschlossen waren. Kanada sicherte ihnen diese zwar zu, doch unter Vorbehalt einer Zustimmung der EU zu CETA.
Die Bestimmungen wurden am 14. November 2013 für Tschechien und am 1. Dezember 2017 für Bulgarien und Rumänien aufgehoben, die drei Staaten gaben daraufhin ihren Widerstand gegen das Abkommen auf.
CETA wurde in Kanada vom Kabinett Trudeau befürwortet, ebenso vom von 2006 bis 2015 regierenden Kabinett Harper, in dessen Regierungszeit das Abkommen maßgeblich ausgehandelt wurde.
Das kanadische Unterhaus stimmte dem Abkommen am 14. Februar, der Senat am 11. Mai 2017 zu, am 16. Mai 2017 trat das Zustimmungsgesetz durch Royal Assent in Kraft. Die Modalitäten für die vorläufige Anwendung von CETA in Kanada wurden anschließend durch einen Erlass des Ministerrats festgelegt. Kanada kann das Abkommen durch einen weiteren Erlass des Ministerrats endgültig ratifizieren, sobald alle EU-Mitgliedstaaten CETA ratifiziert haben.

CETA wird von einer Reihe von Nichtregierungsorganisationen abgelehnt. In Deutschland zählen dazu attac, der BUND, Campact, und Mehr Demokratie.
Der Versuch einer Koalition von insgesamt über 300 europäischen NGOs, eine Europäische Bürgerinitiative gegen CETA zu initiieren, wurde 2014 von der Europäischen Kommission mit der Begründung abgelehnt, die Verhandlungen zu Freihandelsabkommen seien kein Rechtsakt, der mit einer Bürgerinitiative angegriffen werden kann. Dagegen erhob die Initiative Klage beim Europäischen Gerichtshof. Der Europäische Gerichtshof urteilte, dass es nicht rechtens von der EU-Kommission war, die Bürgerinitiative nicht zuzulassen. Diese sei keine „unzulässige Einmischung“, sondern löse eine „legitime politische Debatte“ aus. Das Bündnis der NGO startete eine Unterschriftenkampagne. Bis zum 6. Oktober 2015 wurden unter dem Slogan Stopp-TTIP europaweit über 3,28 Mio. Unterschriften gesammelt. Bei einer Demonstration am 10. Oktober 2015 in Berlin sprachen sich nach Angaben der Veranstalter 250.000 Menschen gegen CETA und TTIP aus.
Am 17. September 2016 protestierten in sieben Großstädten in Deutschland laut Behörden und Polizei 198.000 Menschen gegen CETA und TTIP. In Österreich zählten die Veranstalter etwa 25.000 Teilnehmer am Aktionstag, vorwiegend in Wien, aber auch in anderen Landeshauptstädten.
Auf kanadischer Seite schlossen sich mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen im Trade Justice Network zusammen und kritisierten das Abkommen in einer gemeinsamen Erklärung. Sie warfen der kanadischen Regierung vor, die Öffentlichkeit gezielt über Inhalt und Folgen des Abkommens zu täuschen.
Kanadische Organisationen kritisierten u. a. die Gleichbehandlung europäischer Unternehmen bei öffentlichen Ausschreibungen, weil sie die Möglichkeit der Förderung lokaler Firmen untergrabe. Durch „Ratchet“-Klauseln würden aktuelle und zukünftige Privatisierungen festgeschrieben, die abschließende Ausnahmeliste könnte Regierungen von der Einführung neuer öffentlicher Dienstleistungen abhalten.
Auch das Investitionsschutzkapitel ist umstritten: Es sei nicht sichergestellt, dass neue Regulierungsmaßnahmen für den Finanzmarkt nicht vor Schiedsgerichten angefochten werden können. Die entsprechende Ausnahmeklausel sei deutlich schwächer ausgestaltet als unter NAFTA. Auch bestehende und zukünftige Umweltschutzgesetze seien durch die Möglichkeit von Investor-Staat-Klagen bedroht (siehe Abschnitt Investitionsschutz).
In Kanada war auch die Änderung des Arzneimittelrechts umstritten, da durch die Verlängerung des Patentschutzes für Medikamente höhere Kosten für das staatliche Gesundheitssystem befürchtet wurden.
Gegen die Unterzeichnung, Ratifikation und Umsetzung von CETA durch die kanadische Regierung wurde vor dem kanadischen Bundesgericht Klage eingereicht, die jedoch keinen Erfolg hatte.
Kritisiert wurden insbesondere die Bestimmungen für das Investor-State Dispute Settlement (ISDS). Laut Kritikern könnten damit Konzerne z. B. wegen missliebiger Klauseln im Patent- oder Urheberrecht Nationalstaaten verklagen und gegen umfangreichere Nutzungsfreiheiten vorgehen. Die Kritiker sehen darin die Etablierung einer von den Konzernen abhängigen „Paralleljustiz“. In einer gemeinsamen Erklärung kritisierten mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen aus Kanada und Europa den Investitionsschutz-Teil von CETA als Untergrabung der Demokratie.
Es wurde gefordert, dass
Die erste Forderung entspricht auch den im April 2014 veröffentlichten optionalen Regeln der UNCITRAL zur Transparenz in Investitionsschiedsverfahren, die ebenfalls bezüglich solcher Schiedsgerichtsverfahren Transparenz von Dokumenten und bei Anhörungen vorsehen. Diese Regeln sind nach dem aktuell veröffentlichten Stand des Abkommens in allen auf ihm basierenden Schiedsverfahren anwendbar.
Im Februar 2015 fällten sozialdemokratische Handels- und Wirtschaftsminister der EU einen Beschluss mit Forderungen zur Verbesserung des Investitionsschutzregimes in CETA. Gefordert wurde unter anderem, dass Staaten weiter in der Lage sein müssen, ihre Staatsschulden zu restrukturieren, Banken abzuwickeln und Menschenrechte, Kultur und Umwelt zu schützen. Befürwortet wurde außerdem die Einrichtung eines Berufungsmechanismus und eines ständigen Sekretariats, was zur Bildung eines Investitionsgerichtshofes führen könnte.
Ende Februar 2016 verkündete die EU-Kommission, sich mit Kanada geeinigt zu haben, in CETA anstelle von Schiedsgerichten ein institutionalisiertes internationales Streitbeilegungsgremium mit Möglichkeit der Berufung vorzusehen.
In der CETA-Endfassung vom 29. Februar 2016 ist in Art. 8.9 Investment and regulatory folgende Formulierung zu finden:
„It is also explicitly foreseen that Governments can change their laws, including in a way that affects investors’ expectations of profit and that the application of EU’s state aid law does not constitute a breach of investment protection standards.“
Eine entschädigungspflichtige „indirekte Enteignung“ liege dann vor, wenn
„(…) [the investor] is substantially deprived of the fundamental attributes of property such as the right to use, enjoy and dispose of its investment (…) The sole fact that a measure increases costs for investors cannot give rise in itself to a finding of expropriation“
Campact kritisierte sogenannte Lock-in- oder Ratchet-Klauseln, mit der sich EU und Kanada gegenseitig verpflichten, bisher durchgeführte Deregulierungen und Privatisierungen nicht mehr rückgängig zu machen. Die EU-Kommission verweist darauf, dass die Ratchet-Klausel in „kritischen oder sensiblen“ Sektoren wie Abfallentsorgung und öffentlichem Verkehrswesen nicht anwendbar ist.
Wortlaut als Anhang zum Zustimmungsgesetz in BGBl. 2023 II Nr. 9 nebst Anlageband zu BGBl. 2023 II Nr. 9
“Assessing the costs and benefits of a closer EU-Canada economic partnership – A Joint Study by the European Commission and the Government of Canada (…) in response to a request formulated by Leaders at the 2007 EU-Canada Summit”
„Einschätzung der Kosten und Vorteile engerer wirtschaftlicher Partnerschaft EU-Kanada – Gemeinsame Studie der Europäischen Kommission und der Regierung Kanadas (…) auf Antrag der Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfeltreffen EU-Kanada [in Berlin, 4. Juni] 2007“
Text des CETA-Abkommens
“Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) between Canada, of the one part, and the European Union [and its member states, The Kingdom of Belgium, The Republic of Bulgaria, The Czech Republic, The Kingdom of Denmark, The Federal Republic of Germany, The Republic of Estonia, Ireland, The Hellenic Republic, The Kingdom of Spain, The French Republic, The Republic of Croatia, The Italian Republic, The Republic of Cyprus, The Republic of Latvia, The Republic of Lithuania, The Grand Duchy of Luxembourg, Hungary, The Republic of Malta, The Kingdom of the Netherlands, The Republic of Austria, The Republic of Poland, The Portuguese Republic, Romania, The Republic of Slovenia, The Slovak Republic, The Republic of Finland, The Kingdom of Sweden, The United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland]. of the other part.”
Generaldirektion Handel – ausführliche Erläuterungen zu CETA, die jedoch ohne Veröffentlichungsdatum zur Verfügung gestellt wurden. Dabei handelt es sich um folgenden Erläuterungen:
Infos / Memos / Pressemitteilungen
Info (neutral)
Kritiker, Gegner
Medien – Thema CETA