Wechselburg

Wappen Deutschlandkarte
Wechselburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wechselburg hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 51° 0′ N, 12° 47′ OKoordinaten: 51° 0′ N, 12° 47′ O
Bundesland:Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 185 m ü. NHN
Fläche: 25,65 km²
Einwohner: 1702 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09306
Vorwahlen: 037384, 037346
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 580
Gemeindegliederung: 13 Ortschaften
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 16
09306 Wechselburg
Website: www.wechselburg.de
Bürgermeister: Daniel Bergert (CDU)
Lage der Gemeinde Wechselburg im Landkreis Mittelsachsen
KarteAltmittweidaAugustusburgBobritzsch-HilbersdorfBrand-ErbisdorfBurgstädtClaußnitzDöbelnDorfchemnitzEppendorfErlau (Sachsen)FlöhaFrankenberg/SachsenFrauenstein (Erzgebirge)FreibergGeringswaldeGroßhartmannsdorfGroßschirmaGroßweitzschenHainichenHalsbrückeHarthaHartmannsdorf (bei Chemnitz)JahnatalKönigsfeld (Sachsen)Königshain-WiederauKriebsteinLeisnigLeubsdorf (Sachsen)Lichtenau (Sachsen)Lichtenberg/Erzgeb.LunzenauMittweidaMühlau (Sachsen)Mulda/Sa.Neuhausen/Erzgeb.NiederwiesaOberschönaOederanPenigRechenberg-BienenmühleReinsberg (Sachsen)RochlitzRossau (Sachsen)RoßweinSaydaSeelitzStriegistalTauraWaldheimWechselburgWeißenborn/Erzgeb.ZettlitzSachsen
Karte

Wechselburg ist eine Gemeinde im sächsischen Landkreis Mittelsachsen.

Geographie

Wechselburg: 51. Breitengrad

Wechselburg liegt ca. 12 km westlich der Stadt Mittweida und ca. 25 km nördlich von Chemnitz. Die Gemeinde liegt im Tal der Zwickauer Mulde am Fuße des 353 m hohen Rochlitzer Berges. Unweit des stillgelegten Bahnhofs verläuft der 51. Breitengrad. Im eigentlichen Ort ohne Ortsteile lebten Stand 2009 insgesamt 738 Einwohner. Durch Wechselburg führt die Via Porphyria und der Lutherweg Sachsen.

Ortsteile

Zur Gemeinde gehören die Ortsteile:

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind Königshain-Wiederau und Seelitz sowie die Städte Lunzenau, Penig und Rochlitz. Im Westen grenzt die zum Landkreis Leipzig gehörende Stadt Geithain an.

Geschichte

Die romanische Basilika Hl. Kreuz (Kloster- und Pfarrkirche)
Porphyrbrücke über die Zwickauer Mulde bei Wechselburg

Aus slawischer Zeit (laut Volkmar Geupel und bestätigt durch Keramikfunde aber aus dem Mittelalter) stammt der nahe gelegene Burgstall Wechselburg, eine Höhenburg/Spornburg in Art einer Wallburg. Etwa 1250 m nordwestlich des Schlosses Wechselburg befindet sich in Spornlage über dem Söllichaubach der zweite mittelalterliche Burgstall "Altes Schloß"/"Selche".

Der Ort, als Zschillen (‚Bienenort‘) gegründet, ist eng mit der Gründung des Klosters Zschillen im Jahr 1168 durch Graf Dedo von Rochlitz-Groitzsch für die Augustiner-Chorherren verbunden. Die dazu errichtete Kirche diente auch als Begräbnisstätte der gräflichen Familie. Im Jahr 1278 wurde es dem Deutschen Orden übereignet. Nach der Reformation kam das Kloster 1543 in den Besitz des sächsischen Herzogs Moritz, der es umgehend säkularisierte und die Klostergüter (zusammen mit der Herrschaft Penig) an die Herren von Schönburg gegen die Orte Hohnstein, Wehlen und Lohmen in der Sächsischen Schweiz eintauschte. Daher kam für den Ort Zschillen und die Klosteranlage der Name Wechselburg auf, während Altzschillen seinen ursprünglichen Namen bis heute behalten hat.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Gemeinde mehrfach verwüstet. Nach dem Krieg wurde auf dem Gelände des ehemaligen, verfallenen Klosters das jetzige Schloss Wechselburg errichtet. 1843 gründete die Gräfin Emilie von Schönburg in Wechselburg das erste Diakonissenkrankenhaus in Sachsen. Die Schlossanlage befand sich bis zur Enteignung im Rahmen der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone 1945 im Besitz der Grafen und Herren von Schönburg-Glauchau.

In den 1950er und 1960er Jahren war im Schloss eine TBC-Heilstätte für Kinder, später ein Kinderkrankenhaus und bis 2005 das Fachkrankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht.

Die Geschichte der erneuten Nutzung der seit der Reformation evangelischen Klosterkirche als römisch-katholische Kirche, sowie die wiedererlangte Bedeutung Wechselburgs als Wallfahrtsort, geht auf die Gestattung katholischer Privatandachten in dieser Kirche ab 1843 sowie auf die Konversion des Grafen von Schönburg-Glauchau zum Katholizismus im Jahr 1869 zurück. Darauf folgte zunächst ein jahrzehntelanger Streit: die evangelische Landeskirche verfolgte diese „Rekatholisierung“ argwöhnisch. Die Ereignisse gipfelten im „Wechselburger Kulturkampf“ im Jahr 1900: mittels Polizeieinsatz und Strafandrohungen wurde der Besuch der Fronleichnamsprozession im Schlosspark, damals vermutlich die einzige derartige Veranstaltung im evangelischen Sachsen, durch nicht zum Hausstand des Grafen gehörende Personen unterbunden. Schließlich einigten sich die Schönburger und das zuständige Ministerium; öffentliche katholische Messen durften nun stattfinden. Zur römisch-katholischen Pfarrkirche wurde die (aufgrund der Enteignung nun nicht mehr in Familienbesitz befindliche) Basilika jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie ist seitdem zudem eine von zwei Wallfahrtskirchen auf dem Gebiet des Bundeslandes Sachsens sowie des Bistums Dresden-Meißen. Seit 1992 beherbergt das Schloss wieder ein Kloster. Benediktiner aus dem Kloster Ettal haben im sogenannten kleinen Schloss ein Kloster sowie eine Familien- und Begegnungsstätte eingerichtet, die sich großen Zuspruchs erfreut. Die Kirche wurde 2018 in den päpstlichen Rang einer Basilica minor erhoben.

Eingemeindungen

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Altzschillen1. Mai 1967
Carsdorf20. Juni 1957Eingemeindung nach Mutzscheroda
Corba1. April 1974Eingemeindung nach Göhren
Göhren1. Januar 1994
Göppersdorf1. Juli 1950Eingemeindung nach Nöbeln
Hartha1. Januar 1969Eingemeindung nach Nöbeln
Meusen1. Juli 1950Eingemeindung nach Nöbeln
Mutzscheroda1. Januar 1994
Nöbeln1. Januar 1994
Seitenhain6. April 1972Eingemeindung nach Nöbeln
Zschoppelshain1. Januar 1994Eingemeindung ohne den Ortsteil Winkeln (Eingliederung nach Seelitz)

Einwohnerentwicklung

Grundschule Wechselburg

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

Jahr Einwohner
18341.122
18711.427
18901.340
19101.363
19251.323
19391.186
19461.620
Jahr Einwohner
19501.437
19641.332
19901.222
20002.290
20072.142
20102.045
20112.103
Jahr Einwohner
20122.074
20132.058
20142.026
20152.003
20161.993
20171.956
20181.928
Jahr Einwohner
20191.786
20201.772
20211.770
20221.758
20231.748
20241.726
20251.706

Politik

Gemeinderatswahl 2024
Wahlbeteiligung: 77,1 % (2019: 73,7 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,4 %
30,7 %
9,6 %
8,2 %
n. k.
n. k.
WWG b
BFW
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
 20
 15
 10
   5
   0
  −5
−10
−15
−20
−25
−30
+15,4 %p
+4,6 %p
+9,6 %p
+8,2 %p
−26,4 %p
−11,5 %p
WWG
BFW
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b 
Wechselburger Wählergemeinschaft

Gemeinderat

Die Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 führte zu nebenstehendem Ergebnis für die Zusammensetzung des Gemeinderats. Frühere Wahlen sind tabellarisch aufgelistet.

Gemeinderat ab 2024
1
3
7
1
1 3 7 1 
Insgesamt 12 Sitze
  • SPD: 1
  • WWG: 3
  • CDU: 7
  • FS: 1
letzte Gemeinderatswahlen
Liste 2024 2019 2014
Sitze in % Sitze in % Sitze in %
CDU 7 51,4 5 36,0 8 51,4
Wechselburger Wählergemeinschaft 3 30,7 4 26,1 – –
SPD 1 9,6 – – 1 8,9
Freie Sachsen 1 8,2 – – – –
BFW – – 4 26,4 – –
AfD – – 1 11,5 – –
FWG – – – – 5 36,2
Grüne – – – – – 3,5
Wahlbeteiligung 77,1 % 73,7 % 58,8 %

Bürgermeister

Rathaus Wechselburg

Am 12. Juni 2022 wurde Daniel Bergert (CDU) mit 94,2 % zum Bürgermeister gewählt. Seine Vorgängerin war von 1994 bis 2022 Renate Naumann (CDU).

letzte Bürgermeisterwahlen
Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)
2022 Daniel Bergert Bergert 94,2
2015 Renate Naumann CDU 49,5
2008 63,5
2001 73,7

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Historisches Marktfest

Verkehrsanbindung

Die B 107 führt zwischen den Ortsteilen Göppersdorf und Zschoppelshain durch den Osten des Gemeindegebietes. Der Bahnhof Wechselburg liegt an der Muldentalbahn von Glauchau nach Großbothen, außerdem zweigte hier die Chemnitztalbahn nach Chemnitz ab. Der Betrieb auf diesen Bahnlinien wurde 2002 bzw. 1998 eingestellt.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Personen in Verbindung mit der Gemeinde

  • Graf Alban von Schönburg-Forderglauchau (1804–1864), Besitzer der Herrschaft und des Schlosses Wechselburg
  • Gräfin Emilie von Schönburg-Forderglauchau (1806–1880), geborene Gräfin Jenison-Walworth, errichtete in Wechselburg 1843 das erste Diakonissenhaus in Sachsen und eine Kleinkinderbewahranstalt
  • Karl Gustav Hesse (1795–1851), Mediziner und Schriftsteller
  • Joachim Graf von Schönburg-Glauchau (1929–1998), Jagdautor, Bundestagsabgeordneter der CDU 1990–1994
  • Martin Keller (* 1986), Leichtathletik-Sprinter und Olympiateilnehmer 2008 und 2012

Literatur

Commons: Wechselburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bevölkerung der Gemeinden Sachsens am 31. Dezember 2025 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 15. Mai 2022 (Gebietsstand 01.01.2025). Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 4. Juli 2026. (Hilfe dazu).
  2. ↑ Webseite der Via Porphyria
  3. ↑ Webseite des Lutherwegs Sachsen
  4. ↑ Bodendenkmal mittelalterliche Höhenburg in Spornlage über dem Söllichaubach. Namens "Altes Schloß"/"Selche" bei Wechselburg (S. 71), in Volkmar Geupel: Die geschützten Bodendenkmale im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Hrsg. Heinz-Joachim Vogt, Kleine Schriften des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden, Heft 3, Dresden 1983, ISSN 0232-5446
  5. ↑ Als der Graf katholisch wurde. In: die-tagespost.de. Abgerufen am 26. Juni 2020.
  6. ↑ Bistum Dresden-MeißenWallfahrtsorte. In: bistum-dresden-meissen.de. Abgerufen am 14. Juni 2020.
  7. ↑ Steffen Zimmermann: Papst verleiht Wallfahrtskirche in Wechselburg Ehrentitel: Ostdeutschland hat seine erste „Basilica minor“. In: katholisch.de. 13. November 2018, abgerufen am 13. November 2018.
  8. 1 2 3 4 5 6 7 Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  9. 1 2 3 4 Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  10. 1 2 Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen
  11. ↑ Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse - Wahlen - sachsen.de. Abgerufen am 9. September 2024.
  12. ↑ Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse - Wahlen - sachsen.de. Abgerufen am 9. September 2024.
  13. ↑ Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse - Wahlen - sachsen.de. Abgerufen am 9. September 2024.
  14. ↑ statistik.sachsen.de
  15. ↑ statistik.sachsen.de
  16. ↑ Website des Schienentrabis des Vereins Sächsischer Eisenbahnfreunde e. V.
  17. ↑ Robby Joachim Götze: Graf Alban von Schönburg (1804–1864) in Bildnissen seiner Zeit. In: Schriftenreihe Heft 10, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Glauchau 1994, S. 43.