

Ein Bildstock (, von altdeutsch stock / stoc, ‚etwas in die Höhe Ragendes‘), in Hessen als Heiligenstock, in Österreich und Bayern auch als Marterl oder Marter, Materle, Materla, Wegstock oder Kreuz bezeichnet, in Südostbayern auch Pestsäule, in der Schweiz als Helgenstöckli und in Liechtenstein als Kappile, ist als religiöses Kleindenkmal ein meist an Wegen stehender Pfeiler aus Holz oder Stein, der ein skulpturales oder gemaltes Votiv- oder Andachtsbild (meist das Abbild eines Heiligen, eine Szene mit Heiligen oder des gekreuzigten Christus) trägt.
In den Alpenländern ist die Errichtung und Pflege von Bildstöcken und Marterln eine weitverbreitete Form der Volksfrömmigkeit. Die Motivation ist jener bei Wegkreuzen ähnlich: als Anstoß zum Gebet unterwegs, als Zeichen der Dankbarkeit für überstandene Gefahren oder Seuchen sowie zur Erinnerung an Unglücksfälle.
Bildstöcke sind aus Holz, Stein oder Mauerwerk. Oft werden bei ihnen Blumen niedergelegt oder Kerzen entzündet. Eine andere Bezeichnung für Bildstock ist Breitpfeiler oder Betsäule.
Bildstöcke sind im engeren Sinne Säulen oder Pfeiler, die von einem Aufsatz mit bildlichen Darstellungen (Malerei oder Relief) oder einer Figur oder Figurengruppe, in der Regel aus Stein, bekrönt werden. Der Wiener Franz Hula grenzte sie 1970 von Lichtsäulen (siehe auch: Laterne (Architektur)) ab und meinte damit Säulen oder Pfeiler ohne bildliche Darstellungen, Breitpfeiler oder Heiligenfiguren auf einem Sockel, die entweder auf Kirchfriedhöfen oder außerhalb davon stehen.
Die mittelalterliche freistehende Totenleuchte wurde zur Beleuchtung des Friedhofes im Sinne des Gedenkens an die Toten verwendet. Im Laufe der Zeit entstanden daraus nach Hula kleinere Totenleuchten, die zum Beispiel bei Pestfriedhöfen außerhalb der Ortschaften platziert wurden. Hula hatte diese kleineren Ausführungen 1948 noch als eine Art von Bildstöcken beschrieben, bevor er 1970 dafür den Begriff Lichtstock empfahl.
Im Zweifelsfall schlägt Hula vor, die Begriffe Nischen- oder Tabernakelpfeiler zu verwenden, wenn nicht klar ist, ob es sich um einen Licht- oder einen Bildstock handelt. Diese Unterscheidung wird dadurch erschwert, dass zuweilen auch Mischformen auftreten.
Während Hula Totenleuchten und Lichtstöcken eine Kollektivbedeutung zuschreibt, da das Licht für alle Begrabenen gedacht war, sind Bildstöcke gelegentlich auch Einzelpersonen gewidmet – sie sollten an einen Verunglückten oder einen unbeschadet überstandenen Unfall (Votivbild) erinnern, weshalb sie häufig an Kreuzungen von Straßen und Wegen stehen. Man findet sie auch an alten Pilgerwegen, wie der Via Sacra von Wien nach Mariazell. Bildstöcke und Flurkreuze sind meist in Landkarten (Wanderkarten) verzeichnet und bilden wichtige Orientierungspunkte. Bei Straßenverlegungen werden sie oft mit erheblichem Aufwand an den neuen Straßenverlauf verschoben.
Außer an Unglücke können Bildstöcke auch an Verbrechen erinnern, wie die Mordsäule für den Bischof Konrad von Querfurt beim Würzburger Dom, die laut Hula ein Lichtstock ist.
Hulas Werk zu Totenleuchten und Bildstöcken in Österreich aus dem Jahr 1948 wurde bisher nicht aktualisiert. Es wird jedoch inzwischen kritisiert, dass Hulas Systematik und Theorie zur Entstehung von Bildstöcken aus Totenleuchten nur für Bildstöcke im Alpenraum, besonders in Österreich, gelte und nicht auf andere Landschaften wie Franken übertragen werden kann.
Hula teilte Bildstöcke 1948 nach folgender Systematik ein, in der auch die als „französischer Typ“ bezeichnete Totensäule enthalten war.
Der Leitfaden zur Klein- und Flurdenkmaldatenbank für Niederösterreich und Salzburg übernahm einige der Ansätze Hulas von 1970 und gliederte die Kategorie Bildstöcke folgendermaßen:
Getrennt von der Kategorie der Bildstöcke wird in diesem Leitfaden die Kategorie Marterl, die Säulen, Kreuze und seltener Tafeln auf Bäumen oder Felsen erfasst, auf denen Unglücke beschrieben oder dargestellt sind und die den Betrachter häufig um ein Gebet ersuchen. Es wird ihnen eine gedankliche Verbindung zum Sühnekreuz zugesprochen. Der Leitfaden empfiehlt jedoch, keine Objekte in diese Kategorie aufzunehmen, denen nur durch Überlieferungen eine solche Bedeutung zuerkannt wird. Sie seien nach ihrer äußeren Form zu kategorisieren.
Der Begriff Marterl oder Marter wird häufig verallgemeinernd für Bildstöcke und andere Flurdenkmäler benutzt. Die österreichische/süddeutsche Bezeichnung leitet sich vom Wort Marter/Märtyrer (altgriechisch μάρτυς mártys „Zeuge“, „Blutzeuge“) ab.
Marterl bzw. Martern sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt, wurden jedoch während der Aufklärung verboten. Seit dem späten 19. Jahrhundert werden Marterln aufgestellt, um zum Beispiel an Verkehrsunfälle zu erinnern.

Als Schöpflöffel bezeichnet man insbesondere in der Eifel Tabernakelbildstöcke, die zu den Basaltkreuzen gehören und zum Abstellen der Monstranz oder der Pyxis mit der geweihten Hostie bei Prozessionen dienten. Bildstöcke im engeren Sinne sind sie nicht, weil die Nische normalerweise leer war und allenfalls in neuerer Zeit, als die ursprüngliche Verwendung vergessen war, Figuren hineingestellt wurden. Diese Kleindenkmale stammen zum Teil aus dem späten Mittelalter, überwiegend aber aus der frühen Neuzeit. In Thüringen gibt es bei Arnstadt einen über zwei Meter hohen mittelalterlichen Bildstock mit zwei Nischen, der nach einer, allerdings erst bei Ludwig Bechstein fassbaren Sage einem Riesen als Esslöffel diente (Riesenlöffel).
In Deutschland sind diese religiösen Kleindenkmäler hauptsächlich in Franken, in den katholischen Landesteilen von Baden, Schwaben, in den Alpenländern und den katholischen Gebieten des historischen Eichsfeldes, im Raum Fulda (mit der Rhön), des Münsterlandes, des Rheinlandes sowie der Oberlausitz vorhanden. In Österreich findet man Bildstöcke im Alpenraum und in großer Dichte im Weinviertel, Mühlviertel und Waldviertel. Ähnliche Kleindenkmäler gibt es auch in Südböhmen und Südmähren sowie in anderen ehemaligen Ländern und Gebieten der Donaumonarchie wie etwa Südtirol. Als Zeugnisse deutscher Siedlungsgeschichte im Ofner Bergland bzw. im Pilisgebirge bei Budapest sind zahlreiche Bildstöcke unter anderem in der Gemeinde Sankt Iwan bei Ofen (Pilisszentiván) erhalten geblieben. Im Süden Österreichs, besonders in Kärnten bzw. in Südkärnten, gibt es viele Bildstöcke, die als Wegweiser dienen. Die Darstellung eines Heiligen zeigt den Weg zu einer diesem Heiligen geweihten Kirche. Sie weisen zudem vielfach auf Aspekte der Kärntner slowenischen Kulturgeschichte sowie auf kulturübergreifende Prozesse im Laufe der Geschichte auf.
Auch in einigen Regionen Spaniens und Portugals sind Bildstöcke (peirónes) verbreitet, z. B. in Aragonien.