
Die Dachdeckung oder Dacheindeckung ist die äußerste, Regen und Wetter abwehrende Schicht des Daches, die von der Dachkonstruktion getragen wird. Da bei einer Dachdeckung die Dachhaut aus einzelnen, überlappend aufgelegten Bauteilen besteht, ist sie im Gegensatz zur Dachabdichtung nicht völlig luft- und wasserdicht.
Eine Dachdeckung wird in der Regel nur auf geneigten Dächern ausgeführt, damit senkrecht auftreffendes Wasser an den Übergängen zwischen den einzelnen Deckelementen in Richtung der Dachrinne abfließen kann. Eine Stehfalzdeckung ist aber theoretisch auch mit endlosen Blechbahnen und auf Flachdächern ausführbar. Offene Spalte werden bei der Ausführung der Dacheindeckung minimiert, damit der Wind keine Regentropfen oder Flugschnee unter die Dachdeckung treiben kann. Weniger relevant ist dies, wenn eine zuverlässige Unterdeckung ausgeführt wird.
Gründächer werden meist über einer Dachabdichtung ausgeführt. Es lassen sich aber auch geneigte Dächer begrünen.
Ein älterer mindestens seit dem 17. Jahrhundert bekannter Begriff ist Dachung. Heute versteht man unter dem Begriff Dachdeckung (auch Dacheindeckung) sowohl den Gegenstand als auch das Produkt des Dachdeckers. Eine Neueindeckung des Dachs wird auch als Dachumdeckung bezeichnet. Beim Abriss eines historischen Gebäudes oder wenn Änderungen am Dach vorgenommen werden sollen, kommt es auch vor, dass die vorhandenen Dachziegeln oder -steine aufgehoben und am gleichen oder an einem anderen Gebäude wieder verwendet werden (Umdeckung der Dachziegeln).
Je nach Dachform, Dachneigung, Witterungsbedingungen und planungsrechtlichen Vorgaben kommen verschiedene Materialien und Verarbeitungsformen zum Einsatz.
Um das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern, geben Hersteller und Dachdeckerregeln bestimmte Mindestneigung der Dachkonstruktion vor, abhängig von Ausführungsweise und Material. Flachdächer werden nicht gedeckt, sondern erhalten eine Dachabdichtung.
Historische Dächer waren in aller Regel nicht abgedichtet. Der Raum im Dachstuhl wurde nicht beheizt, nicht als Wohnraum benutzt und war gut belüftet, so dass kleinere Mengen einsickernder oder vom Wind eingetriebener Feuchtigkeit ohne Probleme wieder verdunsten konnten.
Traditionell herrschen regional verschiedene Formem der Dachdeckung vor (z. B. im Münsterland rote Tondachziegel, im Sauerland Schiefersteine). In der modernen Architektur werden viele Ausführungsarten und Materialien eingesetzt, die aber kaum noch regionalen Bezug haben.
Zulässigkeit und Anforderungen an Dacheindeckung sind in den amtlichen Baustofflisten erfasst und in spezifischen europäischen und nationalen Normen geregelt.
Die äußere Schicht der Dachkonstruktion wird als Dachhaut bezeichnet. Unterschieden werden:
Zum Schutz vor UV-Strahlung, mechanischer Beschädigung, Brand oder als ökologische Ausgleichsmaßnahme kann die Dachabdichtung z. B. mit Kies, Holz, Betonplatten oder einer Pflanzschicht abgedeckt werden. Diese Abdeckung wird dadurch nicht zur Dachhaut, sondern zu ihrem Bestandteil. Zum Brandschutz definiert die „DIN 4102-7 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – Teil 7“ dazu die Begriffe „Harte Bedachung“ und „Weiche Bedachung“.
Unter einer „harten Bedachung“ versteht man – im Gegensatz zum feuergefährdeten Weichdach – eine Dacheindeckung, die nach DIN 4102 Teil 4 ausreichend resistent gegen strahlende Wärme und Flugfeuer ist. Damit soll eine Brandausbreitung z. B. vom in Brand stehenden Nachbargebäude verhindert werden. Ist die Dacheindeckung nicht „hart“, müssen größere Abstände zu den Grundstücksgrenzen eingehalten werden. Beispiele harter Bedachung sind:
Obige Formen zählen zu den klassischen historischen Materialien, die seit Jahrtausenden verwendet werden. Modernere Entwicklungen sind:
Weitere, teils historische Dacheindeckungen, die heute im Bauwesen nicht mehr eingesetzt werden:
Bei organischen Materialien haben alle Kulturen auf lokale Vorkommen zurückgegriffen:
Flache Elemente zur Dacheindeckung wie Schindeln und Biberschwanzziegel werden versetzt übereinander und überlappend angeordnet, so dass das durch die Längsfugen eindringende Wasser auf der Oberfläche des Deckungselements der nächsten Reihe abläuft. Das Maß der Überlappung der aufeinanderfolgenden Reihen hängt von der Dachneigung und den Ansprüchen an die Dichtheit des Daches ab. Um Gewicht und Kosten zu sparen, wurden Biberschwänze früher oft nur minimal überlappend verlegt. Zum Ausgleich wurde unter dem dadurch nach unten offenen Bereich der Längsfugen Spliesse oder Docken aus dünnen Holzschindeln, Stroh oder Pappe verlegt.
Dies wird als Einfachdeckung bezeichnet, da sich die Ziegeln hierbei teilweise gar nicht überlappen. Die Einfachdeckung ist heute nur noch üblich, wenn die Form der Ziegel oder die Randverbindung anderer Arten der Dacheindeckung verhindert, dass Wasser durch die Längsfugen eintritt.
Flache Dachelemente wie Schindeln und Biberschwänze werden heute in Mehrfachdeckung verlegt. Je nachdem, wie viele Deckelemente (Steine, Schindeln, Platten usw.) sich in jedem Bereich (senkrecht zur Dachhaut; ohne Berücksichtigung von First, Traufe, Ortgang und Anschlüssen) mindestens überdecken, spricht man von Doppel-, Dreifach- und Vierfachdeckung.
Ein dreifach gedecktes Dach ist auch dann noch dicht, wenn eine Schindel bricht. Das kommt etwa bei Holzschindeln vergleichsweise häufig vor. Holzschindeln reißen oder spalten sich längs entlang der Holzfaser an der Nagelstelle. Die Mehrfachdeckung kann also Materialmängel ausgleichen, wie sie gerade bei natürlichen Materialien vorkommen und die oberste Schicht schützt die darunterliegenden vor Altersverschleiß durch Bewitterung. Bei modernen Deckungen spielt dies keine maßgebliche Rolle.
Auch bei Fassadenverkleidungen aus Schindeln oder Holzverschalung werden teilweise die Fugen überdeckt, um zu verhindern, dass der Wind Feuchtigkeit eintreibt, wenn sich die Fugen durch das Schrumpfen des Holzes vergrößern. Heute werden stattdessen häufig auch Unterdeck- bzw. Fassadenbahnen verwendet.

Die Dachdeckung liegt nicht direkt auf der Dachkonstruktion auf. Ziegel und Betondachsteine werden auf quer zur Dachneigung verlegten Dachlatten eingehängt und gegen den Windsog teilweise auch an diesen befestigt. Wenn unter der Deckung ein Unterdach vorgesehen wird, werden die Dachlatten gewöhnlich auf einer Konterlattung befestigt, die nach der ersten Dichtungsebene längs auf den Sparren verlegt wird, um eine Unterlüftung der Dachdeckung zu ermöglichen.
Blechdächer, reine Pappdächer (Schwarzdeckung), Gründächer und Schindeldächer werden gewöhnlich auf einer Dachschalung (Brettlage) verlegt. Wellplatten aus Faserzement, Trapezbleche oder Wellblech können auch selbsttragend auf Sparrenpfetten verlegt werden.