Werner Schindelin

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Begründung: Als Pfarrer und Gymnasiallehrer nicht relevant trotz der sonstiges sozialen Leistungen. Nur regionale Bedeutung in Würzburg und daher richtig im WürzburgWiki wo er schon ist. --AxelHH-- (Diskussion) 22:45, 28. Okt. 2026 (CET)

Werner Schindelin (* 12. August 1934 in München; † 15. September 2023 in Würzburg) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer und Gymnasiallehrer. In Würzburg war er Mitbegründer des heutigen Vereins für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung, aus dem eines der größten Förderzentren Bayerns hervorging, Gründungsvorsitzender der Stiftung Wohnstätten für Menschen mit Behinderung und Initiator zahlreicher weiterer sozialer und kirchlicher Projekte.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Schindelin war das zweite von fünf Kindern des Ingenieurs Walter Schindelin (1902–1995), der in leitender Stellung für die Wacker Chemie arbeitete, und der Malerin und Grafikerin Marieluise Schindelin, geb. Siebert (1902–1997). Sein Großvater Friedrich Schindelin war Geschäftsführer der Rheinischen Missionsgesellschaft in Barmen. Zur Familie seines Vaters gehörten außerdem der Duisburger Pfarrer Fritz Schindelin (1892–1978), ein Mitglied der Bekennenden Kirche, die Theologin Frieda Schindelin (1895–1998), eine der ersten Frauen im geistlichen Dienst der evangelischen Kirche im Rheinland, und die Germanistin Magdalene Schindelin, Professorin am Wellesley College.

Er wuchs im Münchner Stadtteil Harlaching auf. Die Luftangriffe auf München im Zweiten Weltkrieg prägten ihn nachhaltig und machten ihn zum überzeugten Pazifisten. 1943 zog die Mutter mit den Kindern nach Ascholding. 1949 übersiedelte die Familie nach Burghausen, wo Schindelin 1954 am humanistischen Gymnasium das Abitur ablegte.

Ab dem Wintersemester 1954/55 studierte er Evangelische Theologie in Erlangen und ab 1956 in Hamburg. Dort hörte er unter anderem Paul Tillich, Helmut Thielicke und Helmut Schelsky. Ab dem Wintersemester 1956/57 studierte er in Heidelberg und absolvierte dort bei Herbert Krimm zusätzlich das diakoniewissenschaftliche Spezialstudium, das er im April 1959 abschloss. Nach einem letzten Semester in Erlangen bestand er im September 1959 die erste theologische Prüfung. Als Stipendiat des Ökumenischen Rates der Kirchen verbrachte er das Studienjahr 1959/60 als Special Student an der Theological School der Drew University in Madison (New Jersey). Anschließend übernahm er eine Urlaubsvertretung in einer lutherischen Gemeinde in Riverside.

Nach seiner Rückkehr war er Vikar in Nürnberg (St. Jobst) und ab Dezember 1960 in Bad Tölz. Ab April 1962 war er Stadtvikar an St. Johannis in Schweinfurt und zugleich Studentenseelsorger am dortigen Polytechnikum. Am 20. Mai 1962 wurde er in Schweinfurt ordiniert. 1965 heiratete er die Lehrerin Erika Müller (1937–2021). Das Paar hatte vier Kinder.

Gemeindepfarrer in Würzburg

Zum 1. Dezember 1965 übernahm Schindelin die zweite Pfarrstelle der Würzburger Martin-Luther-Gemeinde. Zu seinem Bereich gehörten die 1962 eingeweihte Auferstehungskirche in der Gartenstadt Keesburg, die Gemeindeglieder in Gerbrunn und die Seelsorge in der orthopädischen Klinik König-Ludwig-Haus. Für Gerbrunn gründete er 1966 einen Kirchenbauverein. Die dortige Kirche wurde im Februar 1967 eingeweiht. Am 25. Januar 1968 wurde die Auferstehungskirche-Gerbrunn eine eigenständige Kirchengemeinde mit rund 1800 Mitgliedern, deren erster Pfarrer Schindelin wurde.

Schindelin gewann zahlreiche Ehrenamtliche für die Gemeindearbeit und führte Lektorengottesdienste ein. Gemeinsam mit seiner Frau baute er die Kirchenmusik auf, unter anderem mit dem Motettenchor „Camerata vocale“ (1966) und einem Posaunenchor. Ab 1969 fanden regelmäßig ökumenische Gottesdienste statt, ab 1970 auch ökumenische Trauungen. Kontrovers diskutiert wurde 1974 sein Vorschlag, Gemeindegliedern, die nicht mehr am Abendmahl teilnahmen, kirchliche Trauung und Bestattung zu verweigern. Später vertrat er in dieser Frage eine deutlich mildere Haltung. Am 30. November 1975 wurde er aus der Gemeinde verabschiedet.

Religionslehrer

Zum 1. August 1975 wechselte Schindelin als hauptamtlicher Religionslehrer an das städtische Mozart-Gymnasium in Würzburg. 1980 wurde er Beamter auf Lebenszeit der Stadt Würzburg. 1988 wurde er Fachberater für evangelische und katholische Theologie und zum Studiendirektor befördert. Zum 1. September 1997 trat er in den Ruhestand. Gemeinsam mit Helmut Anselm stellte er eine 1981 erschienene Arbeitshilfe für den evangelischen Religionsunterricht an bayerischen Gymnasien zusammen.

Ab 1985 predigte Schindelin regelmäßig in der Lukaskirche im Würzburger Steinbachtal und setzte diesen Dienst bis ins hohe Alter fort. Mit seiner Familie lebte er zeitweise in der Wohnanlage St. Konrad, in der auch Erwachsene mit schweren Körperbehinderungen wohnten.

Tod

Schindelin starb im September 2023 im Alter von 89 Jahren im Universitätsklinikum Würzburg, eine Woche nach seiner Einlieferung. Der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt würdigte ihn als jemanden, der sich bis ins hohe Alter unermüdlich für die Schwächsten der Gesellschaft eingesetzt habe. 2026 erschien eine Auswahl seiner Predigten aus der Lukaskirche mit einer biografischen Einleitung.

Soziales Engagement

Behindertenhilfe

Den Anstoß zu seiner Arbeit in der Behindertenhilfe gab eine Begegnung im König-Ludwig-Haus mit einem spastisch gelähmten Mädchen und dessen Mutter. Im Gespräch mit der Mutter erfuhr er, wie wenige Förderangebote es für Kinder mit Behinderung außerhalb der Familie gab. 1969 wurde in Würzburg der Verein zur Förderung und Betreuung spastisch Gelähmter und anderer Körperbehinderter gegründet. Dem ersten Vorstand gehörten Schindelin, Hans Schöbel und Hermann Dennemann an. Am 1. April 1970 begann in den Gemeinderäumen der Auferstehungskirche die Betreuung von acht Kindern. Die Arbeit dehnte sich rasch auf weitere Räume aus: zunächst die Bücherei der katholischen Kirche St. Alfons, ab 1972 das ehemalige Kapuziner-Schülerheim in der Nikolausstraße. 1977 wurde das Zentrum für Körperbehinderte am Heuchelhof eingeweiht. Später kamen Frühförderstellen in Würzburg und Aschaffenburg sowie Wohnangebote für Erwachsene hinzu. Nach Umbenennungen 1994 und 2010 trägt der Verein heute den Namen Verein für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung e. V. Schindelin schied 2012 aus dem Vorstand aus.

Am 24. November 1993 wurde die Stiftung Wohnstätten für Menschen mit Behinderung errichtet, an die der Verein die Wohnanlage St. Konrad übertrug. Schindelin war bis 2012 Vorsitzender des Stiftungsvorstands und anschließend dritter Vorsitzender. Unter seiner Leitung entstanden 2002 die Wohnanlage Kilianshof in der Würzburger Altstadt und 2007 die Wohngemeinschaft Holzmühle in Lengfeld. Ab 2018 war er als verantwortliches Vorstandsmitglied faktisch Bauherr der „Wohnanlage am Wald“ am Heuchelhof mit Wohnplätzen für 24 Menschen und einer Tagesförderstätte. Bei ihrer Einweihung am 24. Oktober 2022 schied er aus dem Stiftungsvorstand aus. Sein letztes Anliegen war ein Elektrobus für die Bewohner der Anlage, der 2025 mit Spenden angeschafft wurde. 1997 hatte Schindelin außerdem eine Selbsthilfefirma für arbeitssuchende Menschen mit Behinderung angestoßen.

Jugend- und Sozialarbeit

1975 gründete Schindelin in einem Haus des CVJM eine ökumenische Teestube als Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene, besonders aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Um dieser Arbeit einen Rahmen zu geben, entstand 1980 der Verein Ehrenamtlicher Sozialdienst, dessen erster Vorsitzender er war. Der Verein unterstützte unter anderem Freizeiten, Frühförderung, die Bahnhofsmission und ein Beratungsprojekt für wohnungslose junge Menschen. 2006 initiierte er die „Pädagogisch-soziale Assistenz“ (PSA), eine intensive Begleitung von Kindern und Jugendlichen, deren Schulabschluss gefährdet ist. Nach dem Ende der staatlichen Förderung 2011 finanzierte sich das Projekt aus Spenden. 2019 übernahm der Sozialdienst katholischer Frauen die Trägerschaft, die Finanzierung übernahm die Stadt Würzburg.

Weitere Ämter und Initiativen

Schindelin war ab 1970 Mitglied der Lebenshilfe und gehörte von 1973 bis 1985 deren Vereinsleitung an. Von 1974 bis 2003 war er beratendes Mitglied im Sozialhilfeausschuss des Bezirks Unterfranken, und ab 1978 sprach er als Referent bei Familienwochen auf Burg Rothenfels. Er engagierte sich für die Städtepartnerschaft mit Suhl und vermittelte als Mitglied der DAHW eine Grundstücksspende. Er gehörte zu den Initiatoren der 2001 gegründeten Evangelischen Bürgerstiftung in Würzburg. Drei Amtsperioden lang war er deren zweiter Vorsitzender, 2017 wechselte er in das Kuratorium.

Ab 2001 wirkte Schindelin am Aufbau des Würzburger Nagelkreuzzentrums mit. Auf seine Initiative wurde am 16. März 2001 der erste Stein des 2002 eröffneten „Denkmals der Versöhnung“ vor der Würzburger Dekanatskirche St. Stephan gelegt. Mit Schülern unternahm er Versöhnungsprojekte, unter anderem eine Fahrt nach Kreisau.

Ehrungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 18–20.
  2. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 9–17, 30.
  3. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 20–22.
  4. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 23–29.
  5. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 29–31.
  6. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 31–33.
  7. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 33–35, 44.
  8. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 35–36.
  9. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 37.
  10. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 36–42.
  11. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 40–42.
  12. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 42–43.
  13. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 43.
  14. 1 2 3 epd: Würzburger „Sozial-Pfarrer“ Werner Schindelin gestorben. In: Sonntagsblatt. 20. September 2023, abgerufen am 28. Oktober 2026.
  15. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 44–45.
  16. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 48.
  17. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 44, 53.
  18. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 55.
  19. 1 2 epd: Würzburger OB würdigt verstorbenen „Sozial-Pfarrer“ Schindelin. In: Sonntagsblatt. 22. September 2023, abgerufen am 28. Oktober 2026.
  20. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 8.
  21. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 47.
  22. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 47–48.
  23. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 48.
  24. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 49.
  25. 1 2 3 Entstehung der Stiftung. Stiftung Wohnstätten für Menschen mit Behinderung, abgerufen am 28. Oktober 2026.
  26. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 50.
  27. ↑ „Das letzte Baby“ von Pfarrer Schindelin: „Wohnanlage am Wald“. In: WOB24. 2022, abgerufen am 28. Oktober 2026.
  28. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 51.
  29. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 50.
  30. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 45–46.
  31. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 46–47.
  32. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 45.
  33. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 51–52.
  34. ↑ Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 52–53.
  35. 1 2 3 4 Die Welt menschlicher machen. 2026, S. 53–55.
  36. ↑ Stellvertretende Ministerpräsidentin Aigner händigt Bayerischen Verdienstorden und Bundesverdienstorden an verdiente Persönlichkeiten aus. Bayerische Staatskanzlei, 12. Dezember 2013, abgerufen am 28. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Schindelin, Werner
KURZBESCHREIBUNG deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer und Gymnasiallehrer
GEBURTSDATUM 12. August 1934
GEBURTSORT München
STERBEDATUM 15. September 2023
STERBEORT Würzburg