Wiesensteig

Wappen Deutschlandkarte
Wiesensteig
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wiesensteig hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 48° 34′ N, 9° 38′ OKoordinaten: 48° 34′ N, 9° 38′ O
Bundesland:Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Göppingen
Höhe: 592 m ü. NHN
Fläche: 23,41 km²
Einwohner: 2030 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73349
Vorwahl: 07335
Kfz-Kennzeichen: GP
Gemeindeschlüssel: 08 1 17 058
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 25
73349 Wiesensteig
Website: www.wiesensteig.de
Bürgermeisterin: Anette Kölle
Lage der Stadt Wiesensteig im Landkreis Göppingen
KarteAlb-Donau-KreisLandkreis EsslingenLandkreis HeidenheimLandkreis ReutlingenRems-Murr-KreisOstalbkreisOstalbkreisAdelbergAichelberg (Landkreis Göppingen)AlbershausenBad BollBad DitzenbachBad ÜberkingenBirenbachBöhmenkirchBörtlingenDeggingenDonzdorfDrackensteinDürnau (Landkreis Göppingen)Eislingen/FilsHeiningen (Landkreis Göppingen)Ebersbach an der FilsEschenbach (Württemberg)Eschenbach (Württemberg)GammelshausenGeislingen an der SteigeGingen an der FilsGöppingenGruibingenHattenhofen (Württemberg)Heiningen (Landkreis Göppingen)HohenstadtKuchen (Gemeinde)LautersteinMühlhausen im TäleOttenbach (Württemberg)RechberghausenSalachSchlatSchlierbach (Württemberg)SüßenUhingenWäschenbeurenWangen (bei Göppingen)WiesensteigZell unter Aichelberg
Karte
Blick auf Wiesensteig

Wiesensteig ist eine Stadt im Landkreis Göppingen (Regierungsbezirk Stuttgart) in Baden-Württemberg ganz im Südosten der Region Stuttgart.

Geographie

Luftbild von Wiesensteig von Süden, 1983

Wiesensteig liegt im oberen Filstal im Bereich der mittleren Schwäbischen Alb in 561 bis 832 Metern Höhe im Landkreis Göppingen. Am Rand der Stadt verläuft der Albaufstieg der A 8 in Richtung Ulm. Das Stadtgebiet wird von Südwest nach Nordost von einem bis zu 200 Meter tiefen Tal geprägt, in dem mehrere Karstquellen entspringen, die sich zum Lauf der Fils vereinigen. Die zur Filsalb gehörigen kuppigen Hochflächen nördlich des Tales gehen nach Süden zu in das Großkuppengebiet der Mittleren Kuppenalb um Laichingen über.

Stadtgliederung

Zu Wiesensteig gehören die Stadt Wiesensteig, die Höfe Bläsiberg, Eckhöfe, Heidental, Reußenstein und Ziegelhof sowie die Häuser Lämmerbuckel und Papiermühle und die abgegangenen Ortschaften Michelnbuch und Schafhaus.

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind Gruibingen im Norden, Mühlhausen im Täle im Nordosten, Drackenstein im Osten, Hohenstadt im Südosten, Westerheim (Alb-Donau-Kreis) im Süden, Römerstein (Landkreis Reutlingen) im Südwesten sowie Lenningen im Westen und Neidlingen (beide Landkreis Esslingen) im Nordwesten.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.

Geschichte

Bis zum 21. Jahrhundert

Wiesensteig wird erstmals 861 in einer Urkunde erwähnt, als dort das Benediktinerkloster Wiesensteig gegründet wurde, aus dem 1103 ein Chorherrenstift entstand, das bis zur Säkularisation 1803 Bestand hatte. Die Siedlungsspuren reichen jedoch bis in die Steinzeit zurück.

Das Stadtrecht besitzt der Ort bereits seit 1356. Er unterstand damals den Grafen von Helfenstein. Seit 1512 war die Herrschaft Wiesensteig innerhalb des Heiligen Römischen Reiches dem Schwäbischen Reichskreis zugeordnet.

Graf Ulrich XVII. von Helfenstein (1524–1570) und sein Bruder Sebastian († 1564) führten 1555 das lutherische Bekenntnis in Wiesensteig ein. Zwischen 1562 und 1611 wurden in der Herrschaft Wiesensteig mindestens 111 Frauen und ein Mann im Rahmen der Hexenverfolgung als „Hexen und Unholde“ hingerichtet. 1567 kehrte Graf Ulrich XVII. zum katholischen Bekenntnis zurück und vollzog eine Gegenreformation. Der Gemeinderat der Stadt Wiesensteig beschloss am 30. Januar 2017 die sozialethische Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse.

1648 wurde das Städtchen von schwedischen Soldaten beinahe völlig niedergebrannt. Nach dem Aussterben der Helfensteiner im Jahre 1627 fiel die Reichsgrafschaft Wiesensteig (über drei Erbtöchter) zu zwei Dritteln 1642 durch Kauf an Kurbayern und zu einem Drittel an die Fürsten von Fürstenberg, die ihren Anteil 1752 ebenfalls an Kurbayern veräußerten. Durch einen Gebietstausch kam die Stadt mit der Rheinbundakte 1806 an das Königreich Württemberg und wurde Sitz des Oberamts Wiesensteig. Dieses wurde 1810 aufgelöst und Wiesensteig dem Oberamt Geislingen unterstellt. Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Wiesensteig 1938 zum Landkreis Göppingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Stadt in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Hauptstraße mit Blick auf die Stiftskirche St. Cyriakus

Einwohnerentwicklung

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1970

Datum Einwohner
18371496
19071327
17. Mai 19391683
13. September 19502063
27. Mai 19702632
31. Dezember 19832490
25. Mai 19872426
31. Dezember 19912575
31. Dezember 19952445
31. Dezember 20002350
31. Dezember 20052312
31. Dezember 20102138
31. Dezember 20152056
31. Dezember 20202034

Politik

Verwaltungsverband

Zusammen mit Mühlhausen im Täle, Drackenstein, Gruibingen und Hohenstadt bildet die Stadt seit 1972 den Gemeindeverwaltungsverband Oberes Filstal mit Sitz in Wiesensteig.

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Wiesensteig besteht aus den 12 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,52 % (2019: 62,04 %) und ergab folgende Sitzverteilung:

Offene Kandidatenliste48,19 %6 Sitze2019: 50,69 %, 6 Sitze
Bürger für Wiesensteig44,98 %6 Sitze2019: 43,03 %, 5 Sitze
Neutrale Liste0,0 %0 Sitze2019: 6,28 %, 1 Sitz
AfD3,73 %0 Sitze2019: 0 %, 0 Sitze
Freie Liste3,10 %0 Sitze2019: 0 %, 0 Sitze

Bürgermeister

Bürgermeisterin ist seit 2026 Anette Kölle (parteilos). Zuvor amtierten von 1966 bis 1994 Herbert Gerber, von 1994 bis 2010 Klaus-Dieter Apelt und von 2010 bis 2026 Gebhard Tritschler (parteilos).

Wappen

Das Wappen zeigt „in Rot einen aus goldenem Fünfberg wachsenden silbernen Elefanten“. Der erste Beleg stammt aus dem Jahre 1482 von einem Abdruck eines Stadtsiegels, das einen aus einem schrägen Vierberg wachsenden Elefanten zeigt, das Wappentier der früheren Stadtherren, der Grafen von Helfenstein. Während der wachsende Elefant stets in allen folgenden Darstellungen (so z. B. in der ersten farbigen Abbildung aus dem Jahre 1560) des Stadtwappens zu finden ist, änderte sich die Zahl der Kuppeln zwischen einer und fünf. In einem Fall tritt der Elefant sogar direkt aus dem Schildrand hervor. Seit dem Jahre 1930 steht jedoch der Fünfberg als Wappenmotiv fest. Bis 1958 waren die Flaggenfarben grün-rot. Da diese Kombination aber gegen die Heraldischen Farbregeln verstößt, wurden am 4. Februar 1959 die Farben weiß-rot vom Innenministerium verliehen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Baustelle der Filstalbrücke zwischen Wiesensteig und Mühlhausen. Im Hintergrund der Albaufstieg der Autobahn A8 mit der Todtsburgbrücke. (2019)

Über die Landesstraße 1200 hat Wiesensteig Anschluss an die Bundesstraße 466 und die Bundesautobahn 8. Wiesensteig liegt an der Schwäbischen Albstraße. Oberhalb des Ortes führt der Albaufstieg der Autobahn A 8 vorbei.

Von 1903 bis 1968 war Wiesensteig durch die Tälesbahn von Geislingen an der Steige an das Schienennetz der Bahn angebunden. Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten das Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIIb.

Der Albtäler-Radweg führt als Landes-Fernradweg durch Wiesensteig; es handelt sich um einen Rundkurs zwischen Römerstein und Sontheim an der Brenz. Er verläuft dabei großteils auf der ehemaligen Bahnlinie von Geislingen nach Wiesensteig. Weiter führt er an der Filsquelle vorbei nach Donnstetten.

Bildung

Mit der Franz-Xaver-Messerschmidt-Schule verfügt Wiesensteig über eine Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Elefantenbrunnen

Bauwerke

Schloss Wiesensteig im 16. Jahrhundert, Titelblatt einer kreisgeschichtlichen Quellensammlung von 1964
Kreuzkapelle oberhalb von Wiesensteig
Helfensteiner Schloss
Wappen am Helfensteiner Schloss

Naturdenkmäler

Sport

Wanderwege

Wiesensteig ist aufgrund der Lage in der Schwäbischen Alb und der die Stadt umgebenden Naturlandschaften ein beliebtes Ausflugsziel. Entlang des westlichen Stadtgebiets verläuft der Fernwanderweg Albsteig (auch Schwäbische-Alb-Nordrand-Weg oder HW1), der entlang des Albtraufs von Donauwörth bis Tuttlingen führt und als Qualitätswanderweg zertifiziert ist. Der Rundweg Filsursprungrunde mit 14 Kilometern Länge ist vom Deutschen Wanderinstitut als Premiumweg ausgezeichnet und eignet sich als Tagestour.

Radwege

Über die westliche Gemarkung von Wiesensteig verläuft der Alb-Crossing, ein Fernradweg geeignet für Mountainbiker oder Gravel-Biker, der in sechs Etappen von Aalen bis nach Tuttlingen führt.

Skigebiet

Wiesensteig besitzt mit dem Skigebiet Bläsiberg das größte Skigebiet auf der Schwäbischen Alb. Es umfasst drei Schlepplifte und ca. 5 km Pisten mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

TSV Obere Fils

Der TSV Obere Fils wurde am 24. Juni 1972 durch den Zusammenschluss der beiden Vereine TSV Wiesensteig und dem TSV Mühlhausen gegründet. Sportstätten sind das Vereinsheim am Sportplatz in Wiesensteig, die Schulturnhalle und die alte Turnhalle im Ortszentrum von Wiesensteig. Es werden auch die Gemeindehalle und der alte Sportplatz in Mühlhausen genutzt.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Weitere mit Wiesensteig verbundene Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Wiesensteig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Wiesensteig – Reiseführer
Wiktionary: Wiesensteig – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Tabellengruppe 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes zum 31. Dezember 2025 (Hilfe dazu).
  2. ↑ Wiesensteig - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 30. September 2020.
  3. ↑ Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 345–347.
  4. ↑ Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Wiesensteig.
  5. ↑ Warhafftige unnd Erschreckliche Thatten und handlungen der LXIII. Hexen unnd Unholden, so zu Wisenstaig, mit dem Brandt gericht worden seindt, o. O. [Nürnberg: Friedrich Gutknecht] 1563.
  6. ↑ Der Teckbote, Ausgabe vom 4. Februar 2017, Seite 18
  7. ↑ Vgl. Siegfried Hermle: Reformation und Gegenreformation in der Herrschaft Wiesensteig unter besonderer Berücksichtigung des Beitrags von Jakob Andreae (Quellen und Forschungen zur württembergischen Kirchengeschichte 14), Stuttgart: Calwer 1996; Siegfried Hermle, Reformation und Gegenreformation in der Reichsgrafschaft Wiesensteig. Weißenhorn: Anton H. Konrad Verlag, 1996, ISBN 978-3-87437-391-3.
  8. ↑ Wiesensteig rehabilitiert seine Hexen (Memento des Originals vom 1. Februar 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. ↑ Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums
  10. ↑ Wechsel an der Rathausspitze. In: filstalwelle.de. 8. März 2026, abgerufen am 10. März 2026.
  11. ↑ Nachrichten Archive. In: Staatsanzeiger BW. Abgerufen am 10. Januar 2022 (deutsch).
  12. ↑ Schwäbische.de: Wiesensteig wählt neuen Schultes. In: schwaebische.de. 8. Januar 2010, abgerufen am 28. Juli 2026.
  13. ↑ Rainer Stein: Der württembergische Einheitsbahnhof auf Nebenbahnen. In: Eisenbahn-Journal Württemberg-Report. Band 1, Nr. V/96. Merker, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-96-0, S. 80–83.
  14. ↑ WEIGLE-Orgel, St. Cyriak, Wiesensteig. Abgerufen am 10. Januar 2022.
  15. ↑ Albsteig. Abgerufen am 30. September 2020.
  16. ↑ Albsteig/Schwäbische Alb Nordrandweg (HW1). Abgerufen am 30. September 2020.
  17. ↑ Löwenpfade -Filsursprung-Runde. Abgerufen am 30. September 2020.
  18. ↑ Alb-Crossing. Abgerufen am 30. September 2020.
  19. ↑ Stefan Feser: Start. In: Skilifte Wiesensteig. Abgerufen am 10. Januar 2022 (deutsch).