Wilhelm Beye

Wilhelm Beye (* 27. Mai 1903 in Bielefeld; † 4. Mai 1975 in Geesthacht) war ein deutscher evangelischer Pfarrer und von 1933 bis 1934 Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

Beye wurde, nach seinem Vikariat in Emmerstedt, 1930 Pastor in Wenzen. Er trat zum 1. November 1930 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 352.065). Bereits vor Hitlers Ernennung zum Reichskanzler war er als Propagandaredner der NSDAP aktiv. Zusammen mit Johannes Schlott, Pfarrer an der der Katharinenkirche, organisierte er auf dem Gebiet die Landeskirche Braunschweig der NSDAP-nahen „Deutschen Christen“.

Die mit dem Antritt der Reichsregierung unter Adolf Hitler begonnene schrittweise Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Kräfte erreichte im Juli 1933 die evangelischen Kirchen im Deutschen Reich: Per Gesetz wurden kurzfristig Neuwahlen aller Kirchentage (heutzutage meistens Synoden genannt) angeordnet, bei denen die Deutschen Christen die jeweiligen Mehrheiten erzielten. So auch in der Braunschweigischen Landeskirche. Der Landeskirchentag wählte am 12. September Wilhelm Beye zum neuen Bischof der Landeskirche. Der baute die Landeskirche administrativ um: Oberkirchenräte wurden in den Ruhestand ver- und durch neue ersetzt, alle Kirchenkreise wurden neu gebildet und mit systemtreuen Kreispfarrern besetzt. Die Befugnisse des Landeskirchentags wurden auf die Kirchenregierung übertragen (Führerprinzip) und auch der Arierparagraph wurde ins Kirchenrecht eingeführt.

Im Februar 1934 wurde Wilhelm Beye vom Braunschweiger Generalstaatsanwalt angeklagt wegen Abrechnungsbetrugs zu Lasten der Kirche in seiner Zeit als Gemeindepfarrer. Beye sah sich gezwungen, seinen Rücktritt als Landesbischof zu erklären. Am 23. Februar 1934 setzte Reichsbischof Müller den Berliner Oberkonsistorialrat Oskar Evers zum Bevollmächtigten mit allen Befugnissen des Landesbischofs ein. Am 4. Juni 1934 berief Müller schließlich den bisherigen Lübecker Domprediger Helmuth Johnsen zum kommissarischen Landesbischof, der dann im November auch offiziell vom Landeskirchentag bestätigt wurde. Beye wurde noch im März 1934 durch das Gericht von den Vorwürfen freigesprochen. 1935 wurde er Pfarrer an der Marienkirche in Landsberg a. d. Warthe. Zuletzt, von 1955 bis zu seinem Ruhestand 1972, war er Pastor der Kirchengemeinde Grünhof-Tesperhude in Geesthacht.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Kirchliches Gesetz- und Verordnungsblatt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins 1975, S. 100
  2. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/2821597
  3. 1 2 Dietrich Kuessner: Hans Wilhelm Jürgens. Die Geschichte eines vergessenen Oberlandeskirchenrates (S. 16–27). 2022, abgerufen am 17. Juni 2026.
  4. ↑ Evangelisch-Lutherische Landeskirche Braunschweig: Geschichte
  5. 1 2 Dietrich Kuessner: Über die Geschichte der Braunschweiger Landessynode. Abgerufen am 19. Juni 2026.
Personendaten
NAME Beye, Wilhelm
KURZBESCHREIBUNG deutscher evangelischer Pfarre, Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig
GEBURTSDATUM 27. Mai 1903
GEBURTSORT Bielefeld
STERBEDATUM 4. Mai 1975
STERBEORT Geesthacht