Wilhelm Fabry

Wilhelm Fabry, Bartholomäus Sarburgh zugeschrieben (1620)

Wilhelm Fabry (von Hilden), auch Fabri van Hilden, (Guilhelmus) Fabricus Hildanus, Guil(i)elmus Fabricius Hildanus und Fabricius von Hilden (* 25. Juni 1560 in Hilden; † 15. Februar 1634 in Bern) war Bader im Rheinland, Genf, Lausanne, Stadtchirurg in Payerne und Stadtarzt in Bern. Er gilt als der bedeutendste, deutschsprachige Wundarzt der Renaissance und als Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie.

Leben

Wilhelm Fabry, Bronzebüste auf dem Marktplatz in Hilden

Kindheit

Wilhelm, der erst später „Fabry“ hieß, kam am 25. Juni 1560 in Hilden im Gutshof „In der Schmitten“ (in der Schmiede) als Sohn der „Margarethe (Gritgen) auf dem Sand“ und des Gerichtsschreibers Peter Drees als Wilhelm Drees auf die Welt. Wilhelms Mutter hieß „Margarethe auf dem Sand“, nach ihrem Elternhaus, das sich auf der heutigen Straße „Auf dem Sand“ befunden haben könnte. In erster Ehe heiratete sie „Dietrich in den Schmitten“ und zog zu ihm in das Gut gleichen Namens in der heutigen Schwanenstraße in Hilden. Das Haus wurde 1907 abgerissen. Heute steht an dieser Stelle in der Schwanenstraße 27 ein Hotel. Nach dem Tod ihres ersten Ehemanns erbte sie den Gutshof „In der Schmitten“. Margarethe heiratete in zweiter Ehe Peter Drees, den „Sohn des Andreas“, Sohn des „Dries Kremer“. Nach der Hochzeit mit Margarethe zog er zu ihr „In die Schmitten“, die ehemalige Schmiede. Neben einem 1562 geboren jüngeren Bruder, der schon 1581 starb, hatte Wilhelm noch die jüngere Schwester Gerten (* um 1568/69, † um 1643/1650).

Fabrys Großvater diente Wilhelm dem Reichen als Gerichtsdiener, war also für damalige Verhältnisse in gehobener Position. Sein Sohn Peter erlernte Lesen und Schreiben, was nicht selbstverständlich war, besuchte ein katholisches Gymnasium in Köln und genoss als Erwachsener Ansehen im Dorf als Gerichtsschreiber.

Von 1568 bis 1573 besuchte Wilhelm ein Gymnasium in Köln, um dort Latein und Griechisch zu lernen. Nach dem Brauch der Renaissance latinisierte Wilhelm seinen Namen, nannte sich später entsprechend seiner Herkunft „Wilhelm aus der Schmiede in Hilden“ („Guilhelmus Fabricius Hildanus“), also Wilhelm Fabry (Fabry = Schmied).

Da 1569 Fabrys Vater starb, musste seine Mutter drei Kinder versorgen. Sie heiratete in dritter Ehe Peter Crantz. Fabry wurde in Köln von Carl Utenhoven, seinem väterlichen Freund, weiterhin gefördert und wohl auch finanziell unterstützt. Aus finanziellen Gründen verließ Fabry 1573 das Gymnasium in Köln und musste in Hilden mit Feldarbeit seine Familie unterstützen.

Durch ein kaltes Bad in der Itter zog sich Fabry 1572 eine noch lange spürbare Zungenlähmung zu. 1575 erkrankte Fabry an der Pest, die ihn für Monate ans Krankenbett fesselte. Dank der Kühlung mit Itter-Wasser überlebte er sie. Er wurde dadurch, was man damals noch nicht wusste, immun gegen die Pest-Viren. Das befähigte ihn später trotz mehrerer Pestausbrüche in seiner Umgebung als Arzt zu praktizieren.

Lehrzeit und Gesellenzeit

Von 1576 bis 1580 absolvierte er eine Ausbildung bei dem Bader und Wundarzt Johannes Dümgens in Neuss. Vor allem äußere Wunden und Verletzungen, aber auch Abszesse, Tumoren, Hämorrhoiden, Krampfadern, Verbrennungen oder Erfrierungen fielen im vormodernen Gesundheitswesen in den Zuständigkeitsbereich der Wundärzte. Bader behandelten Verstauchungen und renkten Gelenke ein.

Nähzeug
Amputation scene, "De gangraena et sphacelo"
Zahnbehandler auf dem Markt

Sie führten bei Bedarf Amputationen durch und stellten Prothesen her. Teilweise spezialisierten sie sich auf Starstiche, Blasenstein- und Bruchoperationen sowie Darmnähte, versorgten Knochenfrakturen, extrahierten Zähne oder renkten Gelenke ein.

Nach Abschluss seiner Lehre arbeitete er 1580–1585 als Badergeselle in Düsseldorf bei dem angesehenen Chirurgen Cosmas Slot (einem Schüler des Andreas Vesalius) am Hofe Herzog Wilhelms des Reichen. Wie Slot war auch Fabry davon überzeugt, dass anatomische Kenntnisse für einen Chirurgen unentbehrlich seien, weshalb er seit seiner Gesellenzeit Leichen sezierte und präparierte, um seine anatomischen Kenntnisse zu erweitern. Auch führte er öffentliche Sektionen durch, um auf die Bedeutung von anatomischen Kenntnissen aufmerksam zu machen.

Während seiner darauffolgenden, vorgeschriebenen Wanderzeit als Wundarztgeselle hielt er sich 1585–1588 vorwiegend in der französischen Schweiz auf, wo er bei seinem Vorbild, dem Chirurgen Giovanni Griffon, in Genf und in Lausanne arbeitete und anatomische Studien betrieb. Fabry schloss seine zwölfjährige wundärztliche Ausbildung 1588 als Meister ab und war nun als selbständiger Chirurg tätig.

Heirat und erstes Kind

Am 30. Juli 1587 heiratete er in der Genfer Kirche St. Gervais Marie Colinet, die Tochter des Genfer Buchdruckers Eustache Colinet, die seine Mitarbeiterin wurde. Sie half ihrem Mann später bei seiner ärztlichen Tätigkeit, führte seine Praxis wenn er auf Reisen war und profilierte sich als Spezialistin der Geburtshilfe. Der älteste Sohn (1588–1595) wurde 1588 geboren. Zwischen 1590 und 1594 wurde der zweite Sohn geboren.

Rheinland–Lausanne

Fabry kehrte mit seiner Familie in seine Heimat zurück und praktizierte von 1589 bis 1593 in seiner Geburtsstadt Hilden. Am 17. August 1592 konvertierte Fabry und wurde Mitglied der heimlich reformierten Gemeinde in Köln.

Fabricius Hildanus, Relief (1593)

1593 zog Fabry mit seiner Familie nach Köln, wo er in seiner Praxis arme Bürger, reiche Patrizier und Adelige gleichwohl behandelte. Während seinem Aufenthalt in Köln unternahm Fabry 1594–1595 Reisen nach Aachen, Heidelberg und Besançon.

In Köln starb am 8. Juni 1595 Fabrys ältester Sohn. Bei der Obduktion stellte sich als Todesursache ein Nierenleiden heraus.

Sein Sohn Johannes (* um 1595, † vor 29. Mai 1640 in Bern) wurde geboren. Er wurde später wie sein Vater auch Wundarzt.

In Lausanne arbeitete Fabry 1596 und kam im Oktober nach Köln zurück. In der Zeit 1597 bis 1598 arbeitete Fabry erneut in Lausanne und kehrte im Spätherbst 1598 wieder nach Köln zurück.

1598 gab Fabrys Freund Janus Antonius Sarazenus in Lyon dessen Buch Vom heißen und kalten Brand in lateinischer Sprache heraus. Wilhelm Fabry erwähnt in seinem ersten Buch fünfundzwanzig Fallbeschreibungen (Observationes) und das Traktat über entzündete Gliedmaßen und die von ihm entwickelte Methode „operativer Absetzung befallener Glieder“, für die er auch besondere chirurgische Instrumente entwickelt hatte. Fabry war der Erste, der als Behandlung eine Amputation oberhalb des erkrankten Gewebes vertrat.

Chirurgische Instrumente im Mittelalter
Streckbank zum Einrenken von herausgesprungenen Gelenken

Das Buch wurde in lateinischer Sprache elfmal in überarbeiteter Form in Genf und Lyon neu aufgelegt und auch ins Französische übersetzt. In Genf erschien 1598 bei Gabriel Cartier Fabrys Buch Selectae observationes chirurgicae quinque et viginti, item de Gangraenaet Sphacelo tractatus methodicus (Ausgewählte fünfundzwanzig chirurgische Beobachtungen, außerdem eine methodische Abhandlung über Gangrän und Sphacelus (Kalter Brand)).

Am 25. Juni 1599 schrieb sich „Meister Wilhelm“ in das Zunftbuch der Barbiere in Köln ein. Ende 1599 reiste er zu einem kurzen Besuch nach Genf. Nach Köln zurückgekehrt, blieb er 1600 nur wenige Monate, um dann im Sommer die Stadt endgültig zu verlassen, um von 1600 bis 1602 in Lausanne zu praktizieren.

Fabrys Buch Traitté de la dysenterie (Abhandlung über die Ruhr) erschien 1602 in Bern.

Payerne–Peterlingen

Instrument zum Behandeln des Nackens
Behandlung einer Frau mit geschwollenem Arm
Fabricus Hildanus, Observationum et chirurgicarum. (1603)

In der Zeit von 1602 bis 1610 war Fabry Stadtchirurg in Payerne (deutsch Peterlingen, im Kanton Waadt in der Schweiz) und Lausanne. Diese Position ist einem heutigen Amtsarzt keineswegs vergleichbar; sie war auf die damaligen Funktionen des Wundarztes/Chirurgen beschränkt, umfasste also nicht die akademische Medizin damaliger Definition. Der Stadtchirurg musste – gegen festgesetztes Jahresentgelt – bestimmte Personen (z. B. Arme) unentgeltlich behandeln und mit Medikamenten versorgen, war aber ansonsten frei, eine eigene Praxis zu führen und dafür Honorare zu fordern.

Fabry selbst unterhielt eine weit ausgedehnte Reisepraxis als Konsiliarchirurg und stand mit vielen bekannten Medizinern seiner Zeit in lebhaftem Briefwechsel.

Während seiner Zeit in Payerne wurde Fabry 1606–1607 Hofarzt von Markgraf Georg Friedrich von Baden–Hachberg, der 1607 eine Gedenkmedaille auf ihn schlagen ließ.

Fabrys Buch De combustionibus, quae oleo et aqua fervida, ferro candente, pulvere tormentario, fulmine et quavis alimateria anita fiunt libelle (Ein Buch über Verbrennungen, die durch Öl und kochendes Wasser, glühendes Eisen, Schießpulver, Blitze und alle möglichen anderen Lebensmittel verursacht werden). erschien 1607 bei Ludwig König (1572–1641) in Basel. Das Buch wurde ein solcher Erfolg, dass Fabry sich entschloss, seine ärztliche Erfahrungen weiter kontinuierlich in gedruckter Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zu seinen Lebzeiten veröffentlichte Wilhelm Fabry seine Fallberichte (die "Observationes") in sogenannten Centuriae (je 100 Fallbeispiele). Das erste Hundert seiner Beobachtungen und Behandlungen (Observationum et curationum chirurgicarum centuria) veröffentlichte er 1607. Erst nach seinem Tod erschienen Gesamtausgaben mit allen sechshundert „Observationibus“ („Beobachtungen“).

Als Reisechirurg besuchte er 1609 Patienten in Lyon, Städten in Süddeutschland und in der Schweiz. Wegen seiner ausgiebigen Reisetätigkeit bat Fabry 1610 um die Entlassung als Wundarzt in Peterlingen. Fabrys zweites Buch Observationum et curationem chirurgicarum centuria II (Hundert Beobachtungen und chirurgische Behandlungen Teil II) erschien 1611 bei Peter und Jacob Chouet in Genf.

Bergische Heimat

Während des Aufenthalts in seiner bergischen Heimat besuchte Fabry 1611–1612 von Hilden aus Köln, Leiden, Amsterdam, Solingen, Broich bei Mülheim an der Ruhr, Dinslaken, Essen, Elberfeld, Moers und Duisburg, wo er zahlreiche Patienten behandelte. Inzwischen war am 26. April 1612 Fabrys Mutter in Hilden gestorben. Am 11. Oktober 1612 trat er seine Rückreise von Köln aus über Mülheim am Rhein, Gießen, Oppenheim, Darmstadt, Worms, Heidelberg, Straßburg, Freiburg, Solothurn und Bern. Am 16. November traf er wieder bei seiner Frau in Lausanne ein.

Lausanne

In Lausanne war inzwischen die Pest ausgebrochen. Als im November 1612 die Seuche erlosch, waren zwei seiner Töchter (fünftes Kind (* 1600, † 1613) und achtes Kind (* 23. August 1609 in Payerne, † 1613)) gestorben. Seine Frau und zwei seiner Söhne (drittes Kind Johannes (* um 1595, † vor 29. Mai 1640 in Bern) war Wundarzt, um 1630 verheiratet mit einer „Friesing“) und siebtes Kind Peter (* 4. März 1605 in Payerne, † 1628 in den Niederlanden, Wundarzt) überstanden den „Schwarzen Tod“ nach längerem Krankenlager.

Fabry verarbeitete die Pestepidemie in Lausanne in seinem 1613 in Basel bei König erschienenen Buch New FeldtArtznyBuch Von Kranckheiten und schäden, so in Kriegen den Wundartzten gemeinlich fürfallen. Als, Heisser unnd Kalter brandt, Bräune, unmässiges Bluten auß der Nasen ... ; Item Ein Chirurgischer Reißkasten. Diese vierte Sammlung Observationum et curationum centuria tertia erschien 1614 im Oppenheimer Verlag Theodor de Bry Erben, gedruckt von Hieronymus Galler. Bemerkenswert ist die Widmung über dem Titel: Friedrich V., Comiti Palatino ad Rhenum. Kurfürst von der Pfalz war zu der Zeit eine Hoffnungsfigur der deutschen Protestanten. Vier Jahre später führte seine Krönung zum König von Böhmen zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und ließ ihn selbst als „Winterkönig“ traurige Berühmtheit erlangen.

Bern

Am 27. Februar 1615 unterschrieb Fabry den Vertrag, der ihn im Auftrag des Rates zum Stadtarzt von Bern machte.

In Basel erschien 1615 sein Buch Von geschossenen Wunden und derselben gründlichen Kuren und Heilung in deutscher Sprache. Von Bern aus war Fabry 1615–1619 in jedem Jahr auf Reisen. 1616 erschien bei Johann Theodor de Bry in Oppenheim Fabrys Buch De dysenteria, hoc est cruento alvi fluore liber unus (Dieses Buch über Ruhr beschreibt Ursachen blutiger Stuhlgänge).

Am sechsten April 1617 wurde Fabry in Bern Mitglied der Gesellschaft zu Schmieden.

Bei Johann Theodor de Bry in Oppenheim erschien 1617 sein Buch De gangraena et sphacelo tractatus methodicus, editio decima et ultima, omnium locupletissima (Eine methodische Abhandlung über Gangrän und Sphacelus, zehnte und letzte Auflage, die gehaltvollste von allen).

Bei einer Pockenepidemie in Basel starben 1618 mehr als 500 Kinder.

Ab 1618 war er auch Leibarzt des Markgrafen Georg Friedrich von Baden.

1619 erschien Fabrys Buch Observationum et curationum centuria quarta, accessit autors epistolarum ad arnicos, eorundemque adipsum centuria prima (Beobachtungen und Behandlungen Teil IV, und Briefe und eigene Aufzeichnungen des Verfassers) bei Johann Theodor de Bryin in Oppenheim.

Wilhelm Fabry aus Hilden

Das bekannte Ölbild Fabrys entstand um 1620. Es wird dem Maler Bartholomäus Sarburgh zugeschrieben.

Tätigkeiten eines Chirurgen, von J. Amman, circa 1565

1621 erschienen bei Abraham Werli in Bern Fabrys Bücher Spiegel des menschlichen Lebens und Geistliche Lieder und Gesang. Fabrys Frau Marie Colinet veröffentlichte die Erbauungsschrift Le petit recueil de la Saincte Scriture (Die kleine Sammlung der Heiligen Schrift). Fabry war 1622 monatelang am Oberrhein und in Hessen tätig.

In Bern erschien 1623 Fabrys Buch Christliche Abmahnung von der Trunckenheit und 1624 Fabrys Buch Anatomiae praestantia et utilitas, das ist kurze Beschreibung der Fürtrefflichkeit, Nutz und Nothwendigkeit der Anatomy und in Frankfurt am Main seine Schrift Christlicher Schlafftrunck.

Ein Porträt von Fabry eines anonymen Malers (Öl auf Holz, 64 × 50 cm) entstand mit der Aufschrift „Gulielmus Fabricius Hildanus 1624, aetatis 64“. Das verschollene Gemälde war 1910 im Besitz des Frauenarztes Dr. med. Großmann in Frankfurt am Main.

In dem an die Mitglieder des Rates gerichteten Werkes Anatomiae praestantia et utilitas (Die Vorzüge und der Nutzen der Anatomie) von 1624, mit dem er auf die Bedeutung der Förderung der Wissenschaft hinweisen wollte, bezog Fabry Stellung gegen die Folter.

Als im Juni 1626 in Bern eine Pockenepidemie ausbrach, starben viele Kinder.

1627 veröffentlichte Matthäus Merian in Frankfurt Fabrys Buch Observationum et curationum centuria quinta, epistolisvirorum doctorum, necnon instruments ab autore inventis illustrativ. (Beobachtungen und Behandlungsmethoden Teil V, Briefe tugendhafter Ärzte und vom Autor erfundene Instrumente, illustriert).

Fabry litt unter schmerzhaften Gichtanfällen, sodass 1627/28 die Gicht Fabrys linke Hand lähmte. Deshalb stellte Fabricius 1628 aus gesundheitlichen Gründen seine Reisetätigkeit gänzlich ein.

1628 erschien sein Schatzkämmerlein der Gesundheit, das im Gegensatz zu vielen anderen seiner Schriften nicht für Fachkollegen geschrieben war, sondern sich an alle richtete, denen an ihrer Gesundheit gelegen war.

Fabrys Sohn Peter (siebtes Kind (* 4. März 1605 in Payerne, † 1628 in den Niederlanden), der wie sein Vater Wundarzt war), starb 1628 in den Niederlanden. Vor 1634 starb auch Sibylle (viertes Kind, verheiratet mit Bolot) an der Roten Ruhr. Aus der Ehe sind ein Sohn und eine Tochter hervorgegangen. Der Chirurg Wilhelm Fabry verarbeitete Sibylles Todesursache und seine Beobachtungen über die ansteckende „Rote Ruhr“ in der Schrift Mit einer hefftigen Dysenteria nach Gottes Willen befallen.

Fabry war führender deutscher Chirurg seiner Zeit, weshalb er heute auch „Vater der deutschen Chirurgie“ genannt wird. Zu Lebzeiten forderte er umfassende Ausbildung in Botanik, Chemie und Anatomie und galt als von Humanität geprägter Arzt. Folter kritisierte er gegenüber Politikern als sinnlos.

Gulielmus Fabricius Hildanus (1633)

Tod

Wilhelm Fabry starb 1634 in Bern. Guilhelmus Fabricius Hildanus ist in Bern auf dem dortigen Ehrenfriedhof beerdigt.

Werk

Neurochirurgisches Instrumentarium zur Anhebung der Schädeldecke

Fabry verfasste etwa 20 medizinische Werke, darunter die Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuriae (1606–1641) (Beobachtungen und chirurgische Behandlungen I–VI.), eine Sammlung von über 600 Fallberichten, die zu seinen Lebzeiten in 100er-Lieferungen erschienen waren und insgesamt postum 1641 veröffentlicht wurden. Von den Vorarbeiten zeugen drei umfangreiche Manuskripte in der Burgerbibliothek Bern,

In der Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuriae sind auch etwa 450 teils mit Illustrationen versehene Briefabschriften enthalten. Dazu zählt die Schilderung einer Entfernung eines durch ein malignes Melanom zerstörten Auges eines Bürgermeisters und der Bericht über die von seiner Frau Marie Colinet 1624 erfundene Magnetextraktion metallischer Fremdkörper aus dem Auge.

In seinem Werk De Gangraena Et Sphacelo schlug er 1593 die Amputation von Gliedmaßen oberhalb der Verletzung vor. Der Klassifizierung von Verbrennungen widmete er sich in seinem Werk De Combustionibus von 1607.

Der auch als der „deutsche Ambroise Paré“ bezeichnete Chirurg, der sich zudem mit zahnärztlichen und kieferchirurgischen Fragestellungen befasste, beschreibt beispielsweise auch die Entfernung von Kiefergeschwülsten.

Er führte eine ausführliche Patientendatei und beschrieb die Wirkung von Salben auf die Blutstillung und Heilung. Er ließ die Patienten Diäten einhalten. Er führte Operationen und chirurgische Eingriffe wie z. B. Amputationen ohne Narkose durch.

Bei Schussverletzungen mit Bleikugeln führte er ein Doppelrohr in die Schusswunde ein. Mit dem äußeren Rohr stabilisierte er den Schusskanal. In dem zweiten Rohr erfasste er mit einer Spirale ähnlich einem Korkenzieher, die er in das Blei eindrehte, die Bleikugel und zog sie mit dem Innenrohr heraus. Diese frühe Anwendung eines minimalinvasive Eingriffs vermied das Aufschneiden des Gewebes und der späteren Wundbrandgefahr. Man konnte jetzt mit Alkohol desinfizieren und die Wunde verbinden – ohne Narkose.

Schriften von Fabricius Hildanus als Observationum

Schriften

Guilielmus Fabricius Hildanus, Observationum et Curationum Chirurgicarum Centuriae, 1641
Wilhelm Fabrys gesammelte Werke: Opera quae extant omnia .... Frankfurt 1646

Postmortale Veröffentlichungen

  • 1637 veröffentlichte Fabrys Sohn Johannes in Bern die Denksprüche, die anlässlich des Todes seines Vaters von dessen Freunden verfasst worden sind.
  • Von Marie Colinet erschien 1638 in Genf die theologische Schrift „Les Alphabetniveau et chrestien pur les eures apprentifs“ von Marie Colinet.
  • 1641 veröffentlichte Johann Anton Huguetan in Lyon Fabrys „Observationum et curationum chinırgicarum centuriae, nunc primum simuel in unum opus congestae“.
  • Johann Beyer in Frankfurt am Main gab 1646 die Gesamtausgabe „Opera omnia“ von Fabrys Werken, die auch 100 Briefe an seine Freunde enthält, heraus.
  • Ebenfalls bei Johann Beyer in Frankfurt am Main wurde 1652 die Gesamtausgabe von Fabrys Werken in der deutschen Übersetzung von Friedrich Greift: „Wund-Artzney, Gantzes Werck, und allerBücher. So viel deren vorhanden“ herausgegeben.
  • 1656 erschien bei Arnout Leers in Rotterdam das von Nicolaus Van Assendelft ins Holländische übersetzte Buch Fabrys „Aanmerkingen rakende de genees onde Heelkonst, bestande in ses deelen, yder del in Hondert Geschiedenissen“.
  • Und 1682 veröffentlichte Balthasar Christian Wust jun. In Frankfurt a. M. die lateinische Gesamtausgabe von Fabrys Werken.

Ehrungen

Montpellier

  • Im Anatomischen Museum der Universität Montpellier wurden 1825 zwei bronzierte Gipsbüsten von Fabry aufgestellt.

In Hilden

Hilden, Markt an der Mittelstraße mit Fabry-Büste
  • Anlässlich seines 350. Geburtstages beschloss der Rat im Jahr 1910 die Aufstellung eines Fabricius-Denkmals. Am 2. Juli 1911 enthüllte Bürgermeister Heitland in Hilden eine von Arnold Künne geschaffene, ein Meter hohe Bronzebüste. Nach mehreren Standortwechseln hat sie ihren Platz im Zentrum der Stadt, dem Markt an der Mittelstraße, gefunden.
  • In Hilden wurden nach Fabry die Fabriciusstraße, eine Apotheke und ein Restaurant mit Hotel benannt.
Hilden, Rathaus, Wilhelm Fabry
  • 1960 erfolgte die Umbenennung der städtischen Realschule in Hilden in „Wílhelm-Fabry-Realschule“. Heute unterrichtet in den Gebäuden, die nach Fabrys Frau benannte „Marie Collinet Sekundarschule“. Die dort gestandene von Hans Peter Feddersen geschaffene Bronzebüste steht heute im Eingangsbereich des Rathauses.
  • 1989 wurde feierlich das Wilhelm-Fabry-Museums in einer historischen Kornbrennerei in Hilden eröffnet. Dort werden unter anderem medizinische Werkzeuge und Fachliteratur aus der Zeit Wilhelm Fabrys ausgestellt.
Hilden, kurzgefasst, Wilhelm Fabry, von Christoph Gemeiner
  • Vor dem Hildener Bahnhof weist ein Pfad mit künstlerischen Schriftplatten auf Fabry hin.
  • Als Ehrengaben verleiht die Stadt Hilden den „Fabriciusteller“ und den „Stadtwappenschild mit Fabricius-Medaille“ in Gold beziehungsweise in Silber.
  • In Hilden wurde im Jahr 2010 aus Anlass von Fabrys 450. Geburtstag das Wilhelm-Fabry-Jahr mit Veranstaltungen und einem großen Umzug gefeiert.

In Bern

Bern Inselspital Haus Freiburgstrasse 41c

In Remscheid

  • Die Sana Fabricius-Klinik in Remscheid ist nach Wilhelm Fabry benannt. Die im Jahr 1899 von dem Augenarzt Romanus Johannes Schaefer (1866–1944) gegründete Klinik firmierte nach einem Standortwechsel ab 1. Mai 1900 als „Fabricius-Privatklinik für Augen-, Chirurgische und Frauenkrankheiten“.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Eike Pies: 'Wilhelm Fabry (1560-1634), Ein rheinisch-bergischer Chirurg von europäischer Bedeutung. Familienstiftung Pies Archiv, Dommershausen 2009, ISBN 978-3-928441-78-0, S. 1–68.
  2. 1 2 3 4 Tobias Dubke: Wilhelm Fabry zog von Hilden aus in die Welt. In: Rheinische Post. 12. März 2023, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  3. 1 2 Stefanie Schild: Wilhelm Fabry, Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie (1560-1634). In: Portal Rheinische Geschichte. LVR, 31. August 2016, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  4. ↑ Christophe Vuilleumier: Die berühmteste Hebamme der Schweiz Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 11. Februar 2025
  5. 1 2 Wilhelm Fabry: De Gangraena et Sphacelo Tractatus. In: Sammlung medizinhistorische Schriften und Bücher. museum-digital rheinland, Wilhelm-Fabry-Museum Hilden, 1592, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  6. ↑ Wilhelm Fabry: Observationum & Curationum Chirurgicarum Centuriam tertiam. In: museum-digital rheinland, Wilhelm-Fabry-Museum Hilden. Theodor de Bry Erben, Oppenheim, 1614, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  7. 1 2 3 Barbara I. Tshisuaka: Enzyklopädie Medizingeschichte. Hrsg.: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2007, ISBN 978-3-11-019703-7, S. 387.
  8. ↑ Cod. 495 im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern
  9. ↑ Cod. 496 im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern
  10. ↑ Cod. 497 im Online-Archivkatalog der Burgerbibliothek Bern
  11. ↑ Vgl. Wolfgang Seeger, Carl Ludwig Geletneky: Chirurgie des Nervensystems. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 229–262, hier: S. 242–244 (Die V. Observation oder Wahrnehmung).
  12. ↑ 5. Centurie, Observatio 21.
  13. ↑ Vgl. etwa Roger Naef: Fabricius Hildanus, 1560-1634: Sein Leben und seine zahnärztlichen Leistungen. Dissertation 1994.
  14. ↑ Ullrich Rainer Otte: Jakob Calmann Linderer (1771–1840). Ein Pionier der wissenschaftlichen Zahnmedizin. Medizinische Dissertation, Würzburg 2002, S. 18.
  15. ↑ Insel Gruppe AG: Insel Gruppe ehrt historische Berner Persönlichkeiten mit Gebäudebezeichnungen. 28. März 2022, abgerufen am 20. April 2022.
  16. ↑ Entwicklung der Fabricius-Klinik. (Memento vom 11. April 2016 im Internet Archive; PDF; 1,3 MB) In: Arenberger Dominikanerinnen Fabricius-Klinik Remscheid GmbH (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Arenberger Dominikanerinnen in der Fabricius-Klinik, Remscheid 2004, S. 18.
  17. ↑ Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. Band 75, 1958, S. 17.
Commons: Wilhelm Fabry – Sammlung von Bildern