Wilhelm Walgenbach (* 1939 in Rheine) ist ein deutscher Bildungswissenschaftler, Pädagoge und Hochschullehrer.
Walgenbach studierte an der Universität Münster und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Erziehungswissenschaften, Publizistik, Soziologie, Musikwissenschaft und habilitierte in Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg. Parallel dazu wurde er an der Westfälischen Schule für Musik zum Orchestermusiker ausgebildet.
Walgenbach war als Lehrer an diversen Schulen tätig. Von 1976 bis 2005 war er Wissenschaftlicher Oberrat am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik. 1989 war er dort Initiator von „Interdisciplinary Self-System Design – Interdiziplinäre Sytem-Bildung (INSYDE)“, einem Verbund, der sich der Bildung mit systemischen Ansätzen aus einem theoretischen sowie einem künstlerischen Ansatz widmen sollte. Der Verbund organisierte Projekte zum Thema Bildung, unter anderem zum Thema Ökologie. Das Projekt Neue Medien im Freiwilligen ökologischen Jahr wurde im Rahmen der Weltdekade von der UNESCO als offizielles Projekt ausgezeichnet.
Nach 1989 verbrachte Walgenbach mehrere Forschungsaufenthalte in Brasilien. Von 1975 bis 1978 arbeitete er dort im Rahmen einer Gastprofessur am Aufbau eines Postgraduierten-Studiengangs zur Umwelterziehung an der Universidade Federal do Rio Grande RS (FURG). Später hatte er dort zeitweise eine Gastprofessur im Rahmen einer Herder-Dozentur der Herder-Stiftungsinitiative inne. 1998 bis 2015 war er außerdem Privatdozent an der Universität Hamburg.
Walgenbach gilt als ein Vertreter einer bildungswissenschaftlichen Tätigkeitstheorie. In der Tradition des Bildungsbegriffs von Wilhelm von Humboldt beschäftigt sich Walgenbach mit dem Problem, wie Menschen zu Selbstständigkeit erzogen werden können. Mittel, um auf das pädagogische Paradox einzugehen, sind die „epistemischen Heurismen“. Diese sollen Selbsttätigkeit auslösen und darüber schließlich „Systembildung“ bewirken. Systembildung bezeichnet dabei Bildung als systembildende Selbsttätigkeit.
Ein zentrales Element seines Ansatzes sind heuristische Mittel, die die Selbsttätigkeit und Selbstreflexion anregen sollen. Dies soll vor allem durch um gegensätzliche Begriffspaare wie Inhaltliches/Formelles, Empirisch/Theoretisches, Materiell/Ideeles geschehen über dessen Widerspruch der Lernende reflektieren soll. Die theoretischen Ideen wurden anhand mehrerer Projekte praktisch umgesetzt. Ein thematischer Schwerpunkt war das Wasser. 1979 organisierte Walgenbach die Ausstellung Strömungsbilder zwischen Kunst und Computer im Rahmen eines INSEA-Kongresses, die zwischen Kunst und Wissenschaft angesiedelt war, das Projekt wurde zuvor auch an einigen Schulen in Brasilien durchgeführt. 1987 wurde ein entsprechendes Projekt bei der Kieler Woche durchgeführt.
Außerdem arbeitete er mit Künstlern wie dem Computerkünstler André Petry de Abreu und der Hamburger Künstlerin Judith Walgenbach zusammen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Walgenbach, Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildungswissenschaftler, Pädagoge und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 1939 |
| GEBURTSORT | Rheine |