Willem Key

Willem Key, Stich von Jan Wierix aus dem Jahr 1572, Rijksmuseum Amsterdam (RP-P-OB-67.055).

Willem Key, auch Willem Adriaensz. Key, Willem Keij, latinisiert Guilielmo Caio (* um 1515/1516 in Breda; † 5. Juni 1568 in Antwerpen) war ein niederländischer Maler der Renaissance, der vor allem für seine Porträts und religiösen Historienbilder bekannt war.

Werdegang und Werk

Willem Keys Vater Adriaen Key war Goldschmied. Er absolvierte seine künstlerische Ausbildung zunächst bei Pieter Coecke van Aelst in Antwerpen und lernte danach gemeinsam mit Frans Floris bei Lambert Lombard in Lüttich. Im Jahr 1542 wurde Key als Meister in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen. Zehn Jahre später, im Jahr 1552, stieg er zum Dekan der Gilde auf. Zeitgenössische Quellen beschreiben ihn als geschäftlich sehr erfolgreich. So belegen Aufzeichnungen, dass er ein großes Haus im Zentrum von Antwerpen nahe der Börse bewohnte. Key war mit Johanna Reyns verheiratet. Nach seinem Tod heiratete sie erneut, diesmal Maarten Peeters II., den Sohn des Malers, Grafikers und Druckers Maarten Peeters. Keys Tochter Susanna heiratete den Maler Huybrecht Beuckeleer, wahrscheinlich Bruder von Joachim Beuckelaer. Adriaen Thomasz Key war sein Schüler und wahrscheinlich auch ein entfernter Verwandter.

Zu Keys Auftraggebern zählten das Antwerpener Patriziat sowie die humanistische und habsburgische Elite. Der Kunsthistoriker Koenraad Jonckheere charakterisiert Key in seiner Key-Biografie als Prototyp eines humanistischen Malers, der sich durch eine intellektuelle Herangehensweise an seine Motive auszeichnete. Seine humanistische Bildung zeigt Key unter anderem in der optischen Behandlung seiner Bildinhalte. So versucht er nach dem aktuellen Wissenstand auch seine religiösen Bilder etwa der antiken Mode anzupassen. Bei seinen alttestamentalischen wie auch seinen mythologischen Bildern greift er die antiquarischen Erkenntnisse seiner Zeit auf und versetzt die Figuren nicht wie frühere Maler in eine modernisierte Welt mit den damals gerade zeitgenössischen Ausstattungen und Bekleidungen. Seine religiösen Werke zeichneten sich durch die klassizistische Einbindung von Stiftern in sakrale Erzählungen aus. Der flämische Biograf Karel van Mander rühmte Key 1604 in seinem Schilder-boeck für dessen „edlen Geist“, und der Dichter Domenicus Lampsonius bescheinigte ihm 1572 in seinem Kanon berühmter Maler die docta manus (gelehrte Hand). Andererseits werden seine Werke auch als schmeichelhafte Porträts und theatralisch inszenierten Gruppenbildnissen kritisiert. Obwohl Key zu den führenden Porträtisten seiner Zeit zählte, stand er in der kunsthistorischen Wahrnehmung oft im Schatten von Zeitgenossen wie Anthonis Mor oder Frans Floris. Viele seiner zumeist unsignierten Werke wurden auch zunächst Mor zugeschrieben. Lucas de Heere verfasste über eines der Werke Keys, das er in Antwerpen gesehen hatte, ein Sonett in französischer Sprache. Der italienische Wachsbossierer Alessandro Abondio schuf nach dem Vorbild einer Pietà Keys 1632 ein Wachsrelief, das heute im Bayerischen Nationalmuseum (91/29) aufbewahrt wird.

William Key malt das Porträt des Herzogs von Alba, während dieser die Enthauptung der Grafen von Egmont und Hoorne anordnet. Historiengemälde von aus dem Jahr 1880 von Gustave Vanaise. Öl auf Leinwand, Privatsammlung.

Van Mander überlieferte die Anekdote, Key habe während der Arbeit an einem von mehreren Porträts des Herzogs von Alba vorgegeben, er verstehe keine fremden Sprachen. Auf diese Weise habe er von der Einsetzung des von den Niederländern so bezeichneten „Blutrats“, insbsondere gegen Graf von Egmond und Graf von Hoorn erfahren. Als diese Männer am 5. Juni 1568 auf dem Hauptplatz in Brüssel hingerichtet wurden, sei Key aus Erschütterung noch am selben Tag in Antwerpen verstorben. Die Grausamkeit des Herzogs hatte ihn krank gemacht. Diese Erzählung wurde weithin als wahr akzeptiert, doch van Mander äußerte Zweifel daran und vermutete, dass Key bereits einige Tage zuvor gestorben sei. Fakt ist indes, dass viele von Keys Werken im Zuge des Calvinistischen Bildersturms im Jahr 1566 zerstört wurden. Karel van Mander erwähnt in diesem Zusammenhang mehrere größere Werke Keys. Insbesondere nennt er ein vernichtetes Gruppenporträt von Marktverkäufern, das sich an einem Altar der Liebfrauenkirche in Antwerpen befand. Dies könnte darauf hindeuten, dass sein in Dordrecht befindliches Gemälde des Letzten Abendmahls auf einem anderen seiner zeitgenössischen Gruppenporträt von Korbflechtern und Fassbindern basiert. Das Werk wurde für den Altar des heiligen Johannes des Evangelisten in der Grote Kerk in Dordrecht in Auftrag gegeben. Der heilige Johannes war zu jener Zeit um 1560 der Schutzpatron der Fassbinder. Es ist noch mit dem Originalrahmen erhalten, auf dem in lateinischer Sprache Lukas 22,21-23 zitiert wird. Eines der wenigen erhaltenen und zugleich signiertes Werk Keys ist die Beweinung Christi mit Stiftern aus dem Jahr 1553, die sich heute als Leihgabe im Museum M in Löwen befindet.


Quellen

Neben den über die beim RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis erschlossene Dokumentation der Gildebucheinträge und Bürgerrechte in Antwerpen sind die wichtigsten zeitgenössischen Quellen:

Literatur

Commons: Willem Key – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. ↑ Willem Key — Biografie und dokumentierte Auktionen | SwissArtGallery. 23. Oktober 2026, abgerufen am 5. November 2026.
  2. ↑ Key, Willem, c.1520–1568 | Art UK. Archiviert vom Original am 21. Dezember 2024; abgerufen am 5. November 2026 (englisch).
  3. ↑ Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland Carboniers, Eleonore, 2014
  4. ↑ Pietà (Relief). Abgerufen am 5. November 2026.
  5. ↑ Ritratto di dama (attribuito) | Musei di Genova. Abgerufen am 5. November 2026.
  6. ↑ Willem Key. Abgerufen am 5. November 2026 (englisch).
  7. ↑ Allegorische Frauengestalt. Abgerufen am 5. November 2026.
  8. ↑ Koenraad Jonckheere: Willem Key (1516-1568). Portrait of a Humanist Painter, Turnhout (Brepols Publishers) 2011 - Intro. (academia.edu).
  9. ↑ Willem Key and Adriaen Thomasz. Key: Fresh Perspectives on Their Oeuvres (Pictura Nova: Studies in 16th- and 17th-Century Flemish Painting and Drawing, XXVIII). In: Historians of Netherlandish Art Reviews. Abgerufen am 5. November 2026 (amerikanisches Englisch).