Willy Langenberg

Willy Langenberg (* 1910 in Lemgo; † 31. März 1944 in Barntrup) war ein lippischer Arbeitersportler, Kommunist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben

Willy Langenberg wurde als Sohn eines Installateurs und einer Hausgehilfin in Lemgo geboren. Die achtköpfige Arbeiterfamilie war von Armut und Arbeitslosigkeit bedroht. Nach dem Besuch der Volksschule begann Langenberg eine Lehre in einer Schneiderei, die er abbrechen musste, weil der Betrieb 1927 in Konkurs ging. Langenberg arbeitete seitdem als Hilfsarbeiter und unterstützte seine Familie. Er war Mitglied der Turnerriege und der Handballmannschaft des Rotsportvereins TV Fichte Lemgo, Vereinen des Arbeitersports. Um 1930 wurde er Mitglied des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands (KJVD) und der Roten Hilfe. Wegen einer Schlägerei mit Nazis stand der damals 20-Jährige 1930 erstmals vor Gericht. Er hatte einem lokalen NSDAP-Funktionär das Parteiabzeichen von der Jacke gerissen. 1932 wurde er wegen Landfriedensbruchs verurteilt, nachdem er eine Hakenkreuzfahne von einem Fabrikschornstein geholt und in eine Schlägerei mit SA-Männern verwickelt worden war. Juli 1932 feuerten Willy Langenberg und ein weiterer Kommunist, Eduard Menze, aus einem fahrenden Auto Warnschüsse in die Luft auf sie verfolgende SS-Leute ab. Beide wurden verhaftet, doch Langenberg konnte aus dem Untersuchungsgefängnis Detmold fliehen. Menze wurde vom Landgericht nicht, wie beantragt, wegen versuchten Mordes, sondern wegen illegalem Schusswaffenbesitz und Waffenmissbrauch zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Langenberg verbrachte mehrere Monate in der Illegalität in Bielefeld, bis eine Amnestie im Dezember 1932 ihm die Rückkehr nach Lemgo erlaubte. Nach einer Schlägerei mit Nazis während des Lippischen Landtagswahlkampfes im Januar 1933 wurde er erneut verhaftet, in Schutzhaft genommen und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, die er bis Oktober 1933 absaß.

Langenberg, der vielfältige soziale Kontakte in Lemgo und Umgebung hatte, beteiligte sich Ende 1933 und im Frühjahr 1934 an dem Versuch der KPD in Lippe, in der Bevölkerung Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime zu organisieren. Die Kommunisten schafften es, in Schötmar eine zweite Parteizelle zu gründen, doch September 1934 wurden alle Aktivisten von der Gestapo verhaftet, Langenberg am 24. September. Am 9. April 1935 wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren und sechs Monaten Zuchthaus verurteilt, die er bis März 1939 absaß.

Er fand eine Stelle in einer Schneiderei, und Mitte 1939 verlobte er sich mit seiner Freundin Anneliese Ilert. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion Juni 1941 begann Langenberg erneut damit, Widerstandsaktionen zu organisieren. Einige davon waren spektakulär und erregten in Lippe erhebliches Aufsehen. Langenberg wurde wegen einer regimekritischen Äußerung denunziert und entzog sich durch Flucht der Verhaftung. Danach lebte er in der Illegalität, verkleidete sich dabei oft als Frau oder als Soldat, trug selbst geschneiderte Uniformen, um sich zu tarnen. Er fand über seine sozialen Kontakte zahlreiche Unterstützer. Anfang 1942 führte er zusammen mit Fritz Dröge (jun.) und Erich Böckhaus die ersten gezielten Widerstandsaktionen aus: In der Nacht zum 3. Januar 1942 wurden rund 60 Klebezettel an Geschäftstüren und -schaufenstern in Lemgo angebracht mit den Aufschriften: "1941 wird uns den Endsieg bringen. Adolf Hitler, der Mörder unserer Söhne" oder: "Deutschland erwache! Willst Du Frieden, kämpfe gegen Adolf Hitler". Andere Zettel trugen die Aufschrift "Volk im Dreck, Bonzen im Speck". In der Nacht zum 20. April 1942 planten die drei, einen Militärzug zum Entgleisen zu bringen, der nach Lemgo fuhr; das misslang ihnen. Dröge und Böckhaus wurden jedoch alsbald zum Wehrdienst eingezogen. Oktober 1942 zündete Langenberg die Feldscheune eines Gutsbesitzers in Asemissen (Kreis Lemgo) an, wobei über 2000 Zentner frisch geerntetes Getreide und mehrere landwirtschaftliche Maschinen verbrannten. Mitte Januar 1943 versuchte er, eine Veranstaltung mit dem damaligen Reichsinnenminister Wilhelm Frick in Lemgo mit einer telefonischen Bombendrohung und einer Unterbrechung der Stromzufuhr zu stören. Ende 1942 wurde in Lemgo eine Wehrmachtseinheit einquartiert. Über seine Freundin bekam Langenberg Kontakt zu dem Soldaten Christian Bausch. Langenberg und Bausch hörten gemeinsam die Sender der Alliierten ab, um sich über die Kriegslage zu informieren. Januar 1944 entwendeten sie aus einem Schulgebäude fünf Wehrmachtspistolen und Munition. Als die Wehrmachtseinheit an die Front kommandiert wurde, desertierte Bausch und versteckte sich zusammen mit Langenberg in einem Steinbruch in Barntrup. Anneliese Ilert, Langenbergs Verlobte, wurde Februar 1944 verhaftet und in das Bielefelder Gestapogefängnis in der Turnerstraße gebracht. Langenberg und Bausch, beide in Wehrmachtsuniform, organisierten drei Fahrräder, fuhren zu zweit mit drei Fahrrädern über dreißig Kilometer nach Bielefeld und befreiten sie in der Nacht vom 17. auf den 18. März 1944 in einer spektakulären Aktion. Das wurde in Lemgo Stadtgespräch. Die Gestapo fahndete mit vielen Leuten nach den Lemgoer Rebellen. Bausch wurde in einer Gartenhütte entdeckt und erschoss sich, als die Gestapo zugreifen wollte. Langenberg und seine Freundin wurden ebenfalls entdeckt und eingekreist. Sie wurde von Polizeikugeln getroffen und ließ sich von Willy Langenberg erschießen, er selbst konnte dank seiner Soldatenuniform im Feuergefecht mit der Gestapo trotz einer Schussverletzung entkommen. Am 31. März wurde Langenberg in seinem Versteck in einem Steinbruch in Barntrup eingekreist, erschoss einen Polizisten und dann sich selbst.

Ehrungen

Anfang 2010 wurde am Friedhof Brake in Lemgo, wo Willy Langenberg begraben wurde, eine Gedenktafel aufgehängt.

Zum 100. Geburtstag Willy Langenbergs im Dezember 2010 fand in Lemgo eine Podiumsdiskussion statt, an der mehrere Lemgoer Museumsleiter teilnahmen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Karlheinz Seiler und Heiner Hausdorf: "Mit proletarischem Gruß - Willy Langenberg - Rot Front". In: Salzekurier (Archivlink). 8. Juni 2011, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  2. ↑ Gedenktafel für Willy Langenberg – ein guter Auftakt für das Gedenkjahr. In: Bündnis 90/Die Grünen Lemgo. 19. Februar 2010, abgerufen am 3. Oktober 2026.
  3. ↑ 100. Geburtstag von Willy Langenberg. In: Lippische Landeszeitung. 10. Dezember 2010, abgerufen am 3. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Langenberg, Willy
KURZBESCHREIBUNG lippischer Arbeitersportler, Kommunist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
GEBURTSDATUM 1910
GEBURTSORT Lemgo
STERBEDATUM 31. März 1944
STERBEORT Barntrup