Linder wuchs in St. Gallen auf. Dort besuchte er die Kantonsschule am Burggraben und schloss mit der Matura Typ B 1963 ab.
Anschliessend folgten dank eines Stipendiums Studien der englischen Literatur und der Politischen Wissenschaft am Hamilton College in Clinton (Oneida County, New York). Zurück in der Schweiz studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Zürich und schloss 1968 mit dem entsprechenden Lizenziat ab. Nach praktischer juristischer Tätigkeit machte er ein Zweitstudium in Politikwissenschaft an der Universität Konstanz. Seine Dissertation zur kommunalen Verkehrs- und Entwicklungspolitik schloss er 1973 ab. Dann wurde Linder wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter am Institut für Orts-, Regional- und Landesplanung der ETH Zürich. Er konnte dort eine politikwissenschaftliche Arbeitsgruppe zur Forschung und Lehre der politischen Planung aufbauen. Ab 1982 war er Ordentlicher Professor am Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP=Institut de hautes études en administration publique) in Lausanne. Seine Berufung als Ordentlicher Professor an die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Bern erfolgte 1987. Dort wurde er Direktor des Forschungszentrums für schweizerische Politik.
Neben seiner Lehre und Forschung zur schweizerischen Politik beriet er Behörden und war als Experte für Demokratisierungsfragen in Ländern der Dritten Welt tätig. Er wurde 2009 emeritiert.
Linder tritt weiterhin mit Beiträgen zu politischen Themen an die Öffentlichkeit. So setzte er sich für die Neutralitätsinitiative in der Schweiz ein und war Redner an der «Kundgebung für Neutralität und Frieden» am 28.August 2026 auf dem Bundesplatz in Bern. Ebenfalls im August 2026 kritisierten Linder, Leo Keller und Pascal Lottaz in einem offenen Brief als «aktive SP-Mitglieder» die Argumentation der SP-Führung zur Neutralitätsinitiative. In einem Gastbeitrag in der NZZ plädierte er für eine Schweizer Aussenpolitik, die sich an den Rechtsgrundsätzen der Charta der Vereinten Nationen orientiere.
Weitere Tätigkeiten
1974 bis 1982: Mitglied des Grossen Rates des Kantons Thurgau (SP-Fraktion)
1976 bis 1995: Vorstandsmitglied der Schweizerischen Vereinigung für Politische Wissenschaft
1995 bis 2000: Vorstandsmitglied der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
ab 1998: Experte für Entwicklungszusammenarbeit, Dezentralisierung und Föderalisierung (DEZA, EDA, Helvetas)
1999 bis 2008: Mitglied des Forschungsrates des Schweizerischen Nationalfonds
mit Sean Mueller: Schweizerische Demokratie. Haupt Verlag, Bern, 4. Auflage 2017, ISBN 978-3-258-07757-4.
Eine Übersicht weiterer Publikationen findet sich auf der persönlichen Website von Linder.
Literatur
Adrian Vatter et al. (Hrsg.): Demokratie als Leidenschaft: Festschrift für Prof. Dr. Linder zum 65. Geburtstag. Haupt Verlag, Bern 2009. ISBN 978-3-258-07504-4.
↑Wolf Linder: Doppeltes Mehr bei Volksabstimmungen – für einen fairen Ausgleich zwischen Demokratie und Föderalismus. In: NZZ, 8. Dezember 2020, (online (Abo), abgerufen am 17. Mai 2023).