Wolfgang Essen

Wolfgang Rudolf Alfred Essen (* 27. Mai 1903 in Deutsch Wartenberg, Provinz Schlesien; † 1965) war ein deutscher Beamter und Kaufmann.

Leben

Wolfgang Rudolf Alfred Essen wurde am 27. Mai 1903 als Sohn des Pfarrers Adolf Essen und der Maria Elisabeth Pätzold in Deutsch Wartenberg geboren. Er war ein Bruder des Pfarrers Kurt Essen, eines Mitglieds der Bekennenden Kirche, und des Geographen Werner Essen.

Er absolvierte ein Studium zum Diplomlandwirt in Göttingen, Bonn und Berlin. Von 1928 bis 1934 war er Geschaftsführer des Deutschen Weizenverbandes. Ab 1933 machte er durch enge Kontakte zum Reichsstatthalter Karl Kaufmann Karriere in der Hamburger Verwaltung. Von 1934 bis 1942 war er in Hamburg Senatssyndicus, Sonderbeauftragter für Wirtschaftsförderung und Vierjahresplan und Beauftragter des Reichsstatthalters und Gauleiters der NSDAP für Hamburg in Berlin. Unter anderem war er zuständig für die „Entjudung“ der Hamburger Wirtschaft. Zudem war er Mitglied des Aufsichtsrats diverser Unternehmen. Er war bereits 1923 Mitglied der NSDAP gewesen, beantragte am 12. Mai 1937 erneut die Aufnahme in die Partei und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.582.693).

Essen organisierte 1941 den Zusammenschluss der deutschen Konsumgenossenschaften und wurde Vorstandsvorsitzender der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine. Außerdem war er Vorstandsvorsitzender des Arbeitsausschusses zur Förderung der Hamburger Wirtschaft in Böhmen und Mähren.

Von 1940 bis 1941 war Essen Oberkriegsverwaltungsrat in Antwerpen und Wirtschaftsbeauftragter der Stadt. Von 1942 bis 1944 war Bevollmächtigter des Reichskommissars für die Seeschifffahrt im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Ab 1942 war er tätig für den Sicherheitsdienst des Reichsführers SS und das Sonderkommando der Waffen-SS. Er wurde 1947 aus dem Internierungslager Neuengamme entlassen.

Geschäftliche Aktivitäten

In der Nachkriegszeit gründete er in Hamburg ein Finanzierungsinstitut und betätigte sich in der Finanzierung des Wohnungsbaus, unter anderem für die Neue Heimat. Er zählte zu den bedeutendsten deutschen Finanzmaklern. Dabei nutzte er ein Schlupfloch in § 7c des Einkommensteuergesetzes, um Unternehmen zusätzliche Liquidität zu sichern. Auf diese Weise rettete er die Neue Heimat vor dem Ruin. Um auch Privatinvestoren die Nutzung dieses Schlupflochs zu ermöglichen, gründetete er 1957 die Hansa Sachwert-Anlagen-Gesellschaft. Dazu hatte er eine Form des Investmentsparens entwickelt, mit der die Investoren nicht Anteilscheine an Aktiengesellschaften erwarben, sondern Zertifikate, die ein unmittelbares Miteigentum an Gebäuden, Schiffen oder Gewerbebetrieben sichern.

In den 1950er Jahren investierte er in das Raketenprojekt MBB COBRA von Ludwig Bölkow.

Deutsche Stiftung Musikleben

Im Jahr 1962 gründete er zusammen mit dem Hamburger Musikverleger Hans C. Sikorski die Deutsche Stiftung Musikleben. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte er den Politiker Max Winkler, über den er vermutlich Hans C. Sikorski, seinen Partner bei der Gründung der Deutschen Stiftung Musikleben kennenlernte.

Klopstock-Stiftung

Essen gründete 1953 eine Klopstock-Stiftung, mit der er zunächst Arbeiten des konservativen Theologen Paul Schütz unterstützen wollte. Paul Schütz wirkte auch im Kuratorium der Stiftung. Klopstock wurde als Namensgeber gewählt, weil er „unter Überwindung der erstarrten Aufklärung […] einer neuen Epoche den Weg freigemacht“ habe. Gefördert werden sollten Arbeiten, die „die Frage nach dem gemeinsamen Wahrheitsgrund aller Religionen“ stellen, und dazu beitragen, Lösungsversuche zu gewinnen „aus der Substanz des europäischen Erbes“, dessen „Unersetzlichkeit den geistig verantwortlichen Menschen Europas eine Verpflichtung von höchstem Rang auferlegt“.

Die Stiftung setzte zwischen 1953 und 1983 ca. 800.000 DM für die Förderung religionswissenschaftliche Publikationen ein. Gefördert wurde u. a. seit 1957 die Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Susanne Heim: Deutsches Reich 1938 – August 1939. Band 2, 2011, S. 127.
  2. 1 2 Erich Stockhorst: Essen, Wolfgang. In: Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. 1967, S. 206.
  3. ↑ Standesamt Deutsch Wartenberg, Geburtenregister 1903, Nr. 19 (ancestry.com).
  4. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/8110734
  5. ↑ Meike G. Werner, Rainer Hering: Katakombenzeit. Hrsg.: Ekkehard Nümann. Wallstein Verlag, 2025, S. 97.
  6. 1 2 Horst Kahrs: Modelle für ein deutsches Europa. Rotbuch Verlag, 1992, S. 193 f.
  7. ↑ Claudia Kemper, Hannah Rentschler: Handlungsspielräume und Verantwortlichkeiten der Handelskammer Hamburg während der NS-Zeit. 2023, S. 156 f.
  8. ↑ Angelika Ebbinghaus: Kein abgeschlossenes Kapitel: Hamburg im 3. Reich. Europäische Verlagsanstalt, 1997, S. 72.
  9. ↑ Legale Steuerflucht. In: Der Spiegel. 23. Juli 1957, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. Mai 2026]).
  10. ↑ Die Bauland-Fresser. In: Der Spiegel. 3. März 1959, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 2. Mai 2026]).
  11. ↑ Peter Kramper: Neue Heimat: Unternehmenspolitik und Unternehmensentwicklung im gewerkschaftlichen Wohnungs- und Städtebau 1950–1982. Franz Steiner Verlag, 2008, S. 116 ff.
  12. ↑ Johannes Weyer: Akteurstrategien und strukturelle Eigendynamiken Raumfahrt in Westdeutschland 1945-1965. Otto Schwarz, Göttingen, 1993. ISBN 3-509-01604-1, S. 192
  13. ↑ Die Klopstock-Stiftung. Hg. aus Anlaß der Eröffnung in Hamburg am 27. Mai 1953. Hamburg 1953, 4f und 8f., hier zit. nach: Rainer Hering Liturgische Form. Die Liturgische Bewegung in den evangelischen Kirchen und strukturelle Eigendynamiken Raumfahrt in Westdeutschland 1945-1965. in: August H. Leugers-Scherzberg Lucia Scherzberg (Hg.) Diskurse über „Form“, „Gestalt“ und „Stil“ in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, Saarbrücken universaar 2017 S. 283.
  14. ↑ Gerd-Wolfgang Essen: Rückblick auf 30 Jahre Arbeit der Klopstock-Stiftung. Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte Vol. 36, No. 2 (1984), S. 97–100.
Personendaten
NAME Essen, Wolfgang
ALTERNATIVNAMEN Essen, Wolfgang Rudolf Alfred (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Beamter und Kaufmann
GEBURTSDATUM 27. Mai 1903
GEBURTSORT Deutsch Wartenberg, Provinz Schlesien
STERBEDATUM 1965